!!!Konferenz in Permanenz: Orte und Prozesse
!!(Über Potentiale und Kompetenzen)
von __[Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]__\\
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Ich hab ein spezielles Faible für verlassene Plätze. Sie erzählen mir vom gelebten Leben anderer Menschen. Die Ensembles sind flüchtig, denn es wird an ihrer Stelle beizeiten etwas anders errichtet werden und stattfinden.
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Das läßt allerhand Deutungen zu. In Summe fesseln mich die verbliebenen Spuren gemeinsamer Anstrengungen. Nur selten baut jemand ein Haus alleine, eine Mauer, einen Weg, einen Platz. Gemeinsame Anstrengungen!

Solche Orte aufzusuchen ergibt für mich die komplementäre Ergänzung zur „Konferenz in Permanenz“. Man könnte sagen, die Lost Places und ihre Artefakte kommunizieren mit mir. Das verzahnt sich mit meinen Praktiken als Autor.

Es ist für mich eine ganz unaufgeregt gepflegte Praxis, auf Wahrnehmungserfahrungen mit dem Erdenken von Ereignissen und Handlungen zu reagieren. (Ob die Anregung dazu aus dem Realraum oder aus meiner Phantasie kommt, macht auf kognitiver Ebene keinen erwähnenswerten Unterscheid.)

!Das Entfalten
Es ereignet sich demnach die „Konferenz in Permanenz“ in meiner realen sozialen Begegnung mit Menschen, aber ich bin als Pendler zwischen mehreren Welten unterwegs. So also auch in meinen erdachten Räumen und, wie hier gerade, in verlassenen Räumen. Dieses nach innen und nach außen gerichtete Erkunden meines nahen Lebensraumes ist zugleich das Durchforsten eines Denkraumes. Das schließt die Geschichtsbetrachtung ein. Wozu? Wir seien, so sagt Neurobiologe Gerald Hüther, als Spezies mit einem bedingungslosen Interesse an Entfaltung ausgestattet.
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Damit meint er freilich nicht Expansion auf Kosten anderer Menschen, indem man sie beraubt. Er meint eine persönliche Entwicklung. Hüther unterscheidet zwischen dem Potential, das entfaltet werden mag, und den Kompetenzen, die man erringt, indem man sein Potenzial entfaltet.

!Das Lebendige
Ich möchte es so zusammenfassen: Wahrnehmungserfahrungen, Reflexion, Wissenserwerb und Übung, um unter seinen Potentialen welche zu entfalten, wobei man andere hintanstellt. (Niemand kann zugleich allen seinen Talenten nachgehen.) Hüther meint:'' „Was sich nicht mehr entfalten will, ist tot“.''

Sie ahnen gewiß, darum geht es in meiner Auffassung von Wissens- und Kulturarbeit. Darum geht es natürlich auch in meiner Kunstpraxis. Das sind Zusammenhänge, die einen kulturpolitischen Diskurs nahelegen. Da zeigt sich unter anderem auch, was an Entfaltungswillen in einem Gemeinwesen vorkommt.

Manche Menschen verzichten darauf, sich solchen Bemühungen zu widmen. Hüther verweist in dem Aspekt auf Immanuel Kant und dessen Überlegungen zur Frage nach selbstverschuldeter. Unmündigkeit. Ich zitiere Kant:

''„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“''
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>[Konferenz in Permanenz|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/konferenz] (Laufende Diskurse)
[{Metadata Suchbegriff='Konferenz in Permanenz, Netzkultur, Archipel Gleisdorf, Feuilleton' Kontrolle='Nein'}]
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!Ergänzend
*[Epoche Null|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/epoche] (Eine Markierung)