Tage danach: Reflexion#
(Kulturpolitische Aspekte)#
von Martin KruscheDie Ausstellung „Tage danach“ hat in der jungen Geschichte des Archipels einen exemplarischen Rang. Das gelungene Beispiel der Konzeption „ Das Teilprojekt als autonome Formation“ als Element des größeren Ganzen.
Das bedeutet, es gab ein Projektteam mit einer Schlüsselperson, von der die Schnittstelle zum Archipel als Kulturforum betreut wurde. Aber in sich arbeitet das Team völlig eigenständig. Das heißt überdies: mit eigener Kraft, während mit dem Vorstand abgestimmt war, welche Aufgaben beim Archipel liegen.
Ich hab in der Notiz „Teamwork hat Vorrang!“ (Link am Seitenende!) schon ein paar grundlegende Details notiert. Die Ausstellung hatte einige nach innen und nach außen gerichtete Besonderheiten, welche in der Kombination eine Wirkung erzeugten, die mich in der Tragweite überrascht hat.
Innen, also im Projekt-Team, zeigte sich Ausgewogenheit, denn niemand war geneigt, auf Kosten der anderen zu expandieren. Außerdem schien allen klar zu sein, daß hier niemand bedient wird. Das Ergebnis hing davon ab, ob alle Beteiligten ihren möglichen Teil beitragen. Und zwar im Sinn von: „Was ich eben beitragen kann.“ Ist das hinreichend erkennbar, birgt es keine Probleme, daß einige grad weniger leisten können als andere. Die Haltung wird anerkannt und stärkt das Ergebnis.
Freilich war es von deutlichem Vorteil, daß Melitta und Wolfgang Winkler mit einem besonders hohen Engagement zugange gewesen sind, was, wie ich vermute, auch auf alle anderen anregend gewirkt hat. In Summe kam ein interessanter Kompetenzen-Mix zur Wirkung, der dem Ergebnis Gewicht gab.
Die Schlüsselperson dieser Crew war Fotograf Richard Mayr. Er hatte diesen Schritt von einer Gruppenausstellung in Ungarn hergeleitet, von dort ein paar Kunstschaffende mitgenommen, mit anderen kombiniert. Diese Kuratorentätigkeit führte zu einem kontrastreichen künstlerischen Statement, das vom Publikum mehr als deutlich honoriert wurde.
Wäre zu erwähnen, daß wir vom Unmut einiger Mitglieder der vorangegangen Gruppenausstellung gehört hatten, weil sie bei uns nicht im Boot waren. So als könne man eine Art künstlerisches Pauschalreise-Abonnement beziehen, anstatt selbst aktiv zu werden. Auf der konzeptionellen Seite war ich mit Mayr zu einem bestimmten Zeitpunkt der Projektentwicklung einig gewesen, daß wir etwas Exemplarisches versuchen und erreichen möchten, um ein Stück Klarheit zu finden. (Ich hatte im Hintergrund die Rolle des Archipel-Mitarbeiters.)
Die Frage lautete: Was gelingt, wenn wir das Vorhaben vollkommen aus eigener Kraft realisieren? Also nur unsere Ressourcen, unsere Kompetenzen, unsere Arbeitszeit und unser Geld. Die zweite Frage: Erreichen wir auf die Art ein Ergebnis, das dann auch kulturpolitische Relevanz hat? Und zwar im Sinn von: Dieses zivilgesellschaftliche Beispiel der Wissens- und Kulturarbeit hat eine Qualität, welche von einer öffentlichen Stelle begleitet und verstärkt werden könnte. (Ich denke, der Beleg dafür konnte erbracht werden.)
Mayr ist unternehmerisch erfahren, wovon das Ergebnis vorteilhaft geprägt wurde. Zum Beispiel durch Einfallsreichtum bezüglich des Budgets. So gab es etwa ein vorzügliches Catering vom Weinhof Ramminger, bei dem der Archipel mit annähernd plus/minus Null zurechtgekommen ist. Auch alle anderen Ausgaben konnten von uns abgedeckt werden. Dazu wurde natürlich wirksam, daß die Gastgeberschaft von Ulli und Georg Kurtz in der vormaligen Poststation unsere Arbeit begünstigt und uns einen unübertrefflichen Veranstaltungsort im Zentrum von Gleisdorf geboten hat.
Das Projektergebnis besagt ja nun nicht, diese Kulturformation könne man sich selbst überlassen. Gemeint ist: es geht um Synergie. Kluge Kooperationen können den Nutzen potenzieren. Hier zu investieren macht mehr aus dem aufgewendeten Geldbetrag und bringt einen inhaltlichen Gewinn jenseits von einsamen Events, denn im Archipel wird kontinuierlich gearbeitet.
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