!!!Konferenz in Permanenz: 13/10/26
!!(Beseelte Figuren)
von __[Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]__\\
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Mich hat in unserer zweiten Erörterung interessiert, woran es liegen mag, daß mir eine Puppe beseelt erscheinen kann. Ich sehe, wie die Puppe gemacht ist: das Handwerkliche und ihre Gestaltung. Ich sehe, wie die Puppe geführt wird: die Kompetenz der Puppenspielerin. Ich erlebe, wie die Puppe auf mich wirkt: ihre Bewegungen und Posen.
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Das ergibt Muster, die ich verstehe, die ich deuten kann, wie ich auch ein menschliches Gegenüber in seinem Habitus und Verhalten deuten kann. Andrea Habeler macht über all das keine detaillierten Aussagen, bestätigt aber solche Effekte.

Wir Menschen leben mit einem Mind-Brain-Gap. Das meint eine Kluft zwischen dem physischen Gehirn und dem Bewußtsein, das man von sich selbst hat. Ich sehe Geist und Seele übrigens zusammengefaßt als unser nichtstofflicher Existenzanteil. In meiner Vorstellung ist das daher nicht Zweierlei, sondern eine innere Instanz mit verschiedenen Eigenschaften.

!Der Körperknast?
Ist es eine rein philosophische Frage, ob unser Bewußtsein mit Geist und Seele innerhalb unseres Körpers und seiner Oberfläche eingerichtet sind und da bleiben müssen? Es ist vor allem eine Frage mit nur dieser möglichen Antwort: Wir wissen es nicht. Den erwähnten Mind-Brain-Gap sehe ich ähnlich dem Event Horizon. Es steht außer Streit, daß diese Grenze/Kluft zwei Bereiche trennt. Aber wir können darüber keine genaueren Aussagen machen, weil es sich mit unserer Sinnesausstattung nicht beobachten läßt.

Jede spirituelle Deutung dieser Zusammenhänge mag manchen Menschen nützen, ist nicht widerlegbar, führt aber zu keinem genaueren Wissen. Wenn ich nun Andrea Habeler sehe, Igor in ihren Händen, geht in beiden etwas vor, was sie eben noch – jeweils für sich – nicht ausgemacht hat. Eine Betrachtungsweise mag besagen: Sie führt die Puppe, bewegt einen Gegenstand. Doch sowohl diese Momente, wie auch die Beachtung der Geschichte des Puppenspiels, handeln von noch ganz anderen Vorgängen und Befindlichkeiten.
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Falls nun unser Bewußtsein mit Geist und Seele nicht die Körperoberfläche als „Mauerwerk“ hat, im „Körperknast“ wohnt, sondern entsprechend seiner nichtphysischen Art irgendwie anders existiert, kann es ja sein, daß die Puppe im Spiel mit der Puppenspielerin eine gemeinsame Sphäre hat, in diese Sphäre kurz eingeht. Wie also unser Leib beseelt ist, solange wir lebendig sind, können Gegenstände für Momente in diese Beseeltheit einbezogen werden.

Diese Vorstellung läßt sich zumindest nicht widerlegen, weil wir weder eine genaue „Topographie der Leib-Seele-Beziehung“ kennen, noch präzisere Aussagen darüber machen können, wie all das im Detail beschaffen ist. Da es in dem Sinn die Vorstellung von einem „Geist in der Maschine“ gibt, können uns auch Puppen und Statuen für Momente lebendig erscheinen.

Das, genauer: diese kognitive und emotionale Erfahrung, ist in unserer Kultur bekannt, seit es Berichte über Statuten aus den Händen des Daedalus gibt. Der Vater des Ikarus galt als herausragender Handwerker und Bildhauer, zu seiner Zeit der beste in Athen, dessen Figuren einen enormen Eindruck von Lebendigkeit vermittelt haben sollen.
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>[Konferenz in Permanenz|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/konferenz] (Laufende Diskurse)
>>[Andrea Habeler: Ein Wesen|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kulturraum05] (Eine Erkundung)
[{Metadata Suchbegriff='Andrea Habeler, Konferenz in Permanenz, Kulturpolitik, Netzkultur, Archipel Gleisdorf, Feuilleton' Kontrolle='Nein'}]
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