Cordula Wöhler

Cordula Wöhler, Foto um 1885
Bucheinband mit Pseudonym, 1897
Buchtitelblatt mit Pseudonym und richtigem Namen.
Gedenkbild der Erzdiözese München zum Tod von Cordula Wöhler.

Cordula Wöhler später Cordula Schmid, Pseudonym Cordula Peregrina (* 17. Juni 1845 in Malchin; † 6. Februar 1916 in Schwaz, Tirol), war eine religiöse Schriftstellerin und Dichterin, von der auch der Text des im gesamten deutschen Sprachraum verbreiteten Kirchenliedes „Segne Du Maria“ stammt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Cordula Wöhler war die Tochter des Theologen Dr. (Johann) Wilhelm Wöhler (1814-1884), zur Zeit ihrer Geburt Schulrektor in der mecklenburgischen Landtagsstadt Malchin, später evangelisch-lutherischer Pastor von Lichtenhagen bei Rostock. Ihre erste Begegnung mit dem katholischen Glauben hatte die junge Frau über die Bücher der geistlichen Schriftsteller Christoph von Schmid und Alban Stolz.

Im August 1864 bereiste Cordula mit ihrer Familie Thüringen, Bayern, Tirol und die Schweiz. Hier erlebte das Mädchen erstmals selbst den katholischen Gottesdienst, der nach eigenem Bekunden wegen seiner Pracht und Sakralität „großen Eindruck“ auf sie machte. Sie trat daraufhin in einen langen Briefwechsel mit Professor Alban Stolz ein. Nach einem erneuten Urlaubsaufenthalt mit den Eltern 1868 in Süddeutschland entschloss sich die junge Frau zum katholischen Glauben zu konvertieren. Im März 1869 wurden die Eltern darauf aufmerksam und es kam zu heftigen Kontroversen mit ihnen. Mit 25 Jahren erklärte Cordula Wöhler 1870 ihre Großjährigkeit und teilte den Eltern den definitiven Entschluss zum Glaubenswechsel mit. Diese warfen sie daraufhin aus dem Haus, da sie als Katholikin nicht länger in einem evangelischen Pfarrhaus wohnen könne.

Unter dem Eindruck dieser tragischen, persönlichen Ereignisse reimte Cordula Wöhler damals eine selbstverfasste Gebetshymne an Maria, zu der sie vertrauensvoll ihre Zuflucht nahm. So entstand am letzten Tag des Monats Mai 1870 ihr berühmtestes Gedicht „Segne Du Maria, segne mich, Dein Kind“, das der niederbayerische Kirchenkomponist Karl Kindsmüller (1876 – 1955) später vertonte. Heute zählt es zu den volkstümlichsten Marienliedern im deutschen Sprachraum, vor allem in Bayern, Österreich und Tirol; dort ist es zum Gemeingut geworden und kann von den meisten Gläubigen auswendig gesungen werden.[1][2][3] Vor 1975 war es in fast allen süddeutschen Diözesangesangbüchern enthalten und wurde auch in diverse Regionalteile des seither eingeführten katholischen Einheitsgesangbuches Gotteslob übernommen (z.B. im Bistum Würzburg und Speyer).[4][5]

Am 10. Juli 1870 trat Cordula Wöhler zu Freiburg im Breisgau in die katholische Kirche ein. Das Glaubensbekenntnis legte sie vor dem Erzbistumsverweser und Weihbischof Lothar von Kübel ab. Drei Tage später wurde sie gefirmt und am 16. Juli empfing sie erstmals die heilige Kommunion.

Ab März 1871 lebte die Konvertitin in Tirol. Lukas Tolpeit, der Pfarrkurat von Eben am Achensee, hatte ihr eine Stelle im dortigen Pfarr-Widum angeboten. Nebenher schrieb sie Gedichte und verfasste religiöse Schriften. Dann zog sie nach Schwaz und arbeitete in einer Konditorei, wo sie jedoch nur etwa 5 Monate blieb. Danach kam sie bei einem jungen Paar auf dem Freundsberg bei Schwaz unter. Hier überarbeitete sie ihr später weit verbreitetes Buch „Was das Ewige Licht erzählt“, das in 25 Auflagen erschien und sie recht bekannt machte. Andere Publikationen folgten, sowohl in Prosa, als auch Werke religiöser Lyrik. Teilweise erschienen sie unter dem Pseudonym „Cordula Peregrina“. In dieser Zeit war der Franziskanerpater Arsenius Niedrist ihr Seelenführer.[6]

Eine Lebenszäsur trat 1876 ein. Josef Anton Schmid aus Oberstaufen im Allgäu wandte sich an die Dichterin und bat sie um ein „frommes Gedicht“ für eine Gedenktafel, die er dem im Rufe der Heiligkeit stehenden Jesuiten Pater Jakob Rem an seinem Geburtshaus in Bregenz widmen wollte. Zwischen Josef Anton Schmid und Cordula Wöhler entstand ein intensiver Briefwechsel, der auf Grund ihrer beider Seelenverwandtschaft in eine Verlobung mündete, noch ehe sie sich persönlich kannten. Das Paar heiratete schließlich zu Riezlern im Kleinwalsertal und zog nach Bregenz. Cordula Wöhler hieß amtlicherseits nun Cordula Schmid, blieb aber unter ihrem Geburtsnamen allgemein bekannt. 1881 übersiedelte das Ehepaar nach Schwaz, wo es ein Haus in der Innsbrucker Straße erwarb und später zwei Waisenkinder adoptierte.

Hier lebte und wirkte Cordula Wöhler weiter als religiöse Dichterin bzw. Schriftstellerin und zusammen mit ihrem Mann als Aktivistin in der katholischen Pfarrgemeinde. Sie starb dort am 6. Februar 1916; ihr Mann folgte ihr schon am 25. Mai des gleichen Jahres nach. Beide liegen an der Südwand der Pfarrkirche von Schwaz begraben.

Das Verhältnis zur Familie hatte sich nach und nach verbessert. Schließlich stand sie mit den Eltern und ihrer Schwester wieder in brieflichem Kontakt und wurde auch gelegentlich von ihnen in Schwaz besucht. In ihrer norddeutschen Heimat ist Cordula Wöhler jedoch nie mehr gewesen.

Literatur

  • Adalbert Balling: „Ein kleines Lied, wie geht's nur an?“, in „Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln“, 21. September 2009 Scan des Beitrages über Cordula Wöhler
  • Gabriele Lautenschläger: Schmid, Cordula (geb. Wöhler). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 9, Bautz, Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1, Sp. 387–388.
  • Julius Mayer (Hrsg.), Alban Stolz: „Fügung und Führung“, Konvertitenbilder, 3. Teil, „Alban Stolz und Cordula Wöhler“, Freiburg im Breisgau, 1917
  • Sophie Pataky: „Lexikon deutscher Frauen der Feder“, 2. Band , Seite 250, Berlin 1898

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Allgemein verbreitete Strophen des Liedes „Segne Du Maria“
  2. Notensatz zu „Segne Du Maria“
  3. Alle Strophen des Liedes „Segne Du Maria“, mit einspielbarer Melodie von Karl Kindsmüller
  4. Zur Geschichte und Verbreitung des Liedes „Segne Du Maria“
  5. Offizielle Webseite des Bistums Mainz mit Cordula Wöhlers Marienhymne „Segne Du Maria“
  6. Zum Seelenführer, Pater Arsenius Niedrist, mit Erwähnung von Cordula Wöhler (auf Seite 3)