Alpenwall in Südtirol

Bunker in der Nähe von Mals im Vinschgau
Der Graben Denti di Drago in der Nähe des Reschensees.
Bunker des Alpenwalls in Toblach

Der Alpenwall in Südtirol ist der Abschnitt des Vallo Alpino (deutsch Alpenwall), der in den Jahren 1938 bis 1942 als befestigter Schutzwall Italiens gegen das Deutsche Reich errichtet wurde. Die Bunkeranlagen befinden sich auf dem Gebiet Südtirols.

Inhaltsverzeichnis

Name

Im Gegensatz zu den anderen Teilen des Vallo Alpino wird für den Südtiroler Abschnitt häufig die deutsche Bezeichnung Alpenwall verwendet. Diese ist durch den geographischen Bezug und einige Besonderheiten gegenüber den italienischen Befestigungen an den anderen Grenzen geprägt. Wichtig dabei ist aber die Tatsache, dass es sich hier nicht um das deutsche Propagandaprodukt Alpenfestung handelt, obwohl es Pläne gab, die unfertigen Bunker in eine Reichsverteidigung mit einzubeziehen. Letztendlich konzentrierten sich die Westalliierten bei ihrem Vormarsch aber auf die Westgrenze und vermieden damit den Kampf im Gebirge. Der größte Teil der Alpen wurde erst nach der bedingungslosen Kapitulation des Dritten Reiches besetzt.

Geschichte

Paradoxerweise ließ Italiens faschistischer Diktator Benito Mussolini den Schutzwall gegen die Tiroler Südgrenze des Deutschen Reiches und damit gegen seinen wichtigsten Verbündeten Adolf Hitler bauen. Zuvor hatten die beiden Staaten mit dem „Stahlpakt“ gegenseitige Treue geschworen. Die Aktivitäten der Baumaßnahmen blieben den deutschen Verbündeten nicht verborgen. Deutsche Militärs durften zwar Anlagen an der Grenze zu Frankreich besuchen, ihr Wunsch nach Besichtigung der Bauplätze in Südtirol wurde dagegen abgelehnt. Zu groß war das Misstrauen auf beiden Seiten. Das hatte handfeste Gründe: So wurde die Südtirolfrage innerhalb der nationalsozialistischen Führungsriege sehr unterschiedlich diskutiert, was bei den Italienern Unklarheit in Bezug auf die deutsche Haltung des Verbleibes Südtirols bei Italien provozierte. Zudem formierte sich in Südtirol eine sehr starke Heim-ins-Reich-Bewegung, die ebenfalls eine Bedrohung für die italienische Nordgrenze bedeutete. Die Diskussion wurde durch Adolf Hitler persönlich beendet, indem er sich mit Benito Mussolini am Brenner traf und verkündete, dass das Deutsche Reich die Grenze respektiere und Südtirol italienisch bleiben werde. Trotzdem wurde der Alpenwall gebaut, woraufhin es deutsche Proteste gab. Letztlich gab Mussolini am 4. Oktober 1942 Hitlers Drängen offiziell nach und befahl die endgültige Einstellung aller Arbeiten am Alpenwall. Danach wurden offensichtlich nur noch kleinere Arbeiten wie die Vervollständigung der Tarnung durchgeführt.

In Südtirol wurden mehr als 350 Infanterie- oder Artilleriewerke gebaut. Viele davon waren allerdings nicht mit Lüftungsanlagen, Stromversorgung und Bewaffnung ausgestattet. Erst die nach 1945 mit in das Verteidigungskonzept der NATO einbezogenen Sperren wurden baulich komplett vervollständigt und blieben bis in die frühen 1990er-Jahre gefechtsbereit.

Die Bunkeranlagen des Südtiroler Alpenwalls mussten wie die des gesamten Vallo Alpino nie einem Angriff standhalten. Sie liefern aber bis heute ein imposantes Beispiel, dass Befestigungsanlagen auch nach dem Zweiten Weltkrieg in der strategischen Planung der Militärs eine Rolle spielten.

Literatur

Weblinks

 Commons: Alpenwall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien