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Heimo Müller und Anita Keiper.
Heimo Müller und Anita Keiper.

Vom Getriebe zur KI#

(Round Table)#

von Martin Krusche

Das war nun der zweite Round Table in den Verlagsräumen der Grazer Edition Keiper. Eine weitere Bestätigung, wie lohnend es ist, sich zu gewichtigen Themen mit sachkundigen Menschen an einen Tisch zu setzen, um Begriffe zu klären, Wissen zu sortieren und herauszuarbeiten: Was ist denn jetzt eine gute Frage?

Ich durfte nun einer zum Thema hochkarätigen Runde jene Annahme vorlegen, die für mich in unserer archipelischen Wissens- und Kulturarbeit derzeit großes Gewicht hat; nämlich meine Auffassung, daß wir uns in einer Zeitenwende von Jahrtausend-Rang befänden, wofür ich an der griechischen Antike Maß nehme.

Ich hab in „Deus ex machina“ (Der muskulöse Geist in der Maschine) eben erst skizziert, wie damals in einem überschaubaren Zeitfenster wesentliche mechanische Lösungen entwickelt wurden. Getriebe, Schraubensysteme etc., von denen sich sagen läßt, sie haben ein mechanisches Zeitalter eröffnet, das bis in die Dampfmaschinenmoderne hereinreichte.

Dazu gehörte, wie der Mechanismus von Antikythera belegt, daß damals auch schon feinmechanische Meisterwerke gebaut wurden. Zu dieser technischen Revolution kam eine kulturelle, die Platon belegt hat. Er beschrieb im „Phaidros“, wie und mit welchen Argumenten Sokrates kritisiert hat, daß sich die Schriftkultur durchsetzte. Es gab demnach damals zugleich eine technische und kulturelle Zeitenwende.

Was wir heute unter „Künstlicher Intelligenz“ verstehen, sind Assistenzsysteme, die nun beides bewirken. Sie revolutionieren unser Leben technisch und kulturell, verändern nicht bloß Produktionsweisen, sondern auch menschliche Denkprozesse, den Wissenserwerb etc. Vor allem aber, und das schien mir bei unserem Gespräch das allerbrisanteste Detail, durch diesen Technologieschub verändert sich unsere Auffassung von Realität und wie man belegt, was der Fall ist. Das betrifft Fragen der Identität und der Zertifizierung von Darstellungen.

Thomas Rössler (links) und Robert Fimbinger.
Thomas Rössler (links) und Robert Fimbinger.
Von links: Rijad Smajkan, Jürgen Kapeller und Richard Mayr.
Von links: Rijad Smajkan, Jürgen Kapeller und Richard Mayr.

Solche Belange konnten wir mit Mathematiker Heimo Müller vom Human Centered AI-Lab und dem IT-Experten Thomas Rössler, CEO von primesign, debattieren. Dafür waren mit uns Fachleute wie Jürgen Kapeller (TUB) am Tisch, welcher von der Elektrotechnik kommt und im Digitalmarketing tätig ist, oder KI-Experte Rijad Smajkan, der von staunenswerten Dingen zu erzählen weiß.

Verlegerin Anita Keiper, ihr Produktionsleiter Robert Fimbinger, Fotograf Richard Mayr vom „Archipel“ und ich hatten so Gelegenheit, auf hohem Niveau zu debattieren, womit genau wir es in dieser neuen Ära zu tun bekommen und was das für den Kulturbetrieb bedeuten mag, für eine konsequente Wissens- und Kulturarbeit.

Es ist für uns der Beginn eines wesentlichen Prozesses der Befassung mit diesen Veränderungsschüben, in denen sie – wie erwähnt – unsere technische Umgebung und unsere Kultur gerade fundamental verändern. Das kommt nicht erst, das ist schon da.



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