!!!Stromlinie: Rollende Botschaften
!!(Automobildesign als Statusmitteilung)
von __[Martin Krusche|User/krusche martin]__\\
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Philosoph Nikolaus Schefer ist, so lese ich, an klassischer Chinesischer Philosophie geschult und mit Transcultural Studies befaßt. Er zitierte in einem Interview (medium.com) vor rund zehn Jahren das Kommunikationsaxiom des Paul Watzlawik: ''„Man kann nicht nicht kommunizieren.”'' Dazu betonte er: ''„Das gilt auch fürs Auto: Mit beziehungsweise in einem Auto unterwegs zu sein bedeutet eine Botschaft an die Mitwelt.“''
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[{Image src='puch27_11a.jpg' align='center' width='600' caption='Das 1937er Delage D8-120 Aérosport Coupé. (Foto: Heimo Müller)' height='450'}]
Genau das interessiert mich als eines der Kommunikationssysteme im öffentlichen Raum. Ich betrachte das im Zusammenhang mit Dresscode und Architektur als zwei andere Systeme von enormer Wirkung. Mich interessiert das als Aspekt des permanenten Status-Wettbewerbs, den wir in menschlicher Gemeinschaft pflegen.
Dieser Status-Wettbewerb handelt von einem laufenden Senden und Empfangen diverser Statusmitteilungen. In einer freundlichen Situation ist das ein Kommunikationssystem, über welches wir einander Mitteilungen machen, die uns nützen, Gemeinschaft zu gestalten und sozialen Frieden zu sichern.
!Statusmitteilungen
All das kann natürlich andrerseits auch benutzt werden, um Hierarchien zu schaffen oder um Kampfmaßnahmen zu setzen. Daher beschäftigen mich die Medien solcher Kommunikationssysteme, hier eben die Automobile, in ihrem konkreten Einsatz für Statusmitteilungen.
Dabei ist Automobildesign eine Formensprache, die wir teils bewußt, teils unbewußt zu lesen verstehen, gelegentlich auch mißverstehen oder gar nicht dechiffrieren können. Umgekehrt werden diese Ausdrucksmittel benutzt, um einer Gesellschaft Botschaften aus den Konzernen und Werbeagenturen anzubieten.
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[{Image src='puch27_11b.jpg' align='center' width='600' caption='Stromlinie II oder III? Der Mazda Nagare Concept (Foto: mazdausa.com)' height='390'}]
Der eingangs erwähnte Philosoph Nikolaus Schefer stellte vor rund einem Jahrzehnt eine ''„Postmoderne Ästhetik“'' zur Debatte, dachte über ''„Spannung: dynamische Linie und Dekonstruktion“'' nach, bezog sich unter anderem auf das japanische Konzept „Nagare“, was etwa „strömend“ oder „ungehindertes Fließen“ bedeutet. Mazda präsentierte auf der Los Angeles Auto Show 2006 das Konzeptfahrzeug „Nagare“.
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„Nagare exists to bridge the gap between Japan's technological excellence and the untapped potential of Western markets. We don't just transfer technology—we adapt, localize, and deploy solutions that drive real-world impact.“'' (nagaretech.com)
!Neomoderne
Schefer nannte jene Ära damals Neomoderne. Wie erwähnt, rund um 2006 ausgeprägt. Ich bin mittlerweile über andere Diskurse beim Begriff Digitalmoderne angekommen. Da man mit der Physik nicht verhandeln kann, bleiben der Luftwiderstand einer Karosserie und der Abrollwiderstand von Reifen die großen Energiefresser des Automobils.
Im Rahmen der E-Mobilität konnte der dritte Energiefresser (aus der Welt der Verbrenner), nämlich der Antriebsstrang, in seinem Energiehunger gezähmt werden. Wichtig! Ich schreibe hier in Metaphern, denn Energie kann beim Einsatz von Maschinen nicht verbraucht werden. Sie wird bloß in einen anderen Zustand transformiert. Es ist also eigentlich von Energieumsatz zu reden.
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[{Image src='puch27_11c.jpg' align='center' width='600' caption='Gestreckt: Während der VW Passat B1 (1973 bis 1980) noch für die Keilform steht, ist dieser Passat B2 (1980–1985), den ich eben am Gleisdorfer Stadtrand entdeckt habe, schon mehr Graph.' height='450'}]
Schefer bezieht sich in seinen Ausführungen gelegentlich auf Paolo Tumminelli. Der Professor für Design Konzepte kommt von der Architektur und der Design Direction (defining the product and design strategy) in Mailand.
Ich finde bei Tumminelli – wenig überraschend – eine in Details und Nuancen sehr komplex abgestufte Darstellung der Design-Epochen des Automobils. Für „Mythos Puch“ genügen mir freilich diese Markierungen
*Stromlinie
*Edge (die Kiste)
*Wedge (die Keilform)
*Graph (die besondere Betonung des Horizontalen)
Ich finde dieses Ensemble rund 20 Jahre nach Schefers „Philosophie des Automobils“ und etlicher Publikationen von Tuminelli erneut durchdekliniert und rekombiniert. Das will ich mir genauer ansehen. Wie angedeutet, im Kontext permanenter Statusmitteilungen unter uns Menschen.
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>[Die Startseite: Stromlinie|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/mythos_puch27] (Mythos Puch Nr. 12)
[{Metadata Suchbegriff='Stromlinie, Streamline, Mythos Puch, Mobilitätsgeschichte, Tesserakt, Archipel Gleisdorf' Kontrolle='Nein'}]
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!Postskriptum
Das Foto des 1937er Delage D8-120 Aérosport Coupé hat Heimo Müller im San Diego Automotive Museum gemacht. Ein Juwel der Ausstellung ''“Art Deco: The Machine Age in Motion“ (From sweeping curves and polished chrome to elegant details and advanced engineering, these cars capture a time when automotive design became an expression of modern luxury and progress.)''
Basis des Wagens ist ein Rolling Chassis mit einem Achtzylinder-Reihenmotor (4.303 cm³ Hubraum). Die handgefertigte Karosserie stammt von Letourneur & Marchand aus dem Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine.
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[{Image src='puch27_11d.jpg' align='center' width='600' caption='Das 1937er Delage D8-120 Aérosport Coupé. (Foto: Heimo Müller)' height='450'}]
Michael Scheler notierte zu'' „Der Reiz der Aérosport-Idee“ 2026: „Beim Aérosport trifft Reisewagen auf Stromliniengedanke. Der Coach Aérosport griff frühe Ideen von Jean Andreau auf. Fastback-Silhouette, rahmenlose Seitenscheiben ohne Mittelsäule und die kleine Finne am Heck machten ihn zu einem der prägnantesten französischen Coupés der Epoche. Das Auto wollte nicht brüllen. Es wollte gleiten.“'' (autorini.de)
!Zur Orientierung
RM Sothebys hat ein 1937 Delage D8-120 S Aerodynamic Coupé aus der The Sam and Emily Mann Collection, karossiert von Pourtout, im Jahr 2026 für $ 5,780.000,- USD verkauft.