Filip Müller

Filip Müller (* 3. Januar 1922[1] in Sereď, Tschechoslowakei) ist slowakischer Überlebender des Sonderkommandos im KZ Auschwitz-Birkenau, der die Massenvernichtung in den Krematorien und Gaskammern des Lagers miterlebt und diese dann später in seinem Buch „Sonderbehandlung“ veröffentlicht hat.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Filip Müller wurde Mitte April 1942 im Alter von zwanzig Jahren mit dem fünften RSHA-Transport und dem ersten Transport mit jüdischen Männern aus der Slowakei in das KZ Auschwitz deportiert, wo er die „Häftlingsnummer 29.236“ erhielt.

Als Teil des jüdischen Sonderkommandos wurde er bei seiner Arbeit, die hauptsächlich in der Beseitigung der Leichen und dem Instandhalten der Vernichtungsanlagen bestand, Zeuge vom Tod hunderttausender Juden und auch anderer Insassen. Nach einem Monat konnte er im Stammlager zunächst der Krematoriumsarbeit entkommen, wurde jedoch in Auschwitz Birkenau wiedererkannt und erneut dem Sonderkommando für insgesamt etwa zwanzig Monate zugeteilt.

Während seiner Inhaftierung plante er, nachdem er realisierte, was er eigentlich tat, seinen Selbstmord, der darin bestehen sollte, dass er einer Gruppe seiner Landsmänner in die Gaskammer folgen wollte. Er wurde dann allerdings von einer Frau aus dieser Gruppe davon abgehalten, die der Meinung war, dass sein Tod niemanden retten würde. Seine Aufgabe bestehe allerdings darin, der Nachwelt von den Vorkommnissen des Lagers zu berichten.

Bis zum Januar 1945 arbeitete er in dem Sonderkommando. Nach der „Evakuierung“ des KZ Auschwitz wurde er in das KZ Mauthausen verbracht und im Mai 1945 im Außenlager Gunskirchen befreit.

Nach Kriegsende

Bis 1953 war er arbeitsunfähig und hielt sich überwiegend in Sanatorien auf, bis 1969 lebte er in der Slowakei und emigrierte dann nach Deutschland.

1964 sagte er in Frankfurt am Main im Verlauf des ersten Frankfurter Auschwitzprozesses als Augenzeuge aus; seinem Bericht wurde ein hohes Gewicht beigemessen, was auch ein Grund für ihn war, seine Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Filip Müllers Überlebendenmemoiren "Sonderbehandlung. Drei Jahre in den Krematorien und Gaskammern von Auschwitz" wurden Anfang Juli 1979, nachdem er 15 Jahre an seinem Werk und weitere 7 Jahre intensiv an der deutschen Fassung gearbeitet hatte, 34 Jahre nach seiner Entlassung, im Münchner Verlag Steinhausen veröffentlicht. Im April 1980 wurde es schließlich vom Bertelsmann-Verlag mit einer Gesamtauflage von etwa 100.000 Exemplaren herausgegeben und als „einzigartiges Dokument“ und als „Zeugnis des einzigen Mannes, der das jüdische Volk sterben sah und überlebte, um zu berichten, was er gesehen hat“ vermarktet. 1979 erschienen eine britische und eine US-amerikanische Ausgabe. Einer amerikanischen Neuauflage 1999 unter dem Titel "Eyewitness Auschwitz" stimmte der Autor nicht zu. Auch eine deutsche Neuauflage wird von Filip Müller nicht gewünscht.

Er selbst sagt über seine Motivation ein solches Werk zu verfassen: Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte jeder von den Überlebenden ein Alleswisser sein und das geheimnisvolle Sonderkommando hat sie so gereizt, dass sie vielmals fantasiert haben. (...) Meine Aufgabe war es, zu zeigen, was sich zwischen den Wänden abgespielt hat und wie es möglich war, innerhalb von 24 Stunden fast dreißigtausend Menschen zu erledigen. Dieses Geheimnis zu zeigen, das war meine Aufgabe.

In Claude Lanzmanns viel beachtetem Dokumentarfilm Shoah berichtet Müller ausführlich und eindrücklich über seine Erlebnisse in Auschwitz. Das machte ihn aufgrund der Berühmtheit des Filmes weiter bekannt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Dieter Schlesak: Capesius, der Auschwitzapotheker, Dietz, 2006

Literatur

  • Filip Müller: Sonderbehandlung. Drei Jahre in den Krematorien und Gaskammern von Auschwitz, München 1979.
  • Filip Müller: Auschwitz Inferno. The testimony of a Sonderkommando, London 1979
  • Filip Müller: Eyewitness Auschwitz. Three years in the gas chambers at Auschwitz, New Yorker 1979
  • Filip Müller: Eyewitness Auschwitz, Chicago 1999
  • Filip Müller: Trois ans dans une chambre a gaz, Paris 1980

Weblinks