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Ferdinand II.#

* 9. 7. 1578, Graz (Steiermark)

† 15. 2. 1637, Wien

Kaiser


Ferdinand II., geb.1578
Marienkrönung mit Kaiser Ferdinand II. und Papst Urban VIII. Gemälde (Neuklosterkirche in Wr. Neustadt, NÖ.)
© Neuklosterkirche in Wr. Neustadt, für AEIOU

Sohn von Erzherzog Karl II. von Steiermark, Enkel von Kaiser Ferdinand I.

Ausbildung in Graz und Ingolstadt. Beim Tod des Vaters 1590 war er minderjährig. Um ihn dem in Graz herrschenden starken protestantischen Einfluss zu entziehen, wurde er von seiner Mutter Maria von Bayern nach dem Tod des Vaters zu den Jesuiten nach Ingolstadt (Bayern) geschickt. Nachdem er 1594 Kaiser Rudolf II. kennengelernt hatte, gestattete ihm dieser die Rückkehr nach Graz.

Ab 1595 war er Regent von Innerösterreich (Steiermark, Kärnten und Krain). Da Erzherzog Ferdinand II. von Tirol am 24. 1. 1595 gestorben war (seine Söhne aus der Ehe mit Philippine Welser waren von der Erbfolge ausgeschlossen), übernahm er auch die Regierung in dessen Ländern. Er setzte dort mit Härte die Gegenreformation durch. Die Protestanten mußten das Land verlassen.

Am 23. 4. 1600 heiratete er in Graz Maria Anna von Bayern, mit der er sieben Kinder hatte. Noch zu Lebzeiten Kaiser Matthias' schloss er mit der spanischen Linie des Hauses einen Vertrag, der ihm die Herrschaft in den österreichischen Erblanden sicherte (20. 3. 1617).

Am 29. 6. 1617 wurde er in Prag zum König von Böhmen und am 1. 7. 1618 in Preßburg zum König von Ungarn gekrönt. Vor seiner Einsetzung zum König von Böhmen hatte er wohl den Majestätsbrief Rudolfs II. bestätigt, doch stellten die protestantischen Stände fest, dass die Zusagen nicht respektiert wurden - so kam es am 23. 5. 1618 zum Prager Fenstersturz und damit zum Beginn des Dreißigjährigen Kriegs.

Es kam zu Auseinandersetzungen mit den Ständen von Niederösterreich und Oberösterreich, die zur Sturmpetition am 5. 6. 1619 führten. Am 28. 8. 1619 (nach dem Tod seines kinderlosen Cousins Kaiser Matthias )wurde Ferdinand in Frankfurt am Main zum Kaiser gewählt und am 9. 9. gekrönt.

Nach dem Sieg am Weißen Berg 1620 setzte er den Absolutismus in Böhmen ("Vernewerte Landesordnung", 1627) und Österreich durch. Mit Unterstützung der Katholischen Liga, der Truppen Tillys und Wallenstein gelang die Unterwerfung und Rekatholisierung Böhmens.

Wie gefestigt nun des Kaisers Macht in ganz Deutschland war, zeigt die Erlassung des Restitutionsedikt vom 6. 3. 1629. Der wohl zu mächtig gewordene Wallenstein wurde 1630 entlassen und am 25. 2. 1634 ermordet. Inwieweit Ferdinand darin verstrickt war, wurde nie restlos geklärt.

Der Versuch des Kaisers, durch den Frieden von Prag (30. 5. 1635) mit dem Kurfürsten von Sachsen den Krieg zu beenden, schlug fehl. Kurz vor seinem Tod gelang ihm noch am 22. 12. 1636 die Wahl und Krönung seines Sohnes, Erzherzog Ferdinands IV., zum römisch-deutschen König Ferdinand III.

Nachdem seine Gattin Maria Anna am 8. 3. 1616 gestorben war, hatte Ferdinand mit 44 Jahren am 2. 2. 1622 die um 20 Jahre jüngere Eleonore von Mantua aus dem Haus Gonzaga geheiratet. Diese Ehe blieb kinderlos, Eleonore starb am 27. 6. 1655.

Ferdinand war äußerst fromm und führte ein vorbildliches Familienleben. Sein Mausoleum in Graz ist ein hervorragendes Kunstwerk.


--> Giovanni Battista Bonometti: Parnassus musicus Ferdinandeus (Musik-Lexikon)

Literatur#

  • H. Sturmberger, Ferdinand II. und das Problem des Absolutismus, 1957
  • J. F. Franzl, Ferdinand II., Kaiser im Zwiespalt der Zeit, 1988
  • M. Frisch, Das Restitutionsedikt Kaiser Ferdinands II. vom 6. 3. 1629, 1993
  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.