Anton Böhm (Journalist)

Anton W. Böhm (* 6. März 1904 in Wien; † 8. Januar 1998 in Salzburg) war ein österreichischer Journalist und Publizist. Er wirkte im katholischen Bund Neuland und war 1963 bis 1973 Chefredakteur der Wochenzeitung Rheinischer Merkur.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Böhm studierte von 1923 bis 1928 in Wien Rechts- und Staatswissenschaften, Philosophie und Geschichte und promovierte 1928 zum Dr.rer.pol. Schon zu Studienbeginn trat er dem Bund Neuland (Neuland Bund katholischer Jugendbewegung) bei, in dem er sich bald stark engagierte,[1] bis er 1938 nach der Machtübernahme Hitler-Deutschlands in Österreich aufgelöst wurde.

Wie viele österreichische Intellektuelle in den Nöten der Zwischenkriegszeit sympathisierte Böhm zunächst mit der Idee eines Großdeutschen Reiches und trat im Juni 1933 - in der Zeit des Ständestaats - der österreichischen NSDAP bei, blieb aber aktives Mitglied im Bund Neuland. Seine diesbezüglichen Hoffnungen publizierte er 1933 unter dem Titel "Katholischer Glaube und deutsches Volkstum in Österreich" bei Pustet in Salzburg.

Von 1928 bis zur Einstellung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1941 war er Redakteur der katholischen Wochenzeitschrift Schönere Zukunft. Nach der Inhaftierung des Chefredakteurs Friedrich Funder im März 1938 wurde Anton Böhm vom NS-Regime mit der kommissarischen Leitung der christlichen Wiener Tageszeitung Reichspost beauftragt; die Zeitung wurde aber im September 1939 durch das Regime eingestellt.

Ab Dezember 1940 war Böhm Funker bei der Luftwaffe und wurde 1941 von Hans Bernd von Haeften (den er aus dessen Zeit an der Wiener Gesandtschaft kannte) in die Berliner Wilhelmstraße gelotst, wo er ab Januar 1942 Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt war.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der bis Oktober 1946 währenden Internierung im Salzburger Glasenbach war Böhm Lektor im Otto Müller Verlag und wurde Mitherausgeber der Monatszeitschrift Wort und Wahrheit, die sich für die Modernisierung der katholischen Kirche einsetzte. Seit Februar 1953 war er Redakteur des Rheinischen Merkur, ab Dezember 1953 stellvertretender Chefredakteur und ab 1963 Chefredakteur.

Böhm und der Rheinische Merkur hatten in der Adenauer-Ära - und bis in die Mitte der sechziger Jahre - einen spürbaren Einfluss auf die politische Meinungsbildung in der Bundesrepublik Deutschland.

Anton Böhm war mit Hildegard Glaser verheiratet, sie hatten zwei Kinder.

Schriften

  • "Tatsachen zur Frage : Inserat und katholische Presse", Wochenschrift "Schönere Zukunft"
  • "Katholischer Glaube und deutsches Volkstum in Österreich", Pustet Salzburg 1933
  • "Epoche des Teufels : Ein Versuch", Klipper Stuttgart 1955
  • "Elegie im Oktober", Türmer München 1958
  • "Lebensstandard - wozu?", Fromm Osnabrück 1961
  • "Wege in Wirrnis" (Roman), Muth Düsseldorf 1961
  • "Die Problematik der Mitbestimmung", Badenia Karlsruhe 1967
  • "Ost-West, Konfrontation oder Koexistenz?", Fromm Osnabrück 1970
  • "Verdammt, verloren, verlassen", Orion-Heimreiter-Verlag Heusenstamm 1970
  • "Glaube und Demoskopie", Badenia Karlsruhe 1971, ISBN 3-7617-0021-0, zusammen mit Helmut Riedlinger, Gerhard Schmidtchen
  • "Die Lage der Nation, moralisch", Fromm Osnabrück 1971, ISBN 3-7729-5016-7.
  • "Leben im Zwiespalt - der moderne Mensch zwischen Angst und Hybris", Herder Freiburg 1974, ISBN 3-451-07500-8.

Literatur

  • Brigitte Behal: Kontinuitäten und Diskontinuitäten deutsch-nationaler katholischer Eliten im Zeitraum 1930-1965 – ihr Weg und Wandel in diesen Jahren am Beispiel Dr. Anton Böhms, Dr. Theodor Veiters und ihrer katholischen und politischen Netzwerke. Wien, Univ., Diss., 2009 PDF
  • Maria Keipert (Red.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst. Band 1: Johannes Hürter: A–F. Schöningh, Paderborn u. a. 2000, ISBN 3-506-71840-1.
  • Ulrich Schlie: „Ein Mensch, dem Guten zugeneigt“. Erinnerungen an Hans Bernd von Haeften. In:Süddeutsche Zeitung. 16. Juli 2011.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Böhms Wirken im „Neuland Bund katholischer Jugendbewegung in Österreich“, 1923–1938. Diss. Brigitte Behal (Univ. Wien 2009) S. 91–104.