Brüder reicht die Hand zum Bunde

Angeblicher Urheber: Wolfgang Amadeus Mozart

Das auch als Ketten-, Weihe- oder Bundeslied bezeichnete Lied „Brüder reicht die Hand zum Bunde“ wurde ursprünglich Wolfgang Amadeus Mozart (* 27. Januar 1756, † 5. Dezember 1791) zugeschrieben und wird u. a. in Kreisen von Freimaurern und Verbindungsstudenten gesungen. Die Melodie des Liedes wird seit 1946 als Österreichische Bundeshymne verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Neunzehn Tage vor seinem Tod schrieb Wolfgang Amadeus Mozart, ein Mitglied der Freimaurerloge „Zur Wohltätigkeit“, mit der Freimaurerkantate (KV 623) sein letztes vollendetes Werk. Am 14. November 1792 brachte der k.k. privil. Buchdrucker Joseph Hraschansky in Wien die Partitur in zwei Varianten heraus. Einem Teil der Gesamtauflage war das später sehr bekannte „Kettenlied“ (beziehungsweise „Bundeslied“ oder „Weihelied“) (KV 623a) mit dem Text Lasst uns mit geschlungnen Händen beigebunden. Der Titel lehnt sich daran, dass die Freimaurer ihre Versammlungen damit beendeten, dass sie das Lied mit verschlungenen Händen als Zeichen ihrer Gemeinschaft sangen. 1824 entstand zu dieser Melodie der heute bekanntere Text Brüder, reicht die Hand zum Bunde von Johann Gottfried Hientzsch (* 1787, † 1856, Direktor der königlichen Blindenanstalten, Berlin)[1].

Seit mindestens den 1960er-Jahren wird von Musikforschern die Mozart zugeschriebene Herkunft des als „Bundeslied“ bekannt gewordenen „Kettenliedes“ bezweifelt.[2] Nach den Erkenntnissen führender Musikwissenschafter stammt das Bundeslied vom „Claviermeister“ Johann Baptist Holzer, einem Logenbruder der Wiener FreimaurerlogeZur wahren Eintracht“.[3][4]

Text Brüder, reicht die Hand zum Bunde

Seiten des Kommersbuches mit dem „Kettenlied“

(1) Brüder, reicht die Hand zum Bunde!
Diese schöne Freundschaftsstunde *)
führ uns hin zu lichten Höhn!
Laßt, was irdisch ist, entfliehen;
unsrer Freundschaft Harmonieen
|: dauern ewig fest und schön. :|

(2) Preis und Dank dem Weltenmeister,
der die Herzen, der die Geister
für ein ewig Wirken schuf!
Licht und Recht und Tugend schaffen
durch der Wahrheit heilge Waffen,
|: sei uns heiliger Beruf. :|

(3) Ihr, auf diesem Stern der Besten,
Menschen all im Ost und Westen,
wie im Süden und im Nord:
Wahrheit suchen, Tugend üben,
Gott und Menschen herzlich lieben,
|: das sei unser Losungswort! :|

In der Fassung des Allgemeinen Deutschen Kommersbuches 1896/1906[5].

 *) Spätere Auflagen und andere Quellen verwenden „Feierstunde“ statt „Freundschaftsstunde“.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. laut dem Lahrer Kommersbuch, Ausgabe ca. 1970er Jahre
  2. Vgl. Richard Bamberger, Franz Maier-Bruck: Österreich Lexikon in zwei Bänden. Erster Band A–K, Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst / Verlag Jugend und Volk, Wien/München 1966, S. 161: „Bundeshymne, […] Der Text stammt von Paula Preradović, die Melodie von Mozart (urspr. Freimaurer-Bundeslied ‚Brüder, reicht die Hand zum Bunde‘; Musikforscher bezweifeln in letzter Zeit die Urheberschaft Mozarts). …“ (Anm.: Fettdruck nicht ins Zitat übernommen.)
  3. Robert Sedlaczek: Mozart war es sicher nicht! Nicht nur der Text der Bundeshymne hat immer wieder für Kontroversen gesorgt, sondern auch die Musik. Die Bestandsaufnahme einer jahrzehntelangen Debatte. In: Wiener Zeitung extra, 22./23. Oktober 2011, S. 2f. (Online als PDF auf der Website des Austria Lexikons. Abgerufen am 12. Dezember 2011.)
  4. Peter Diem: Land der Berge, Land am Strome … Dokumentation über die Entstehung der Bundeshymne, Version 168, 3. Dezember 2011. In: Wissenssammlung des Austria-Forum: Die Symbole Österreichs.