!!!Troll: Kräfteverhältnisse
!!(Definitionsmacht auf dem Jahrmarkt)
von __[Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]__\\
\\
Ich komme aus dem Gemeindebau. Graz, Münzgrabengürtel, siebter Stock. Wenn man in dieser Siedlung so doof war, den Falschen zweimal anzurempeln, also jemanden, dem man nicht gewachsen war, konnte man im nächstbesten Fahrradkeller vermöbelt werden; oder man wurde hinterm Haus beerdigt.
\\
[{Image src='troll002.jpg' align='center' width='600' caption='So mancher Hulk erweist sich bei genauem Hinsehen als Wichtel.' height='450'}]
Im Gemeindebau war es vorteilhaft, flott ein taugliches Gefühl dafür zu entwickeln, wer einem gegenüberstand, falls es Auffassungsunterschiede gab. Das war in der Welt der „Neuen Medien“ dann grundlegend anders. Ich erlebte derlei in den Netzen schon, bevor es bei uns das Internet gab. In den diversen Newsgroups und Foren tauchten immer wieder Leute auf, deren intellektuelles Leistungsvermögen mit ihrer Wichtigtuerei nicht mithalten konnten.
Was tun solche Genies, um das zu kompensieren? Sie gehen zum Beispiel allen anderen auf die Nerven. Werden sie daraufhin von einer Gruppe oder einem Forum ausgeschlossen, entscheiden manche Kanaillen, mit einem Fake-Account erneut Zugang zu suchen. Oder sie plärren wenigstens: „Zensur!“
So als hätte das auch nur im geringsten Maß mit Zensur zu tun, wenn ich meine Redaktionshoheit wahrnehme und einen Schnösel rausschmeiße, der mir die Zeit stiehlt, mein Publikum langweilt und bei all dem nichts zu bieten hat, außer dieses Gekränkt Sein.
!Fläche und Sendezeit
Das kann zu einem lästigen Problem werden, wo heute eine große Zahl der Menschen Webinhalte über ein Mobiltelefon durchsieht. Das bedeutet, ein Informationsangebot läuft über ein recht kleines Display, eine winzige Fläche. Knallt einem da ein Schnösel die Timeline mit seinen Tiraden voll, bedeutet das, er schiebt andere Inhalte beiseite, aus dem Blickfeld. Und er kapert Sendezeit.
\\
[{Image src='Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/rauschen/rauschen.jpg' align='center' width='600' height='450' caption='Offenbar für viele schwieriger als man glauben möchte.'}]
Das kann niemandem gefallen, der oder die ein Forum betreut. Ein Beispiel. Daniela Rybar ist Admin mehrere Facebook-Gruppen wie zum Beispiel „Gleisdorf & Weiz – Alles aus der Region“. Sie schrieb mir anlaßbezogen; Zitat:
''„Ein Phänomen, dass sich immer mehr verbreitet ist. Menschen äußern ihre Meinung (völlig legitim und wichtig), lassen aber andere Meinungen kaum bis gar nicht zu. Beißen sich an dem Thema dann regelrecht fest und kommentieren in Folge jeden einzelnen Beitrag dazu. In meinem ‚Job‘ sehr mühsam und unverständlich. Ich muss niemanden belehren. Ich kann eine Meinung haben, der andere kann eine andere Meinung haben und gut is! Das Ego spielt da eine große Rolle. Und mit Verlaub - diese Sturheit findet man vermehrt bei Männern. Die meisten Frauen lassen es irgendwann auf sich beruhen (Ausnahmen bestätigen aber auch da die Regel)“''
Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Gekränkte Eitelkeit scheint eine enorme Triebkraft zu sein. Solche Schnösel können für eine Weile wie klassische Stalker agieren. Da braucht man Strategien, um die eigene Arbeit zu schützen. Mit einem Stalker kannst du über Definitionsmacht und Definitionshoheit nicht verhandeln. Für den Stalker ist das Web ein Jahrmarkt, auf dem er sich produziert.
----
>[Home: Troll|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/troll] (Eine Farce)
>>[Kontext Rybar: Gleisdorf & Weiz – Alles aus der Region|https://www.facebook.com/groups/1069424321658055] (Facebook)
[{Metadata Suchbegriff='Facebook, Troll, Stalker, Aufdringling, Künstliche Intelligenz, Netzkultur, Diskurs, Archipel Gleisdorf, Feuilleton' Kontrolle='Nein'}]
----