[{Image src='gezeiten005.jpg' align='right' width='600' caption='Amelia Earhart und Martin Krusche by KI' height='338'}]
!!!Vier Frauenleben
!!(Gezeiten: ein Ausgangspunkt)
von __[Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]__\\

Eine meiner bevorzugten Annahmen lautet: Was immer mir gelingt, beruht auf den Vorleistungen anderer Menschen. Das ist in ganz verschiedenen Zusammenhängen der Anlaß für lebhafte Debatten. Es gibt mich als Künstler nicht ohne die Wahrnehmungserfahrungen und all die Denkprozesse, zu denen ich über Jahrzehnte angeregt wurde; etwa durch unzählige Kunstwerke.

Wir erörtern das derzeit auch mit Blick auf verschiedene Formen Künstlicher Intelligenz. Das sind EDV-gestützte Systeme, die auf alles zugreifen, was im Web digital verfügbar ist, um Lernprozesse zu absolvieren.

Gängige Einwände handeln von Werknutzungsfragen und Urheberrecht, etwa mit Argumenten wie: ''„Ich erlaube nicht, daß die KI meine Werke mißbraucht, um sich zu schulen.“'' Okay. Und was hab ich gemacht, um zum Beispiel meinen Geist an Texten von Platon bis Dostojewski, von Zola bis zu Pablo Neruda, Toni Morrison oder Ingeborg Bachmann zu schulen?

Da gibt es noch etlichen Klärungsbedarf. Bei den Bildwelten ist es nicht anders. Dazu kommt noch etwas womöglich Brisanteres. Identität, meine Identität, meine Zustände, Befindlichkeiten, all das hat viel mit vorherrschenden Narrativen unserer Kultur zu tun.

Aber auch der Kontrast dazu ist bedeutungsvoll und ich bin froh, wenn ich davon erfahren kann. Ich habe für unser Projekt „Gezeiten“ drei Frauenleben herausgegriffen (Lovelace, Holiday und Bachmann), ein viertes (Earhart) an die mögliche Verbindung für weiterführende Schritte gesetzt.

Keine dieser Frauen hat ihr 50. Jahr erlebt. Jede von ihnen war in ihrem bevorzugten Genre unaufhaltsam, dabei aber mit repressiven Einschränkungen konfrontiert. Sie haben sich allesamt durchgesetzt, haben damit in unserer Geschichte markante Spuren hinterlassen. Zeitlich geordnet:
*Ada Lovelace (Mathematikerin): 1815 bis 1852
*Billie Holiday (Sängerin): 1915 bis 1959
*Amelia Earhart (Fliegerin): 1897 bis vermutlich 1937
*Ingeborg Bachmann (Autorin): 1926 bis 1973

Unsere Gesellschaft hat immer noch erheblich Probleme, weiblicher Intelligenz und Lebensfreude angemessenen Raum offenzuhalten. Eine bornierte Vergeudung von Kompetenzen und Qualitäten. Aber wie schon angedeutet, solche Barrieren halten nicht.

!Postskriptum
Amelia Earhart ist am 2. Juli 1937 im Pazifischen Ozean verschollen, wurde am 5. Januar 1939 für tot erklärt. Joni Mitchel schrieb in einem Song, den sie Earhart gewidmet hatte: ''„The ghost of aviation, she was swallowed by the sky / Or by the sea, like me, she had a dream to fly / Like Icarus ascending on beautiful foolish arms / Amelia, it was just a false alarm“.''
----
>[Das Projekt: Gezeiten|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/gezeiten] (Ufer und Uferlosigkeit)
[{Metadata Suchbegriff='Ingeborg Bachmann, Netzkultur, Tesserakt, Archipel Gleisdorf, Feuilleton' Kontrolle='Nein'}]
----