Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht vollkommen anonym nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. ACHTUNG: Wir können an Sie nur eine Antwort senden, wenn Sie ihre Mail Adresse mitschicken, die wir sonst nicht kennen!
unbekannter Gast

Jahrtausende der Mühlen: Einübung in die Maschinenbaukunst. (Foto: Reinhold Möller, CC BY-SA 4.0)
Jahrtausende der Mühlen: Einübung in die Maschinenbaukunst. (Foto: Reinhold Möller, CC BY-SA 4.0)

Deus ex machina#

(Vom Getriebe zur Künstlichen Intelligenz)#

von Martin Krusche

Wir haben im Archipel (Forum für Kunst und Kultur) schon einige Arbeitsschritte gesetzt, um uns angesichts des jüngsten Booms an Marktschreierei bezüglich des Themas „Künstliche Intelligenz“ eine Orientierung zu verschaffen. Was wären dazu denn aktuell in der Wissens- und Kulturarbeit vorrangige Fragen?

Deshalb suchen wir das Gespräch mit sachkundigen Personen, die auf unterschiedliche Art mit dieser Entwicklung zu tun haben, mit diesem Prozeß, der nun etwas polemisch als Vierte Industrielle Revolution zusammengefaßt wird.

Hintergrund#

Über Jahrtausende waren Mühlen ein zentraler Anlaß, um die Maschinenbaukunst weiter zu entwickeln. So konnte etwa jene Energie, die das fließende Wasser bereithält, umgesetzt, konkret genutzt werden. Kein Zufall, daß schließlich an vielen Mühlen-Standorten Kleinkraftwerke entstanden, in denen Turbinen Generatoren antreiben. (Die Oststeiermark hat da eine spezielle Geschichte.)

Vom Wasser unabhängig nutzen Menschen auch sogenannte „Göpel“, große Getriebe, um verschiedene Geräte zu betreiben. Dabei kamen Menschen oder Tiere als Kraftquellen zum Einsatz. Einer der Ursprünge solcher Entwicklungen lag in der Bühnentechnik, wie sie seit der Antike bekannt ist. Stichwort „Deus ex machina“.

Auch Dampfkraft war in der Antike schon verfügbar. Doch erst durch James Watt kamen Energieaufwand und Energieoutput in ein nützliches Verhältnis. Durch den Mechanismus von Antikythera, um 1900 aus einem Schiffswrack geborgen, wissen wir ferner, daß die Feinmechanik im alten Griechenland verfügbar war. (Kleiner Einschub: Ich finde es daher interessant zu fragen, weshalb es bei diesem Wissenstand in der Antike keine „industrielle Revolution“ gab.)

All das bekam durch Max Planck und andere exponierte Kräfte im Bereich der Quantenphysik radikal neue Aspekte, bei denen Annahmen und Schlußfolgerungen eine Rolle spielen, die im Alltag und Bewußtsein der Bevölkerung noch längst nicht angekommen sind. Ferner gab es ab den 1920er Jahren elektronische Halbleiter, wodurch zum Beispiel die vormals mechanischen Universalrechner zu einem vollkommen neuartigen Maschinentyp wurden: Computer, wie wir sie heute kennen.

Vom Göpel zum Getriebe pure Mechanik. Und dann…
Vom Göpel zum Getriebe pure Mechanik. Und dann…

Was zu klären ist#

So haben wir in unserem kulturellen Engagement beim „Archipel“ vor allem zwei große Prozesse des Mechanischen vor Augen, welche technisch und soziokulturell enorme Konsequenzen hervorbrachten. Einer dieser Prozesse führte quasi von den Mühlen zu den Fahrrädern und mit den Fahrradfabriken schließlich zu tauglichen „pferdelosen Wagen“, Automobilen, Flugzeugen. Jede Menge Wellen, Getriebe und Gelenke.

Der andere Prozeß führte über die Feinmechanik zu Rechenmaschinen, Nähmaschinen, Grammophonen, Schreibmaschinen etc. Da sehen wir dann auch Röhren, Transistoren, Mikrochips. Heinz Zemanek und sein Team schufen das „Mailüfterl“, einen „Binär dezimalen Volltransistor-Rechenautomat“.

Ab dem Präsentationsjahr des „Mailüfterls“ (1955) bis heute waren es bloß diese wenigen Jahrzehnte, um radikal und weitreichend zu verändern, was wir uns eben noch unter „Technik“ vorstellen konnten. Dieser Weg führte in etlichen Fabriken erst einmal von den Rechenschiebern zu den programmierbaren Taschenrechnern, während für große Jobs Maschinenzeit in Rechenzentren gekauft wurde.

Ich erinnere mich, wie ab der zweiten Hälfte der 1980er Jahre Personal Computers, die einige Zeit noch Micro Computers genannt wurden, zunehmend in privaten Haushalten auftauchten. Parallel dazu war in Fabriken die EDV plötzlich nicht mehr auf die Buchhaltung beschränkt.

Wie können wie diese enorme Kluft schließen oder wenigstens verringern, die heute zwischen dem Tempo im Fortschritt der technischen Entwicklungen und dem Gewinn an Kenntnissen wie Kompetenzen in breiten Bevölkerungskreisen besteht? Was mag das für die Wissens- und Kulturarbeit praktisch bedeuten?



Weiterführend#