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!!!Die Bachmann: Intrada
!!(Martin Krusche)

Wenn ich mich Ingeborg Bachmann zuwende, könnte es genügen, die Qualität ihrer Arbeit zu schätzen, ihren literarischen Rang anzuerkennen. Es hat sich ferner gezeigt, wie verlockend es ist, ihr Lebensende im 47. Jahr als „tragisch“ zu betrachten und zu durchleuchten.

Dazu wurden nicht nur ihre Publikationen befragt, sondern auch ihre privaten Aufzeichnungen verwertet, eigentlich: geplündert. (Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie einer Veröffentlichung etlicher der persönlichen Notizen zugestimmt hätte.)

Ich lasse mich sehr emotional auf die Bachmann ein, weil mir scheint, daß in ihr eine erhebliche intellektuelle und poetische wie emotionale Kraft gewirkt hat, die das prägt, was ich unter „Leben in der Kunst“ verstehe. Über diese Angelegenheit kann ich mich ja mit kaum jemandem verständigen.

!Leben in der Kunst
Die Soziologie verrät uns, daß diese alte Frontstellung „Bohemien/Bourgeois“ längst ins Museum verräumt wurde. Kunst, Kunstbetrieb und die Gesellschaft haben sich in ihren wechselseitigen Beziehungen völlig verändert. Doch in meiner Umgebung erlebe ich, daß sogar Kunstschaffende dieses Stereotyp weitertragen, was ich für ziemlich töricht halte.

So eine Befindlichkeit, wie ich sie kenne und lebe, von der eigenen Wahrnehmung geprägt und womöglich in manchen Aspekten sogar physiologisch begründet, auf jeden Fall von Erfahrungen gestaltet, schafft eine Art des Obsessiven, das einen unweigerlich in den Kontrast zur Umgebung stellt.

Nun kommt bei Bachmann noch exemplarisch dazu, daß allgemein wirksam war, was bis heute ungebrochen stattfindet. Kluge, geistreiche, um Selbstbestimmung bemühte Frauen sind in unserer Gesellschaft generell eher nicht willkommen.

Auf jeden Fall läßt sich am Status quo des Landes nicht ablesen, daß weiblicher Intelligenz grundsätzlich allerhand Wege geebnet wären. Dazu kommt diese ungebrochene Kette der Femizide. In praktisch allen sozialen Milieus zeigt sich gelegentlich, daß eine Frau, der es an Fügsamkeit mangelt, mit ihrem Leben spielt.

Denke ich an die Bachmann und wie offenkundig auf sie reagiert wurde, habe ich den Eindruck, sie konnte schon unter ihresgleichen, unter jenen, die in der Kunst lebten, nicht davon ausgehen, einen unangefochtenen Platz zu haben; noch weniger in anderen Kreisen.

Angesichts des Zustandes unserer Gesellschaft im Kontext „Gewalt gegen Frauen und Mädchen“, angesichts der generellen Rahmenbedingungen für ein geistiges Leben in der Kunst und in Anbetracht einiger anderer Zusammenhänge, ist mir derzeit völlig unklar, was eigentlich gemeint ist, wenn jemand den 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann zu feiern gedenkt.
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