Andreas von Morsey

Andreas von Morsey, eigentlich Andreas Freiherr von Morsey genannt Picard (* 1. Juli 1888 in Hohenbrugg in der Steiermark; † 16. Juli 1951 in Wien[1]) war ein österreichischer Hof- und Staatsbeamter.

Leben und Arbeit

Morsey wurde 1888 als erstes von drei Kindern des Baron Franz Adolf von Morsey (1854-1926) und seiner Gattin Elisabeth Prinzessin Lobkowitz (1856-1936) in der Steiermark geboren.

Morsey wechselte 1913, nach dem Dienst beim k. und k. Militär - dem er als Leutnant der Reserve verbunden blieb - und einem Studium nebst Promotion, als „Konzeptspraktikant“ in den Dienst des habsburgischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand. In dessen Haushalt fungierte Morsey als Kämmerer, Hauslehrer der erzherzoglichen Kinder und persönlicher Assistent des Erzherzogs.

Im Juni 1914 begleitete Morsey den Erzherzog auf eine Inspektionsreise nach Bosnien und die Herzegowina, während der dieser am 28. Juni in Sarajewo einem Attentat zum Opfer fiel, dessen Zeuge Morsey wurde. Morsey, der sich persönlich an der Verhaftung des Attentäters Gavrilo Princip beteiligte,[2] schrieb in den folgenden Jahren verschiedene Aufsätze und Artikel über Erzherzog Franz Ferdinand und das Attentat, so beispielsweise am 28. Juni 1924 in einem Essay für die österreichische Tageszeitung Reichspost.

1916 heiratete Morsey Olga Maria Paula Prinzessin zu Windisch-Graetz (1893-1987). Die Ehe wurde 1937 geschieden. In zweiter Ehe heiratete er Sofie Kast von Ebelsberg (1895-1974).

In den 1920er Jahren wurde Morsey Obmann des Verbandes der bürgerlichen Bürgermeister der Steiermark und Führer des dortigen Heimatschutzes. In dieser Eigenschaft war er 1934 an der Niederschlagung des nationalsozialistischen Juliputsches beteiligt und setzte sich danach für eine milde Behandlung der weniger stark in den Putsch involvierten Nationalsozialisten (sog. „Minderbeteiligte“) ein.[3]

In seinen späteren Lebensjahren verfasste Morsey eine Autobiografie, die er jedoch nicht veröffentlichte sondern Sophie Gräfin von Nostitz-Rieneck, der Tochter des Erzherzogs, übergab. Diese beziehungsweise ihre Nachkommen haben das Werk bis heute nicht publiziert, es aber verschiedenen Historikern wie dem Briten Gordon Brook-Shepherd zu Forschungszwecken zugänglich gemacht.

Literatur

  • Morsey, Andreas Freiherr von: Konopischt und Sarajewo. In: Berlin. Mon.-Hh., Jahrgang 12, Seiten 486-499

Nachweise

  1. Worldroots.com
  2. Theodor von Sosnosky: Erzherzog Franz Ferdinand. Oldenbourg, München 1929. S. 208.
  3. Kurt Bauer: Sozialgeschichtliche Aspekte des nationalsozialistischen Juliputsches 1934. Dissertation, Wien 2001 (Digitalisat)