Das erweiterte Buch: Transmediales#
(Bücher und Schnittstellen)#
Luis Siegl aka „Teglich Alois“ ist als Künstler in mehreren Genres zuhause. Wo wir im Inneren ja keineswegs bloß in Worten denken, sondern auch in Bildern, Klängen und Emotionen, bietet uns die Kunst mediale Möglichkeiten, davon etwas nach außen zu tragen.
Dazu sind wir mit der Fähigkeit zum symbolischen Denken ausgestattet, können also im Inneren Welten entwerfen, denken, erfahren, die es real nicht gibt. Manche nennen das gerne Kreativität, andere faseln von Genie. Ich sehe das sehr nüchtern als Teil der Conditio humana.
Dabei sind wir Menschen in unserer Grundausstattung sehr unterschiedlich gewichtet. Ich empfinde zwar auch Talente im Musikalischen und im Visuellen, aber ich bin vor allem ein Homme de Lettres. Dagegen schreibt Luis, zeichnet, sitzt als Musiker vor Publikum, trägt also ein viel breiteres Spektrum vom Innen zum Außen.
Am 18.09.2025 erreichte mich von ihm folgende Nachricht: „Servus Martin! Vielleicht täuscht mich auch meine subjektive Wahrnehmung, doch finde ich kaum mehr Buchillustrationen bei Neuerscheinungen am Markt. Ob das nun aus der Mode ist, kann ich nur vermuten, oder ich kauf/lese die ‚falschen‘ Bücher.“
Nein, ich denke, da täuscht er sich nicht. Ich habe in meiner Bibliothek verschiedene Beispiele dafür, daß Vignetten und größere Grafiken nicht nur in den bibliophilen Werken feiner, kleiner Editionen vorkamen. Auch in den Paperbacks aus dem Rotationsdruck, also in Massenware, konnte man sowas einst finden.
Bücher und ihre Schnittstellen zu anderen Genres. Das ist innerhalb meines Radius recht selten geworden. Was ich als Lyriker jüngst gemeinsam mit Fotograf Richard Mayr bei Keiper realisiert habe, fällt in dieses Spektrum, wobei Texte und Fotografien gleichwertig gewichtet wurden. Über diese Linie geht Chris Scheuer hinaus. Er läßt als Graphic Novelist das Visuelle dominieren. Aber seine Comics sind sehr literarisch. Außerdem verzichtet er nicht auf Momente mit seiner Fender Stratocaster.
In die andere Richtung gedacht: Ich sehe die Lyrik als eine sprachliche Form, die an visuelle Codes mitunter so nahe heranrückt, wie das bei diesen unterschiedlichen Kommunikationsformen überhaupt möglich ist.
Daß in Gedichten die Wortwahl großes Gewicht hat, weil es dabei um Sprachrhythmus geht, rückt dieses Genre also sehr nahe an die Musik heran. Deshalb der Begriff Sprachmelodie. In manchen Formen, wie zum Beispiel im chinesischen Mandarin, ergeben Unterschiede in der Sprachmelodie einen Bedeutungsunterschied der Aussagen,
Luis geht in all dem weiter in Bereiche, wo ich als Autor nicht mehr hinkomme. Erstens schreibt er Songtexte, zweitens trägt er sie Stücke selbst vor, was zweierlei bedeutet: Gesang und Piano. Und überdies kann er einen Inhalt auch noch grafisch umsetzen. Für mich ist das recht interessant, wenn ich - als vor allem Autor – Künstlern wie Mayr, Scheuer oder Siegl gelegentlich über die Schultern blicken kann.
- An solchen Tagen: Extension (Das erweiterte Buch)
Weiterführend#
- Luis Siegl aka Teglich Alois (Startseite)
- Christ Scheuer und die Strat (Videoclip)

