[{Image src='puch2616a.jpg' align='right' width='500' caption='Kunstdruck nach dem Original.' height='375'}]
!!!Endorphin-Maschine: Der Generalfetisch
!!(Details einer komplexen Erzählung)
von [Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]\\
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Unter Fetisch verstehe ich leblose Gegenstände, die uns Menschen als Objekte für intensive emotionale Beziehungen geeignet erscheinen. Das Automobil hat sich quer durch das 20. Jahrhundert als ein Generalfetisch unserer Gesellschaft entwickelt und etabliert. Kontext und Querverbindungen führen in annähernd alle Lebensbereiche. Deshalb ist dieses Thema in archipelischen Vorhaben fix verdrahtet.
Joachim Karner ist gelernter Tischler, aber auch Architekt, absolvierte überdies eine gründliche künstlerische Ausbildung. Er hat also von Raumgestaltung und Raumüberwindung gleichermaßen eine Menge Ahnung. Als versierter Zeichner ist er heute (März 2026) in zwei archipelischen Teilprojekten präsent. In „Mini Fabula“ und in „Mythos Puch“. (Links zu den Stories am Seitenende!)
Für „Geist in der Maschine“ (Mythos Puch Nr. 10) hatte Karner den „Blitzen-Benz“ gezeichnet, der eine historische Wegmarke besetzt. Ein Wagen dieses Typs war übrigens in Österreich am 19. September 1909 beim 11. Semmering-Rennen dabei. Aber weit bedeutender: am 23. April 1911 wurde mit dem „Blitzen-Benz“ in Daytona Beach (USA) ein Rekord für Landfahrzeuge aufgestellt: 228,1 km/h auf dem fliegenden Kilometer.
!Nächster Schritt
Inzwischen hat Karner eine weitere Ikone der Automobilgeschichte gezeichnet. Den Austro-Daimler ADS R „Sascha“ von 1922. Damit schuf Ferdinand Porsche seinerzeit ein sehr effizientes Fahrzeug, bei dem Dank der kompakten Bauweise Motorkraft eingespart werden konnte.
Damals war nämlich der Gewinn an Motorleistung meistens mit einer erheblichen Gewichtszunahme verbunden. Porsche setzte auf einen Paradigmenwechsel. Es dauerte dann noch ein Weilchen, bis Automobile sich in ihrer Form deutlich von den großen, repräsentativen, vor allem sehr schweren Varianten abgesetzt hatten, womit sie auch in Richtung Massenproduktion vorankamen, insgesamt preiswerter, erschwinglicher wurden.
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So schuf etwa Hans Ledwinka 2023 den wegweisenden Tatra 11 („Tatritschek“), der in diesem Sinn zu deuten ist. (Siehe dazu: „Der Blechdackel. Vom Tatra 11 zum Steyr-Puch Haflinger“!) Im Jahr 1936 setzte Dante Giacosa mit seinem Team eine bedeutende Markierung auf dem Weg zu einem Auto, welches die Arbeiter, die es bauten sich selbst auch leiten könnten. Das war der Fiat 500 „Topolino“ zwar noch nicht so recht, der blieb bei uns einer Mittelschicht vorbehalten.
Aber 1955 war es so weit. Giacosas Fiat 600 ist meiner Ansicht nach der eigentliche „Volkswagen“ Europas mit Lizenzversionen in Argentinien, Deutschland, Jugoslawien, Österreich, Polen, Spanien und Uruguay. Unübersehbar, daß der der 600er Fiat auch für den russischen SAS-965 „Saporoshez“ („Zappelfrosch“) Modell gestanden hatte.
!Hintergrundfolie
Die Geschichte der „pferdelosen Wagen“ in tauglicher Ausführung beginnt 1769 mit dem Dampftraktor von Nicholas Cugnot. Ein Nachbau dieses Gefährts bewies seine Funktionstüchtigkeit.
Im Hause Mercedes-Benz gefällt man sich mit der Annahme, der Rang des „ersten Automobils“ gebühre dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 von 1885. Ich sehe darin freilich ein verstärktes, motorisiertes Fahrrad im Sinn jener Threewheelers, die Ende des 19. Jahrhunderts populär waren.
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[{Image src='puch2616d.jpg' align='right' width='500' caption='Karnersche Architekturskizze' height='334' height='334'}]
Durch diese Bauweise ließ sich die erhebliche Sturz- und Verletzungsgefahr der „Velozipedisten“ mit Hochrädern (High Wheelers) auf schlechten Wegen mindern. Einen vierrädrigen Kraftwagen mit entsprechendem Chassis sehe ich dann erst im zweiten Marcus-Wagen von mutmaßlich 1888. (Die Datierung ist bei ungenauer Quellenlage ein Konfliktthema gewesen.)
So oder so, dieses Genre hat das Antlitz der Welt und unser aller Leben verändert, egal, ob ich bei der Betrachtung nun den Fokus auf individuelle Mobilität, Arbeitswelt, oder Industriedesign, Rennsport und Subkulturen scharf stelle.
>[Mythos Puch #11|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/mythos_puch26] (Endorphin-Maschine)
>>[Zeit.Raum, Episode 63: Sascha|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru63_karner]
>>>[Das Projekt Mini Fabula|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/fabula]
[{Metadata Suchbegriff='Joachim Karner, Handwerk, Mythos Puch, Mobilitätsgeschichte, Tesserakt, Archipel Gleisdorf, Mini Fabula, Austro-Daimler ADS R Sascha' Kontrolle='Nein'}]
!Die Links zum Text
*[Mythos Puch: Facebook-Notizen IV|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/puch25_doku08] (Spin off)
*[Einige Ikonen|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru48_erfindung03] (Zur Verlaufsgeschichte)
*[Endorphin-Maschine: Blitzen-Benz|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/flocke024] (Ein belebtes Blatt)
*[Endorphin-Maschine: Sascha|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/mythos_puch261] (Kompakt und schnell)
*[Der Blechdackel|Wissenssammlungen/Essays/Mobility/Der_Blechdackel] (Vom Tatra 11 zum Steyr-Puch Haflinger)