Carl Gerold Fürst

Carl Gerold Fürst (* 17. Februar 1933 in Wien; † 7. August 2012 in Innsbruck[1]) war ein österreichischer Kirchenrechtler. Er war einer der führenden Experten für Ostkirchenrecht und war von 1978 bis 1990 federführend an der Überarbeitung des Gesetzbuches für die mit Rom unierten Kirchen des Orients beteiligt.[2]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Carl Gerold Fürst studierte von 1951 bis 1960 Rechtswissenschaften an der Universität Wien sowie Philosophie und Katholische Theologie in Innsbruck und Rom. 1960 wurde er in Wien zum Doktor der Rechte promoviert. Er war Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Innsbruck und am Institut für Kirchenrecht der Paris-Lodron-Universität Salzburg. Nach seiner Habilitation 1966 erhielt er die Lehrbefugnis für Kirchenrecht an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Salzburger Universität. Am 1. Oktober 1970 wurde er zum Außerordentlichen Universitätsprofessor in Salzburg ernannt.

1971 erhielt er einen Ruf auf die Professur für Kirchenrecht, insbes. Kirchliche Rechtsgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 1980 bis 1982 war er Dekan der Theologischen Fakultät, später Prodekan. 1998 wurde er emeritiert.

Carl Gerold Fürst war über 20 Jahre in der Leitung der interkonfessionellen Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen und war deren Ehrenpräsident. Er war über 10 Jahre im Leitungsrat der Consociatio Internationalis Studio Iuris Canonici Promovendo engagiert. Regelmäßig hielt er Vorlesungen in seinem Fachgebiet Ostkirchenrecht an den Kanonistischen Fakultäten des Päpstlichen Orientalischen Instituts in Rom, an der römischen Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz und der Katholischen Péter-Pázmány-Universität in Budapest.[3]

Carl Gerold Fürst war Komtur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Wirken

Fürst galt als einer der namhaftesten und profiliertesten Wissenschaftler im Bereich des Rechts der unierten Ostkirchen. In seinem Lehr- und Forschungsschwerpunkt veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten.[4] [5]

Fürst engagierte sich in zahlreichen Kommission und Ausschüssen. Er war ständiger und für alle Instanzen approbierter Anwalt an den erzbischöflichen Offizialaten Freiburg, Bamberg und Köln sowie an den bischöflichen Offizialaten Rottenburg-Stuutgart und Trier.

Er war Mitglied der Ständigen Kommission der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Bischofskonferenz sowie des Bischofs von Luxemburg zur Herausgabe der Liturgischen Bücher im Deutschen Sprachraum seit 1969 und Mitglied der Ständigen Kommission der Deutschen und Österreichischen Bischofskonferenz zur Herausgabe des "Gotteslob" seit 1970.

Papst Johannes Paul II. berief ihn 1978 als Konsultor in die Päpstliche Kommission für die Revision des Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium (CCEO), dem 1991 in Kraft getretenen Gesetzbuch für die auch zur katholischen Kirche gehörenden sog. unierten Ostkirchen (1978-1990). Papst Johannes Paul II. dankte ihm in seiner Ansprache zur Vorstellung des Gesetzbuches für die katholischen orientalischen Kirchen auf der 28. Generalversammlung der Bischofssynode am 25. Oktober 1990 namentlich.[3]

Seit 1990 war er Konsultor der Päpstlichen Kommission für die Interpretation der Gesetzestexte. Seit 1993 Mitglied des Leitungsrates der Consociatio Internationalis Iuris Canonici Promovendo. 1994/95 war Fürst Präsident des wissenschaftlichen Komitees für das "Symposium International sur le Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium" an der Universität St. Esprit in Kaslik, nördlich von Beirut im Libanon.

Als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Ostkirchen in Freiburg im Breisgau (1979 - 1985 und wieder seit 1989) setzte er Akzente in der Ökumene. Von 1983 bis 1991 war er Generalsekretär der internationalen Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen.[6] Seit 1989 war er Präsident des Kuratoriums des Rumänischen Instituts/Rumänische Bibliothek in Freiburg.[7] Seit 1991 war Fürst Präsident der internationalen und interkonfessionellen Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen.

Ehrungen

Schriften

Autor

  • Cardinalis : Prolegomena zu einer Rechtsgeschichte des römischen Kardinalskollegiums, W. Fink München 1967 (Habilitationsschrift)
  • "Statim ordinetur episcopus" oder Die Papsturkunden"sub bulla dimidia", Innozenz III. Und der Beginn der päpstlichen Gewalt, Wagner 1977
  • Einige griechische Stimmen zur Autokephalie, Augustinus-Verlag 1981
  • Der Strafrechtsentwurf der päpstlichen Kommission für die Revision des orientalischen Codex Iuris Canonici, Verl. des Verbandes der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs, 1985
  • Aspekte von"Kirche und Gesellschaft" in der Kanonistik des 12. Jahrhunderts, 1991
  • Die Kirche als communio Ecclesiarum: Einige terminologische Anmerkungen zu einem(noch immer) aktuellen Thema, 1992
  • Canones-Synopse zum Codex iuris canonici und Codex canonum ecclesiarum orientalium, Herder Freiburg im Breisgau 1992 (2. Auflage), ISBN 3-451-22636-7
  • Die Bedeutung des Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium für die ostkirchliche Diaspora, 1993
  • Zur Interdependenz von lateinischem und orientalischem Kirchenrecht: Einige Anmerkungen zum Kirchenrecht der katholischen Kirche, Pustet 1994
  • Konkordat und Ritenvielfalt, Kovar Eichenau 1994
  • Zur Frage der Kirchensteuerpflicht von"Griechisch-Katholischen" in Bayern, Österreichische Gesellschaft für Kirchenrecht 1994
  • Die Synoden im neuen orientalischen Kirchenrecht, Universitätsverlag 1996
  • Ehe als Stand und als Prozeß, Otto Müller Verlagsges. 1997, ISBN 3-7013-0534-X, zusammen mit Wilhelm Josef Revers
  • Taufe, Kirchengliedschaft und"Status" der Gläubigen in kanonistischer Sicht, Peter Lang Frankfurt am Main 1997
  • Winfried Schulz in memoriam: Schriften aus Kanonistik und Staatskirchenrecht, Peter Lang Frankfurt am Main 1999, ISBN 3631330731, zusammen mit Cesare Mirabelli, Giorgio Feliciani, Helmuth Pree
  • Die Kaukasischen Kirchen, Kovar Eichenau 2004 (Band 18 von Kanon : Jahrbuch der Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen), ISBN 3925845992

Herausgeber

  • Der "Protos" und seine Jurisdiktion, Verband der Wissenschaftlichen Gesellschaft Österreichs 1989, ISBN 3-85369-746-1
  • Kirche und Staat im christlichen Osten, Verband der Wissenschaftlichen Gesellschaft Österreichs 1991, ISBN 3-85369-834-4
  • Kanonikon dikaion kai oikumenika : timētikon aphierōma eis ton mētropolitēn Tyroloēs kai Serentiu Panteleēmona Rodopulon, Kovar Eichenau 1999, ISBN 3-925845-84-4
  • Mother, nun, deaconess : images of women according to Eastern canon law, Kovar Eichenau 2000, ISBN 3-925845-89-5

Literatur

  • Hartmut Zapp / Andreas Weiß / Stefan Korta (Hg.): Ius Canonicum in Oriente et Occidente - Festschrift für Carl Gerold Fürst zum 70. Geburtstag (= Adnotationes in ius canonicum 25), Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-631-39480-2

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Traueranzeige Universität Freiburg
  2. Österreich: Kirchenrechtler Fürst verstorben, kipa, 10. August 2012
  3. a b Ius Canonicum in Oriente et Occidente, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, abgerufen am 30. August 2012
  4. Nachruf Rektor Heinrich Schmidinger, Universität Salzburg, Salzburger Nachrichten, abgerufen 30. August 2012
  5. Kirchenrechtsexperte Fürst gestorben, kathweb, 10. August 2012
  6. Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen, Universität Wien, abgerufen am 30. August 2012
  7. Rumänische Präsenz in Freiburg in Breisgau, ortodoxia.de, 30. August 2012
  8. Ehrendoktor für Univ.Prof. Dr. C.G. Fürst, Freiburg/Freilassing, openpr, 20. Oktober 2010