[{Image src='kip003a.jpg' align='right' width='500' height='375' caption='Von links: Erich Wolf, Richard Mayr und Melitta Winkler.'}]
!!!Kunstdebatten
!!(Konferenz in Permanenz)
von __[Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]__\\
Das erste Foto stammt von unserem Besuch im Gleisdorfer „Spiegelgitterhaus“, wo uns Kunstsammler Erich Wolf einige Werke von Hannes Schwarz erläutert hat. Das war ein eindrucksvolles Beispiel, wie jemand mit Erfahrung und Leidenschaft seine Zugänge zur Kunst vermitteln kann, wo das Verständnis von Werken in die Tiefe reicht, statt uns eine Art des „netten Vortrags“ anzubieten.
Wir haben in Europa eine solide Tradition des Kunstdiskurses. Von Platon wissen wir, daß er nicht besonders geschätzt hat, was wir unter Kunst verstehen. Er hielt sowas vor allem für „Nachahmung“. Über die Dichtung meinte er in der „Politeia“, sie sei ''„Gift für den Verstand all derjenigen Hörer, denen nicht die Kenntnis der wahren Natur der Dinge dagegen zur Verfügung steht“''. Das Wesen der Kunst sei, wie erwähnt, „Nachahmung“.
Platon soll sein Werk über den idealen Staat um 375 vor Christus verfaßt haben. Wir wissen also durch erhaltene Quellen, daß es in Europa seit über zweitausend Jahren einen Kunstdiskurs gibt, in dem anfangs auch zwischen freien und „knechtischen“ Künsten unterschieden wurde.
!Kunst und Kunstfertigkeit
Ich hab dazu 2019 in „Unsere Werkzeuge“ notiert: ''„Wenn ich heute nach Schnittstellen zwischen Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst frage, dann betrifft das auch die Berührungspunkte zwischen Kunst und Technik. Das meint die Unterscheidung zwischen Kunst und Kunstfertigkeit. In der Antike war von artes liberales die Rede, die im Kontrast zu den artes mechanicae standen. In manchen Sprachregelungen wird das mit freie Künste und knechtische Künste übersetzt, was eine Hierarchie behauptet.“ ''(Link am Seitenende!)
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[{Image src='kip003b.jpg' align='right' width='500' height='375' caption='Zeichnung von Joachim Karner'}]
Zu all dem kam unterwegs noch eine Debatte darüber, ob denn die erlesene Kennerschaft weniger Menschen besser Klarheit schaffe, was Kunst sei, als der Geschmack einer breiten Masse. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor?
!Wie genau können wir sein?
Dazwischen versuchen sich Leute aus der Affäre zu ziehen, indem sie behaupten, man könne ohnehin nicht so genau sagen was Kunst sei, um so die Debatte abzustellen. Man kann es ja tatsächlich nicht „so genau sagen“, denn wir haben es hier mit einem äußerst komplexen und dynamischen Thema zu tun, bei dem auch Widersprüche eine bedeutende Rolle spielen.
Ich habe 2017 in „Artist Is Obsolete“ (Kunst und Technik) notiert: ''„Aber die Kunst! Wir gestehen ihr seit der Renaissance Autonomie zu. Spätestens mit Duchamp durften wir alle Regeln über Bord werfen, um uns dann doch lieber wieder welche zu suchen. Mit Boris Groys haben wir etwas sicheren Boden, auf dem sich eine dynamische Kunsttheorie bewährt. Da heißt es, je nach Situation werten wir Dinge auf oder ab, valorisieren oder trivialisieren sie. Daraus folgt, ein und dieselbe Sache kann über Auf- bzw. Abwertung in den Rang von Kunstwerken kommen, ihn aber auch wieder verlieren. Was wäre daran nicht nachzuvollziehen?“''
Wir vermögen auf jeden Fall meist ganz gut zu unterscheiden, was Kunst ist und was Kunstfertigkeit, denn Handwerk allein macht noch kein Kunstwerk, aber ein Kunstwerk kann durchaus ohne Handwerk auskommen. Heute zählt besonders, was an geistigen Prozessen in einem Werk ausgedrückt sein mag.
Ich finde es besonders interessant, wenn jemand zwischen solchen Genres nach Bedarf pendeln kann, wie es etwa Joachim Karner jüngst wieder gezeigt hat, als wir bei Martina Brandl eine Archipel-Session absolviert haben. Karner ist ein gelernter Tischler, der zum Architekten wurde, sich unterwegs sehr gründlich im Zeichnen geschult hat. Über Karner und das Wesen der Perspektive wird übrigens noch zu reden sein.
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>[Konferenz in Permanenz|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/konferenz] (Laufende Diskurse)
[{Metadata Suchbegriff='Konferenz in Permanenz, Kulturpolitik, Netzkultur, Tesserakt, Archipel Gleisdorf, Feuilleton' Kontrolle='Nein'}]
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!Die Quellen
*[Unsere Werkzeuge|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/howl/Notiz_007_Unsere_Werkzeuge]
*[Artist Is Obsolete|Wissenssammlungen/Essays/Mensch_und_Maschine/Artist_Is_Obsolete_by_Krusche] (Kunst und Technik)
!Weiterführende Links
*[Meine Post-Beuys-Befindlichkeit|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/prisma073_beuys](Das „kunst ost-memo“ vom 22.01.2021)
*[Die Vorleistungen Anderer|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen_archiv01/prisma064_beuys] (Wenn ich es denken kann, können sie es auch denken!)