Bauernmuseum Kalladorf

Das Bauernmuseum Kalladorf ist ein Landwirtschaftsmuseum im niederösterreichischen Weinviertel, Gemeinde Wullersdorf. Die Sammlung umfasst landwirtschaftliche Maschinen, Werkzeuge, Haushaltsgeräte und Gebrauchsgegenstände und wird in einer rund 380 m² großen gemauerten Scheune ausgestellt.

Bauernmuseum Kalladorf

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ausstellungsgegenstände im Bauernmuseum Kalladorf

Die Idee zur Gründung eines Bauernmuseums als Kommunikationszentrum um alte landwirtschaftliche Arbeitsvorgänge nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, stammte ursprünglich von Leopold Stadler, einem Kalladorfer Großbauern. 1979 wandte er sich mit dieser Vision an Mag. Helmut Wunderl und fand in ihm einen Gleichgesinnten. Daraufhin kam es zur Gründung des „Kulturvereins Bauernmuseum Kalladorf“.

In über 3.300 freiwilligen Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder wurden die Ausstellungsgegenstände zusammengetragen und bestmöglich restauriert. Weiters wurde eine Dokumentation über die Landwirtschaft vor dem Einsetzen der großen Technisierungswelle geschaffen, die am 17. Oktober 1982 erstmals der Öffentlichkeit zugänglich war.

Neben der Beschreibung der einzelnen Arbeitsgänge im Jahresrhythmus wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Volkskunde der Strukturwandel in der Landwirtschaft während der letzten Jahrzehnte für die Region Hollabrunn dokumentiert und optisch aufbereitet. Maßgeblich am Sammlungsaufbau beteiligt waren auch das ländliche Fortbildungswerk Bezirk Hollabrunn, Schüler der HTBLA Hollabrunn unter der Leitung von FL Gerhard Schmid, Schüler der landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn sowie der Sport-, Kultur- und Gesellschaftsverein Hetzmannsdorf, sowie die „Junge ÖVP – Bezirksgruppe Hollabrunn“, insbesondere Gruppen aus Wullersdorf und Frauendorf.

Gebäude

Die von Leopold Stadler zur Verfügung gestellte Scheune wurde etwa um 1900 erbaut und hat selbst eine bewegte Geschichte: Neben der regulären Nutzung im Rahmen der landwirtschaftlichen Arbeit – in der Scheune wurde unter anderem eine große Dampfdreschmaschine betrieben – diente sie 1945 auch 20 Siebenbürger Familien als Unterkunft. Die Familien waren ursprünglich in Guntersdorf gelandet, doch der dortige Bürgermeister legte ihnen nahe sich etwas abseits einzuquartieren, da Guntersdorf an einer gut frequentierten Durchzugsstraße liegt. Die Siebenbürger Familien verdingten sich in der Folge bei Kalladorfer Bauern und siedelten sich schließlich in der Ortschaft an.

Im Jahre 2005 wurden aus dem Erlös des seit mehreren Jahren gefeierten und vom „Kulturverein Bauernmuseum Kalladorf“ veranstalteten "Erdäpfelfestes", privaten Spenden sowie durch die gewährten Subventionen vom Land Niederösterreich, das Dach und der Boden der Scheune saniert. Das Museum wurde danach am 17. Oktober 2005 wieder eröffnet.

Ausstellung

Greißler-Einrichtung

In Form einer Dauerausstellung werden auf drei Etagen landwirtschaftliche Geräte, alte Gebrauchsgegenstände und Haushaltsgeräte, sowie eine Greißler-Einrichtung gezeigt. Die Objekte stammen großteils etwa aus der Zeit von 1900 bis 1970.

Der Bogen der ausgestellten Geräte spannt sich von einfachen Bodenbearbeitungsgeräten über Erntemaschinen – von der Sichel bis zum Garbenbinder – zu Dreschmaschinen verschiedener Alterskategorien und diversen Pferdefuhrwerken. Zu sehen ist auch eine Reihe alter Traktoren, darunter ein Deering Traktor Petroleum des Baujahrs 1928 und ein Steyr Traktor Typ 180 mit 26 PS (BJ 1949). Ein ganzer Bereich ist auch dem Weinbau gewidmet.

Die Sammlung soll die Entwicklung der Landwirtschaft in der Region Hollabrunn zeigen, und insbesondere auch in Form einer Gegenüberstellung die unterschiedliche Arbeitskraft von Mensch, Tier, und Maschine demonstrieren. Besitzer der Sammlungsgegenstände ist heute der Kulturverein Bauernmuseum Kalladorf.

Virtuelles Bauernmuseum Kalladorf

Im Rahmen eines Projekts mit Studierenden der Fachhochschulstudiengänge Burgenland Ges.m.b.H. entstand 2009 das Virtuelle Bauernmuseum Kalladorf in dem ausgewählte Ausstellungsgegenstände des realen Museums online betrachtet werden können. Der Besucher kann sich durch einen dreidimensional gestalteten virtuellen Bauernhof bewegen und dabei einen Wirtschaftsraum, eine Kornkammer, einen Weinkeller und eine Schmiede besichtigen, wo multimedial aufbereitete Inhalte aus dem Bauernmuseum Kalladorf zusammengestellt wurden.

Realisiert wurde das Projekt auf technischer Basis mit dem „eXhibition:editor3“, einem vom Institut für Informationsmanagement und Informationssysteme der Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH entwickeltem Programm zur Erstellung dreidimensionaler Ausstellungsräume.

Kulturverein Bauernmuseum Kalladorf

Gegründet im Jahre 1979 unter dem damaligen Obmann Herrn Mag. Helmut Wunderl, hat sich der "Kulturverein-Bauernmuseum Kalladorf" zum Ziel gesetzt, ein Bauernmuseum als Kommunikationszentrum zwischen jung und alt auf der Basis der bäuerlichen Arbeitskultur zu schaffen.

Dem Kulturverein Bauernmuseum Kalladorf schlossen sich viele Mitglieder der Jungen ÖVP des Bezirkes Hollabrunn, des Ländlichen Fortbildungswerkes, sowie Lehrer der HTBLA Hollabrunn und Lehrer der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn an. Seit 1992 bekleidet Bürgermeister Ignaz Pimberger das Amt des Vereinsobmannes.

Der Verein finanziert sich hauptsächlich durch ein jährlich organisiertes "Erdäpfelfest".

Literatur

  • Museen in Niederösterreich, Viertel unter dem Mannhartsberg, 2. Auflage 1984, Olaf Bockhorn – Hermann Steininger, S. 60

Weblinks

48.644516.084027777778Koordinaten: 48° 38′ 40″ N, 16° 5′ 3″ O