Fensterln

Der fliehende Liebhaber, Genrebild von A. Buzzi

Das Fensterln ist eine inzwischen fast bedeutungslos gewordene Aktivität der Brautwerbung, die vor allem im süddeutschen Raum und Österreich verbreitet war. Dabei machte der Mann des Nachts heimlich der Geliebten seine Aufwartung, indem er mit Hilfe einer Leiter zum betreffenden Fenster kletterte und gelegentlich dann dort Einlass ins Schlafgemach fand.

Nützlich und sogar brauchtümlich geduldet waren solche Aktivitäten aufgrund der früher oft herrschenden strengen dörflichen Sitten und elterlichen Verbote, die tagsüber und in der Öffentlichkeit Liebesleuten eingehende Unterhaltungen und gar intimere wechselseitige Überprüfungen verboten. Da heutzutage junge unverheiratete Menschen sich unbefangen in der Öffentlichkeit zeigen können und oft auch schon nicht mehr bei den Eltern wohnen, wird das Fensterln heutzutage nur noch selten und dann auch nur noch aus Spaß betrieben.

Andere lokale Bezeichnungen sind:

Das Fensterln ist eine besondere Spielart einer Kommnacht, d.h. des Brauches, dass ein Liebhaber unter Überwindung möglichst gefahrvoller Wege in die Kammer seiner Angebeteten gelangen musste, um ihr so seine Liebe zu beweisen. Andere Bezeichnungen hierfür sind: Bettelnacht (Böhmen), Frejot (Lausitz), Hengertnacht (Graubünden, Schweiz), Probenacht (Egerland) und Pumperlesnacht (Bayern).

In nördlicheren Regionen gilt „fensterln“ inzwischen als Hausfriedensbruch: Das Amtsgericht Frankfurt am Main urteilte, dass „Fensterln“ in Hessen nicht als kulturelles Erbe, sondern schlichtweg als Hausfriedensbruch betrachtet wird.[1]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Urteil des AG Frankfurt a. M. 33 C 2982/99-67 vom 30. November 1999

Weblinks