Elektrische Oberleitungs-Automobillinie Gmünd

Elektrische Oberleitungs-Automobillinie Gmünd
Ein Oberleitungs-Automobil vor dem alten Bahnhof
Ein Oberleitungs-Automobil vor dem alten Bahnhof
Streckenlänge: 2,880 km
Stromsystem: 440 Volt =
Maximale Neigung: 40 
Höchstgeschwindigkeit: 15 km/h
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Übergang zur Franz-Josephs-Bahn
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0,000 Gmünd-Bahnhof (1909 bis 1916)
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0,2     Waldviertler Schmalspurbahnen
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0,5     Waldviertler Schmalspurbahnen
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0,6     Waldviertler Schmalspurbahnen
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0,7     Gmünd-Bahnhof (1907 bis 1909)
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0,8     Waldviertler Schmalspurbahnen
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0,8     links: bis 1909 / rechts: ab 1909
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2,2     heutige Grenze Tschechien–Österreich
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2,3     Lainsitz
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2,6     Gmünd Stadtplatz Nr. 4 (Postamt)
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2,880 Remise (Schremser Str. / Walterstr.)

Die Elektrische Oberleitungs-Automobillinie Gmünd war ein Oberleitungsbus-Betrieb in Niederösterreich. Die 2,880 Kilometer lange Strecke verband den peripher gelegenen Bahnhof von Gmünd in der Siedlung Gmünd-Bahnhof – heute České Velenice in Tschechien – mit der Gmünder Innenstadt. Sie war der erste Oberleitungsbus in Österreich, gleichzeitig auch der erste Oberleitungsbus auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Brücke über die Lainsitz

Die am 12. Juli 1907 unter Anwesenheit von Erzherzog Rainer Ferdinand von Österreich eröffnete Strecke löste seinerzeit eine Pferdeomnibus-Verbindung ab.[1] Die Gmünder Linie war zwar der erste Obus-Betrieb in Österreich, nicht jedoch der erste in Österreich-Ungarns. Denn im Landesteil Ungarn verkehrten bereits 1904 die Gleislose Bahn Poprád–Ótátrafüred und die Gleislose Bahn Hermannstadt.

Neben Personen wurden auch Postsendungen befördert, der Betrieb wurde deshalb von der Stadt Gmünd gemeinsam mit der Kaiserlich und königlichen Post geführt. Nicht zuletzt deshalb befand sich die stadtseitige Endstation vor dem damaligen Postamt, dem Haus Stadtplatz Nummer 4.[1] Die Strecke war ursprünglich 2,2 Kilometer lang, davon wurden jedoch nur 1,9 Kilometer mit Fahrgästen zurückgelegt. Die letzten 300 Meter waren eine reine Betriebsstrecke auf dem Weg zur abseits der eigentlichen Linie gelegenen Wagenremise. Auf dem letzten Abschnitt wurden somit keine Fahrgäste befördert. Die Remise befand sich in der Schremser Straße an der Ecke Walterstraße, hierbei handelte es sich um einen Anbau an das damalige Amtshaus der Stadt Gmünd (Rathaus).[1]

In Folge der 1909 erfolgten Verlegung des Gmünder Bahnhofs musste auch die Oberleitungs-Automobillinie verändert werden. Die ersten 100 Meter der Strecke wurden aufgegeben, stattdessen wurde ein 800 Meter langer neuer Streckenabschnitt errichtet. Die gesamte Betriebslänge der Anlage betrug fortan 2880 Meter, davon wurden 2,6 Kilometer mit Fahrgästen befahren.[2] Gleich dreimal (bis 1909 nur einmal) kreuzten die Oberleitungs-Automobile jetzt die Gleise der Waldviertler Schmalspurbahnen (in der Trassierung von vor 1950), die bisherige Querung wurde hingegen aufgelassen.

Schon neun Jahre nach ihrer Eröffnung musste die Gmünder Linie jedoch kriegsbedingt wieder eingestellt werden, so mangelte es beispielsweise an Autoreifen.[1] Letzter Betriebstag war der Freitag, der 14. Juli 1916. Eine Wiedereröffnung nach dem Krieg scheiterte unter anderem daran, dass die Kupfer-Oberleitung noch im letzten Kriegsjahr 1918 dem Kaiserlich und königlichen Kriegsministerium abgeliefert werden musste, sie wurde als kriegswichtiger Rohstoff der Rüstungsindustrie zugeführt. Erschwerend hinzu kam, dass in Folge des verlorenen Krieges ein Großteil der Strecke fortan in der damals neu gegründeten Tschechoslowakei lag.

Technik und Fahrzeuge

Wagen 1 begegnet einem Dampftriebwagen der NÖLB, damals herrschte noch Linksverkehr
Wagen 1 mit dem Postabteil

Zur Anwendung in Gmünd kam das System Mercédès-Électrique-Stoll (auch System Elektro-Daimler-Stoll genannt) der Firma Austro-Daimler aus Wiener Neustadt. Dieses Prinzip wurde in Gmünd erstmals praktiziert, später wurden nach Gmünder Vorbild noch 18 weitere gleichartige Anlagen errichtet. Darunter neben weiteren Betrieben in Österreich auch welche in Böhmen, im Deutschen Reich, in Frankreich, in Großbritannien, in der Schweiz, in Südafrika und in Ungarn.

Zur Betriebseröffnung im Juli 1907 stand zunächst nur ein Motorwagen zur Verfügung, er war 5,5 Meter lang und verfügte über 18 Sitzplätze und ein Postabteil. Schon im Herbst 1907 wurde aufgrund des großen Erfolgs der Strecke ein zweiter Wagen nachbestellt, er wurde im Jänner 1908 ausgeliefert. Dieser war weitgehend baugleich, verfügte jedoch statt dem Postabteil über vier zusätzliche Sitzplätze, das heißt 22 statt 18.[1] Besonders charakteristisch für die Fahrzeuge nach dem Patent Mercédès-Électrique-Stoll waren die Radnabenmotoren, bei den beiden Gmünder Fahrzeugen wirkten diese auf die Vorderachse (bei den meisten anderen Betrieben hingegen auf die Hinterachse, seltener auch auf beide Achsen). Anhängerbetrieb gab es in Gmünd nicht.

Die gesamte Strecke der Gmünder Oberleitungs-Automobillinie war komplett einspurig, begegneten sich die beiden Wagen, so mussten diese – typisch für das System Mercédès-Électrique-Stoll – kurz anhalten und die Zuleitungen zu den Kontaktwägelchen austauschen. Sie fuhren anschließend mit dem Stromabnehmer des entgegenkommenden Wagens weiter. Wendeschleifen oder Luftweichen gab es ebenfalls keine. An den Endpunkten wendete zwar das Fahrzeug, nicht jedoch das Stromabnehmerwägelchen. Dieses wurde einfach in der entgegengesetzten Richtung zurückgezogen. 1921 – und damit erst fünf Jahre nach der Betriebseinstellung – wurden die beiden Motorwagen schließlich der Gemeinde Wiener Neustadt verkauft (wo es keine Obus-Anlage gab), ihr weiterer Verbleib ist unbekannt. Die Gmünder Remise wurde anschließend der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr überlassen.[1]

Galerie

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b c d e f O-Bus – das elektrische Oberleitungs-Automobil von Gmünd auf Vergangenes Gmünd
  2. THE WIRES OF FADED GLORY, erstellt von Richard A.Bílek

Weblinks