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Feuerwehr#

Unter der Aufsicht der Landesregierungen stehende, einheitlich gestaltete und von geschulten Kräften geführte technische Einrichtung der Gemeinden oder bestimmter Betriebe zur Feuerbekämpfung und Gefahrenabwehr. Das Feuerwehr- und Brandschutzwesen ist in Gesetzgebung und Vollzug Landessache; die Durchführung wird von den Gemeinden vollzogen. Die über 4550 freiwilligen Feuerwehren in Österreich sind entweder als öffentlich rechtliche Körperschaften oder als Einrichtungen der Gemeinde organisiert. In Gemeinden, in denen es nicht gelingt, eine freiwillige Feuerwehr zu errichten, wird eine Pflichtfeuerwehr bestellt. In den Landeshauptstädten Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt sowie in der Bundeshauptstadt Wien bestehen Berufsfeuerwehren. In Betrieben, die einen erhöhten Brandschutz brauchen, wird eine Betriebsfeuerwehr (rund 320) aufgestellt, die auch behördlich vorgeschrieben werden kann. Die Kosten der Feuerwehr tragen die Gemeinden bzw. die Betriebe. Alle Landesfeuerwehrverbände sind in der Dachorganisation Österreichischer Bundesfeuerwehrverband (ÖBFV) zusammengefasst (gegründet 1948). Die Prüfstelle für Brandschutztechnik der ÖBFV Ges. m. b. H. ist eine staatliche akkreditierte Prüf- und Überwachungsanstalt mit Außenstellen in den einzelnen Bundesländern.

Im Mittelalter lag der Brandschutz in den Händen der Gemeinden, zur Bekämpfung der Brände wurden Innungen und Zünfte verpflichtet. In der ältesten bekannten Feuerordnung von 1086 war der Brandlöschdienst in Meran Aufgabe der Handwerkerzünfte. 1642 führte Innsbruck die Abhaltung einer regelmäßigen "Feuerbeschau" ein. 1685 richtete die Stadt Wien mit einer Feuerwehrzentrale Am Hof die erste Berufsfeuerwehr Europas ein. 1780 bzw. 1782 wurden für alle österreichischen Länder einheitliche Feuerordnungen erlassen. Die organisierte Brandbekämpfung setzte Mitte des 19. Jahrhunderts ein; damals errichteten die Turnvereine die ersten Feuerwehrabteilungen, aus denen sich die ersten freiwilligen Feuerwehren bildeten (1857 Innsbruck, 1861 Krems, 1862 Wiener Neustadt und Hainburg, 1863 St. Pölten und Wels, 1864 Klagenfurt, Steyr und Oberndorf bei Salzburg, 1865 Enns, Bad Ischl, Wien-Pötzleinsdorf, Graz usw.). Sie schlossen sich in den folgenden Jahren zu Bezirks- und Landesfeuerwehrverbänden zusammen, die 1889 den "Ständigen österreichischen Feuerwehrausschuss" bildeten (1900 in Österreichischen Feuerwehrverband, 1917 in Österreichischen Reichsverband für Feuerwehr- und Rettungswesen und 1935 in Österreichischen Feuerwehrverband umgewandelt). Die ersten berufsgebundenen Betriebsfeuerwehren entstanden mit dem 1813 gegründeten Feuerlöschtrupp der Tabakfabrik in Fürstenfeld und 1831 in Schwaz; die Betriebsfeuerwehren bildeten 1900-38 einen eigenen Verband. Die Aufgaben der Feuerwehren verlagerten sich in den letzten Jahrzehnten immer stärker auf technische Einsätze (Verkehrsunfälle, Bergungen, Überflutungen). Auf die Produktion der technischen Ausrüstung spezialisierten sich in Österreich die Firmen Rosenbauer in Leonding (Oberösterreich), Lohr-Magirus in Kainbach (Steiermark) und Marte in Weiler (Vorarlberg). Brände.

Weiterführendes#

Literatur#

  • Fachschriftenreihe für die österreichische Feuerwehr, 1848ff.
  • Österreichisches Feuerwehrbuch, herausgegeben vom Österreichischen Bundesfeuerwehrverband, 1952
  • F. Czeike, Das Feuerlöschwesen in Wien (13.-18. Jahrhundert), 1962
  • H. Schneider und andere, Das große österreichische Feuerwehrbuch, 1986
  • J. Würzelberger, Das Niederösterreichische Feuerwehrmuseum, 1994
  • H. Valentinitsch und J. M. Perschy (Redaktion), Feuerwehr gestern und heute, Ausstellungskatalog, Halbturn 1998


  • Jahrbuch - 120 Jahre Österreichischer Bundesfeuerwehrverband - Sonderausgabe 2010 - ÖBFV 1889-2009 ISBN 978-3-9502364-8-4

-- arthur schuchlenz, Sonntag, 7. Februar 2016, 18:14