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Porzellanmuseum

Ab 20. März 2018
Ewig schön. 300 Jahre Wiener Porzellan 1718–2018

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Vor 300 Jahren, am 27. Mai 1718, unterzeichnete Kaiser Karl VI. ein 25-jähriges Privileg für Claudius Innocentius Du Paquier zur Gründung einer Wiener Porzellanmanufaktur. Es war die zweite in Europa, nach Meißen, woher auch die ersten Mitarbeiter kamen. Als Standort wählte der Unternehmer das Gräflich Kuefsteinsche Haus in de Vorstadt Rossau (Wien 9), wo sich Sommerpalais von Fürsten und Grafen befanden. Sie stellten der Fabrik ostasiatische Vorbilder zur Verfügung und wurden ihre ersten Kunden. 1720 verließen die wichtigsten Mitarbeiter die Firma, nachdem sie die Massevorräte zerstört und einen Schaden von 15.000 Gulden verursacht hatten.

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1721 übersiedelte die Fabrik in das Breunersche Sommergebäude in der Porzellangasse und hatte bald wieder 20 Beschäftigte. Das wohl beeindruckendste Stück aus diesen Jahren ist ein Uhrgehäuse mit bunter Bemalung, dessen plastischer Dekor Löwen, Drachen, Knaben und Blüten zeigt. Das mit 1725 datierte Exponat kam aus dem Museo Civico in Turin als Leihgabe in die Wiener Ausstellung. Obwohl man das Wiener Porzellan wegen seiner "sonderbaren Schönheit" international lobte, hatte Du Paquier finanzielle Probleme. 1729 veranstaltete er eine Lotterie mit 2000 Gewinnen, der weitere folgten





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Die Luxusware Porzellan entsprach dem Zeitgeist der nach der Zweiten Osmanischen Belagerung aufstrebenden Stadt Wien. Mythologische Darstellungen zählten zu den adeligen Lieblingsthemen. Französische Dekorationsmotive, wie Laub- und Bandelwerk kamen über deutsche Kupferstiche nach Wien. Hier setzten sie die Porzellanmaler in elegantem Schwarzlot mit Goldhöhungen um.




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1744 begann eine neue Epoche der Manufaktur, aus dem Privatunternehmen wurde ein kaiserliches. Du Paquiers Schuldenlast war erdrückend, doch behielt er, nach Preisgabe seiner Firmengeheimnisse, die Oberaufsicht und ein fixes Gehalt, er starb 1751. Die Fabrik erhielt neue Brennöfen und eine Schutzmarke, den österreichischen Bindenschild als Staatswappen. Damals änderte sich auch der Stil der Erzeugnisse. Die Porzellankünstler perfektionierten die Blumenmalerei und schufen filigrane Figuren. Um 1760 erwirtschaftete die Firma wieder Gewinne und gab 140 Personen Arbeit




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Kaiser Joseph II. war mit dem Staatsbetrieb nicht glücklich. Die Fabrik sollte versteigert werden, doch fand sich kein Interessent. Seit 1784 wirkte Conrad Sörgel von Sörgenthal als Sanierer und Direktor. Er forderte die akademische Ausbildung der Maler und Modelleure. Der Chemiker Joseph Leithner unterstützte ihn in technischer Hinsicht. Das nach seiner Erfindung zubereitete Gold und das "Leithnerblau" übertrafen alle Konkurrenzprodukte. Anton Kothgasser wirkte als Gold- und Dessinmaler, Anton Grassi als Modellmeister. Die Prachtware im Stil des Klassizismus erfüllte den Anspruch auf Vollkommenheit.

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1808, drei Jahre nach Sorgenthals Tod, erzielte die Fabrik ihren höchsten Reingewinn. Sie hatte nun an in Wien und im Hilfswerk Engelhartszell 500 Angestellte und mehr als 40 Brennöfen. Die napoleonischen Kriege bedeuteten einen harten Rückschlag. Der Wiener Kongress, 1814/15 brachte der Wiener Fabrik die größten Erfolge. Monarchen und Hochadelige kamen zu Besuch und erteilten Aufträge. Zu den künstlerischen Höchstleistungen zählten Blumenstillleben von Joseph Nigg und Veduten von Jacob Schufried. Das Tafelporzellan beeindruckte durch metallische Oberflächen.

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Mit dem Spätbiedermeier kamen historisierende Tendenzen, gotische und barocke Formen waren gefragt, japanische Gestaltungen, wie Kakiemon- und Imari-Dekore erhielten neue Aufmerksamkeit. Scherzhafte Kuriositäten wie Kipferl und Semmeln aus Porzellan erfreuten die Sammler. 1864 wurde die kaiserliche Porzellanmanufaktur nach langen Debatten geschlossen. "Ihr künstlerischer Anspruch musste der Konkurrenz weichen".



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Der Neubeginn setzte 1923 mit der Gründung der Wiener Porzellan-Manufaktur Augarten ein. Sie pflegte die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern, die neue Impulse brachten.


Alle Fotos: Doris Wolf