Österreichische Expeditionsfahrten

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unternahmen österreiche Kaufleute und die Österreichische Marine Expeditionen in die Nordpolarregion und nach Südasien mit kolonialen Hintergedanken. Trotz seiner ab 1374 bestehenden Anbindung an die Adria und der Unterstellung der Hafenstadt Triest im Jahre 1382 unter österreichische Herrschaft waren die Habsburger als Herrscher der Großmacht Österreich jahrhundertelang nicht an einer Ausdehnung ihrer Herrschaft nach Übersee interessiert gewesen - im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Mächten. Erst im 18. Jahrhundert hatte Österreich bescheidene Ansätze einer auf die Weltmeere gerichteten Kolonialpolitik unternommen, die jedoch noch im gleichen Jahrhundert wieder aufgegeben wurden.

Inhaltsverzeichnis

Österreichische Kolonialgeschichte

Kaiser Joseph II. hatte Wilhelm Bolts und dem Grafen Probi die Gründung der Ostindischen Compagnie mit Sitz in Triest gestattet. Wilhelm Bolts wurde vom Kaiser zum Obristlieutnant ernannt. Die österreichische Ostindische Compagnie schickte in den Jahren 1777/78 das Schiff Theresia und Joseph auf Reise, für den Erwerb von Land und der Begründung von Handelsniederlassungen an den Küsten von Afrika und Asien. In der Delagoa Bai in Ostafrika begründete Wilhelm Bolts eine Faktorei und erwarb das Küstengebiet von Kanara im südwestlichen Indien. Bolts nahm auch die Inselgruppe der Nikobaren im Golf von Bengalen für die Ostindische Compagnie in Besitz. Die Nikobaren gingen aber schon 1781 wieder verloren und nach dem Zusammenbruch der Gesellschaft im Jahre 1785 lösten sich auch die anderen Niederlassungen der österreichischen Ostindienkompanie wieder auf.

Österreichisch-Ungarische Expeditionsfahrten

Novara-Expedition

Hauptartikel: Novara-Expedition

Unter dem Kommando des Commodore von Wüllerstorf-Urbair startete die Fregatte "Novara" im April 1857 von Triest zu einer Forschungsreise um die Welt. Im August 1859 kehrte sie mit umfangreichen Forschungsergebnissen von ihrer Weltumseglung zurück.

Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition

Bei der Nordpolexpedition wurde die "Admiral Tegetthoff" im Eis aufgegeben

1872 ging eine österreichische Expedition mit dem Schoner "Admiral Tegetthoff" auf eine Fahrt in die Arktis. Nachdem das Schiff über ein Jahr im Packeis eingeschloßen war, konnte ein Teil der Besatzung am 2. November 1873 zu Fuß über das Eis die von ihnen Franz-Joseph-Land genannte Inselgruppe im Nordpolarmeer erreichen und beanspruchte sie mit der Hissung der rot-weiß-roten Flagge für Österreich-Ungarn. Österreich verzichtete aber auf die Ausübung seines vermeintlichen Besitzrechtes an den Inseln zugunsten Russlands.

Weitere Expeditionen und Kanonenbootpolitik

Der österreichische Geschäftsmann Gustav Freiherr von Overbeck wollte Anfang der 1870er Jahre Land im Nordosten der Insel Borneo für die österreichische Monarchie erwerben und ersuchte die Regierung in Wien um eine Übernahme des Landes als österreichische Kolonie. Österreich schickte daraufhin die Korvette Erzherzog Friedrich nach Asien, um das von Overbeck vorgesehene Land zu erkunden. Nach einem Gefecht mit Eingeborenen an der Küste von Borneo, an der Mündung des Flusses Siboku, am 7. Mai 1874, endete das Interesse Wiens an einer Kolonie auf Borneo und der dortige Herrscher, der Sultan von Sulu, überließ 1878 das Gebiet einer britischen Gesellschaft, woraus die englische Kolonie Britisch-Nordborneo wurde.

1884 ging die österreichische Korvette Helgoland auf Erkundungsfahrt nach Westafrika ohne aber Land zu erwerben. 1884 und 1885 besuchte die österreichische Korvette Aurora Brasilien und die La-Plata-Staaten, um kommerzielle Studien zwecks der Anknüpfung von Handelsbeziehungen zu betreiben.

1893 erkundete die Korvette Saida und 1896 das Kanonenboot Albatros die Insel Guadalcanal im Pazifik, in der Hoffnung dort Nickel zu finden, um dann die Insel zu einer österreichischen Kolonie zu machen. Die Expedition von 1896 stand unter der Leitung des Wissenschaftlers Heinrich Freiherr Foullon de Norbeeck und verließ den österreichischen Hafen Pola am 2. Oktober 1895. Diese Expedition fand aber nach einem Gefecht mit Einheimischen im Inneren der Insel am 10. August 1896, bei dem fünf Österreicher, unter ihnen de Norbeeck, ums Leben kamen, ihr Ende. Daraufhin übernahm das Deutsche Reich die Insel.

Flagge Österreich-Ungarns auf dem Dach der österreichischen Marinekommandantur im Konzessionsgebiet von Tientsin (1903)

1901, nachdem Guadalcanal 1899 vom Deutsche Reich gegen Teile von Samoa eingetauscht worden war, und die Insel nun zu Großbritannien gehörte, errichtete die Marine von Österreich-Ungarn ein Steinkreuz auf der Insel mit der Aufschrift: „Dem Andenken der im Dienste der Wissenschaft beim Kampfe am Fuße des Berges Tatube heldenmütig gefallenen Mitglieder der Expedition S.M.S. Albatros.“

1899 schickte die österreichische Regierung den Kreuzer Kaiserin Elisabeth nach China, mit der Erwägung, „ob Österreich nach deutschem Muster einen chinesischen Hafen pachten solle, um den Handel mit Ostasien zu fördern“. Deutschland hatte 1897 das Gebiet von Tsingtau in China als Pachtgebiet erworben. Österreich begnügte sich aber dann damit, wie andere europäische Mächte in der chinesischen Hafenstadt Tientsin am 11. Februar 1901 ein Konzessionsgebiet im Internationalen Settlement der Stadt zu erwerben. Während des Ersten Weltkrieges zog China diese und auch die deutsche Konzession 1917 wieder ein.

Literatur

  • Köhlers Flottenkalender 1996 Das deutsche Jahrbuch der Seefahrt, Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 1995, Artikel: Die Entwicklung der maritimen Herrschaftsgebiete der habsburgischen Erblande vom XIV. Jahrhundert bis 1806 sowie des Kaiserreichs Österreich bzw. Österreich-Ungarn von 1804 bis 1918. von Heinz Christ, ISBN 3-7822-0625-8, Seiten 163–168 und 214–215