Capella Speciosa

Ansicht vor der Zerstörung 1799

Die Capella Speciosa (auch: Speziosa; wörtlich: die schöne bzw. wohlgestaltete Kapelle) befand sich in Klosterneuburg, Niederösterreich, auf dem Gelände des Stifts etwas südlich der Stiftskirche. Sie gilt als ältestes Bauwerk der Gotik in Österreich (lediglich der Chor in Lilienfeld ist älter). Die Kapelle wurde ab 1200 unter Herzog Leopold VI. als Palastkapelle über einem älteren romanischen Vorgängerbau errichtet und 1222 geweiht. Der Bau wurde vermutlich durch französische Handwerker nach dem Vorbild der Krönungskapelle von Reims errichtet.

Leopold VI., auferstehender Christus, Marktgräfin Agnes

1799 fiel die Capella Speciosa dem Josephinismus zu Opfer und wurde geschleift. Teile der Kapelle fanden in der Laxenburger Franzensburg Verwendung. Die gotische Sandsteinkanzel mit der Maßwerkbrüstung aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts, von der Kanzel und vom Treppenaufgang, wurde mit neugotischen Blattkapitellen aus 1800 ergänzt und im Jahre 1928 in die Filialkirche hl. Wolfgang in Kirchberg am Wechsel übertragen. Die Glasmalereien Leopold VI., des auferstehenden Christus und Markgräfin Agnes gelangten erst nach Laxenburg und sind heute Teil des Laxenburger Fensters in der Steyrer Stadtpfarrkirche.[1] Das Bild der Markgräfin war ursprünglich fragmentiert und ist seit dem späten 19. Jahrhundert modern ergänzt.[2][3]

Die konservierte Grundmauern

Bereits 1953 wurden die Grundmauern der Capella freigelegt und dokumentiert, danach aber wieder zugeschüttet. Im Sommer 2005 wurde die Capella Speciosa im Rahmen von Nachgrabungen des Bundesdenkmalamts abermals freigelegt und ist im Stift Klosterneuburg am Stiftsplatz der Öffentlichkeit mit 6. Mai 2006 zugänglich. In der Führung „sakraler Weg“ sind auch einige Figuren der Emporengruppe zu sehen.

In den Jahren 1993 bis 1995 hat ein Team der Technischen Universität Wien (Mario Schwarz, Andreas Voigt, Hans Peter Walchhofer und Elmar Schmidinger) die Capella Speciosa computerunterstützt rekonstruiert.

Einzelnachweise

  1. Rudolf Koch: Historische Kunst. Ein Baudenkmal der Gotik in Österreich – die Stadtpfarrkirche in Steyr Erschienen in: Zeitschrift Oberösterreich 29. Jg.,4/1979, S. 45 - 54.
  2. Mitteilungen der k. k. Centralcommission, X. Jg., 1884, S. CLXXII.
  3. Rudolf Koch und Bernhard Prokisch: Stadtpfarrkirche Steyr, Baugeschichte und Kunstgeschichte. Steyr: Ennsthaler 1993 ISBN 3-85068-366-4 S. 111

Weblinks

 Commons: Capella Speciosa – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

48.30609166666716.326541666667Koordinaten: 48° 18′ 22″ N, 16° 19′ 36″ O