Augustiner Chorherrenstift Klosterneuburg#

17. März bis 18. November 2018
Römerlager Arrianis. Der Limes in Klosterneuburg

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Vor 1900 Jahren befand sich an der Stelle des Augustiner-Chorherrenstiftes auf dem Klosterfelsen ein römisches Lager, das Teil des Donaulimes war. Sein Name, Arrianis, steht erst seit jüngster Zeit fest. Als westlichstes Lager der Provinz Pannonien war Arrianis ab dem 1. Jahrhundert Standort einer Hilfstruppenkohorte bis zu 1000 Mann. Es deckte die Flanke des großen Legionslagers Vindobona ab und sicherte die Römerstraße und den Donauübergang ins Barbaricum.

Foto: Michael Himml

Wenn auch kein aufgehendes römisches Mauerwerk mehr zu sehen ist, gibt nun eine begehbare Grabung unter dem Kreuzgang Einblick in die seit Jahrhunderten ständig erfolgten Um- und Zubauten. Sie ist ein wesentlicher Teil der Jahresausstellung "Römerlager Arrianis".



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Den Einstieg in die Präsentation bildet ein großes Modell des Stiftsareals zur Zeit der Weihe der Kirche, 1136. Damals bestanden hier wohl noch Mauerteile des Limeslagers. Der heilige Markgraf Leopold III. dürfte die im Mittelalter überbauten Lagerruinen als "alte Burg" verstanden haben, als er seine Residenz, die neue Burg - Nivenburg - baute und das Kloster stiftete.


Foto: Michael Himml

Die Chorherren zeigten Interesse an der Geschichte ihres Standortes. Als sie 1736 das alte Kanonikerhaus und einen Stadtturm demolieren ließen, machten sie einen Münzfund: ein Topf mit Deckel enthielt 33 römische Münzen. Benedikt Prill (1721-1759), der eine Stiftsgeschichte verfasste, dokumentierte diesen in Wort und Bild. Auch spätere archäologische Funde fanden Eingang in das Stiftsarchiv, etwa jene während der Bauarbeiten auf dem Stiftsplatz 1837/38.

Gezielte Grabungen fanden dort 1953 statt. Damals legte Prof. Karl Öllinger Vorgängerbauten frei, wie das früheste gotische Gebäude Österreichs, die Capella speciosa, die 1222 bis 1799 bestand. Aus römischer Zeit kamen Teile eines Bades, der Lagermauer und eines Turmes aus dem 4. Jahrhundert zu Tage. 2007 wurde im Zuge von Umbauarbeiten am Parkplatz die südwestliche Mauer angeschnitten. 2011 fand man bei Reparaturen der Pfisterstiege das Skelett eines jungen Mannes aus der Zeit zwischen 135 und 350 n. Chr.

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Als besonders ergiebig erwies sich 1983 die Entdeckung einer spätrömischen Zisterne, als deren Baumaterial Grabsteine und Weihealtäre aus dem 2./3. Jahrhundert dienten. Die meisten Stelen enthalten neben Inschriften figürlichen Reliefschmuck. Auf drei Steinen finden sich Portraits, wobei die Frauen in ihrer keltischen Tracht abgebildet sind. Das Lapidarium mit diesen ungewöhnlich gut erhaltenen Objekten ist ein Teil der Ausstellung. Der Katalog dokumentiert die Ergebnisse der Forschungsarbeiten, wie die Übersetzung der Inschriften.



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Ein Highlight der Ausstellung ist die bronzene Entlassungsurkunde des Soldaten Soio aus dem Jahr 80. Man fand es, kaum beschädigt, im Schutt beim Bau der neuen Apsis der Stiftskirche 1839. Solche Militärdiplome verlieh der der Kaiser als oberster Kriegsherr Soldaten, die noch kein römisches Bürgerrecht hatten und dadurch Privilegien erhielten. Die in Arrianis stationierten Soldaten kamen aus dem heutigen Balkan, der Türkei, Dalmatien und anderen Teilen des römischen Reiches. Weitere Bodenfunde geben im 1. Teil der Schau Einblick in das Alltagsleben im Lager und der zivilen Siedlung.

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Der 2. Teil in der Sala-Terrena-Galerie zeigt anhand ausgewählter Objekte aus den Stiftssammlungen das Interesse des Chorherrenstiftes an der Antike. Aus der Renaissancezeit stammen Reliefs, Kupferstiche und Bronzestatuetten zu mythologischen Themen. Der Hofbildhauer Kaiser Karl VI., Lorenzo Mattielli (1688-1748), der die Atlantenfiguren für die Sala Terrena schuf, fertigte eine fast halbmeterhohe Marmorfigur an. In der Weltkugel, die dieser Atlas trägt, verbirgt sich ein Tabaksbehälter. Dem Zeitgeschmack entsprechend, waren die Wände der barocken Repräsentationsräume mit "Capricci" geschmückt, die phantastische Architekturensembles, antike Ruinen und Landschaften darstellten.

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Der Klassizismus mit seiner ausgeprägten Liebe zum Altertum ist u. a. mit einer Marmorbüste Johann Joachim Winckelmanns vertreten. Im 20. Jahrhundert sammelte Prälat Alfred Sammer zum Thema passende Objekte. Dazu zählen Alt-Wiener und Meißener Porzellanfiguren ebenso wie moderne Gemälde. Das jüngste ist ein leuchtendrotes Acrylbild aus der Serie "Senatus consultum" von Marcus Prachensky aus dem Jahr 2005.




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Fotos: Doris Wolf, außer Ausgrabungen und "Fragmenta" (Michael Himml)