[{Image src='gezeiten003a.jpg' align='right' width='500' caption='Petra Schwarz und ein Roush Mustang.' height='375'}]
!!!Das Obsessive
!!(Gezeiten: Über Kontraste und Devianz)
von __[Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]__\\
Unser Projekt „Gezeiten“ (Ufer und Uferlosigkeit) handelt ausdrücklich vom Obsessiven in der Kunst und in anderen Positionen. Es gibt sehr verschiedene Gründe, diesem Thema nachzugehen. Die Beachtung von Ingeborg Bachmann, deren 100. Geburtstag heuer gefeiert wird, ist nun einer davon.
Ich lebe seit rund 50 Jahren in der Kunst und weiß, daß ich für kein anderes Metier auf solche Art zu brauchen wäre. Doch ich halte gar nichts von den kleinbürgerlichen Flausen, in denen heute noch eine Front zwischen Bohemien und Bourgeois inszeniert wird. (Das sind bloß Spießer-Phantasien.)
Das Obsessive kenne ich als etwas Unerbittliches; an mit und an anderen. Sowas wird landläufig auch ganz gerne mit Anpassungsfragen assoziiert. Ich höre etwas aus meinem Umfeld, daß manche Menschen der Auffassung sind: „Krusche? Bloß nicht anstreifen!“ (Sie ahnen gewiß, damit kann ich leben.)
Aus Debatten zur Devianztheorie haben wir die Anregung zu verstehen, wie „abweichendes Verhalten“ vor allem durch die Reaktionen der Umgebung konstituiert wird. Das meint, wenn mein Verhalten von anderen Menschen als unpassend abgelehnt wird, entsteht dadurch die Vorstellung, daß es abweichend sei. Ohne diese Ablehnung keine Devianz.
!Akzeptanzfragen
Wenn Sie diesen Gedanken nun auf verschiedene Versionen verhaltensorigineller Menschen umlegen, wird deutlich, welches Gewicht auf den Dimensionen von Akzeptanz liegt. Das findet ja auch im Zusammenhang der Unterschiede zwischen hier einem rigiden und da einem offenen Denken statt. Ein Unterschied, von dem wir heute wissen, daß er sich sogar physiologisch manifestiert, also in den Gehirnen darstellt. (So etwa aus der Forschungsarbeit von Neurologin Leor Zmigrod abgeleitet.)
Aus meinen Gesprächen mit Künstler Heinz Payer, der sein Brot Jahrzehnte als Psychologe verdient hat, ist mir vor allem im Fokus geblieben, wie sehr Zuschreibungen eine Strategie sind, um das Verhalten anderer zu sortiere und zu regeln, weshalb wir uns vor allem vor Pathologisierungen hüten sollen.
[{Image src='gezeiten003b.jpg' align='right' width='500' caption='Johannes Rubey und der Jazz.' height='375'}]
!Ursache oder Ausdruck?
Wie ich es verstanden hab, so manches menschliche Verhalten, das eventuell als Ausdruck von Krankheit gedeutet wird, ist Ausdruck der Reaktion auf eine Belastung. Das hieße: Entfällt die Belastung, verschwindet das deviante Verhalten.
Dann gibt es noch ganz andere Zusammenhänge, in denen wir gefordert sind, irritierendes Verhalten angemessen zu deuten, um darauf nicht abwehrend zu reagieren. Ich habe im Projekt „Gezeiten“ augenblicklich zwei primäre Gegenüber. Psychologin Petra Schwarz und Künstler Johannes Rubey.
Wir sind aufgrund unserer individuellen Erfahrungen höchst versiert in den Themen Akzeptanz und Anpassung innerhalb von Gemeinschaften. Bei Schwarz mit der Besonderheit, daß sie im Autismus-Spektrum geboren wurde. Das bedeutet, ihre neurologische und kognitive Ausstattung unterscheidet sich markant von meiner. (Man muß immer noch erklären: autistische Menschen sind nicht krank, sondern anders.)
Ich schätze heute einen sehr vertrauten Umgang mit Schwarz und hab dennoch keine Zweifel daran, daß meine Vorstellung davon, wie sie in der Welt ist, unzureichend bis nicht zutreffend ist. Das meint unter anderem, sie verkörpert als Neurodivergente etwas mir vollkommen Fremdes. Aber wir können uns verständigen und Interessen teilen. In der Praxis ist das auf folgende Art einfach. (Ihre spezielle Obsession sind sehr schnelle Autos.)
Jeder Menschen aus einer völlig anderen Kultur, und genau das sind Neurodivergente, dürfte als Gast an meinem Tisch erwarten, daß ich den persönlichen Eigenheiten Platz biete und zu erfahren trachte, bei welche Umgangsformen sich mein Gast wohlfühlt.
Das sind auch bemerkenswerte Aspekte, wenn ich mit Johannes Rubey in die Geschichte von Blues und Jazz gehe, wo ein Seelenleben und dessen Ausdruck überwiegend außersprachlich geschieht; in wesentliche Teilen ursprünglich geprägt von ablehnenden bis gewalttätigen Reaktionen aus der Umgebung.
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>[Das Projekt: Gezeiten|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/gezeiten] (Ufer und Uferlosigkeit)
[{Metadata Suchbegriff='Ingeborg Bachmann, Petra Schwarz, Johannes Rubey, Netzkultur, Tesserakt, Archipel Gleisdorf, Feuilleton' Kontrolle='Nein'}]
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