!!!Abstraktion – was bleibt
!!(Eine Wand/Mauer erzählt von der Zeit.)
!Von Martina Brandl

Sie bekommt Risse, verliert Schichten, nimmt Spuren auf. Farbe blättert ab, Oberflächen verändern sich, Neues legt sich über Altes. Was zunächst wie Verfall erscheint, wird zu einer eigenen Ästhetik.

The Wall beschäftigt sich genau mit diesem Übergang.
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[{Image src='kulturraum04e01.jpg' align='center' width='600' caption='Stete Inspiration - Steinwand in Brandls Atelier' height='400'}]

Die erdigen Töne von Terra di Siena, Grau und Weiß, die unterschiedlichen Strukturen und Überlagerungen lassen eine Oberfläche entstehen, die an eine verwitterte Wand erinnert. Doch es geht nicht darum, eine konkrete Wand abzubilden. Mich interessiert der Prozess dahinter: das Werden, das Vergehen und das, was dabei zurückbleibt.

Auch hier arbeitet die Abstraktion mit unserer Wahrnehmung. Unser Auge sucht nach Ordnung und Bekanntem. In Rissen erkennen wir Landschaften, in Strukturen vielleicht Gestein, Erde oder Spuren menschlicher Tätigkeit. Das Bild gibt keine eindeutige Antwort – es lässt diese Assoziationen zu.

Antoni Tàpies hat die Wand ebenfalls als Sinnbild für Zeit, Erinnerung und Vergänglichkeit verstanden. Seine Materialbilder lassen Oberflächen wie gealterte Mauern erscheinen: aufgebrochen, verschichtet, verletzt und zugleich voller Geschichte.

Vielleicht liegt gerade darin die Schönheit des Zerfalls.

Nichts bleibt unverändert. Aber jede Veränderung hinterlässt eine Spur.

Und vielleicht ist das auch eine der stillen Möglichkeiten der Abstraktion: dem Vergänglichen einen Moment von Dauer zu geben.
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>[Übersicht: Der Kulturraum IV: Abstraktion|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kulturraum04] (Vom Erleben zum Bild)
[{Metadata Suchbegriff='Abstraktion, Martina Brandl, Kulturraum, Epoche Null, Netzkultur, Tesserakt, Archipel Gleisdorf, Feuilleton' Kontrolle='Nein'}]
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[{Image src='kulturraum04e02.jpg' align='center' width='350' caption='The Wall' height='502'}]