[{Image src='tangente004a.jpg' align='right' width='500' caption='Pareidolie: Sehen Sie hier ein Gesicht?' height='375'}]
!!!Die Tangente: Blicke, Deutungen
!!(Abstraktion, Pareidolie und andere Zusammenhänge)
von __[Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]__\\
Ich hatte kürzlich die Frage gestellt: ''„Weshalb begannen die Menschen Bildnisse herzustellen?“'' Das hatte sich im Gespräch mit Techniker Ewald Ulrich ergeben, der einerseits mit IT-Belangen befaßt ist und dabei wohl eine Menge Ahnung von Musterkennung braucht. Andrerseits hat er ein Faible für Höhlenmalerei, also für sehr frühe Belege dieser menschlichen Besonderheit.
Ich sprach aber auch mit Künstler Johannes Rubey darüber, der jenen Flow erwähnte, einen höchst fokussierten Zustand, den er beim Arbeiten an seinen peniblen Grafiken erlebt. Ich verwende bewußt diesen Begriff, den Psychologe Mihály Csíkszentmihályi geprägt hat,
Csíkszentmihályi schrieb in seinem Buch „flow - The Psychology of Optimal Experience“ (1990) an einer Stelle: ''„Just as some people are born with better muscular coordination, it is possible that there are individuals with a genetic advantage in controlling consciousness. Such people might be less prone to suffer from attentional disorders, and they may experience flow more easily.“''
Diese Ansicht sagt mir sehr zu, weil ich der Überzeugung bin, daß ein Leben in der Kunst etwas Obsessives hat, das sich aus einer persönlichen Konstitution ergibt, ähnlich wie das in der Auffassung von Neurodivergenz beschrieben wird. Was im Alltagsdiskurs etwas salopp „Talent“ genannt wird, halte ich für den Ausdruck solcher Disposition, die unter anderem physiologische Wurzeln hat.
!Was und wie wir sehen
Auf diese Themen reagierten inzwischen zwei Malerinnen. Martina Brandl, die mit sehr grundlegenden Techniken erfahren ist. Sie beherrscht den Umgang mit Pigmenten und das Herstellen von Farben.
Monika Lafer, übrigens auch Kunsthistorikerin, brachte den Begriff Pareidolie ein, der mir bis dahin unbekannt gewesen ist. Dazu Psychologe Johannes Magnus Kluth: ''„Pareidolie wird als die Tendenz bezeichnet, bekannte Strukturen in mehrdeutigen Situationen oder Bildern zu erkennen.“ ''(So in „Pareidolie: Dinge sehen, wo keine sind“, 2024)
Ich beziehe in meine Überlegungen noch ein, daß etwa Papageien, Raben, Tauben und sogar Schützenfische Gesichter erkennen. Schweine bilden ein visuelles Konzept menschlicher Gesichter. So beschrieben in „Pigs (Sus scrofa domesticus) categorize pictures of human heads“ von Marianne Wondrak, Elin Conzelmann, Ariane Veit und Ludwig Huber.
[{Image src='tangente004b.jpg' align='right' width='500' caption='Laufende Debatten… (Bachmann und Krusche by KI)' height='375'}]
Schweine zählen übrigens, wie auch Elstern, Delfine und große Menschenaffen, zu den Tieren, die sich in Spiegeln selbst erkennen können. Ich meine, da stehen wir vor einem Berg von Hinweisen darauf, daß Bildnisse spezielle Relevanz haben; nicht bloß für unsere Spezies.
!Bildnis und Konstruktion
Ich führe das weiter und erkunde derzeit unter anderem, was es bewirkt, wenn ich etwa mittels KI Bilder herstelle, die reale Personen zeigen, allerdings in Situationen, die nie stattgefunden haben. Das berührt zum Teil auch Fragen nach dem Recht am eigenen Bild.
Zitat:'' „Das Recht am eigenen Bild ist wie das Namensrecht ein Persönlichkeitsrecht. Es besteht darin, dass Bilder von Personen nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden dürfen, wenn dadurch berechtigte Interessen der/des Abgebildeten oder unter Umständen einer/eines nahen Angehörigen verletzt würden. Ob die Veröffentlichung eines Bildes zulässig ist, hängt davon ab, ob nach objektiven Gesichtspunkten schutzwürdige Interessen der/des Abgebildeten entgegenstehen.“'' (Bundeskanzleramt)
Dann ist da noch eine ganz andere Ebene, für mich als Autor freilich vorrangig. Ich meine, Text ist generell eine sehr raffinierte Art der Abstraktion und wir lernen ein Leben lang, Texte angemessen zu entschlüsseln. Das hat in Wissenschaft und Kunst freilich andere Situationen als etwa bei einer Einkaufsliste oder eine Betriebsanleitung wofür auch immer.
Für unsere aktuellen Belange gibt es ein spezielles Beispiel von Autorin Andrea Wolfmayr. Sie hat 1998 ihre Dissertation vorgelegt: „Farbsymbolik bei Ingeborg Bachmann und Paul Celan.“ (Farbworte als Stimmungsträger und -erzeuger in Lyrik und Prosa.) Zeichen, Symbole, Semantik… Wir werden nun in einem passenden Kommunikationsprozeß herausarbeiten, in welcher Form diese Summe an gemachten Erfahrungen und erworbenen Kompetenzen in einem gemeinsamen Vorhaben umgesetzt werden kann.
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[{Metadata Suchbegriff='Flow, Pareidolie, Tangente, Epoche Null, Konferenz in Permanenz, Kulturpolitik, Netzkultur, Tesserakt, Archipel Gleisdorf, Feuilleton' Kontrolle='Nein'}]
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