Carl Suchy & Söhne

Carl Suchy & Söhne war ein böhmischer Uhrenfabrikant mit Hauptsitz in Prag.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Carl Suchy (* 23. Dezember 1796 in Prag, Altstadt 773 (Taufe 24. Dezember 1796 Pfarre zum Heiligen Geist); † 21. Februar 1866 Prag, Neustadt, Obstgasse 771) wurde von Franz Lehner, einem als Hersteller von Stockuhren bekannten Uhrmacher aus dem Egerland, als Meister im Handwerk unterwiesen. Nachdem er am 15. November 1812 den Freibrief erhielt, hielt er sich während seiner Wanderjahre sieben Jahre in München und anderen Städten Bayerns, und vorübergehend in Prag, als Gehilfe auf. Der Sechsundzwanzigjährige gründete nach der Wanderzeit mit eigenen Mitteln ein kleines Geschäft. Am 3. September 1821 heiratete er bereits als Uhrmachermeister die ebenfalls aus Prag stammende Josephine Kroupa (ca. 1802-1866). Der Ehe entstammen vier Söhne.

Suchy hatte Erfolg und erweiterte im Jahre 1838 sein Geschäft und beschäftigte 35 Gehilfen. Gleichzeitig mit den Stockuhren begann er auch Pendeluhren herzustellen. Suchy war für seine Gewissenhaftigkeit und Strenge bekannt. Jedes von einem Gehilfen vollendete Werk musste ihm zur Prüfung vorgelegt werden und nach erhielten erst danach den Firmenstempel eingeprägt.

In Anerkennung seiner Tätigkeit erhielt Suchy den Titel eines k.k. landesbef. Uhrenfabrikanten, und bald darauf folge die Verleihung des k.u.k. Hoflieferantentitels. Auch auf Ausstellungen wurde er geehrt.

Aber nicht nur in technischer Richtung war Suchy erfolgreich, sondern auch kommerziell. Besonders auf der jährlichen Leipziger Messe fand er Kunden und brachte dagegen die im Handel begehrten Pariser Sturzuhren an sich.

Für seine vier Söhne Carl, Hans, Johann Anton und Emanuel wählte Suchy sein Handwerk zum Beruf. Er gewann den berühmten böhmischen Uhrmacher Josef Kosek als Lehrmeister.[Anm. 1]

Im Jahre 1845 traten die beiden ältesten Söhne nach beendeter Lehrzeit ihre Wanderjahre in der Schweiz an, wo sie die besten Uhrmacher aufsuchten. Nach ihrer Rückkehr traten sie 1849 in das väterliche Geschäft ein, das in „Carl Suchy & Söhne“ umbenannt wurde. Der älteste Sohn Carl Suchy jun. wanderte bald wieder in die Schweiz und ließ sich dort nieder. Er begründete 1853 in La Chaux-de-Fonds eine Fabrik für Taschenuhren, die sich nach kurzer Zeit gut entwickelte und nicht nur das Stammgeschäft mit Taschenuhren versorgte, sondern auch in England Absatz fand. Der zweite Sohn Hans wurde 1863 Begründer einer Zweigniederlassung an der Rotenturmstraße in Wien. Alle drei Geschäfte firmierten unter den Namen „Carl Suchy & Söhne“.

Carl Suchy sen. verstarb im Jahre 1866 im Alter von 70 Jahren. Nach seinem Tod trat der jüngste Sohn, Emanuel Suchy, in das Prager Geschäft ein, nachdem der dritte Sohn, Johann Anton, schon zuvor dort tätig gewesen war. Als Inhaber des Geschäftes in Prag erhielt Johann Anton den k.u.k. Hoflieferantentitel.[2]

Alle vier Söhne Carl Suchys verstarben vor dem Jahre 1898. Das Prager Geschäft bestand zwar noch immer unter den gleichen Firmennamen und hatte einen guten Ruf, war jedoch nicht mehr im Besitz der Familie. Adolph Červinka wurde als Inhaber von Carl Suchy & Söhne in Prag zum k.u.k. Hoflieferanten ernannt.[3] Die Wiener Niederlassung in der Rotenturmstraße 6 war aber noch im Familieneigentum. Nach dem Tod von Hans Suchy übernahm seine Witwe Therese das Geschäft. Als Geschäftsleiter stand ihr Sohn Alfred Suchy zur Seite.

Zu den Kunden gehörten nicht nur der Bürgerstand sondern auch die hohe Aristokratie und der kaiserliche Hof.

Uhren aller Art von Carl Suchy & Söhne werden heute auf Auktionen verkauft und erzielen hohe Preise.[4][5][6][7]

Anmerkungen

  1.  Dargebracht von den Industriellen Oesterreichs unter dem hohen Protectorate Seiner K. und K. Hoheit des Durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Franz Ferdinand (Hrsg.): Carl Suchy & Söhne. In: Die Gross-Industrie Oesterreichs. Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I.. 3, Leopold Weiss, Wien 1898, VI. Instrumente, Waagen und Gewichte, S. 292-293 (Nach Absolvierung philosophischer Studien sollte Kosek ursprünglich den geistlichen Dienst antreten. Aber aus Vorliebe für die Kunst, sein Talent für mathematische und technische Fächer verließ er das Kloster. Durch Glück traf er den Mechaniker J. Bozek, mit dem er gemeinsam die höhere Uhrmacherkunst pflegte. Er konnte damit ausgezeichnete Erfolge erzielen und wurde zum Uhrmacher der Prager Sternwarte ernannt.).

Literatur

Einzelnachweise

  1.  Dargebracht von den Industriellen Oesterreichs unter dem hohen Protectorate Seiner K. und K. Hoheit des Durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Franz Ferdinand (Hrsg.): Carl Suchy & Söhne. In: Die Gross-Industrie Oesterreichs. Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I.. 3, Leopold Weiss, Wien 1898, VI. Instrumente, Waagen und Gewichte, S. 292-293.
  2.   In: Hof- und Staats-Handbuch der österreichisch-ungarischen Monarchie für 1890. K.K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1890, S. 41.
  3.   In: Hof- und Staats-Handbuch der österreichisch-ungarischen Monarchie für 1903. K.u.K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1903, S. 387.
  4. Lot Nr. 486. Carl Suchy & Söhne Wien. In: Katalog. Dorotheum, 21. Mai 2010, abgerufen am 30. Jänner 2011 (erzielter Preis EUR 425,-): „Goldene Damentaschenuhr, vergoldetes Ankerwerk, Kompensationsunruh, Breguetspirale, Emailzifferblatt mit römischen Ziffern und Zahlen, kleine vertiefte Sekunde, glattes Savonettegehäuse mit Monogramm, österr. Einfuhrpunze 1902-1922, Durchmesser 31 mm, 24,5 g, Zugfeder gerissen, in Etui“
  5. Lot Nr. 1027. Wiener Historismus Bodenstanduhr mit Jahresgang "Carl Suchy & Söhne, in Wien". In: Katalog. Dorotheum, 14. Oktober 2010, abgerufen am 30. Jänner 2011 (erzielter Preis EUR 11.250,-): „Hofuhrmacher, Wien, Prag, La Chaux-de-Fonds, eingeschobenes massives Messingwerk, Gewichtszug über Saite, Kontragesperr, Graham Vollanker, Gangdauer 1 Jahr, Sekundenanzeige, Holzstabpendel mit schwerer Messinglinse, zweiteiliges Emailzifferblatt, gebläute Stahlzeiger, Messinglunetten, prachtvoll beschnitzer Nußholzkasten, sechsfach verglast, dreitürig, gedrehte Säulen, Kugelfüße, Löwenmaskarons, beschnitzter Aufsatz, 248 cm, Österreich um 1880/90, erstklassige Qualität, originaler unrestaurierter Zustand, Alters-, Gebrauchsspuren, Beschädigungen, keine Gewähr für Ganggenauigkeit und Dauerfunktion, 1 Pendel, 1 Gewicht, Kasten- und Vasenaufsätze, 2 Kastenteilschrauben, (HP)“
  6. Lot Nr. 105. Historismus Tischuhr mit Westminster Schlagwerk "Carl Suchy in Wien". In: Katalog. Dorotheum, 28. Oktober 2010, abgerufen am 30. Jänner 2011 (Schätzpreis EUR 1.000,- bis 1.200,-): „massives Messing Federzugwerk, Gangdauer mind. 8 Tage, Westminster Viertelstunden Schlagwerk auf Tonspiralen, Schlagabstellung, Reguliereinrichtung, versilbertes Zifferblatt, gebläute Stahlzeiger, zweitüriges schlichtes Erlenholzgehäuse, vierfach facettiert verglast, 44 cm, Deutschland/Österreich um 1890/1910, Alters-, Gebrauchsspuren, keine Gewähr für Funktion und Vollständigkeit, 1 Pendel, 1 Kastenschlüssel, (HP)“
  7. Lot Nr. 46. Prager Biedermeier Rahmenuhr. In: Katalog. Dorotheum, 28. Oktober 2010, abgerufen am 30. Jänner 2011 (erzielter Preis EUR 938,-): „Werk mit Doppeladler gestempelt "Carl Suchy in Prag", Hofuhrmacher in Wien, Prag und La-Chaux-de-Fonds, rechteckiges Federzugwerk, Gangdauer 1 Tag, Wiener 4/4 Stundenschlagwerk auf Tonspiralen, guillochiertes Messingzifferblatt, versilberter Zifferring, Stahlzeiger, ziselierte Messinglunette, reich ornamentiertes beschnitztes gold gefasstes Ochsenaugen Rahmengehäuse, Zinnapplikation "Doppeladeler mit Krone", eintürig verglast, Sonnenpendel, 42 x 53 cm, Österreich um 1840/60, Alters- , Gebrauchsspuren, leichte Umbauten, keine Gewähr für Funktion und Vollständigkeit, 1 Pendel, (HP)“