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Caligula - Wahnsinniger Herrscher am römischen Kaiserthron?#

Von Ernst Zentner

Imperium Romanum. Damals war es üblich unbeliebte Herrscher durch vorgebliche sexuelle Vorlieben für die Nachwelt zu denunzieren. Die antiken Geschichtenerzähler wagten es Caligula (Gaius) zu einer der verachtenswertesten Herrscherfiguren zu reduzieren. Und darauf basierten die über Jahrhunderte tradierten Biografien.

Kaiser Caligula regierte von 37 bis 41 n. Chr. Er gilt als personifizierte Verkörperung von Grausamkeit und Pervertiertheit. Doch wer war er? Quellen gelten als nicht ergiebig. Nach seiner Ermordung am 24 Januar 41 wurde jegliche Erinnerung an ihn ausgemerzt. Sogar sein Mörder, der Kriegstribun der prätorianischen Garden, Cassius Chärea wurde beseitigt. Caligula - eigentlich Gaius, Caligula war sein Spitzname - war der Sohn des Kaisers Germanicus und seiner Ehefrau Agrippina. Geboren am 31. August 12 als Sohn des Feldherrn Germanicus in einem Lager in Antium (Anzio, Provinz Rom, Latium, Mittelitalien). Caligula wuchs bei den Soldaten am Rhein auf. Sein Name bedeutete "Soldatenstiefelchen", weil er statt die in Rom üblichen Sandalen sondern die "caligae" getragen hatte.

Kaiser Tiberius, Louvre Museum
Kaiser Tiberius, Marmor; Louvre Museum - Marie-Lan Nguyen (2005), Wikimedia Commons, Gemeinfrei
Jugendlicher Caligula, vor 37
Jugendlicher Caligula, vor 37; Vatikanische Museen - Foto: Rabax63 (2018), Wikimedia Commons, Gemeinfrei
Büste Kaiser Caligula, nach 37
Büste Kaiser Caligula, nach 37; Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen - Foto: Louis le Grand (2007), Wikimedia Commons, Gemeinfrei
Caligula, farbige Rekonstruktion auf einer Gipsreplik
Caligula, farbige Rekonstruktion auf einer Gipsreplik; Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen - Foto: Diagram Lajard (2011), Wikimedia Commons, Gemeinfrei
Nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahre 19 - unter nicht geklärten Umständen - kam der Jüngling zu seinem Onkel Kaiser Tiberius. Jener lebte in seinem Palast auf der Insel Capri, fernab vom Machtzentrum Rom und vergeudete seine Zeit angeblich mit perversen Spielchen. (In dessen Epoche ereignete sich die Kreuzigung Jesus von Nazareth.) Nur dürfte das Problem eher in der Unregierbarkeit Roms und den Senat zu sehen sein. Allerdings hatte er den Großteil der Familie Caligulas getötet. Sein Neffe dürfte von ihm in Fragen von Politik und Macht nicht sonderlich viel vermittelt bekommen haben, eher den Umgang zur Grausamkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen. Offenbar könnte der Gedanke an Rache auch eine gewisse Rolle gespielt haben. Endlich beförderte er seinen greisen Onkel in die Unterwelt und übernahm das Kaiseramt. Der Präfekt der Prätorianer, Naevius Sutorius Macro rief im März 37 Gaius zum offiziellen Imperator aus. Caligula begann als kluger Herrscher, der Prozesse niederschlug und Verbannten die Rückkehr nach Rom ermöglichte. Amnestie war angesagt. Jedenfalls versuchte er die Fehler seines Vorgängers Tiberius zu bereinigen. Für die Führungsschicht - vor allem für den Senat - ein optimistischer Anfang eines neuen Kaisers. Er war der Sohn des beim Volk beliebten Germanicus und deshalb versprachen sich die Kenner gewisse Vorteile und Toleranzen. Acht Monate später erkrankte der junge Imperator, erholte sich mühevoll und war seither nicht mehr derselbe. Von nun an gehörte Terror und Mord - auch Aufforderung zur Selbstvernichtung - zur Tagesordnung. Gaius regierte als absoluter Herrscher oder Tyrann. Jedoch war seine Herrschaft vom steten Geldmangel geprägt.

Das unter Tiberius in eine römische Provinz umgewandelte Kommagene (Kleinasien, Türkei) wurde wieder Königreich. Der jüdische Fürst und Freund Kaiser Gaius, Iulius Agrippa, erhielt Gaulanitis, Trachonitis und Abilene (alle Palästina), 39 noch dazu Galilaea (Galiläa)und Peraea als Klientelkönigtum. Dass da Geldsummen nach Rom gekommen waren, war natürlich klar.

39 bis 40 unternahm er einen Zug mit 200.000 Soldaten an den Rhein und an den Ärmelkanal. Ihm unterwarf sich ein britischer Prinz. Aber ein sonderlicher militärischer Erfolg, wenn es einer war, war das schon offenbar nicht. Er kehrte nach Rom zurück um seine Schreckensherrschaft fortzusetzen.

Auch außenpolitische Misserfolge setzten ein. Weil Ptolemaios von Mauretanien (Nordwestafrika) ermordet wurde, brach dort ein Aufstand aus. Der armenische König Mithradates wurde vertrieben und kein Nachfolger eingesetzt.

Gaius forderte von den Juden, dass in ihren Synagogen Kaiserbildnisse zu verehren seien. Eine Intervention von Juden aus Alexandria brachte in Rom nicht den geringsten Erfolg.

Inzwischen sah sich Gaius als Gott - und sogar als Göttin! - und hielt Zwiesprache mit einer Jupiterstatue. Er forderte den kostenintensiven Bau einer langen Brücke vom Kaiserpalast zum Jupitertempel.

Um ihn hinzuhalten beschloss der Senat Gaius als Gott anzusehen und ihm einen Tempel zu errichten (40).

Doch irgendwann wurde für die Senatoren und Prätorianer die Schmerzgrenze des Erduldbaren, generell ging es doch nur um überhöhte Steuern und ideelle Ungerechtigkeiten, erreicht. Gaius führte neue Steuern für die Bevölkerung ein (40). Erfolglose Verschwörungen gegen ihn bestrafte er auf das Härteste. Cn. Cornelius Lentulus Gaetulicus und M. Aemilius Lepidus erlitten Hinrichtungen, Gaius verbannte seine Schwestern Agrippina und Iulia Livilla aus Rom. Eine weitere allerdings privat geführte Verschwörung überfiel Caligula und er wurde im Januar 41 von den Prätorianern brutal ermordet. Damit endeten nahezu vier Jahre Gewaltherrschaft. Nach ihm kam der "liberalere" Kaiser Claudius, der den Mörder Caligulas und weitere unliebsame Mitwisser aus der Welt schaffen ließ...

Copyright Ernst Zentner


Quellen (Auswahl)
Siehe auch