Albert Joseph Gasteiger

Albert Joseph Gasteiger Freiherr von Ravenstein und Kobach

Albert Joseph Gasteiger Freiherr von Ravenstein und Kobach (* 28. März 1823 in Innsbruck; † 5. Juli 1890 in Bozen) war ein österreichischer Diplomat, Zivilingenieur und Forschungsreisender am persischen Hof. Dort wurde er als Gāstager Khan bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gasteiger wuchs in Innsbruck auf und studierte Philosophie in Verona und Ingenieurswissenschaften am Polytechnischen Institut Wien. 1846 trat er in den österreichischen Zivilingenieursdienst ein und war mit dem Bau von Eisenbahnstrecken, mit Straßenentwürfen und Flussbegradigungen beschäftigt. Dabei war er auch am Bau des großen Doppelviadukts und diversen Tunnels der Semmeringbahn beteiligt. Aufgrund des Verkaufs der österreichischen Staatsbahnen an Franzosen verlor er seine Stellung. Wenig später engagierte ihn Jān Dāwūd Khan für die persische Regierung, als er in Wien nach europäischen Fachkräften für Teheran suchte. Nachdem Gasteiger die Persische Sprache studiert hatte, erreichte er nach mehrmonatiger Reise am 30. September 1860 Teheran.

Seine erste Aufgabe in Persien war der Bau einer europäischen Standards entsprechenden Straße nach dem Vorort Saltanatābād. Diese Straße verband Teheran auch mit dem Vorort Tadschrisch und wurde als Khīābān-e Schamīrān bezeichnet.

1861 wurde Gasteiger mit dem geplanten Bau der Teheran-Abd-al-Azim Eisenbahn beauftragt, beklagte jedoch die Korruption der Beamten und weigerte sich daher nach Durchführung der Vermessungsarbeiten, eine Pferdeeisenbahn zu errichten.

Sein Hauptwerk jedoch wurde der Straßenbau nach Māzandarān (1864–1868), an dem er mehr als 1600 Straßenbauer und -arbeiter der persischen Pioniertruppen beschäftigte, 27 Brücken errichten ließ und den ersten Straßentunnel Persiens fertigstellt. Zur Belohnung wurde Gasteiger von Nāser ad-Dīn Schah zum mīr panj (General) befördert und ihm der Titel eines Khans verliehen. Die heutige Straßenverbindung folgt im Wesentlichen der damaligen Straße [1].

Gasteiger entwarf außerdem mehrere Gebäude in Teheran, darunter das berühmte Tākīya-ye dawlat (errichtet 1868), wo schiitische Passionsspiele stattfinden[2]. Gasteiger war gleichzeitig Auswärtiger Vertreter, Handelsdelegierter und Honorarkonsul für Österreich-Ungarn in Persien.

Im Jahre 1870 beschloss Nāṣer al-Dīn eine Pilgerfahrt nach Kerbela zu unternehmen. Gasteiger wurde mit der Instandsetzung und dem teilweisen Neubau der Straße von Hamadān über Kermānschāh zur Grenze des Osmanischen Reiches und brachte auch die Straßenverbindung von Kangāvar über Qom nach Teheran in einen akzeptablen Zustand [3].

Gasteiger war Teil der Entourage des Schahs bei dessen Besuch der Weltausstellung 1873 in Wien. Im folgenden Jahr erschien in Leipzig eine Parodie über den Reiseaufwand des Schahs, die der Feder Gasteigers zugerechnet wird. Zu dieser Zeit wurde sein Ingenieurkorps aufgelöst, woraufhin Gasteiger pensioniert wurde und 1874 nach Österreich zurückkehrte. 1878, nachdem der Schah erneut Europa besucht hatte, reiste Gasteiger als persischer Zivilingenieur mit einer österreichisch-ungarischen Militärmission, die das persische Heer reorganisieren sollte, wieder nach Teheran. In der Folge errichtete er die Straße nach Qazvin[4]. Eine Inspektionsreise nach Belutschistan führte 1881 zu seinem Buch über die geographischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen dieser Region. Nach Verhandlungen des Schahs mit Russland wurde Gasteiger die Verantwortung über den persischen Anteil an der Landverbindung MaschhadAschgabad (1886) übertragen. Jedoch hatten persische Beamte, laut dem Inhalt von Briefen Gasteigers an seine Familie, die Projektfinanzmittel veruntreut und ihn während seiner Abwesenheit des Diebstahls beschuldigt[5]. Tief gekränkt bat er um Entlassung und kehrte 1888 nach Österreich zurück, verbittert über die Undankbarkeit des persischen Herrschers, der ihn zuvor mit Ehren und Dekorationen überhäuft hatte.

Gasteiger starb nach kurzer Krankheit 1890 in Bozen.

Bibliographie

  • „Das Reisetagebuch des Schah Nasreddin“, Leipzig, 1874
    • wiederaufgelegt von H. Leicht als „Ein Harem in Bismarcks Reich: Das ergötzliche Reisetagebuch des Nasreddin Schah, Tübingen and Basel“, 1969.
  • Eʿtemād-al-Salṭana: Maʾāṯer wa’l-āṯar, S. 99, 101, 102, 115.
  • A. J. Gasteiger: Rundreise durch die nördlichen Provinzen Persiens, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N.S. 12, Berlin, 1862, S. 341-56.
    • ders.: Über die Handelsverhältnisse Persiens, Wien, 1862.
    • ders.: Von Teheran nach Belutschistan, Innsbruck, 1881.
  • F. Gasteiger: General Gasteiger-Khan: Ein Tiroler in Persien, Schlern Schriften 66, Innsbruck, 1949.
  • P. Pohanka and I. Thurner: Der Khan aus Tirol, Wien, 1988.
  • H. Slaby: Bindenschild und Sonnenlöwe: Die Geschichte der osterreichisch-iranischen Beziehungen bis zur Gegenwart, Graz, 1982.
    • ders.: Die österreichisch-iranischen Beziehungen in: I. Slawinski and J. P. Strelka (Hrsg.): Viribus Unitis, Bern etc. 1996, S. 337-50.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Gasteiger, S. 10-12, 20-26
  2. Salby, 1982, S. 103
  3. Gasteiger, S. 29-31
  4. Gasteiger, S. 37
  5. Gasteiger, S. 46-48; Slaby, 1982, S. 195