[{Image src='kip012.jpg' align='right' width='500' caption='Geld ist ein Medium für einen Leistungsaustausch. Dabei sollte beiden Seiten klar sein, wovon der Deal handelt. (Krusche per KI a la Picasso.)' height='282'}]
!!!Kunst macht Arbeit
!!(Konferenz in Permanenz)
von __[Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]__\\
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Sie kennen dieses Gerede von „wahrer Kunst“, die der Entbehrung bedürfe? Mumpitz! Jede künstlerische Kraft findet ihren individuellen Modus, um sich gesteckten Zielen anzunähern. Das ist sehr variantenreich.
Ich kann mich auch in Einsamkeit um künstlerischen Rang bemühen. Dazu ist es nicht einmal zwingend nötig, die Regeln der Kunst zu kennen, also den Stand der Kunstdiskurse. Kunstpraxis ist vor allem einmal Ausdruck unserer Fähigkeit zum symbolischen Denken.
Ich stehe im Lager von Markus Lüpertz, der meint, in der Kunst gehe es um Qualität und Vollendung. Dazu brauche ich die Welt nicht zwingend. Falls ich aber im Kunstgeschehen reüssieren möchte, muß ich mit dem Betrieb interagieren können. Während ich also bezüglich meines künstlerischen Ranges auch als Solitär leben kann (und mein Brot auf adere Art verdiene), brauche ich als Teil der Branche Marktwert und Nachrichtenwert.
Dafür kann ich als Regionalgröße durchaus selbst sorgen; innerhalb einer Region. Möchte ich dagegen bundesweit oder gar international wahrgenommen werden, ist ein Team oder eine Company nötig. Als Autor werde ich dann eventuell eine Literaturagentin für mich interessieren, auch den Verlagslektor eines großen Hauses. Wer immer auf das öffentliche Leben einwirken kann, wäre mir willkommen.
Als Maler sollte ich einen Galeristen haben, der bei den großen Kunstmessen zugelassen ist und gute Pressekontakte hat. Dazu eventuell eine Agentin, mindestens einen Kunstsammler von Rang, der auf meine Arbeit nicht verzichten will. Es geht für Aufstiegswillige in all dem also um Kommunikation, Netzwerken, um Kooperationen aller Art.
Sie glauben hoffentlich nicht, Leute wie Pablo Picasso oder Andy Warhol wären ohne Galeristen und Kunsthändler zu Leuten von Weltrang geworden. Wo wüßte jemand von Barbara Frischmuth oder Elfriede Jelinek, von Peter Handke oder Thomas Bernhard, ohne die Schubkraft von großen Verlagshäusern?
Sie können das auch auf den Musikbereich umlegen, auf die Klassik ebenso wie auf Rockmusik, von Jazz ganz zu schweigen. Der Status als internationale Größe kommt natürlich nicht ohne Qualität und professionelle Arbeit der einzelnen Persönlichkeit aus, braucht aber dann das Potential leistungsfähiger Geschäftsleute und deren Teams.
Wenn wir also über Kunst und Kultur auf regionaler Ebene reden, über die Bedingungen eines Lebens in der Kunst, über das ökonomische Überleben regionale Kunstschaffender, besteht einiger Klärungsbedarf, wofür ich als Künstler selbst zuständig bin und welche anderen Instanzen (in Wechselwirkung mit mir) für zweierlei Kräftespiele förderlich sein können: a) das geistige Leben des Gemeinwesens und b) mein ökonomisches Überleben.
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>>[Die 28/04/26er Session|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kip260428] (Startseite)
[{Metadata Suchbegriff='Kunstmarkt, Kulturbetrieb, Konferenz in Permanenz, Kulturpolitik, Netzkultur, Tesserakt, Archipel Gleisdorf, Feuilleton' Kontrolle='Nein'}]
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!Postskriptum
Vielleicht ist ihnen dieser Satz schon einmal untergekommen: ''„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“.'' Er wird Karl Valentin zugeschrieben. Die eigentliche Quelle ist eine Dialog-Sequenz aus der Filmoper „Die verkaufte Braut“ (Max Ophüls, 1932). Ich bin als Künstler EPU. Dieses Kürzel steht für „Ein-Personen-Unternehmen“. Genau! Um mein Brot zu verdienen, bin ich unternehmerisch tätig. Wer behauptet, das sei mit „wahrer Kunst“ nicht vereinbar, hat a) keinen Dunst von meinem Metier und vermischt b) soziale mit künstlerischen Kategorien.