Amalie Seidel

Amalie Seidel, 1. Reihe, 3. von rechts, im Frauenreichskommitee 1917
Amalie Seidel in der 3. Reihe rechts als Abgeordnete der Verfassunggebenden Nationalversammlung vom 4. März 1919

Amalie Seidel (* 21. Februar 1876 in Wien; † 11. Mai 1952 ebenda) war eine österreichische sozialdemokratische Politikerin und Frauenrechtlerin.

Leben

1876 wurde die Tochter eines Schlossers als Amalie Ryba geboren. 13 ihrer Geschwister starben, während sie selbst schon mit 12 Jahren als Dienstmädchen arbeiten musste. Verheiratet war sie seit 1895 mit dem Ingenieur Richard Seidel, mit dem sie 2 Töchter hatte, die sie nach dem Zerbrechen der Ehe allein aufzog.

1892 trat sie dem Gumpendorfer Arbeiterbildungsverein bei. Nachdem sie öffentlich als Rednerin aufgetreten war, wurde sie zu 3 Wochen Haft verurteilt. Danach war sie Textilarbeiterin und organisierte den ersten Frauenstreik Österreichs, bei dem die Verminderung der täglichen Arbeitszeit von 13 auf 10 Stunden sowie der arbeitsfreie 1. Mai gefordert wurde. Er wurde Streik der 700 genannt. Daneben war sie in der Konsum-Bewegung führend tätig. Sie engagierte sich in der Frauenbewegung und wurde Schriftführerin des Lese- und Debattierclubs Libertas. Nach einigen Ehejahren wurde Amalie Seidel 1900 Vorsitzende des Frauenbezirkskomitees und 1902 des Frauenreichskomitees. Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren die Jahre ihres stärksten frauenemanzipatorischen Engagements.

Nach Ausrufung der Republik war Amalie Seidel 1919–1923 Gemeinderätin und 1919–1934 Abgeordnete zum Nationalrat. Die Schwerpunkte ihrer politischen Tätigkeit lagen bei der Jugendfürsorge und dem Gesundheitswesen. Sie bekämpfte das System der Pflegeeltern, bei dem Kinder von privaten Pflegeeltern vielfach nur wegen des damit verbundenen Geldes und der Gewinnung einer weiteren Arbeitskraft aufgenommen wurden. 1920 begründete sie das Wiener Jugendhilfswerk und initiierte die Kinderfreibäder in Wien. Sie arbeitete in jener Zeit besonders mit Julius Tandler zusammen.

1934 wurde sie ein Monat lang inhaftiert und zog sich daraufhin für immer aus der Politik zurück. Allerdings stellte sie ihre Wohnung für illegale Treffen sozialistischer Frauen zur Verfügung. Sie heiratete 1942 den jüdischen Wiener Kommunalpolitiker Sigmund Rausnitz, um ihn durch diese Ehe zu schützen. Dieser verübte allerdings Selbstmord, was Amalie Seidel schwer traf. 1944 nach dem Attentat auf Hitler wurde sie einige Tage im Landesgericht Wien inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Amalie Seidel schließlich bei ihrer Tochter Emma und deren Ehemann Karl Seitz, dem einstigen Bürgermeister von Wien.

2006 wurde ihr zu Ehren der Amalie-Seidel-Weg in Wien-Meidling nach ihr benannt.

Literatur

  • Edith Probst (Hrsg.): Die Partei hat mich nie enttäuscht. Österreichische Sozialdemokratinnen. Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1989
  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien Bd. 5. Kremayr & Scheriau, Wien 1997

Weblinks