unbekannter Gast

Erdöl#

Bohrgerät bei Bockfließ/N.Ö.(mit Klick vergrößern!) © P. Diem
Bohrgerät bei Bockfließ/N.Ö.

Schwarzbraune bis gelbliche Flüssigkeit vorwiegend aus Kohlenwasserstoffen mit einer Dichte zwischen 0,8 bis 0,9 g/cm³ (Rohöl). In Österreich befassen sich OMV AG, RAG (Rohöl-Aufsuchungs AG) und Van Sickle Ges. m. b. H. mit der Aufsuchung und Förderung von Rohöl, das zu den bundeseigenen Rohstoffen gehört. Die systematische Aufschließung von Erdöl begann um 1925 zunächst im Auftrag der Vacuum Oil Company. 2 andere ausländische Gesellschaften, die Steinberg-Naphta (mit französischem Kapital) und die deutsche Raky-Danubia, führten in den folgenden Jahren Probebohrungen durch. Den entscheidenden Erfolg brachte erst 1934 die Bohrung Gösting II mit einer Fördermenge von 30 t Rohöl täglich aus einer Tiefe von 926 m. Daraufhin gründeten Shell und Vacuum Oil gemeinsam die Rohölgewinnungs-AG.

1938-45 wurde die Erdölgewinnung stark forciert, 1946 erklärte die sowjetische Besatzungsmacht aufgrund der Potsdamer Beschlüsse rund 95 % der Erdöl- und Erdgasgewinnung in Österreich zum deutschen Eigentum und gründete zur weiteren Erdölnutzung die "Sowjet. Mineralöl-Verwaltung" (SMV). Erst nach dem Staatsvertrag kamen im August 1955 die Erdöl- und Erdgasfelder (Erdgas) in den Besitz der Republik Österreich, womit auch die Verstaatlichungsgesetze von 1946 und 1947 (Verstaatlichung) wirksam wurden. Nachfolgerin der SMV wurde die 1955 gegründete staatliche Österreichische Mineralölverwaltung AG (ÖMV). Damit begann auch (nach Vorarbeiten seit 1947) die Erforschung des oberösterreichisch-salzburgischen Alpenvorlands, zunächst durch die RAG, seit 1965 auch durch die ÖMV bzw. OMV.

In Österreich wurden bis Ende 1997 insgesamt 107 Millionen Tonnen Röhol gefördert. Das Maximum wurde 1955 mit einer Jahresförderung von 3,66 Millionen Tonnen erreicht, heute wird weniger als 1 Drittel dieser Menge jährlich gefördert (1997: 0,93 Millionen Tonnen). 1999 verzeichnete die OMV 790 Erdöllagerstätten in Niederösterreich und Oberösterreich. Die mit Abstand wichtigsten Erdölgebiete sind das Wiener Becken mit seinem geologisch komplizierten Stockwerksbau und die oberösterreichische Molassezone im Alpenvorland. Das größte Ölfeld ist das Feld Matzen (OMV, 1949 entdeckt), weiters sind Kemating (Gemeinde Lohnsburg am Kobernaußerwald), Voitsdorf und Sattledt (alle RAG, Oberösterreich) bedeutend. Derzeit (1999) können rund 37 % des im Poren- oder Kluftraum befindlichen Erdöls aus dem Untergrund gefördert werden. Zur Erhöhung der Förderraten wird Wasser in Ölfelder eingepresst ("Fluten"). Rund 1 Drittel der jährlichen Ölproduktion wird durch derartige Verfahren ("sekundäre Ölgewinnung") gefördert. Weitere Innovationen sind die Anwendung der Horizontalbohrtechnik, die zu einer erhöhten Ausbeute der Lagerstätte führt. Im Herbst 1991 wurde diese Technik unter der Bezeichnung "Steinberg 20h" im nördlichen Wiener Becken erstmals erfolgreich (45 Tonnen proTag) in Österreich angewendet. Das geförderte Rohöl wird zur Gänze in der Raffinerie Schwechat der OMV verarbeitet, die eine Verarbeitungskapazität von 10 Millionen Tonnen proJahr hat.

Konnte bis 1958 noch der gesamte Erdölbedarf aus heimischen Quellen gedeckt werden, so betrug der Selbstversorgungsgrad 1980 15,1 %, 1990 14,5 % und 1997 11,0 %.

Für den Transport von Erdöl ist die Transalpine Ölleitung (TAL), die von Triest (Italien) über Kärnten, Salzburg und Tirol nach Ingolstadt (Deutschland) verläuft, von Bedeutung; von der TAL zweigt in Würmlach (Kärnten) die Adria-Wien-Pipeline (AWP) ab, die die Raffinerie Schwechat mit Importrohöl versorgt. Im Zuge der AWP wurde ein Tanklager in Lannach (Steiermark) angelegt. Weitere Tanklager befinden sich in St. Valentin (Niederösterreich), Lobau (Wien) und Krift bei Kremsmünster (Oberösterreich).

Die "sicher und wahrscheinlich gewinnbaren Reserven" an Rohöl betrugen 1997 in Österreich rund 8,4 Millionen Tonnen.

Literatur#

  • F. Brix und O. Schultz (Hg.), Erdöl und Erdgas in Österreich, 1993