!!!Florianiplatz: Wahrnehmungserfahrungen
!!(Das Spiel der Formen und Farben)
von __[Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]__\\
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Ich bin so frei, die Umbauarbeiten, durch welche Florianiplatz verändert wird, nicht nur im Zusammenhang mit meiner Alltagsbewältigung zu sehen. Man muß freilich recht wach bleiben, wenn man den Platz wo auch immer überqueren will. Es ist ja stets nur an anderen Stellen möglich. Dazu kommen all die Unebenheiten des Bodens.
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Das gehen auf Schüttgut ist ein vorzügliches Aufmerksamkeitstraining. Ich bin zwar schon gestrauchelt, aber noch nicht gestürzt. Eben! Nun also aufmerksamer. Dazu kommen inzwischen neue Gehsteigkanten, aufragende Kanaldeckel, gelegentlich sehr große Pflastersteine. Nein, ich beschwere mich nicht.
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Ich bestaune diesen Prozeß, der mir laufend neue und interessante Details bietet. Farben, Formen, Abläufe… Ich bestaune auch die Leute, von denen diese Jobs erledigt werden. Es amüsiert mich, wenn unverdrossene Autofahrer in die Baustelle reinrollen, bis sie merken, daß sie in keine andere Richtung wieder rauskommen; außer im Retourgang. Na klar, der Komfort macht mitten in Gleisdorf gerade Pause.
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Ich verstehe auch, daß kaum jemand zehn Minuten früher als sonst aus dem Haus gehen kann, um mit diesen Ungelegenheiten zurechtzukommen. Zehn Minuten vom Rest meines Lebens, ich weiß ganz genau, wie sich das anfühlt. Da sollte man nicht verschwenderisch sein. Oder? (Von meinem Leben ist ja nicht übermäßig viel übrig.) Sie merken, ich scherze.
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Für mich ist diese Baustelle also nicht bloß Strapaze für Augenblicke, sondern auch ein Geschenk. Sie bietet mir schon geraume Zeit eine Fülle an Wahrnehmungserfahrungen. Für mein Haltung hab ich gelegentlich tadelnde Worte zugestellt bekommen. Dabei blieb unbeachtet, daß ich einer der wenigen privaten Anrainer des Florianiplatz bin. (Das Gros der Häuser sind Betriebsstätten und Leerstände.) Ich lebe seit vielen Jahren permanent mit Baumaschinenlärm, der gelegentlich mein Büro vibrieren läßt. (Ich gebe bei Bedarf gerne einen kleinen Überblick der Punkte, an denen bisher gebaggert wurde.)
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Das sind eben Bedingungen und Gegebenheiten in Stadtzentren. Die Oststeiermark bietet im Kontrast dazu auch sehr entlegene und entsprechend ruhige Wohnmöglichkeiten. Wer das bevorzugt, muß Urbanes meiden und Wegstrecken in Kauf nehmen. Am besten hat es natürlich ein Fürst mit Landhaus, das von einem großen Park umgeben ist, dessen mächtiger Zaun alles Unerfreuliche fern hält.
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Und ein Rudel an Dienstboten widmet sich den Ungelegenheiten, so daß man selbst fürstlich… Na, was auch immer. Ich aber, Nachkomme von Untertanen, genieße einen Lebensstandard, von dem mein Opa Richard nicht einmal geträumt hat. Und ich nicke manchmal den Hacklern, die diese Baustellen-Jobs machen, dankbar zu, bin froh, daß ich sowas nicht schaffen muß.
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