Franz Wilhelm Junghuhn

Fr. Junghuhn. Titelbild in: Licht– und Schattenbilder aus dem Innern von Java …, 4. Auflage, Amsterdam, F. Günst, 1866

Franz Wilhelm Junghuhn (* 26. Oktober 1809 in Mansfeld; † 24. April 1864 in Lembang auf Java) war ein deutscher Arzt, Geologe, Botaniker und Landvermesser. Seine naturwissenschaftlich orientierten Forschungs- und Entdeckungsreisen unternahm er im damaligen Niederländisch-Indien bzw. im heutigen Indonesien.

Fr. Junghuhn. Titelbild zum Aufsatz Franz Wilhelm Junghuhn von A. Wichmann. In: Petermanns Mitteilungen, 55. Band 1909, Tafel 37 (gegenüber S. 297)

Junghuhns Werke, geschrieben unter dem Einfluss seines Vorbilds Alexander von Humboldt, zählen zu den wertvollsten Schöpfungen der geographischen Literatur. Über Jahrzehnte hinweg regten sie zahlreiche Naturwissenschaftler zu weiterführenden Forschungen an. Reichhaltige Sammlungen belegen diese Werke: Geologen und Paläontologen haben seine Gesteins- und Fossiliensammlungen, Botaniker und Paläobotaniker seine Herbarien ausgewertet. Bis heute konnten diese Arbeiten nicht zum Abschluss gebracht werden.

Junghuhns Forschungsgebiete

Die bedeutendste Leistung dieses „größten deutschen Forschers auf malaiischem Boden“[1] war die erste vollständige geographische, geologische und botanische Erforschung der Insel Java, des wichtigsten Kolonialgebietes der Niederländer. Von bleibendem Wert ist sein darüber verfasstes grundlegendes Werk „Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart“, das mit einem großformatigen Landschaftenatlas, der ersten zuverlässigen Karte dieser Insel und mit einem Katalog der geologischen Sammlung „zur Erläuterung des geologischen Baues“ ergänzt werden konnte. Darüber hinaus lieferte er die erste ausführliche topographische und ethnologische Beschreibung der südlichen Batakländer auf Sumatra. Von unschätzbarem Nutzen für die gesundheitlichen Verhältnisse in malariaverseuchten tropischen Gebieten war die erfolgreiche Kultivierung von Chinarindenbäumen auf Java.

Nach Meinung des Geografen Oscar Ferdinand Peschel gehört Junghuhn „zu den Zierden deutscher Wissenschaft“ neben Alexander von Humboldt und Leopold von Buch.[2]

Junghuhns offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Jungh.“.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Viele seiner Anhänger sind überzeugt, dass Junghuhn unter gleichen Voraussetzungen ähnliche Erfolge wie Alexander von Humboldt erzielt hätte. Die äußeren Bedingungen der beiden Forscher und ihre Charaktere waren jedoch vollkommen gegensätzlich. Humboldt genoss als Nachkomme eines wohlhabenden Adelsgeschlechts die denkbar beste Kindheits- und Jugenderziehung, seine naturwissenschaftlichen Neigungen wurden von verständnisvollen Privatlehrern gefördert, seine Mittel erlaubten ihm, uneingeschränkt seinen Neigungen nachzugehen und seine Weltgewandtheit, vereint mit diplomatischem Geschick, verhalfen ihm zu einem Einfluss, wie er weder vor noch nach ihm einem Forscher zuteilgeworden ist.

Ganz anders verlief die Entwicklung von Junghuhn. Der Sohn eines Kleinbürgers wurde mit rauer Hand erzogen und entgegen seinen Neigungen zum Medizinstudium gezwungen. Was ihm in der Jugend an naturwissenschaftlicher Bildung versagt geblieben war, musste er sich autodidaktisch selbst aneignen. Nach dem Zerwürfnis mit seinem Elternhaus und Jahren voller Entbehrungen sich als heimatlos bezeichnend,[3] begab er sich nach Niederländisch-Indien, wo er neben seinem Dienst als Gesundheitsoffizier als Botaniker, Geologe, Paläontologe, Mineraloge, Vulkanologe, Ethnologe, Meteorologe und Landvermesser tätig war. Welche Fähigkeiten er in allen diesen Disziplinen besaß, ohne darin jemals ein Studium absolviert zu haben, davon zeugen seine Werke.

Das gespannte Verhältnis zu seinem Vater, von der Durchsetzung und Wahrnehmung seiner eigenen Interessen bis an die Grenze zur Unversöhnlichkeit verschärft, hat wesentlich zur Entwicklung seines trotzigen und unbeugsamen Charakters beigetragen. Anders als Humboldt war Junghuhn vollkommen undiplomatisch und kompromisslos bis zur Starrsinnigkeit. Respektlos, vielfach mit Hohn und Spott, äußerte er sich gegenüber Vorgesetzten, Fachkollegen, Kolonialbeamten und javanischen Adeligen, was zu ständigen Auseinandersetzungen bis zum Ende seines Lebens geführt hat.[4] Während Alexander von Humboldt als „Nestor der wissenschaftlichen Reisenden“ und „Leitbild der Erdforscher des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet wurde,[5] galt Junghuhn als „kantiger zugeknöpfter Einzelgänger“ und als „ein unbequemer Mann, der es sich und anderen nicht leicht gemacht hat.“[6] „Was ihm in der Seele verhasst war, war Dilettantengeschwätz, und wenn man dazu noch seinen unwiderstehlichen Hang zur Satire rechnet, so lässt sich verstehen, weshalb sein Leben sich zu einer fast unaufhörlichen Kette von Konflikten gestaltete und sein Dasein wiederholt auf des Messers Schneide zu stehen kam.“ (A. Wichmann).[7]

Jugend- und Studentenzeit, Festungshaft und Flucht

Junghuhn kam als erstes Kind der Eheleute Wilhelm Friedrich Junghuhn, einem Bergchirurgus,[8] und Christine Marie geborene Schiele am 26. Oktober 1809 in der Kupfererz-Bergbaustadt Mansfeld am Ostrand eines Harz-Ausläufers zur Welt. Von den sechs Geschwistern, die nach ihm folgten, starben zwei im Kindesalter.

Junghuhns Zuneigung zur Natur, insbesondere zur Botanik, wurde in seinem kleinbürgerlichen Elternhaus unterdrückt. Als Erstgeborener war er dazu bestimmt, für den Unterhalt seiner Eltern bis zu ihrem Ableben zu sorgen. Um hierfür in der Lage zu sein, sollte er Medizin studieren und als Arzt praktizieren. Mansfeld besaß jedoch kein Gymnasium, weshalb er bis zur Hochschulreife von einem Privatlehrer unterrichtet wurde. Ein folgenschwerer Missgriff war die Übertragung dieser Aufgabe an den Mansfelder Archidiakon Carl Ferdinand Hecht: Dieser unterrichtete mit so ungewöhnlicher Strenge und konservativer Gottgläubigkeit, dass Junghuhn bis an sein Lebensende sich gegen die christlichen Lehren stellte und ein Anhänger und Verfechter des Pantheismus geworden ist. Seine Ausbildung in Latein jedoch bildete den Grundstock für seine vielseitigen autodidaktischen Studien.

Das Universitätsgebäude in Halle 1836 (heute: „Löwengebäude“)

Ende September 1825, auf strikte Anordnung seines Vaters, begab sich Junghuhn nach Halle zum Studium der Medizin an der Universität Halle-Wittenberg. Wegen zu jungen Alters – er war erst 16 Jahre alt – wurde er zunächst abgewiesen. Unter der Obhut eines Theologieprofessors, nach monatelanger Weiterbildung und Vorbereitung in einer chirurgischen Klinik, erfolgte am 24. April 1826 seine vorläufige und am 1. Juli 1827 seine endgültige Einschreibung. Unter dem Einfluss seiner Jugendfreunde Oswald Heer und Hermann Burmeister, die ebenfalls in Halle neben anderen Wissenschaften Entomologie studierten, gewann jedoch seine Zuneigung zur Natur wieder die Oberhand. Neben seinem Medizinstudium durchstreifte er botanisierend das östliche, südliche und nördliche Harzvorland. Überzeugt, dass nur das Studium der Natur seinen wahren Interessen entspricht, gab er am 1. Februar 1829 das Medizinstudium auf.

Junghuhns Exmatrikulation führte zu einem Bruch mit seinem Vater und zum Verlust seiner finanziellen Zuwendungen. Es folgte eine der entbehrungsreichsten Zeiten seines Lebens. Vergeblich versuchte er, mit Gelegenheitsarbeiten sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. In seiner Not verkaufte er seine persönliche Habe, darunter auch seine Bettstelle und seine geliebte Büchersammlung. Er war nicht mehr in der Lage, seine Schulden zu bezahlen.

„Schwankend zwischen Furcht und Hoffen, zwischen Reue und Stolz, zwischen Tod und Leben,“[9] kehrte er nach Mansfeld zurück. Wieder unternahm er botanische Streifzüge durch Thüringen, in den Harz und in die Umgebung von Braunschweig, sehr zum Unwillen seines Vaters, der die Botanik als unnütze Liebhaberei ansah. Mit besonderer Vorliebe widmete sich Junghuhn den Pilzen, entdeckte neue Arten und schrieb darüber in lateinischer Sprache seine erste wissenschaftliche Abhandlung, die 1830 in der botanischen Zeitschrift „Linnaea“ veröffentlicht wurde.[10]

Der Zwist mit seinem Vater, der durch beiderseitige Unnachgiebigkeit scheinbar unüberbrückbar geworden war, die düstere Aussicht auf eine ungewisse Zukunft, sein Protest gegen das konservative Christentum, seine Zuneigung zur Natur und seine Abneigung zum Medizinstudium und – nicht zuletzt – sein eigensinniger, nach Freiheit und Unabhängigkeit strebender Charakter haben dazu geführt, dass er sich energisch gegen sein gesellschaftliches Umfeld auflehnte. Sein seelisches Gleichgewicht geriet derart aus den Fugen, dass er im Frühjahr 1830 ein Selbstmordversuch beging: In einem Kellergewölbe des Mansfelder Schlosses, im Angesicht seines Elternhauses, schoss er sich mit einer Pistole in den Hinterkopf.

Im Hinblick auf seine bis dahin erworbenen nicht unwesentlichen medizinischen Kenntnisse und der Umstand, dass es sich bei diesem Selbstmordversuch offensichtlich um einen sorgfältig gezielten Schuss gehandelt hat, drängt sich die Vermutung auf, dass Junghuhn sich nicht das Leben nehmen sondern nur verletzen wollte, um sein Vater zum Nachgeben und Einlenken zu bewegen. Nur Enttäuschung und Bedauern empfand jedoch der Vater für den schwer verletzten Sohn. Mit Hilfe eines Arztes pflegte er ihn gesund. Für Junghuhn muss die Zeit seiner Pflege und Genesung im Haus seines Vaters ein Martyrium gewesen sein.[11]

Von Ostern 1830 bis Ostern 1833 war Junghuhn an der medizinischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin eingeschrieben. Nur wenige Monate nach seiner Immatrikulation folgte ein Ereignis, das ihn vollends aus der Bahn zu werfen drohte: In einer Berliner Restauration kam es zu einer gegenseitigen Beschimpfung mit einem schweizerischen Studenten namens Schwoerer, die am 1. September 1830 in einem Pistolenduell gipfelte. Junghuhn erhielt einen Schuss durch den linken Oberschenkel, Schwoerer dagegen blieb unverletzt.[12]

Diese Ehrenhandlung war seinerzeit ein schweres Vergehen. Am 9. Juni 1831 wurde Junghuhn vom Senat des Berliner Kammergerichts zu 10 Jahren Festungshaft verurteilt. Zu dieser Zeit befand sich Preußen wegen Unruhen in den westlichen Nachbarländern im Alarmzustand, und da Junghuhn aus diesem Anlass im April 1831 zum Militär eingezogen und im Hunsrück einer Einheit der Preußischen Rheinarmee zugeteilt wurde, musste der Vollzug seiner Haftstrafe zunächst aufgeschoben werden. Neun Monate lang leistete er als Sanitäter seinen Dienst bei einer in Simmern und Laubach stationierten Feldbatterie. Erst am 25. Dezember 1831, „als die Armee demobil gemacht und auf den Friedensfuß gesetzt wurde“ (Junghuhn),[13] erhielt sein Kommandant Befehl, ihn festzunehmen und in die Festung Ehrenbreitstein zu überführen.

Zeitgenössische Ansicht von Koblenz mit der Festung Ehrenbreitstein

Am 1. Januar 1832 wurde Junghuhn in das dortige Militärgefängnis eingeliefert. Nach über zwölf Monaten Gefangenschaft simulierte er ein Brustleiden, worauf er am 20. Januar 1833 in das Koblenzer Garnisonslazarett in der Weißer Gasse (ehemaliges Dominikanerkloster) überführt wurde. Seine Rückverlegung nach Ehrenbreitstein, die im Juli erfolgen sollte, konnte er durch Simulierung einer Geisteskrankheit verhindern.

Dem Misstrauen eines Militärarztes verdankte Junghuhn die Bekanntschaft mit Philipp Wirtgen, der als Botaniker in der Rheinprovinz große Anerkennung besaß. Wirtgen wurde gebeten, einen „merkwürdigen“ Mann anzusehen, der vom Ehrenbreitstein ins Koblenzer Lazarett gebracht worden war und „bedenkliche Anzeichen von geistiger Störung“ erkennen ließ. Da der Patient auf den Spaziergängen mit offenbar wissenschaftlichem Verstand sich für die Pflanzen im Garten des Lazaretts interessierte, kamen Zweifel auf über die Echtheit seiner Geisteskrankheit. Wirtgen erschien dem Militärarzt als die am besten geeignete Person, den Zustand des Patienten mit dem nötigen Fachwissen zu beurteilen.[14] Kaum war Junghuhn mit Wirtgen allein, gab er sich ihm zu erkennen und schloss mit ihm eine Freundschaft, die bis zum Ende seines Lebens währte.

In der Nacht vom 13. zum 14. September 1833 floh Junghuhn aus dem Lazarett. Über den Hunsrück, Trier und Luxemburg eilte er nach Belgien, und am 22. September passierte er die französische Grenze. In Toulon, dem Ziel seiner langen und mühevollen Wanderung, meldete er sich als Arzt bei der Fremdenlegion, wurde aber nur als Soldat rekrutiert. Von Januar bis Juni 1834 war er als Sanitäts-Unteroffizier in der algerischen Hafenstadt Bone stationiert; danach wurde er vorzeitig wegen Dienstuntauglichkeit entlassen.

Ende Juli 1834 kam Junghuhn nach Paris. Als Antwort auf ein Immediatsgesuch erfuhr er von der dortigen Preußischen Gesandtschaft, dass er längst begnadigt war. Der Gnadenerlass wurde bereits am 14. September 1833 erteilt, wenige Stunden nach seiner Flucht aus dem Koblenzer Lazarett. Umsonst war seine Flucht, umsonst seine Angst, bei der Flucht gefangen zu werden, umsonst sein Dienst in der Fremdenlegion.

Junghuhns Stationen in Europa und Afrika. - Auf der Nebenkarte 3 (Niederlande) sind die Küsten und Binnengewässer so dargestellt, wie sie während Junghuhns Aufenthalt 1834-1835 vorhanden waren.

In Paris besuchte Junghuhn die ihm als namhaft bekannten Botaniker Antoine-Laurent de Jussieu, Adolphe Théodore Brongniart und Christian Hendrik Persoon. Richtungsweisend für seine Forscherlaufbahn war der niederländische Mykologe Persoon, der Junghuhn den Rat gab, die tropische Pflanzenwelt des Indischen Archipels zu erforschen – ein Unterfangen, das einen bedeutenden Teil seines Lebens in Anspruch nehmen sollte.

Am 5. Oktober 1834 trat Junghuhn seine Heimreise nach Deutschland an. In Koblenz suchte er seinen Freund Wirtgen auf. Gemeinsam unternahmen sie botanische Exkursionen in den Hunsrück, in die Eifel und in das Moseltal.[15] Im November weilte er am Ufer des Laacher Sees; danach fuhr er rheinabwärts auf einem Dampfschiff nach Rotterdam und begab sich von dort aus nach Leiden und Utrecht.

Damit endet das wirre Kapitel über Junghuhns Jugendzeit, und es folgten Jahre großer Taten. Hierzu Junghuhns Großneffe Max Carl Paul Schmidt: „Des Lebens Rad hat rücksichtslos an ihm herumgeschliffen. Aber zuletzt hat sich herausgestellt: der spröde Stein, an dem es schliff, war trotz seiner rauen Aussenseite doch ein Diamant.“[16]

Die Begebenheiten und Beobachtungen von seiner Festnahme und Gefangenschaft bis zu seiner Rückkehr in sein Heimatland schrieb Junghuhn 1834 in seinem Bericht „Reise nach Afrika“ nieder, der erst 1909 mit dem Titel „Flucht nach Afrika“ veröffentlicht wurde.[17] Das erste Kapitel „Reise nach Holland“ in seinem Werk „Topographische und naturwissenschaftliche Reisen durch Java“ ist eine nahtlose Fortsetzung dieses Berichts.

Erster Aufenthalt in Niederländisch-Indien

Java

Batavia im Jahre 1846[18]

Für den mittellosen Junghuhn war Niederländisch-Indien nur mit einer Anstellung bei der dortigen Armee zu erreichen. Nach erfolgreicher Absolvierung eines medizinischen Examens am 27. Dezember 1834 in Utrecht erhielt er am 12. Januar 1835 eine feste Anstellung als Sanitätsoffizier dritter Klasse. Finanziell nur mit dem Allernötigsten versehen, wartete er sechs Monate lang in Harderwijk, einem Sammelplatz für Matrosen, Soldaten und angeworbenen Auswanderern, am landschaftlich reizlosen Südufer der Zuiderzee. Erst am 30. Juni 1835 ging der Dreimaster „Jacob Cats“ nach Java ab, und am Morgen des 13. Oktober 1835, nach dreieinhalbmonatiger Überfahrt, betrat Junghuhn den Landungsplatz in Batavia, dem heutigen Jakarta. Erst 13 Jahre später kehrte er – wenn auch nur vorübergehend – zur Wiederherstellung seiner Gesundheit nach Europa zurück.

Junghuhn leistete zunächst seinen Dienst als Arzt in den Militärhospitälern von Batavia und Semarang ab. Dass er in jeder freien Stunde botanisierte, die Berge in der erreichbaren Umgebung erstieg und seine Eindrücke und Beobachtungen in Bild und Wort festhielt, erregte jedoch bald den Unwillen von Vorgesetzten und Kollegen und trug ihm zahlreiche Beschwerden wegen Pflichtversäumnis ein.

Im Februar 1836 wurde er nach Jogjakarta versetzt. Während eines Urlaubs vom 20. bis 26. Mai durchzog er das wegen seiner zahlreichen Kegelberge „Gunung Sewu“ („Tausend Hügel“) genannte Karstgebiet an der Südküste Javas. Westlich von Jogjakarta studierte er am Kalkmassiv Gunung Gamping die erodierenden Kräfte der Witterung, und im September 1836 begann er mit seinen grundlegenden Untersuchungen des tätigen Vulkans Merapi. Wiederholt erstieg er diesen fast 3000 m hohen Berg und dokumentierte ihn in Wort und Bild bis in die kleinsten Einzelheiten. Die Höhen bestimmte er mit einem selbst konstruierten Barometer, bestehend aus einem Bambusrohr und einer passend kalibrierten Glasröhre, das unterwegs beständig senkrecht gehalten werden musste. Er erzielte damit eine erstaunliche Genauigkeit. Der Merapi und der unmittelbar nördlich angrenzende über 3000 m hohe Merbabu waren die ersten Vulkane, die Junghuhn erklomm.

1837 wurde Junghuhns Forscherleben endgültig in die richtige Bahn gelenkt: Er wurde dem deutschen Arzt Ernst Albert Fritze unterstellt. Dieser war Chef des Gesundheitswesens von Niederländisch-Indien und – als Leiter des Naturhistorischen Museums der „Bataviaasch Genootschap van Kunsten en Wetenschappen“ – selbst in hohem Maße naturbegeistert. Ohne dessen Hilfe und dienstlichem Entgegenkommen wäre er wohl Sanitäter in Hospitälern geblieben. Fritze erkannte Junghuhns Neigungen und Fähigkeiten und nahm ihn als Adjutant auf zwei Inspektionsreisen mit.

Die erste Reise, vom 11. Juli bis zum 23. August 1837, führte durch West-Java. Nach einem Besuch der Wijnkoopsbaai an der Südküste und des damals noch von unberührten Wäldern umgebenen Bergsees Telaga Patengan wurden die Vulkane Patuha, Tangkuban Perahu, Guntur, Papandayan, Galunggung und Ciremai bestiegen. Nach dem Abstieg vom Gipfel des Papandayan wurde der milchig-weiße Kratersee Telaga Bodas aufgesucht.

Bei der zweiten Inspektionsreise, die vom 12. April bis zum 15. August 1838 durch Mittel- und Ostjava verlief, wurden elf Vulkane untersucht: Der Ungaran, der Lawu, der Sumbing, der Sundoro, nördlich von Jogjakarta – für Junghuhn ein weiteres Mal – der Merapi, der Wilis, der Ringgit, der Lamongan, das Tengger-Gebirge mit dem aktiven Bromo, das von Kratern und Seen durchsetzte Dieng-Plateau und der zweithöchste Gipfel Javas, der 3428 m hohe Slamet. Hinzu kamen zwei Schlammvulkane südlich von Surabaya und ein nicht vulkanischer Ausbruchskegel in einem Sumpf bei Ambarawa, der durch hydrostatisch empor gedrücktes Moor in einer harten Torfschicht entstanden ist.[19] Fritze befasste sich mit der Geologie, sammelte Gesteine und berechnete die Höhen, Junghuhn beschäftigte sich vornehmlich mit der Botanik und hielt die Ergebnisse aller Forschungen in seinem Tagebuch fest.

Nach Beendigung dieser Reisen bemühte sich Fritze darum, Junghuhn die Möglichkeit zu schaffen, ohne seine Begleitung weiterhin Naturforschung betreiben zu können. Seiner Empfehlung verdankte Junghuhn einen Auftrag der Naturkundlichen Kommission, naturwissenschaftliche Untersuchungen in Westjava durchzuführen. Südwestlich der Stadt Bogor (damals Buitenzorg) erstieg er im Oktober 1838 den Gunung Salak. Sein darüber verfasster ausführlicher Bericht, der noch im gleichen Jahr in niederländischer und 1840 in deutscher Sprache erschien, war die erste Veröffentlichung in deutscher Übersetzung, mit der Junghuhn die tropische Natur der Insel Java seinen Landsleuten in der Heimat vor Augen gebracht hat.

Primula imperialis Jungh.,
1839 von Junghuhn entdeckt

Am 1. April 1839 betrat Junghuhn als erster Europäer den Gipfel des 3019 Meter hohen erloschenen Vulkans Pangrango. Hier entdeckte er zu seiner großen Freude „ … eine der grössten botanischen Seltenheiten und pflanzengeographischen Merkwürdigkeiten …“,[20] eine Primula, die – im Gegensatz zu der kleinen, in Europa als „Schlüsselblume“ bekannten Primula veris – eine Höhe von über einem Meter erreicht und nur auf diesem Berg gedeiht. Unverzüglich an Ort und Stelle gab er ihr den Namen Primula imperialis.

Im Juli 1839 folgte die zweite, im November 1839 die dritte Besteigung des Vulkanmassivs Gedé-Pangrango. Sowohl die Entdeckung der Primula imperialis als auch die botanischen, zoologischen und meteorologischen Beobachtungen auf diesem Massiv hielt er im letzten Abschnitt seines ersten großen Werks „Topographische und naturwissenschaftliche Reisen durch Java“ fest. Im Oktober 1839, vor seinem dritten Besuch des Gedé-Pangrango, untersuchte Junghuhn den erloschenen Malabar in den Preanger-Landschaften südlich von Bandung.

Junghuhns Exkursionen wären nicht möglich gewesen ohne die Inanspruchnahme von einheimischen Trägern. Neben den unentbehrlichen Geräten und Messinstrumenten für seine wissenschaftlichen Beobachtungen mussten Behälter für mineralische und pflanzliche Objekte, Trinkwasser und Proviant mitgenommen werden. Für Übernachtungen auf den Gipfeln der hohen Vulkane, bei kalter und zugiger Witterung oberhalb der Baumgrenzen, wurde Brennholz für warme Mahlzeiten und für ein wärmendes Feuer benötigt. Bei seinen ersten Reisen im Jahre 1836, die Junghuhn in seinem unbändigen Forscherdrang aus eigenem Antrieb unternahm, musste er seine Helfer aus eigenen Mitteln bezahlen. Ein Umstand, der sich wenig später in das Gegenteil verkehrte: Bei seinen Reisen mit Dr. Fritze und im Auftrag der Kolonialregierung hatte jeder Dorfvorsteher die Pflicht, Träger und einen ortskundigen Führer bereitzustellen.

Sumatra

Junghuhns Fahrten von Batavia nach Sumatra und zurück

Der Tod seines Vorgesetzten und Gönners Dr. Fritze im Mai 1839 war für Junghuhn ein schmerzlicher Verlust. Noch immer stand er als Sanitätsoffizier in militärischen Diensten. Sein Wunsch nach einer Fortsetzung seiner Tätigkeit bei der Naturkundlichen Kommission wurde abgelehnt. Am 3. Januar 1840 absolvierte er in Batavia das Examen zum „Chirurgus Zweiter Klasse“. Einen Urlaub, den Junghuhn aus gesundheitlichen Gründen vom 1. März bis 3. April erhielt, nutzte er zur Erforschung des Diëng-Plateaus in Mitteljava.

„Ich sah jedoch mit Grauen das Ende meines Urlaubs nahen und die Hospitäler in Perspectiv. Da ich nun hörte, daß Herrn Merkus, Read von Indien, ein sehr wissenschaftlicher und humaner Mann, den ich schon früher kennen gelernt hatte, zum General-Commissair von Sumatra ernannt sei, so bat ich, nach Sumatra versetzt zu werden, welches mir auch gewährt wurde. Ich ging über Batavia nach Padang, und war so glücklich, gleich nach meiner Ankunft daselbst von Herrn Merkus mit der topographischen und naturkundigen Untersuchung der Batta-Länder beauftragt zu werden ...“ (Junghuhn).[21]

Dieser Auftrag enthielt jedoch zahlreiche Instruktionen: Eine Karte soll Junghuhn von der Region erstellen, das Klima und die Fruchtbarkeit des Bodens erforschen, nutzbare Boden- und andere Naturschätze finden, Holzsorten auf ihre Eignung zum Schiffbau prüfen. Von den Batak soll er nicht nur über ihre politische Einstellung, Sprache und Schrift, Sitten und Gebräuche, sondern vor allem über ihren berüchtigten Kannibalismus Erkundungen einholen. Alle drei Monate soll er Bericht erstatten.

Als Assistent wurde ihm der Naturwissenschaftler Hermann von Rosenberg zugeteilt.

Der direkte Zugang durch das Hinterland von Padang war den beiden Forschern wegen eines zuvor unterdrückten Aufstands verwehrt.[23] Daraufhin fuhren sie entlang der Westküste Sumatras auf einem britischen Kauffahrersegler nach Norden. Am 3. Oktober 1840 lief das Schiff in die Bucht von Tapanuli ein und ankerte vor einem holländischen Außenposten, der aus strategischen Gründen auf der vorgelagerten Insel Pontjang kitjil (heutiger Name: Poncan ketek] errichtet worden war. Hier trafen sie ihre letzten Vorbereitungen.[24]

Wenige Tage nach ihrem Aufbruch in das urwaldüberzogene Westsumatra, am 14. Oktober, verirrte sich Hermann von Rosenberg bei einem Jagdausflug, konnte jedoch von Junghuhn gerettet werden. Als Folge dieses für ihn schockierenden Ereignisses bekam von Rosenberg einen so heftigen Fieberanfall, dass er die Begleitung und Assistierung Junghuhns quittieren musste.[25]

Ohne seinen Assistenten als Entdecker und Wissenschaftler ganz auf sich allein gestellt, setzte Junghuhn seine Forschungen in den südlichen Battaländern fort. Die Durchdringung und Vermessung dieser unerschlossenen Gebiete stellte höchste Anforderungen an seine physische und psychische Leistungsfähigkeit. Bedrohungen durch misstrauische Einheimische, die wenige Jahre vor seiner Ankunft von kriegerischen Malaien heimgesucht worden waren, behinderten Junghuhn bei seinen Arbeiten erheblich und vereitelten ein weiteres Vordringen nach Norden.

Welche Hindernisse sich Junghuhn auf seinen Reisen entgegenstellten, geht aus seinen folgenden Worten hervor:

„In Tobah, wo es weite, völlig flache Räume gibt, wurde mir das Abmessen von Standlinien unter Drohungen verweigert, weil man dies für eine Landesaufnahme für anzulegende Festungen hielt ! – Aus ähnlichen Gründen konnte ich in Hurung meine Beobachtungen nur aus dem Gebüsch, versteckt und heimlich machen, – in Silindong wurde mir das Messen von Sonnenhöhen in einem künstlichen Horizont bestimmt untersagt, weil dies pure Zauberei sei; ich wurde dringend gebeten, meinen Sextanten ein– und mich selbst aus dem Lande zu packen. – Dazu kommt die gebirgige Unwegsamkeit des Landes; man kann keinen Schritt weit anders, als zu Fuss kommen; – in einem Tage muss man zuweilen 30 bis 40 Bäche, wovon einige (in der Thalsohle ausgetretene) sehr warm, und andere gleich darauf (dicht am Bergfusse fliessend) eiskalt sind, durchwaten und, wenn man bis an die Achseln im Wasser steht, seine Instrumente über dem Kopf emporhalten. – In den Wäldern ist man über Tag von kleinen Springblutegeln geplagt, die sich zu 20–30 an alle Theile des Körpers zugleich ansaugen und durch die Fusskleider hindurchstechend schmerzhafte Geschwüre erregen, und des Nachts von Moskiten. Endlich muss man bei allem diesen noch stets Sorge auf persönliche Sicherheit verwenden, und selbst des Nachts in Hütten, wo man ein hartes Lager mit etwas Mais und Bataten findet, wenigstens sechs Gewehre geladen und mit seinen Bedienten abwechselnd Wache halten, um die Eingebornen durch Furcht zu verscheuchen …“

Junghuhn, 1847[26]

Das blieb nicht lange ohne Folgen: Von den 18 Monaten, die Junghuhn auf Sumatra verbrachte, lag er 10 Monate lang krank ohne ärztliche Versorgung in seinem Standlager Tobing auf einem südlichen Ausläufer des Vulkans Lubu Radja. Seine Beine hatten sich durch unzählige Blutegelbisse entzündet. Hinzu kam eine Dysenterie.

Der „Eingang in die Battaländer“: Ausschnitt aus Junghuhns Karte der Tapanuli–Bai. Das Basisdreieck A-B-C stellt den Beginn der Vermessungsarbeiten dar. Punkt B liegt auf dem Gipfel einer steil aufragenden Insel (siehe die eingefügte Ansichtsskizze von Junghuhn). Die Küstenlinie ist hellblau hervorgehoben. Der rote Pfeil zeigt auf die Insel Pontjang kitjil (heutiger Name: Poncan ketek).

Um so erstaunlicher ist das, was er bei halbwegs gesunder Verfassung in den restlichen acht Monaten auf Sumatra erzielt hat. Trotz des Misstrauens der Batak und den daraus entstandenen Schwierigkeiten gelang es ihm, alle Aspekte ihrer Kultur und ihres Alltagslebens zu erkunden.

Seine bedeutendste Leistung in diesen acht Monaten war jedoch die Vermessung und Kartierung der Batakländer. Unmittelbar nach seiner Ankunft in der Bucht von Tapanuli wählte Junghuhn zwei markante Hauptpunkte für eine geodätische Basislinie, ermittelte deren geographische Koordinaten durch astronomische Breiten- und Azimutbestimmungen und errechnete ihren Abstand, auf das heutige Maßsystem umgerechnet, auf 14,3 Kilometer. Auf dieser Basis schuf er durch Winkelmessungen und Polhöhenbestimmungen ein geodätisches Vermessungsnetz. Mit dieser Leistung, die nach Montigel zu „den größten Taten menschlicher Willenskraft“ gerechnet werden muss,[27] hat Junghuhn sich das Verdienst erworben, die erste Triangulation in Niederländisch-Indien ausgeführt zu haben. Der Wert dieser Pioniertat wird noch dadurch erhöht, dass sie nicht auf der wesentlich besser erschlossenen Insel Java geschah, sondern unter ungleich schwierigeren Bedingungen in den urwaldüberzogenen Gebirgen Westsumatras. Erst 50 Jahre später gelang es der Niederländischen Kolonialregierung, dieses schwer zugängliche Gebiet zu unterwerfen.

Die nachfolgenden Kartenausschnitte, die annähernd das gleiche Gebiet umfassen, sollen die geographisch-topographischen Fortschritte veranschaulichen, die von Junghuhn in den Battaländern erzielt worden sind. Zum Vergleich dient eine Karte nach Satellitenaufnahmen.

Eine der besten Karten von Sumatra vor Junghuhns Erkundungen ist diejenige des englischen Historikers und Orientalisten William Marsden, der als Sekretär im seinerzeit britischen Bencoolen, dem heutigen Bengkulu, an der Westküste stationiert war. Acht Jahre lang sammelte Marsden alle mündlichen und schriftlichen Nachrichten über Sumatra und fasste sie zusammen in seiner Monographie „The History of Sumatra“. Der hier abgebildete Ausschnitt wurde von jener Karte abgelichtet, die sich in der 1811 erschienenen maßgeblichen dritten Auflage dieses Werkes befindet. Auf dieser Karte sind die Bergketten so dargestellt, wie sie vom Schiff aus beim Passieren der Westküste gesehen werden konnten; die dahinter eingezeichneten Ketten entstammen der Phantasie. Die 1837 von Heinrich Berghaus veröffentlichte „Karte von der Insel Sumatra“ enthielt für die Battaländer keine besseren Informationen.[28]

Demgegenüber enthält die General-Karte vom mittleren Sumatra“ in Junghuhns Werk „Die Battaländer“ eine Fülle von neuen Erkenntnissen. „Es war ein mühseliges Werk, mit primitiven Hilfsmitteln dieselbe herzustellen; sie ist für die damalige Zeit eine wesentliche Verbesserung des Bekannten und gibt zum ersten Mal über breite Strecken unbekannten Landes ein zutreffendes Bild“ (Wilhelm Volz).[29] Wegbereitend für spätere Reisende, sowohl für die Wienerin Ida Pfeiffer als auch für die ersten Missionare, von denen einige ihr Vordringen mit dem Leben bezahlen mussten, war die Darstellung des Paralleltals „Mandaheling“, dessen nördliche Fortsetzung „Nieder-Ankola“ vom erloschenen Vulkan „Lubu Raja“ abgeschlossen wird.[30] Darüber hinaus enthält diese Karte die früheste Darstellung des Tobasees, wenn auch nur andeutungsweise nach Berichten von Einheimischen, von Junghuhn „Eik Daho“ beziehungsweise „Laut Sinkara“ genannt. Erst 11 Jahre später, 1853, stand als erster Europäer der niederländische Sprachgelehrte Herman Neubronner van der Tuuk am Ufer dieses Sees.[31]

Auf dem gleichen Seeweg, den Junghuhn für die Hinreise gewählt hatte, verließ er am 10. März 1842 an Bord eines Kauffahrerseglers die Bucht von Tapanuli. Hinter ihm lagen die gefährlichsten, mühevollsten und entbehrungsreichsten Monate, die er in Niederländisch-Indien bis dahin zugebracht hatte. Am 18. März 1842 kehrte er nach Padang zurück. Bis zum 10. Juni wurde er beurlaubt, um sich von den überstandenen Strapazen zu erholen. Am 11. Juni ging er an Bord des Dampfschiffes „Nula“, das fünf Tage darauf die Reede von Batavia erreichte. Krankheit und Erschöpfung haben ihn daran gehindert, die von Merkus erhaltenen Instruktionen in vollem Umfang zu erledigen.

Java

Der Zusammenbruch der Vereinigten Ostindischen Kompanie im Jahre 1799 lenkte die Aufmerksamkeit der Briten auf Niederländisch-Indien, und nachdem bereits 1800 eine britische Flotte drei Monate lang den Hafen von Batavia blockierte und 1807 die holländische Seemacht bei Surabaja vernichtet wurde, befahl im Jahre 1808 der niederländische Marschall Herman Willem Daendels aus strategischen Gründen die schnellstmögliche Anfertigung einer Übersichtskarte von Java. Erst 1812, nachdem diese Insel für kurze Zeit in den Besitz der East India Company überging, wurde diese Karte von Thomas Stamford Raffles zu Ende geführt und 1817 in seinem Werk „The History of Java“ veröffentlicht. Sie beruht hauptsächlich auf den Angaben des amerikanischen Forschers Thomas Horsfield. Raffles ließ jedoch zu diesen Angaben zahlreiche Kartenskizzen anderer Reisender und Kolonialbeamten mit unterschiedlichen Qualitäten einarbeiten. Fehler und Ungenauigkeiten bei deren Zusammenfügung waren trotz aller Bemühungen unvermeidlich. Hinzu kam das Fehlen einer trigonometrischen Grundlage. Die Java-Karte von Raffles war zwar überaus dekorativ, jedoch unbrauchbar für die Kolonialverwaltung und für die Kolonialarmee. Wenige Jahre später hat sich dies auf verhängnisvolle Weise bestätigt: Von 1825 bis 1830, während den Kriegen gegen die Aufständischen unter der Führung des javanischen Freiheitskämpfers Diponegoro, führte die Unkenntnis des Landesinneren zu schweren Verlusten in der Kolonialarmee.

Dieser strategisch-politische Hintergrund trug dazu bei, dass Junghuhn nicht als Gesundheitsoffizier sondern als Naturwissenschaftler tätig bleiben durfte. Pieter Merkus, am 3. Oktober 1840 kommissarisch und am 11. Oktober 1842 definitiv zum Generalgouverneur von Niederländisch-Indien ernannt, befreite ihn bis auf Weiteres vom Dienst in Hospitälern. Um in Ruhe und Abgeschiedenheit die Ergebnisse seiner Forschungen auf Sumatra auswerten zu können, wurde ihm von der Kolonialregierung im westjavanischen Ort Cianjur, auf dem Hochland östlich des Vulkans Gunung Gedè, ein Haus zur Verfügung gestellt.

Damit ließ er sich viel Zeit: Das Manuskript seines Werkes „Die Battaländer auf Sumatra“ ist datiert „September 1844“. Die Ursache für diese lange Bearbeitungsdauer, die demnach über zwei Jahre betragen hat, waren die zeitgleich voller Ungeduld wieder aufgenommenen Forschungen auf Java, in welcher neben botanischen und paläobotanischen Untersuchungen in zunehmendem Maße die Topographie der Insel in den Vordergrund rückte. Bereits 1843 wurden von Junghuhn Beiträge zur Geschichte der Vulkane im Indischen Archipel und über Hindu-Altertümer in Westjava veröffentlicht. In der Hoffnung, nutzbare Kenntnisse über das Landesinnere zu bekommen, wurde er weiterhin vom ungeliebten Sanitätsdienst befreit.

Schon während seinen ersten Reisen wurde von Junghuhn konstatiert, dass alle verfügbaren Java-Karten wegen gravierenden Ungenauigkeiten für ihn nutzlos waren. Mit dem ehrgeizigen Ziel, von dieser über 1000 Kilometer langen und bis zu 200 Kilometer breiten Insel eine zuverlässige Karte zu entwerfen, war Junghuhn bis August 1844 mit der topographischen Aufnahme Westjavas, danach mit derjenigen Ostjavas tätig. Wie zuvor auf Sumatra war Junghuhn auch auf Java der Erste, der mit optischer Triangulation gearbeitet hat. Als Grundlage dienten zwei durch astronomische Ortsbestimmungen festgelegte Punkte in Batavia und Surabaya. Hinzu kamen drei kleine Basislinien, die Junghuhn auf dem Hochland von Bandung, in der Küstenebene von Krawang und in der Caldera des Tengger-Gebirges eingemessen hat. Ausgerüstet mit einer Bussole und einem Sextanten, den er später durch einen Bussolentheodolit[32]ersetzte, peilte er insbesondere von den Gipfeln der Vulkane alle markanten Punkte an.[33]

Junghuhns Ergebnisse können als bahnbrechend bezeichnet werden. Durch seine Aufnahmen wurden die topographisch-orographischen Kenntnisse Javas auf eine neue Grundlage gestellt. Die nachfolgend wiedergegebene Darstellung des Diëng-Plateaus zeigt, mit welcher Sorgfalt er seine Resultate in Karte gebracht hat.

Junghuhns Karte des Diëng-Plateaus, aufgenommen in den Jahren 1840 und 1845. Die Nordausrichtung dieser Karte ist um 53° nach Westen gedreht (siehe den diagonal eingezeichneten Nordpfeil). - Erst 32 Jahre später wurde von Pieter Johannes Veth eine neue Karte des Diëng-Plateaus im Maßstab 1:50.000 veröffentlicht.[34]

Hinzu kamen die seinerzeit für tropische Gebiete ungewöhnlich präzisen Detailaufnahmen von Vulkangipfeln und Bergmassiven. Die nachfolgenden Kartenausschnitte zeigen zwei Beispiele: Das Tengger-Gebirge mit dem aktiven Vulkan Bromo und das Vulkanmassiv Gede–Pangrango mit dem ebenfalls aktiven Gedé. Zum Vergleich dienen Reliefkarten nach Satellitenaufnahmen.

Getrieben von seinem Wunsch, seine medizinisch-militärische Laufbahn zu beenden und als Naturforscher angestellt zu werden, veröffentlichte Junghuhn in den Jahren 1843 und 1844 in rascher Folge zahlreiche Monographien javanischer Vulkane. Diese Abhandlungen, die eine Fülle von neuen Erkenntnissen enthielten, trugen entscheidend dazu bei, dass binnen kurzer Zeit seine Fähigkeiten als Naturbeobachter bis in die höchsten Regierungsstellen bekannt geworden sind. Als einer der ersten trat Pieter Merkus auf den Plan, der Junghuhn im Jahre 1840 mit der Erforschung der Battaländer auf Sumatra beauftragt hatte. Mit Erlass vom 17. Januar 1844 bewilligte er eine Summe von 6000 Gulden für die Veröffentlichung der Resultate der von ihm beauftragten Forschungen. Unerwartet verstarb jedoch Merkus am 2. August, worauf von seinem Nachfolger dieser Posten wieder eingezogen wurde.[36] Darüber hinaus erinnerte man sich voller Anerkennung einer bereits 1841 erschienenen Arbeit, in welcher Junghuhn die höher gelegenen Landstriche Javas mit ihrem gemäßigten Klima als Erholungsorte für unter tropischer Hitze leidende Europäer empfohlen hatte.

Kurze Zeit später ging Junghuhns Wunsch in Erfüllung. Am 2. November 1844 ermächtigte Jean Chrétien Baud, Minister der Kolonien in Den Haag, den niederländisch-indischen Generalgouverneur, ihn als Mitglied in die Naturkundliche Kommission aufzunehmen. Am 5. Mai 1845 wurde er ehrenvoll aus dem Militärdienst entlassen und als Wissenschaftler bei der Naturkundlichen Kommission angestellt. Damit war Junghuhn, inzwischen 36 Jahre alt, die ihm vom Vater einst aufgezwungene medizinische Laufbahn los.

Kampf eines Tigers gegen einen Büffel. Titelbild in: Die Ostasiatische Inselwelt ..., Erster Band: Das Tropen-Eiland Java. Von S. Friedmann. Leipzig, Spamer, 1868.
Das Erstechen von Tigern im Schauspiel „Rampok“ am Hof des Susuhunans von Surakarta (Java). – Lithographie von Jhr. J. C. Rappard. In: Het Kamerlid van Berkenstein in Nederlandsch-Indië. Von M. T. H. Perelaer. Leiden, A. W. Sijthoff, 1888.

Schroff im persönlichen Umgang und polemisch in seinen Veröffentlichungen, soweit sie personenbezogene Themen betrafen, schuf sich Junghuhn viele Feinde. Obgleich überzeugter Anhänger des Kolonialsystems, kritisierte er dessen Missstände mit oft beißendem Spott. Einen Höhepunkt in der daraus entstandenen Kette von Konflikten, die fast ohne Unterbrechung bis zum Ende seines Lebens verlief, war ein Zerwürfnis mit der Kolonialregierung im Jahre 1845: In einem Augenzeugenbericht über Schaukämpfe von Tigern gegen Büffel und über das grausame Erstechen von wehrlosen Tigern im Volksschauspiel „Rampok“ erlaubte sich Junghuhn unziemliche Bemerkungen über den Susuhunan von Solo,[37] mit dem man, um Aufstände zu verhindern, einen diplomatischen Umgang pflegen musste.[38] Junghuhn wurde eine ernsthafte Rüge erteilt: Sollte er sich noch einmal in ähnlicher Weise äußern, würde er entlassen und des Landes verwiesen werden.

Nicht stattgefunden hat die von vielen Biografen geschilderte Audienz beim Generalgouverneur Jan Jacob Rochussen, zu der Junghuhn aus diesem Anlass geladen worden sein soll. Die Hauptpersonen dieses Konflikts waren vielmehr Wolter Robert van Hoëvell als Herausgeber, Cornelis Visscher als niederländisch-indischer Generalsekretär und der kommissarisch als Generalgouverneur amtierende Jan Cornelis Reijnst. Van Hoëvell kam 1836 nach Java und stellte mit Bedauern fest, dass auf literarischem Gebiet in 200-jähriger Kolonialherrschaft so gut wie nichts geleistet worden war. Noch immer gab es keinen Buchhandel, und die einzig vorhandene Zeitschrift, die jedoch sehr unregelmäßig und in manchen Jahren überhaupt nicht erschien, waren die „Verhandelingen van het Bataviaasch Genootschap“.[39] Auch gab es nur zwei Tageszeitungen, der „Javasche Courant“ und der „Soerabaja Courant“, wissenschaftlich anspruchslose offizielle Organe der Kolonialregierung.[40] Überzeugt, dass in der Kolonie bei den europäischen Bewohnern ein Bildungsrückstand eingetreten war, ersuchte van Hoëvell die Regierung um Genehmigung, eine naturwissenschaftliche Zeitschrift herauszugeben. Die Erlaubnis mit der Auflage, keinerlei Kritik an der Regierung zu üben, war die Geburtsstunde der 1838 gegründeten „Tijdschrift voor Neêrlands Indië“.

Im August 1844 trat Junghuhn eine Forschungsreise nach Ostjava an. Seine Beobachtungen und Resultate schrieb er in zwölf Fortsetzungen unter dem Titel „Schetsen, ontworpen op eene nieuwe reis over Java, voor topografische en natuurkundige navorschingen“ nieder. Im Jahr darauf begann van Hoëvell, diese „Skizzen“ in der „Tijdschrift voor Neêrlands Indië“ zu veröffentlichen. Bereits mit seiner zweiten Skizze lieferte Junghuhn einen Konfliktstoff, der zu Auseinandersetzungen des Herausgebers mit der Kolonialregierung führte: Seine scharfe Kritik an den verschwenderischen Ausschweifungen des einheimischen Regenten von Bandung hielt van Hoëvell für so bedenklich, dass er diese „Skizze“ zur Prüfung und Beurteilung an Visscher sandte. Dieser konfiszierte unverzüglich Junghuhns Kritik und stellte van Hoëvells Eignung als Herausgeber in Frage.[41]

Mit dem Ziel, die „Tijdschrift voor Neêrlands Indië“ verbieten zu lassen, studierte Visscher aufmerksam die Fortsetzungen Junghuhns. In der zehnten Skizze fand er endlich dasjenige Material, das ihm für ein Verbot dieser Zeitschrift als geeignet erschien: Junghuhns Beschreibung des Hofstaats von Solo, mit sarkastischen Bemerkungen über das Töten der Tiger und über die damit verbundenen höfischen Zeremonien. Am 20. Juni 1845, drei Wochen nach Junghuhns Aufnahme in die Naturkundliche Kommission, legte er diese Beschreibung dem kommissarisch amtierenden Generalgouverneur vor. Daraufhin wurde mit Erlass vom 4. Juli 1845 van Hoëvell unter Kuratel gestellt und Junghuhn eine schriftliche Verwarnung erteilt.[42]

Am 30. September 1845 trat Jan Jacob Rochussen sein Amt als Generalgouverneur an. Auf Ersuchen van Hoëvells veranlasste Rochussen die Rücknahme des Erlasses vom 4. Juli. Junghuhn selbst blieb von diesen Ereignissen weitgehend unberührt: Erst im Dezember 1845 kehrte er von seinen Reisen in Ostjava zurück. Kurz darauf erhielt er von Rochussen den Auftrag, auf Java nach abbauwürdigen Kohlenfeldern zu suchen. Damit wurde er in die Lage versetzt, mit bestmöglicher Unterstützung Java in geologischer, botanischer und paläontologischer Hinsicht zu erforschen. Die Ergebnisse dieser Erkundungen hielt er im dritten Band seines Java-Werks fest.

Genesungsaufenthalt in Holland

Gesundheitlich geschwächt durch seine strapazenreichen Exkursionen, reiste Junghuhn im August 1848 mit der sogenannten „Englischen Überlandpost“[43] zu einem Genesungsurlaub nach Europa. Aus seinen handschriftlichen Notizen über den Verlauf dieser Reise geht hervor, dass er zunächst in seine Heimatstadt Mansfeld fuhr. Von seinen Eltern war nur noch seine Mutter am Leben; sein Vater war 1844 verstorben.

Seinen Wohnsitz nahm Junghuhn zunächst in Den Haag, zog aber wenig später nach Leiden um, das mit seiner Universität nebst reichhaltiger Bibliothek, seinem Botanischen Garten und seiner Pflanzensammlung „Rijksherbarium“ für ihn die besten Arbeitsmöglichkeiten bot. Seine botanischen, geologischen und paläontologischen Sammlungen verkaufte er an die dortige Universität, jedoch unter der Bedingung, dass sie nicht in das Reichsherbarium übergeben werden dürfen, mit dessen Direktor Carl Ludwig Blume er in nicht endenwollenden Streitigkeiten verwickelt war. Seine Pflanzen wurden deshalb von Botanikern untersucht, die nicht im Auftrag des Reichsmuseums tätig waren. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen wurden in den Werken Plantae Junghuhnianae und Plantae Junghuhnianae Ineditae veröffentlicht.

Junghuhn selbst wertete seine eigenen Aufzeichnungen über Java aus. Das Resultat ist sein Hauptwerk, „das eigentliche Werk seines Lebens“[44]: Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart. Den Druck des zweiten Abschnittes im ersten Band dieses Werkes, der den Landschafts– und Vegetationscharakter Javas beschreibt, schob Junghuhn bis zuletzt hinaus, um die bis dahin erfolgten Pflanzenbestimmungen der Leidener Botaniker einarbeiten zu können.

Johanna Louisa Frederica Koch (* 25. Januar 1828 in Bergen op Zoom; † 7. Mai 1914 in Den Haag)

Am 23. Januar 1850 heiratete Junghuhn die in Leiden wohnhafte 22-jährige Offizierstochter Johanna Louisa Frederica Koch. Noch im gleichen Jahr reiste er mit ihr zu seiner Mutter, die nach dem Verkauf des Elternhauses in Mansfeld nach Fischbach in Schlesien gezogen war. In Koblenz stellte er seine Gattin seinem alten Weggefährten Wirtgen vor und zeigte ihr den Ort seiner Gefangenschaft, den Kerker in der Festung Ehrenbreitstein.

Zu Beginn des Jahres 1852 wurde Junghuhn vom niederländischen Kolonialminister Charles Ferdinand Pahud beauftragt, Samen und Setzlinge des Chinarindenbaumes aus den südamerikanischen Anden nach Java zu überführen.[45] Junghuhn lehnte wegen Arbeitsüberlastung ab und schlug dem Kolonialminister vor, den deutschen Botaniker Justus Karl Haßkarl dorthin zu entsenden. Eine unerhörte Dreistigkeit gegenüber der niederländischen Obrigkeit! Mit der Bitte, sein Java-Werk vollenden zu dürfen und mit einer zuverlässigen Karte zu ergänzen, erreichte er Pahuds Einverständnis, seine Arbeit in den Niederlanden zum Abschluss zu bringen. Zur Wahrung seiner Rechte nahm er am 30. September 1852 die niederländische Staatsbürgerschaft an.

Trotz der Arbeiten am Werk und an der Karte soll Junghuhn nebenher noch Zeit gehabt haben, Studienreisen in fast alle Länder Nord- und Mitteleuropas zu unternehmen, in die Pyrenäen, in die Alpen, nach Schweden und in den Kaukasus, nach einigen Biografen sogar bis in den zentralasiatischen Altai. Diese Reisen müssten aber alle im Juli 1849 und in den Monaten Mai bis August 1850 stattgefunden haben, da dies die einzigen Zeiträume sind, für die Junghuhns Aufenthalt in Leiden nicht belegt ist.[46] Nur Reisen nach Deutschland können in seinem Lebenslauf nachgewiesen werden: nach Mansfeld, Koblenz, Fischbach und Berlin. Nebenbei aber brachte er seine Lebens- und Weltanschauungen und seine freisinnigen Gedanken über Kirche und Religion zu Papier: Anonym erschien 1854 die erste Lieferung der Licht- en schaduwbeelden uit de Binnenlanden van Java ... (Licht- und Schattenbilder aus dem Innern von Java ...).

Im letzten Absatz seines Java-Werks kündigte Junghuhn eine topographische Karte an, „vom Verfasser dieses Werkes; im Maassstabe von 1 zu 350.000, vertheilt in 4 Blätter, wovon der Stich binnen Jahresfrist vollendet sein wird.“[47] Junghuhn hielt dieses Versprechen ein: 1855 erschien dasjenige Werk, welches seinen Ruhm als Erforscher Javas endgültig festgeschrieben hat: Die Kaart van het Eiland Java. Dieses Meisterwerk hat dazu beigetragen, dass Junghuhn auf Empfehlung von Alexander von Humboldt am 21. August 1855 an einem Dinner im Schloss Sanssouci beim preußischen König Friedrich Wilhelm IV. teilnehmen durfte.

Zweiter Aufenthalt in Niederländisch-Indien

Junghuhns letztes Lebenswerk: Chinchona-Plantagen in Westjava. Die hellgrün eingetragenen Plantagen wurden aus einer 1925 veröffentlichten Touristenkarte übertragen. Die Chinchona-Pflanzungen im Berggarten von Cibodas auf dem Nordosthang des Vulkans Gunung Gedé wurden nach Junghuhns Rückkehr aufgegeben.

Von ursprünglich drei Jahren auf fast sieben Jahre verlängert, ging Junghuhns Genesungsurlaub in den Niederlanden zu Ende. Zum „Inspektor für naturkundliche Untersuchungen“ ernannt, begab er sich mit seiner Gattin am 30. August 1855 an Bord des Schiffes „Minister Pahud“. Nach dreimonatiger Überfahrt wurde Batavia erreicht.

Anfang 1856 bezog das Ehepaar ein Haus in Cianjur, in gesunder Höhenlage von 470 Metern östlich des Vulkans Gunung Géde in Westjava. Ob es das gleiche Haus gewesen war, welches er 14 Jahre zuvor nach seiner Rückkehr aus Sumatra zugewiesen bekam, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Nur selten war Junghuhn in seinem neuen Domizil zuhause: Für die naturkundliche Erforschung Javas im Auftrag der Kolonialregierung waren monatelange Studienreisen erforderlich. Dabei beschränkte sich Junghuhn nicht nur auf naturwissenschaftliche Untersuchungen, sondern sammelte und archivierte auch pflanzliche und tierische Fossilien. Mit besten Instrumenten fertigte Junghuhn neue Geländeaufnahmen, um seine „Kaart van het eiland Java“ zu überarbeiten, konnte aber, nachdem er mit der Aufzucht von Chinarindenbaum-Kulturen beauftragt worden war, dieses Vorhaben nicht mehr verwirklichen.

Im Juli 1857 bekam Junghuhn ein geräumiges Haus in Lembang zugewiesen, nördlich von Bandung in 1300 Meter Höhe auf einem südlichen Ausläufer des Vulkans Tangkuban Perahu. Hier wurde am 24. August 1857 sein Sohn geboren, der als holländischer Staatsbürger die Vornamen Frans Lodewyk Christiaan erhielt.

Chinchona calisaya
Junghuhn in Lembang (Selbstaufnahme 1860)
Johan Eliza de Vrij (1813–1898)
„Monument Junghuhn en Dr. de Vrij“, aufgenommen ca. 1909, mit Gedenktafel für Johan Eliza de Vrij

Aufzucht von Chinarindenbäumen auf Java

Seit Dezember 1854 betrieb die holländische Kolonialregierung auf Java den Anbau von Chinarindenbäumen, deren Rinde das gegen Malaria wirksame Chinin enthält. Der deutsche Botaniker Justus Karl Haßkarl hatte im Auftrag der Regierung auf nicht ganz legale Weise die ersten Pflanzen aus ihrer Heimat Südamerika nach Java gebracht. Gemeinsam mit dem leitenden Obergärtner des Botanischen Gartens zu Buitenzorg,[48] Johannes Elias Teijsmann, wurde eine Versuchsplantage eingerichtet. Die Lage dieser Plantage in 1250 Meter Meereshöhe, auf einer Lichtung in der Nähe des 1862 gegründeten Berggartens Cibodas auf dem Osthang des Vulkans Gunung Géde, war jedoch vollkommen ungeeignet: Die Trockenheit im Regenschatten des Vulkans, die damit einhergehende kräftige Sonneneinstrahlung und der felsige, nur von einer dünnen Erdschicht bedeckte Untergrund ließen die empfindlichen Pflanzen verkümmern. Gesundheitlich geschwächt, gab Haßkarl auf und nahm im Juni 1856 seinen Abschied.

An seine Stelle als Direktor der Chinarindenbaum-Plantagen trat Junghuhn. Sofort nach seiner Amtsübernahme hatte er Haßkarls Pflanzungen an die höher gelegenen schattigen Berghänge des Malabar südlich und des Tangkuban Perahu nördlich von Bandung verlegt. Eine bahnbrechende Maßnahme für die Kultivierung der Plantagen: Dieser Standortwechsel trug entscheidend dazu bei, dass Niederländisch-Indien bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zum größten Chininproduzenten der Welt aufstieg.[49]

Auch Junghuhn blieb der Erfolg zunächst versagt. Die Rinde der von ihm wegen ihres raschen Wuchses favorisierten Art Cinchona pahudiana war nicht chininhaltiger als die von Haßkarl eingeführte Cinchona calisaya. Der Durchbruch kam erst 1865, ein Jahr nach Junghuhns Tod, mit der von Charles Ledger eingeführten Art Cinchona ledgeriana.

Als Leiter der Chinarindenbaum-Plantagen kam Junghuhn mit Personen in Kontakt, die ihm kritisch und neidvoll bis zur Ablehnung gegenüber gestanden waren. Sein heftigster Gegner war der bereits genannte Johannes Elias Teijsmann, der als Inspektor der Kulturen einen gleich hohen Rang wie er selbst besaß. Obwohl Junghuhn bereits in den Niederlanden, vor Antritt seiner Rückreise nach Java, mit Unterstützung des Kolonialministers Pahud erwirkte, dass Haßkarl am Südhang des Vulkans Malabar den Versuchsgarten Cinjiruan anlegen ließ, führte die Verlegung der Pflanzungen aus Cibodas zu nicht enden wollenden Streitigkeiten. Von Jahr zu Jahr verschärften sich die Konflikte: Junghuhn duldete keinerlei Kritik. Nicht zu Unrecht wurden ihm unnötig komplizierte und kostspielige Anbaumethoden und die verschwenderische Vermehrung der minderwertigen Cinchona pahudiana vorgeworfen. Die Gesamtzahl der lebenden Chinchona-Pflanzen betrug Ende des Jahres 1863 1.151.810, davon 1.139.248 Cinchona pahudiana und 12.093 Cinchona calisaya.[50]

Die Kultivierung der Chinarindenbäume hat Junghuhns letzten Lebensabschnitt mit nervenaufreibenden Streitigkeiten überschattet. Trotz größtmöglicher Sorgfalt bei der Aufzucht der Setzlinge traten immer wieder Rückschläge ein. Vergeblich bat er die Kolonialregierung, für seine Plantagen einen dringend benötigten Aufseher einzustellen.[51] Am tiefsten wurde Junghuhn getroffen, als die Redaktion der „Tijdschrift van de Natuurkundige Vereeniging“, der er selbst als korrespondierendes Mitglied angehörte, sich auf die Seite von Teijsmann stellte. In einem offenen Brief, der vom 6. bis 10. September 1862 in der Tageszeitung „Java-Bode“ erschien, wehrte sich Junghuhn mit so heftigen Gegenangriffen, dass er lebhafte Diskussionen in wissenschaftlichen Kreisen auslöste. Zu Recht wurde von seinen Gegnern seine überhebliche und provozierende Ausdrucksweise kritisiert; die Grenze der Erträglichkeit hat Junghuhn oft überschritten. Mit welch beißendem Spott er beispielsweise den hoch angesehenen Teijsmann angriff, geht aus seinen folgenden Worten hervor: „Ich glaube wohl, dass jemand ein guter Gärtner sein kann und in allen Verrichtungen, die mechanisch gelernt werden können, sehr nützliche und brauchbare Arbeiten liefern wird, ohne dass er eine höhere Veranlagung oder eine höhere innere Berufung besitzt. Aber dann muss er auch Gärtner bleiben und sich nicht auf ein Gebiet wagen, auf dem positive Gelehrsamkeit erwartet wird und, vor allem, wo sein eigenes Urteil zu gebrauchen ist. Macht er es doch, dann schaut, er kann es nicht verhindern, Till Eulenspiegel aus dem Ärmel.“[52]

Ein weiterer Widersacher war der Leidener Professor Willem Hendrik de Vriese, der von der Kolonialregierung den Auftrag erhielt, gegen Erlass einer Schuldensumme von 12.000 Gulden eine Inspizierung der Chinchonaplantagen vorzunehmen. Junghuhn geriet über diesen Handel in größte Erregung und drohte de Vriese niederzuschießen, falls er es wagen würde, seine Pflanzungen zu betreten.[53]

Für eine nutzbringende Kultivierung der Chinchonaplantagen wurde die wissenschaftliche Mitarbeit eines Chemikers notwendig. Aus früheren Publikationen über die Alkaloide der Chinchonen war Junghuhn der in Rotterdam als Lehrer tätige Pharmakologe Johan Eliza de Vrij bekannt. Im April 1857, auf Junghuhns Empfehlung, erhielt de Vrij vom Minister der Kolonien den Antrag, sich als Wissenschaftler der Niederländisch-Indischen Regierung zur Verfügung zu stellen. Kurze Zeit später erklärte er sich hierzu bereit, betrachtete er doch die Chininforschung als seine Lebensaufgabe.

Ende Januar 1858 ließ sich de Vrij in Bandung nieder. Ein großes Haus mit Namen „Gedong Papak“ wurde von Junghuhn zum Laboratorium umgebaut. Unverzüglich begann de Vrij die verschiedenen Arten der Chinarinden zu analysieren, und am 16. März 1859 konnte er voller Stolz dem zum Generalgouverneur ernannten Pahud Kristalle von Chininoxalat vorlegen, die er aus javanischer Rinde dargestellt hatte. Es gelang ihm jedoch nicht, Junghuhn zu überzeugen, dass die Cinchona pahudiana zu den minderwertigeren Arten gehört, und nachdem mit Regierungsbeschluß vom 11. September 1862 die weitere Vermehrung dieser Art untersagt worden war, drohte seine Freundschaft mit Junghuhn in Feindschaft umzuschlagen.

In dieser angespannten Situation versuchte der in Bandung praktizierende Arzt Isaäc Groneman zu vermitteln. Groneman verstand es, Junghuhn für sich zu gewinnen: In kurzer Zeit verband ihn mit Junghuhn eine so innige Freundschaft, dass dieser ihn nicht nur zu seinem Hausarzt ernannte, sondern – unter Umgehung des wesentlich besser qualifizierten de Vrij – der Kolonialregierung als seinen Nachfolger für die Leitung der Chinchonaplantagen vorschlug.

Für de Vrij kam dies einer Ohrfeige gleich, war es doch eine völlige Missachtung seiner fachlichen Kompetenz. So verbittert war er über diese für ihn unverständliche Handlung, dass er sich von Junghuhn vollständig zurückzog. Daraufhin wurde ihm ein amtliches Zertifikat zugestellt, in dem zu lesen stand, dass er „seine Konstitution durch eigenes Verschulden untergraben“ habe und schleunigst nach Europa zurückgesandt werden müsse.[54] 1863 erhielt de Vrij einen zweijährigen Genesungsurlaub, nach dessen Ablauf er seinen Niederländisch–Indischen Dienst quittierte.

Nur die Urne mit seiner Asche wurde nach Java überführt und gegen seinen letzten Willen von einem übereifrigen Kontrolleur in Junghuhns Grabmal beigesetzt. Die Rückseite des Sockels bekam eine Gedenktafel für de Vrij, worauf Junghuhns letzte Ruhestätte die offizielle Bezeichnung „Monument Junghuhn en Dr. de Vrij“ erhielt. Erst im Jahre 1917, wenige Schritte entfernt am Ostrand des Taman Junghuhn („Junghuhn-Garten“), wurde für de Vrij ein eigenes Grabmal errichtet, dessen Inschrift auf der schrägen Grabplatte den Wirren des indonesischen Unabhängigkeitskampfes zum Opfer viel.[55]

Besuch von Mitgliedern der Novara-Expedition

Vom 5. bis 29. Mai 1858 ankerte die österreichische Fregatte Novara auf der Reede von Batavia. Der Kurs ihrer berühmt gewordenen Weltumsegelung war im Wesentlichen von Alexander von Humboldts „Physikalischen und geognostischen Erinnerungen“ bestimmt. Zwei Wissenschaftler dieser Expedition, der geographisch-statistische Schriftsteller Karl von Scherzer und der Mineraloge und Geologe Ferdinand von Hochstetter, wurden am 17. Mai 1858 von Junghuhn in seinem Wohnsitz in Lembang empfangen.

Ein Brief von Ferdinand von Hochstetter an Alexander von Humboldt enthält aufschlussreiche Einzelheiten über diese Begegnung.[56] Widerlegt wird die von vielen Biografen verbreitete Darstellung, wonach Junghuhn sich zu dieser Zeit nur noch mit der Kultivierung der Chinarindenbäume beschäftigt haben soll. Fast druckfertig legte Junghuhn den Forschern der Novara-Expedition geologische, meteorologische und physikalische Manuskripte und Spezialkarten zur Vervollständigung der großen Java-Karte vor. Von geologischem Material war von besonderem Interesse eine Sammlung von fossilen Knochen und Zähnen, ausgegraben am Fuße des Gunung Murjo in einer auf Java bis dahin noch unbekannten Diluvialformation. Am Südostfuß des Gunung Galunggung untersuchte Junghuhn zum wiederholten Mal die „10.000 Hügel“, wie er sie nannte; die dabei gewonnenen neuen Erkenntnisse hielt er in Ansichts- und Profilskizzen und in einer detaillierten Karte fest.[57]

Als weitere Zeugnisse seiner Forschertätigkeit wurden von Junghuhn Fotos von Landschaften und Pflanzenformationen vorgelegt. Zu seinen häufigsten Motiven zählten die Krater des Tangkuban Perahu und die Chinarindenplantagen in seiner Umgebung.

Junghuhn war einer der ersten Naturwissenschaftler, der gezielt mit den Mitteln der Fotografie arbeitete. Wie wenig zu dieser Zeit dieses neue Medium bekannt war, geht aus Hochstetters Mitteilungen an Alexander von Humboldt hervor: „Viel versprechend sind die photographischen Versuche Junghuhn’s, ein neues Feld, auf das er sich geworfen hat. Ich musste staunen über die neuen Resultate, welche Junghuhn ohne alle Anleitung, fast ohne alle nothwendigen Hilfsmittel zur Zeit meines Besuches bereits erzielt hatte, und würde mich glücklich schätzen durch die Mittheilung einiger Kunstgriffe, so wie einer Anzahl erprobter Vorschriften und Recepte …“[58]

In seinen letzten Lebensjahren fertigte Junghuhn auch Fotografien aus entfernteren Gebieten an, wie beispielsweise vom Candi Dåråwati, einem Hindutempel auf dem Diëng-Plateau, und vom Gunung Gamping, einem Kalkmassiv in Zentraljava. Viele dieser Aufnahmen haben historischen Wert: Der Hindutempel ist längst eingestürzt, das Kalkmassiv fast vollständig durch Erosion abgetragen.

Das Fotoarchiv des Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde in Leiden bewahrt eine Sammlung von Junghuhns Fotografien. Darunter befinden sich stereoskopische Bilder und Aufnahmen, die mit einem selbst konstruierten Fernauslöser gemacht worden sind. Einige dieser Aufnahmen befinden sich im „Gedenkboek Franz Junghuhn“ und in Nieuwenhuys und Jaquets Buch „Java’s onuitputtelijke natuur.“

Besuch von Fedor Jagor

Am 17. Juni 1858 wurde der Berliner Völkerkundler Fedor Jagor von Junghuhn in seinem Wohnsitz empfangen. Ein Empfehlungsschreiben Alexander von Humboldts verschaffte ihm eine überaus herzliche Aufnahme.[59] Bei diesem Anlass erneuerte Jagor seine Bekanntschaft mit de Vrij.

Für die Weiterreise Jagors arbeitete Junghuhn einen exakten Routenplan aus, der die bemerkenswertesten geologischen Erscheinungen, malerische Landschaften, kulturhistorische Monumente, charakteristische Vegetationsbilder sowie Rastplätze und Unterkunftsmöglichkeiten enthielt. Jedem Tag hatte Junghuhn ein besonderes Blatt gewidmet, auf dem alles Interessante verzeichnet war, immer mit Hinweis auf die entsprechende Seite seines großen, von Jagor mitgenommenen Java-Werkes. Begeistert äußerte sich hierzu Jagor wie folgt: „Wer nicht an Ort und Stelle, sein Buch in der Hand, das Geschriebene geprüft, wird sich keine Vorstellung machen können von der Genauigkeit der Beschreibung und der Klarheit, mit der die Verhältnisse aufgefasst sind.“[60] Gegen Ende seiner großen Java-Reise kehrte er noch einmal nach Lembang zurück, von wo aus er, von Junghuhn begleitet, den Gipfel des Tangkuban Perahu-Vulkans erstieg.

Junghuhn und von Richthofen am Patengan-See
Lembang. Luftaufnahme mit der Junghuhn-Straße (Jalan Junghuhn), an dessen Ende im Junghuhn-Garten (Taman Junghuhn) das Grabmal steht

Reise in Westjava mit Ferdinand Freiherr von Richthofen

Von September bis Oktober 1861 besuchte Ferdinand Freiherr von Richthofen Java. Einen Monat lang führte Junghuhn diesen erst später durch seine China-Reisen berühmt gewordenen Forscher auf einer sorgfältig gewählten Route durch den Westen der Insel. Während dieser Exkursion lehrte er den noch jungen Geologen die vielseitigen Möglichkeiten der Beobachtung im Gelände; er legte damit in von Richthofen „den Grund zu dessen kommendem Übergang von der reinen Geologie zur vielseitigen Geographie“ (Banse).[61] Dankbar bekannte sich von Richthofen als Junghuhns bleibenden Schuldner. Das große Java-Werk fand er so trefflich, dass er zur Erweiterung der Kenntnis nichts hinzuzufügen vermochte. „Welch unendlicher Reichthum an Material, welche Fülle an mühsam errungenen Beobachtungen in diesem Meisterwerk enthalten sind, das wird erst klar, wenn man selbst einen Theil des Landes sieht und auf jedem Schritt bis in die entlegensten Gegenden nur ein Abbild jener genauen Beschreibungen erblickt“.[62]

Junghuhns letzte Lebensjahre

Besuche wie diejenigen Richthofens, des Völkerkundlers Fedor Jagor, der Naturforscher der Novara-Expedition und des Schriftstellers Friedrich Gerstäcker bildeten Glanzpunkte in Junghuhns letzten Lebensjahren, die im übrigen – des Chinchona-Anbaus wegen – von Auseinandersetzungen mit Botanikern und Regierungsstellen getrübt waren. Äußerlich ging es Junghuhn glänzend: Als leitender Kolonialbeamter verfügte er über ein gutes Gehalt, was ihm einen relativ luxuriösen Lebensstil ermöglichte.

Auf seiner Reise durch Westjava mit Ferdinand von Richthofen zog sich Junghuhn eine Amöbenruhr zu, von deren Folgen er sich nie wieder vollständig erholte. Zu Beginn des Jahres 1864 wurde ihm ein Genesungsurlaub in Europa bewilligt, den er wegen eines Leberabszesses jedoch nicht mehr antreten konnte. Am 20. April 1864 verschlimmerte sich sein Zustand, und am 24. April, gegen 3 Uhr morgens, starb er im Alter von 54 Jahren im Studierzimmer seines Hauses in Lembang. Unmittelbar vor seinem Tod bat er seinen am Bett sitzenden Hausarzt Isaäc Groneman: „Kannst du das Fenster öffnen? Ich will meinen geliebten Bergen Lebewohl sagen. Ich will zum letzten Mal den Urwald sehen. Ich will die reine Bergluft noch einmal einatmen.“.[63]

Sein Grab, 1993 restauriert und vom Goethe-Institut in Bandung gepflegt, wird von einem stattlichen Obelisk überragt, den seine Witwe auf eigene Kosten errichten ließ. Die Lage seiner letzten Ruhestätte, im Angesicht seines „Hausberges“ Tangkuban Perahu, hat Junghuhn zu seinen Lebzeiten selbst festgelegt. Während sein Sohn bereits 1888 auf einer Tabakplantage in Nordsumatra verstarb, kehrte seine Witwe nach Europa zurück und überlebte ihn um fünf Jahrzehnte.

Bis heute blieb Junghuhn in ehrenvoller Erinnerung, nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in seiner Heimatstadt. In Mansfeld wurde die Straße hinter der Sankt-Georg–Kirche, an der sein Geburtshaus einstmals stand, im Herbst 1907 in „Junghuhnstraße“ umbenannt.[64] Am 10. Juli 1910, anlässlich einer Festveranstaltung zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstags, wurde auf Beschluss der Koninklijk Nederlands Aardrijkskundig Genootschap (Königlich Niederländische Gesellschaft für Erdkunde) über der Eingangstür des Geburtshauses eine Gedenktafel enthüllt, mit einer Danksagung in niederländischer Sprache über seine Arbeit auf Java. Das Geburtshaus wurde 1979 wegen Baufälligkeit abgerissen. Die Gedenktafel wurde aufbewahrt und drei Jahre später in einen am Straßenrand errichteten Steinsockel eingemauert.

Im Oktober 2009, anlässlich der zweihundertsten Wiederkehr seines Geburtstags, fand ein Symposion mit einer Ausstellung im Institut Teknologi Bandung (Technologische Hochschule in Bandung) statt. Initiator und Veranstalter war das Goethe-Institut Jakarta, die Organisation und die Durchführung übernahm dessen Außenstelle in Bandung. Im Dezember 2009 wurde diese Ausstellung in das niederländische Kulturzentrum „Erasmus Huis“ in Jakarta verlegt.

Organisiert und durchgeführt vom Mansfelder Heimatverein,[65] fand im November 2009 eine Gedenkveranstaltung in seiner Geburtsstadt Mansfeld statt, mit einem Symposion im „Blauen Saal“ des Mansfelder Schlosses und einer Ausstellung mit Schautafeln in der Stadtinformation.[66] Zum Abschluss ließ der Heimatverein auf einem nahe gelegenen Wiesengrundstück den Lieblingsbaum Junghuhns, eine Wildkirsche, pflanzen. Zwei Jahre später wurde vor dieser Wildkirsche ein Findling aufgestellt.

Am 13. April 2012, zum Auftakt der Feierlichkeiten zu Luthers Einschulung in Mansfeld, enthüllte der Heimatverein zum Gedenken an Junghuhn auf dem Findling vor der Wildkirsche eine bronzene Gedenktafel.[67] Am 14. April 2012, im Hochzeitssaal der Stadtinformation, fand eine Lesung der Germanistin und Historikerin Renate Sternagel aus ihrem Buch „Der Humboldt von Java“ statt. Dabei war es für die Mansfelder Bürger von besonderem Interesse, fiktive Gespräche zwischen Junghuhn und seinen Angehörigen nach 18 Jahren Abwesenheit in seinem Elternhaus zu hören.[68]

Mitgliedschaften und Ehrungen

Die nachfolgenden Angaben wurden aus einer chronologischen Zusammenstellung von Junghuhns Lebensdaten von Max C. P. Schmidt zusammengestellt.[69]

(M = Mitglied, E = Ehrung)

 Beitritte / Ehrungen 
am
        Gesellschaften und Vereine, Auszeichnungen
11. Januar 1837 M Königliche Botanische Gesellschaft zu Regensburg
29. März 1837 M Bataviaasch Genootschap van Kunsten en Wetenschappen
(Bataviasche Gesellschaft der Künste und Wissenschaften) in Batavia
3. August 1839 M Leopoldina
(Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinische Deutsche Akademie der Naturforscher), Breslau
10. Juli 1843 M Genootschap van Kunsten en Wetenschappen
(Gesellschaft der Künste und Wissenschaften) zu Utrecht
5. Mai 1845 M Natuurkundige Commissie (Naturkundliche Kommission) in Batavia
8. Juni 1848 M Naturforschende Gesellschaft zu Halle
22. März 1849 M Gesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturwissenschaften in Marburg
19. Juli 1851 M (korrespondierend): Vereeniging voor de Flora van Nederland en deszelfs Overzeesche Bezittingen
(Verein für die Flora der Niederlande und dessen überseeischen Besitzungen)
17. Februar 1852 M (korrespondierend): Koninklijke Natuurkundige Vereeniging in Nederlandsch-Indië
(Königlicher naturkundlicher Verein in Niederländisch-Indien) zu Batavia
19. März 1853 M Kaiserliche Gesellschaft der Naturforscher zu Moskau
12. November 1854 E Ernennung zum „Ridder in de Orde van de Nederlandse Leeuw“
(Ritter im Orden vom Niederländischen Löwen)
14. Februar 1855 E Überreichung einer goldenen Schnupftabaksdose mit dem Porträt des Prinzen Frederik der Niederlande
5. März 1855 E Verleihung des Preußischen Roten Adlerordens 3. Klasse
20. Februar 1856 M (korrespondierend): Bataafsch Genootschap voor Experimentele Wetenschappen
(Batavische Gesellschaft für experimentelle Wissenschaften) in Rotterdam
28. Februar 1856 M Koninklijke Natuurkundige Vereeniging in Nederlandsch-Indië
(Königlicher naturkundlicher Verein in Niederländisch-Indien) zu Batavia
13. Oktober 1857 M K. k. Geographische Gesellschaft zu Wien
26. Dezember 1858 M (korrespondierend): K. k. Geologische Reichsanstalt in Wien
8. April 1861 E Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone durch den Kaiser von Oesterreich
16. März 1864 E Übersendung der Medaille I. Klasse der Société Impériale Zoologique d’acclimatation zu Paris.

Werke

Hauptartikel: Junghuhns Werke

Junghuhn zählt zu den bedeutendsten Naturforschern des 19. Jahrhunderts. Sein Gesamtwerk in Wort und Bild über die von ihm erforschten Gebiete blieb jahrzehntelang wissenschaftlich von herausragendem Wert. Überschwänglich äußerte sich hierzu Karl Helbig, einer der besten Kenner Niederländisch-Indiens, in Kaysers Buch Die berühmten Entdecker und Erforscher der Erde: „Wer Junghuhns Bücher gelesen, seine Karten bewundert, sich an seinem glänzenden Stil berauscht hat, muss zu dem Urteil kommen, dass es sich um einen ganz seltenen universalen Kenner wichtiger Erdräume und um eine begnadete Vereinigung von Forscher und Dichter gehandelt hat.“[70] Sachlicher äußerte sich Rüdiger Siebert, Autor zahlreicher Bücher zu Süd- und Südostasien und lange Jahre Leiter der Indonesien-Redaktion der „Deutschen Welle“, in seinem Buch „Deutsche Spuren in Indonesien“: „Wer in seinen Büchern liest, staunt auch als Laie darüber, was ein einzelner Mann erforscht, erwandert, entdeckt hat zu Zeiten, da ein solcher Pionier ganz auf sich allein gestellt war, kaum über Hilfsmittel verfügte und sich auf keinen Apparat eines Instituts, einer Universität oder gar auf ein hochdotiertes Forschungsprogramm stützen konnte.“[71]

Junghuhn war einer der letzten Naturforscher, der dank universeller naturwissenschaftlicher Kenntnisse in der Lage war, nach dem Vorbild Alexander von Humboldts ein alles umfassendes Naturgemälde zu entwerfen. Neben und nach seinem Dienst als Gesundheitsoffizier der niederländisch-indischen Kolonialarmee hat er für die Entdeckung und Erforschung der Inseln Java und Sumatra richtungsweisende Pionierleistungen erbracht. Sie resultierten aus seinem mit äußerster Willenskraft sich selbst angeeigneten Wissen, gepaart mit einem phänomenalen Gedächtnis, aus seinem Fleiß, seiner Ausdauer und seinem Durchsetzungsvermögen, aus seiner fast unübertrefflichen Beobachtungsgabe und seiner Fähigkeit, das Wahrgenommene in seltener Klarheit darzustellen. Ein wichtiger Ansporn war seine Furcht, das Privileg des Erstentdeckers zu verlieren, sei es bei der Bestimmung von noch nicht beschriebenen Pflanzen oder bei der Besteigung eines Vulkans, auf dem vor ihm noch kein anderer Europäer seinen Fuß gesetzt hat. Seine innige Zuneigung zur Natur hat von frühester Jugend an bis zum Ende seines Lebens sein Denken und Handeln bestimmt und seinen Glauben in eine pantheistische Richtung gelenkt.

Stets war Junghuhn danach bestrebt, zu Beginn seiner Beobachtungen sich einen weiträumigen Überblick zu verschaffen und erst dann, auf dieser Grundlage, mit Skizzen und Worten ins Detail zu gehen. Nur mit dieser rationellen Vorgehensweise ist es ihm gelungen, ausgedehnte Ländereien ohne fachlich geschulte Helfer allein zu erforschen.

„Zweite Heimat“ nannte Junghuhn voller Sehnsucht die Insel Java. Ein rührendes Zeugnis für diese Sehnsucht ist der Schluss seiner Vorrede in seinem Hauptwerk über Java, geschrieben während seines Genesungsurlaubs im winterlichen Holland:

„Noch ehe die Sonne, die jetzt ihre matten Strahlen schief auf die beschneiten Fluren der Niederlande wirft und über Euren Häuptern fast senkrecht glüht, - noch Einmal auf die Südseite des Äquators wandern wird, hoffe ich das geliebte Java wieder zu sehen.
In meiner Seele blieb das Bild der Wälder frisch, die dort ewig grünen, die Tausende Blüthen, die dort nie aufhören zu duften, – ich höre mit dem Sinne meines Geistes den Seewind rauschen durch die Bananen und die Wipfel der Palmen, – die Wasserfälle donnern, die von den hohen Bergwänden des Innern herabstürzen, – ich athme die kühle Morgenluft und trete vor die gastfreie Hütte des Javanen, während noch ein tiefes Schweigen auf den weiten Urwäldern rings herum lastet, – hoch in der Luft ziehen die Schaaren der Kalong’s nach Haus, – allmählig fängt das Laubgewölbe sich an zu regen, – die Pfaue kreischen, – die Affen werden munter, das Echo der Berge wird wach von ihrem Morgenlied, – Tausende von Vögeln fangen an zu zwitschern – und noch ehe die Sonne den östlichen Himmel färbt, erglüht schon der majestätische Gipfel jenes Berges in Gold und Purpur, – er blickt aus seiner Höh’ zu mir herab wie zu einem alten Bekannten, – meine Sehnsucht wächst und ich verlange nach dem Tage, an welchem ich sagen kann: seid mir gegrüsst ihr Berge!“

Leyden, im November 1851. Der Verfasser.[72]

Junghuhns großes Java-Werk: Text (3 Bände), Java-Album, Java-Karte (4 Blätter).
Detaillierte Beschreibungen befinden sich im Hauptartikel Junghuhns Werke.
.

Junghuhns Bedeutung

Junghuhn stand, wie viele seiner zeitgenössischen Kollegen, im Schatten von Alexander von Humboldt und Charles Darwin, und geriet dadurch unverdient in Vergessenheit. Mit seinem großen Java-Werk unternahm er noch einmal einen Versuch, als Einzelner etwas Ganzes zu erfassen, wie Humboldt ein „Naturgemälde“ in Wort und Bild zu entwerfen, zu einer Zeit, in der in den immer vielseitiger gewordenen Naturwissenschaften die Spezialisten an die Stelle der Generalisten traten. Viele seiner Beobachtungen waren zwar nach kurzer Zeit überholt, lieferten aber über Jahrzehnte hinweg richtungsweisende Anregungen für weiterführende Forschungen. Manche seiner Beobachtungen waren seiner Zeit voraus, wie zum Beispiel seine Warnung vor einer ökologischen Katastrophe durch die Abholzung der Wälder und den daraus sich ergebenden klimatischen Veränderungen. Andere seiner Beobachtungen sind noch heute aktuell: Seine vertikale Gliederung der Insel Java in eine heiße, gemäßigte, kühle und kalte Region wird in den Schulen Indonesiens in der Sekundärstufe 2 gelehrt. Eine große neue Theorie zu formulieren, gelang Junghuhn nicht, das tat Darwin, dessen Schriften er in seinen letzten Jahren mit Interesse verfolgte.

Literatur

Monographien über Junghuhn

  • Renate Sternagel: Der Humboldt von Java. Leben und Werk des Naturforschers Franz Wilhelm Junghuhn 1809–1864. Mitteldeutscher Verlag GmbH, Halle (Saale), 2011. 352 S. Mit zahlreichen tls. farbigen Abbildungen. - ISBN 978-3-89812-841-4. – Die neueste und zur Zeit wichtigste Monographie, der Extrakt einer 20-jährigen Forschungsarbeit.[73]
  • Rob Nieuwenhuys und Frits Jaquet: Java’s onuitputtelijke natuur. Reisverhalen, tekeningen en fotografieën van Franz Wilhelm Junghuhn. Alphen aan den Rijn, A. W. Sijthoff, 1980. 150 S. Mit zahlreichen Faksimiles und Abbildungen aus niederländischen Archiven und aus Junghuhns Reisewerken. – Wichtig, weil im Original kaum auffindbar, sind die 11 Ansichten des „Atlas van platen, bevattende elf pittoreske gezigten; behoorende tot het werk Java …“ (niederländische Ausgabe des „Landschaften-Atlas …“), die in annähernd originalgroßen farbigen Reproduktionen wiedergegeben sind. – ISBN 90-218-2611-9.
  • Junghuhn-Commission (Hrsg.): Gedenkboek Franz Junghuhn. 1809-1909. ’s-Gravenhage, Martinus Nijhoff, 1910. X, 361 S. Mit Beiträgen mehrerer Autoren in deutsch und holländisch. – In deutscher Sprache:
M. Schmidt: „Franz Junghuhns Leben“ (S. 1–23),
W. Volz: „Die Battaländer auf Sumatra“ (Rezension des gleichnamigen Werkes von Junghuhn; S. 57–82),
K. Martin: „Junghuhns Ansichten über die versteinerungsführenden Sedimente von Java“ (S. 95–104).
Unter den 16 Beiträgen in holländischer Sprache eine chronologisch geordnete „Junghuhn-Bibliographie“ von W. C. Muller (S. 309–356).
  • Max C. P. Schmidt: Franz Junghuhn. Biographische Beiträge zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages. Leipzig, Verlag der Dürr’schen Buchhandlung, 1909. XIV, 374 S. Mit Titelbild (Junghuhn-Porträt), gefalteter Stammbaum-Tafel und 5 Abb. im Text.
  • C(arel). W(illem). Wormser: Frans [sic!] Junghuhn. Deventer, W. van Hoeve, Tweede Druk, ohne Jahresangabe (1943). 247 S. – Band V der Reihe „Bouwers van Indië. Een serie levensbeschrijvingen uitgegeven in opdracht van het Koloniaal Instituut.“ – Rezension von Karl Helbig in: Petermanns Mitteilungen, 90. Jg. 1944, S. 295.
  • Heinz Schütte u. Renate Sternagel: Der Naturforscher Franz Junghuhn (1809-1864). Zur 200sten Wiederkehr seines Geburtstages. (Working Paper Series Global and European Studies Institute at the University of Leipzig 2). Leipziger Universitätsverlag, 2009. 68 S. - ISBN 3-86583-431-0.
  • Goethe-Institut Jakarta & Erasmus Huis Jakarta (Hrsg.): meneliti - mengukur - berselisih / researching - measuring - arguing. Franz Wilhelm Junghuhn (1809-1864). Pameran memperingati 200 tahun peneliti pulau Java / An exhibition of the occasion of the bicentenary of the explorer of the island of Java. Katalog mit indonesischem und englischem Paralleltext zur Ausstellung in Bandung (Institut Teknologi Bandung, Oktober 2009) und Jakarta (Erasmus Huis, November 2009 bis Januar 2010). Autoren: Renate Sternagel, Gerhard Aust. Gestaltung und Herstellung: Devy Ferdianto (Indonesien). Bandung, November 2009. 67 S.
  • Goethe-Institut Jakarta (Hrsg.): forschen - vermessen - streiten. Eine Ausstellung zum 200. Geburtstag des Java-Erforschers Franz Wilhelm Junghuhn (1809-1864). Deutschsprachiger Katalog zur Ausstellung in Mansfeld. Autoren: Renate Sternagel, Gerhard Aust. Gestaltung und Herstellung: Devy Ferdianto (Indonesien). Jakarta [ohne Jahresangabe, 2009]. 39 S.
  • Goethe-Institut Jakarta (Hrsg.): forschen - vermessen - streiten. Franz Wilhelm Junghuhn (1809-1864). Mit Geleitwort von Franz Xaver Augustin (Leiter des Goethe-Instituts Jakarta). Berlin, regiospectra Verlag, 2010. 276 S. - ISBN 978-3-940132-15-4.
Das Buch enthält folgende Beiträge:
Heinz Schütte: Von Mansfeld nach Java
Renate Sternagel: Franz Junghuhns Forschungen auf Java 1836-1848
Gerhard Aust: Junghuhn als Landvermesser und Kartograph
Renate Sternagel, Taufikurahman und Thilo Habel: Der Beitrag Junghuhns zur Chinchona-Kultur auf Java
Thilo Habel: Junghuhns naturphysiognomische Bilder
Thomas Theye: Anmerkungen zu Franz Wilhelm Junghuhns Photographien aus Java
Nachwort von Franz Mangis-Suseno SJ. Anhänge: Junghuhns Lebenslauf, Bibliographie, Index.

Artikel über Junghuhn (Auswahl)

Zu Beginn wird auf die fehlerhafte Angabe von Junghuhns Geburtsjahr in älteren Artikeln hingewiesen: In Junghuhns niederländischer Personalakte wurde nach seinen eigenen Angaben das Geburtsjahr 1812 eingetragen. Warum sich Junghuhn um drei Jahre jünger ausgegeben hat, ist bis heute nicht bekannt. Erst im Jahre 1908 hat der niederländische Historiker Gerret Pieter Rouffaer durch Einsichtnahme in das Mansfelder Kirchenbuch festgestellt, dass Junghuhn 1809 zur Welt gekommen ist. In fast allen Artikeln, die vor Rouffaers Feststellung veröffentlicht worden sind, ist 1812 als Junghuhns Geburtsjahr angegeben. Nur der Vortrag von Karl Müller aus dem Jahre 1865 und die Allgemeine Deutsche Biographie, 14. Band 1881, enthalten korrekt das Geburtsjahr 1809, während im Meyers Großem Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905, noch immer das Jahr 1812 abgedruckt ist.

  • Anonym (an vielen Stellen identisch mit dem nachfolgenden Artikel, daher wohl überwiegend nach A. W. Kroon): Franz Wilhelm Junghuhn. Nekrolog. In: Flora oder allgemeine botanische Zeitung, herausgegeben von der königl. bayer. botanischen Gesellschaft zu Regensburg. Neue Reihe, XXII. Jahrgang. No. 30, Regensburg, 22. September 1864. S. 474–480.
  • Anonym (der Artikel in der Freidenkerzeitschrift „De Dageraad“ wurde von A. W. Kroon verfasst): Lebensskizze des Naturforschers F. W. Junghuhn. Nach dem „Dageraad“. In: Das Ausland. Eine Wochenschrift für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker mit besonderer Rücksicht auf verwandte Erscheinungen in Deutschland. 37. Jahrgang, Augsburg, Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, 1864. Nr. 48, Augsburg, 26. November 1864. S. 1142–1147.[1] (PDF-Datei, abgerufen am 28. Januar 2013.)
  • John Bastin und Bea Brommer: Nineteenth century prints and illustrated books of Indonesia. Utrecht u. Antwerpen, Het Spectrum, 1979. - ISBN 90-274-9628-5.
S. 321: Biographie.
Bibliographische Nachweise:
Note 49: Terugreis van Java naar Europa met de zoogenaamde Engelsche Overlandpost und die deutsche Ausgabe Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost,
Note 392: Ruïnen van Java,
Note 467: Atlas tot het Werk Java (Tafeln),
Note 469: Licht- en Schaduwbeelden uit de Binnenlanden van Java,
Note 473: Landschaften-Atlas zu Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart,
Note 477: Topographischer und naturwissenschaftlicher Atlas zur Reise durch Java (Titel),
Note 478: Topographischer und naturwissenschaftlicher Atlas zur Reise durch Java (Tafeln),
Note 480: Die Battaländer auf Sumatra,
Note 482: Ruïnen van Java (Nachtrag).
In der Einführung (Kapitel „Text“):
S. 28–29: Java, Zijne Gedaante, Zijn Plantentooi en Inwendige Bouw (Textbände sowie niederländische und deutsche Ausgaben des Atlas zu diesem Werk),
S. 30: Topographische und naturwissenschaftliche Reisen durch Java.
  • E(ric). M(ontague). Beekman: F. W. Junghuhn (1809–1864): Elevating Tropical Nature. In: Troubled Pleasures. Dutch colonial Literature from the East Indies 1600–1950. Oxford u. a., Clarendon Press, 1996. S. 147–201, ISBN 0-19-815883-1.
  • Bea Brommer: Reizen door Oost-Indië. Prenten en verhalen uit de 19e eeuw. Utrecht u. Antwerpen, Het Spectrum, 1979. S. 57–65. Mit 9 Abb., darunter 4 Abb. von Junghuhn (Textauszug aus Junghuhns Werk „Reizen door Java“, Amsterdam 1852), ISBN 90-274-9627-7.
  • Jan-Peter Frahm u. Jens Eggers: Junghuhn, Franz Wilhelm (1809–1864). In: Lexikon deutschsprachiger Bryologen. Norderstedt, Books on Demand GmbH, 2001. Band 2, S. 225–226 (mit Porträt), ISBN 3-8311-0986-9.
  • Frans Günst: Levensschets van Dr. Franz Wilhelm Junghuhn. In: Licht- en Schaduwbeelden uit de Binnenlanden van Java … 5. Auflage 1867, S. 1–61.
  • Thilo Habel: Von der Landschaftsstimmung zur Karte. Franz Junghuhns Studien auf Java. In: Vermessen: Kartographie der Tropen. Begleitbuch zur Ausstellung des Ethnologischen Museums, Berlin-Dahlem. Herausgegeben von Viola König. Redaktion: Andrea Nicklisch, Anja Zenner. S. 38–42, mit 3 Abbildungen. – Veröffentlichung des Ethnologischen Museums Berlin, Neue Folge 75. Berlin 2006, ISBN 3-88609-531-2.
  • Karl Helbig: Junghuhn. 1809–1864. In: Die berühmten Entdecker und Erforscher der Erde. Hrsgg. von Kurt Kayser. Köln, Aulis, 1965, S. 179–181 (mit Porträt).
  • Dietmar Henze: Junghuhn, Franz Wilhelm. In: Enzyklopädie der Entdecker und Erforscher der Erde. Graz, Akadem. Druck- und Verlagsanstalt, 1975 ff. Band II, S. 721–726.
  • Junghuhn (Franz Wilhelm). In: Encyclopaedie van Nederlandsch-Indië.
1. Auflage: ’s-Gravenhage, Martinus Nijhoff; Leiden, E. J. Brill; 1895–1905. Band II (1899), S. 147–149.
2. Auflage: ’s-Gravenhage, Martinus Nijhoff; Leiden, E. J. Brill; 1917–1939. Band II (1918), S. 223–226.
  • Max Koernicke: Zur Erinnerung an Franz Junghuhn. Briefe Junghuhns an Ph. Wirtgen. Mit Geleitwort und Anmerkungen versehen und herausgegeben. In: Verhandlungen des Naturhistorischen Vereins der preußischen Rheinlande und Westfalens, 66. Jahrgang 1909, Bonn 1910, S. 277–326.
  • Hans Dieter Kubitscheck: Franz Wilhelm Junghuhn (1809-1864). Ein deutscher Wissenschaftler in Indonesien. In: Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums für Völkerkunde Dresden, Forschungsstelle, Band 44. Berlin, Akademie–Verlag, 1990. S. 141–150. - Hierzu die Tafeln I und II mit 4 Abbildungen.
Beginn des Vortrags Franz Junghuhn von Karl Müller in der Zeitung Die Natur. – In der gleichen Ausgabe der Vortrag von Karl Müller über Junghuhns Forschungen auf Java (siehe den Hauptartikel Junghuhns Werke).
  • Karl Müller: Franz Junghuhn. Vortrag, gehalten im Gewerbevereine zu Halle am 6. März 1865. In: Die Natur. Zeitung zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntniß und Naturanschauung für Leser aller Stände. Herausgegeben von Dr. Otto Ule und Dr. Karl Müller von Halle. Vierzehnter Band (Jahrgang 1865.). Halle, G. Schwetschke’scher Verlag. S. 137–139, 145–148, 153–156, 177–180, 190–192.
  • Georg Adolf Narziß (Hrsg.): Von Hinterindien bis Surabaja. Forscher und Abenteurer in Südostasien. Erdmann Vlg., Tübingen 1977.
S. 84: Franz Wilhelm Junghuhn (1812–1864)[74]
S. 85–88: Der Ausbruch des Vulkans Tambora auf der Insel Sumbawa 1815 [75]
S. 100–128: Licht- und Schattenbilder aus dem Innern von Java[76]
S. 128–138: Morgen ist Tigergefecht![77]
  • Rüdiger Siebert: Der Humboldt von Java. Franz Wilhelm Junghuhn, Arzt und Naturforscher. – In: Rüdiger Siebert: Deutsche Spuren in Indonesien. Zehn Lebensläufe in bewegten Zeiten. Horlemann-Verlag, Bad Honnef 2002. S. 45–64. ISBN 3-89502-159-8.
    Auszüge aus diesem Buch: Herausforderung Indonesien. Macht, Kritik, Befreiung – Niederländische Kolonialgeschichte im Spiegel deutscher Lebensläufe (Gustav Wilhelm Baron von Imhoff - Franz Wilhelm Junghuhn - Ludwig Ingwer Nommensen - Max Dauthendey - Emil Helfferich - Hans Overbeck - Karl Helbig - Walter Spies) [2]. Deutsch-Indonesische Gesellschaft e.V., Köln 2011.
  • M(arius). J(acob). Sirks: F. W. Junghuhn. In: Indisch Natuuronderzoek. Een beknopte geschiedenis van de beoefening der natuurwetenschappen in de Nederlandsche Koloniën [Dissertation]. Koloniaal Instituut te Amsterdam. Mededeeling No. VI. Afdeeling Handelsmuseum No. 2. Hoofdstuk V. Uitgegeven van het Instituut. Amst. Boek- en Steendrukkerij, v/h. Ellermann, Harms & Co., 1915. S. 141–153.
  • Thomas Theye: Franz Wilhelm Junghuhn (1809-1864) - Fotografien aus Java. In: Reise-Bilder. Beiträge zur Visualisierung von Reiseerfahrung. Eutiner Forschungen, Bd. 6, S. 129–193. Eutiner Landesbibliothek, Eutin 2012. ISBN 978-3-939643-07-4.
  • Wolfgang Weise: Franz Junghuhn - Der Humboldt von Java. In: DIG-Magazin. Herausgeber: Deutsch-Indonesische Gesellschaft e. V. Köln. Heft 2–93 (August 1993), S. 13–16. Mit 1 Abbildung.
  • Arthur Wichmann: Franz Wilhelm Junghuhn. 26. Oktober 1809 bis 24. April 1864. In: Petermanns Mitteilungen. Jg. 1909, S. 297–300 (mit Bildnis).

Junghuhn in Berichten von anderen Reisenden (Auswahl)

„Vulkan Gedeh auf Java vom Gipfel des Pangerango aus gesehen.“ In: Scherzer, K.: Reise der Oesterr. Fregatte Novara …
  • Fedor Jagor: Singapore–Malacca–Java. Reiseskizzen. Berlin, Springer, 1866. S. 141 (Besuch in Lembang), 169 ff. (Junghuhns Anbaumethoden der Chinchonen), 182 (Reiseplan), 183 f. (Exkursion auf den Tangkuban Perahu). Digitalisat. Abgerufen am 12. Dezember 2012.
  • Otto Mohnike: Blicke auf das Pflanzen- und Thierleben in den Niederländischen Malaienländern. Münster, Aschendorff’sche Buchhandlung, 1883.[78]
  • H(einrich). Morin: Unter der Tropensonne. Streifzüge auf Java, Sumatra und Ceylon. München, Isaria–Verlag, o. J. (1910). S. 36 und 49.
  • Ferdinand Freiherr von Richthofen: Bericht über einen Ausflug in Java. (Briefliche Mittheilung an Herrn Beyrich d. d. Batavia den 26. Octbr. 1861.). In: Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft. XIV. Band. Berlin, Wilh. Hertz (Bessersche Buchhandlung), 1862. S. 327−356.

Literarisch-belletristische Rezeption

  • Felicitas Hoppe: Franz Wilhelm Junghuhn: Eis und Schnee. In: Felicitas Hoppe: Verbrecher und Versager. Fünf Porträts. Marebuchverlag, Hamburg 2004, ISBN 3-936384-12-6.

Weblinks

 Commons: Franz Wilhelm Junghuhn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Vgl. Rüdiger Siebert: Deutsche Spuren in Indonesien. Horlemann, Bad Honnef 2002, S. 58.
  2. Vgl. Erich Mindt: Der Erste war ein Deutscher. Ebner u. Ebner, Berlin 1943, S. 115.
  3. Im November 1834 hielt sich Junghuhn in den Wäldern am Laacher See auf. „Ich blickte umher. Keine Früchte an den Bäumen – kein Wild im Feld; – die Jagd ist verpachtet, – die ganze Welt ist verpachtet. – Nichts gehört mir, als mich selbst! So beschloss ich denn, heimathlos, wie ich war, in das Thal hinabzusteigen, wo der Rhein seine Fluthen dahinwälzt […].“ Das Gefühl der Heimatlosigkeit notierte Junghuhn am 31. Juni 1835 ein weiteres Mal, als das Schiff „Jacob Cats“ in geringer Entfernung entlang der Südküste von England segelte. „[…] zahlreiche Städte und Dörfer ließen sich erkennen […]. Gern weilte unser Blick auf ihren röthlichen Dächern und weißlichen Häusern […]. Sie sind der Sitz glücklicher Menschen, die sich am Abend ihres eigenen Heerdes freuen; ich aber habe meine Heimath verloren und treibe rastlos dahin!“ (Topographische und naturwissenschaftliche Reisen durch Java, S. 2 und 10)
  4. Bereits in seinem ersten Buch „Topographische und naturwissenschaftliche Reisen durch Java“ äußerte er sich mit Hohn und Spott über das Examinationskommitee in Utrecht, über die Ärzte der Hospitäler in Harderwijk und Batavia und wiederholt über den Botaniker Carl Ludwig Blume, was – ebenso wie der Ausdruck „Pfaffenhokuspokus“ – von Justus Karl Haßkarl in seiner ausführlichen Rezension heftig kritisiert worden ist. – Vgl. Flora oder allgemeine botanische Zeitung. Nr. 30, Regensburg, 14. August 1847, S. 483.
  5. Henze: Enzyklopädie der Entdecker und Erforscher der Erde. 1. Band, S. 649.
  6. Vgl. Rüdiger Siebert: Deutsche Spuren in Indonesien. S. 55 ff.
  7. Petermanns Mitteilungen. Jahrgang 1909, S. 297.
  8. Ein undiplomierter Heilpraktiker mit einfachen medizinischen Kenntnissen, überwiegend für die Versorgung von Wunden und Frakturen, die er hauptsächlich von seinem Vater (Junghuhns Großvater), ebenfalls einem Bergchirurgus, erworben hat. Um sein spärliches Einkommen etwas aufzubessern, pflegte er überdies als selbsternannter Barbier die Haare und Bärte der Mansfelder Bürger.
  9. Karl Müller: Franz Junghuhn. In: Die Natur, Halle 1865, S. 148
  10. Observationes mycologicae in species Fungorum tam novas tam male cognitas. In: Linnaea. Hrsgg. von D. F. L. von Schlechtendal. 5. Bd., Berlin 1830. S. 388–410.
  11. Welches Ausmaß das Zerwürfnis Junghuhns mit seinem Vater angenommen hatte, geht aus folgendem Bericht hervor: Als dem Vater gemeldet wurde, dass ein Mann sich mit einer Schusswaffe verwundet hat, zog er sich rasch an. Nachdem ihm aber mitgeteilt wurde, dass es sich um seinen eigenen Sohn handelt, stellte er die Stiefel wieder in die Ecke. Vergeblich bat ihn der Bürgermeister, sich um seinen Sohn zu kümmern. Erst dem eilig herbeigerufenen Landrat gelang es, den Vater zur Hilfeleistung zu bewegen. Zuhause verspottete der Vater seinen Sohn über die Dummheit, mit welcher ein angehender Mediziner versucht hatte, sich von hinten zu erschießen. Mit den Worten „So hätte er es machen müssen!“ tippte er sich mit dem Finger an die Stirn. – Die Wunde, die Junghuhn sich beigebracht hatte, war jedoch nicht ungefährlich: In Halle musste ihm ein Stück Schädelknochen „von der Größe eines Viergroschenstückes“ entfernt werden; diese Münze hat einen Durchmesser von 30 Millimeter. – Vgl. Ewald Banse: Große Forschungsreisende. München 1933, S. 190-191 und Karl Müller: Franz Junghuhn. Vortrag. In: Die Natur, Halle 1865, S. 148
  12. Schwoerer hat sich seiner Verhaftung durch Selbstmord entzogen. – Vgl. Rüdiger Siebert: Deutsche Spuren in Indonesien. Horlemann, Bad Honnef 2002. S. 47 f.
  13. Max C. P. Schmidt: Franz Junghuhn. Biographische Beiträge zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages. Leipzig 1909, S. 168
  14. vgl. Max Koernicke: Zur Erinnerung an Franz Junghuhn. In: Verhandlungen des Naturhistorischen Vereins der preußischen Rheinlande und Westfalens. 66. Jg. 1909, S. 280 f.
  15. Ihr besonderes Augenmerk galt dabei den Pilzen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse veröffentlichte Wirtgen unter dem Titel Mycologische Beobachtungen über das Vorkommen der Pilze in den Monaten October und November 1834. in der botanischen Zeitung „Flora“ Nro. 20, Regensburg, den 18. Mai 1835, S. 305–313 und S. 321–331. Zu Beginn dieser Arbeit fügte er in einer Fußnote hinzu: „Diese Excursionen machte ich in Begleitung meines Freundes Fr. Junghuhn, welcher eben aus Bona (in Nordafrika) zurückkehrend, sich 2 Monate hier aufhielt. (…) Die Diagnosen der neuaufgestellten Species sind von ihm, und viele der hier mitgetheilten Bemerkungen sind aus gemeinsamer Untersuchung hervorgegangen“.
  16. Max C. P. Schmidt: Franz Junghuhn. Leipzig 1909, S. 63
  17. In: Max C. P. Schmidt: Franz Junghuhn. Leipzig 1909, S. 157–314.
  18. Hafenanlagen existierten noch nicht, die Schiffe mussten auf offener Reede vor Anker gehen. Boote brachten Passagiere und Waren zu einem Landungsplatz an einem Mündungsarm des Ciliwung-Flusses.
  19. F. Junghuhn: Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart, Band II, S. 262. – In den Jahren 1845, 1865, 1868 und 1885 fanden weitere hydrostatische Ausbrüche in diesem Sumpf statt; siehe den Eintrag Pening (Rawah) in der Encyclopaedie van Nederl.-Indië, Leiden [1. Aufl. 1902], 3. Band, S. 251. – Ambarawa, eine Stadt mit heute etwa 80.000 Einwohner, liegt südlich von Semarang in Zentraljava und ist durch ein sehenswertes Eisenbahnmuseum bekannt.
  20. F. Junghuhn: Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart, 2. Band, Leipzig 1854, S. 17
  21. Zitiert aus Die menschenfressenden Battaken. In: Max C. P. Schmidt: Franz Junghuhn. Leipzig 1909, S. 317. – Pieter Merkus (1787–1844) wurde am 11. Oktober 1842 zum Generalgouverneur von Niederländisch-Indien ernannt.
  22. Bereits im Jahre 1878 war vom Fort auf dieser Insel keine Spur mehr vorhanden. Die Garnison wurde nach der gegenüber liegenden Küste Westsumatras verlegt und erhielt den Namen „Siboga“, nach einem nahegelegenen gleichnamigen Batak-Dorf. Aus diesem Dorf hat sich die heutige Hafenstadt Sibolga entwickelt. (vgl. Hermann von Rosenberg: Der Malayische Archipel. Leipzig 1878, S. 13)
  23. Die 1803 ausgebrochene militante islamische Reformbewegung der Padri in Westsumatra, die vielfach auch als „Minangkabau–Krieg“ bezeichnet wurde, konnte erst 1837 von der niederländisch-indischen Kolonialarmee gewaltsam unterworfen werden
  24. H. v. Rosenberg: Der Malayische Archipel. Leipzig 1878, S. 13.
  25. H. v. Rosenberg: Der Malayische Archipel. Leipzig 1878, S. 14–16.
  26. Franz Junghuhn: Die Battaländer auf Sumatra. Berlin 1847, Band I, S. 50–51.
  27. R. Montigel: Beiträge zur Triangulation von Java. In: Zeitschrift für Vermessungswesen. Jg. 1933, Heft 15, S. 4-5. Wittwer, Stuttgart 1933.
  28. Dr. Heinrich Berghaus: Karte von der Insel Sumatra. Justus Perthes, Gotha 1837. Blatt Nr. 11 des „Atlas von Asien“.
  29. Rezension des Werks Die Battaländer. In: Gedenkboek Franz Junghuhn. ’S–Gravenhage, Martinus Nijhoff, 1910, S. 70.
  30. Die heutigen Bezeichnungen lauten „Mandailing“, „Angkola“ und „Dolok Lubuk Raja“.
  31. Waldemar Stöhr: Die altindonesischen Religionen. Brill, Köln 1975, S. 140.
  32. Vgl. Bussole. In: Otto Lueger: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften. Bd. 2, Stuttgart/Leipzig 1905, S. 40–411 ]
  33. Vgl. R. Montigel: Beiträge zur Geschichte der Triangulation von Java. In: Zeitschrift für Vermessungswesen. Heft 15, S. 4. Wittwer, Stuttgart 1933. – Unzutreffend ist Montigels merkwürdige Behauptung, dass Junghuhns große Java-Karte nicht zur Ausführung gelangte.
  34. Zum Aufsatz von P. J. Veth: Een woord bij de kaart van het Diëng gebergte.. In: Tijdschrift van het Aardrijkskundig Genootschap, Band II, 1877, S. 357-358, Karte Nr. 16.
  35. Siehe das Kapitel „Karte der Insel Java“ im Hauptartikel Junghuhns Werke!
  36. Von den „Battaländern“ wurde in holländischer Sprache nur ein Prospekt gedruckt.
  37. „Susuhunan“ oder „Sunan“, „der Verehrte“, nannte sich der letzte Herrscher des mitteljavanischen Reiches Mataram. Nach der Teilung dieses Reiches in den Jahren 1755 und 1757 in drei Vasallenstaaten (Surakarta, Yogyakarta und Mangkunegara) wurde dieser Titel von der noch heute durch Erbfolge bestehenden Dynastie in Surakarta übernommen. Seit 2005 regiert im Kraton (Palast) von Surakarta Susuhunan Pakubuwono XIII. – Vgl. Frits A. Wagner: Indonesien. Die Kunst eines Inselreiches. Holle Verlag, Baden-Baden, 4. Aufl. 1962, S. 150, und in der englischen Wikipedia den Artikel Susuhunan
  38. Diese Kämpfe sind in allen Einzelheiten geschildert in Junghuhns Werk Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart. 2. Band, S. 443–452 (Im Inhaltsverzeichnis siehe den Link zu Seite 443).
  39. Encyclopaedie van Nederlandsch-Indië. 2. Auflage. Teil 4. s'Gravenhage, Leiden 1921, S. 478.
  40. Encyclopaedie van Nederlandsch-Indië. 2. Auflage. Teil 1. s'Gravenhage, Leiden 1917, S. 643.
  41. Zu diesem Themenkomplex vgl. Renate Sternagel: Der Humboldt von Java, Halle 2011, S. 220–228.
  42. Sh. Tijdschrift voor Neêrlands Indië, 1849, S. 28-34.
  43. Die „Englische Überlandpost“ ging nicht auf dem Seeweg um Afrika, sondern durch das Rote Meer nach Suez und von dort über Land durch das von England besetzte Ägypten nach Alexandria.
  44. Friedrich Ratzel: Junghuhn, Franz Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14. Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 712–718.
  45. Pahud (* 18. April 1803 in Amsterdam, † 31. August 1873 in ’s-Gravenhage) wurde 1849 zum Minister der Niederländischen Kolonien und am 1. Januar 1856 zum Generalgouverneur von Niederländisch-Indien ernannt.
  46. Renate Sternagel: Der Humboldt von Java. S. 278–279 und Anmerkung Nr. 220.
  47. Fr. Junghuhn: Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart. Leipzig 1854, 3. Band, S. 311.
  48. heutiger Name dieses weltberühmten Gartens: Kebun Raya Bogor
  49. Vgl. Rüdiger Siebert: Deutsche Spuren in Indonesien. Bad Honnef 2002, S. 60 f.
  50. Vgl. J. E. de Vry: Über die Einführung der Chinakultur in Ost-Indien. In: Verhandlungen der Kaiserl. Leopold.-Carol. Dt. Akademie der Naturforscher, 32. Band, 1. Abtlg., Dresden 1865, S. 5-11.
  51. Mit Hilfe eines einheimischen Regenten stellte er auf eigene Kosten einen Aufseher ein.
  52. Vgl. R. Nieuwenhuys, F. Jaquet: Java’s onuitputtelijke natuur. Alphen aan den Rijn 1980, S. 142 (aus dem Niederländischen übersetzt).
  53. Arthur Wichmann: Franz Wilhelm Junghuhn. In: Petermanns Mitteilungen. Jg. 1909, S. 299. - Das Königliche Tropeninstitut in Amsterdam verwahrt eine fotographische Originalaufnahme von Junghuhn, auf der ein Aufseher in einer Plantage mit einem schußbereit auf dem Arm gehaltenen Gewehr zu sehen ist.
  54. Wer diese Intrige veranlasst hat, blieb ungeklärt. Vermutlich war es Groneman mit dem Ziel, den fachlich überlegenen Konkurrenten zu beseitigen: Er selbst hat Junghuhn dazu überredet, ihn als seinen Nachfolger vorzuschlagen. – Auf diesen „Hinauswurf“ angesprochen, geriet de Vrij noch bis ins hohe Alter hinein als kerngesunder Greis in zornige Erregung. – Vgl. Enzyclopaedie van Nederlandsch–Indie. Teil 4, Leiden, 1. Aufl. 1905, S. 658.
  55. Renate Sternagel: Der Humboldt von Java. Halle (Saale) 2011, S. 324 ff.
  56. Veröffentlicht in: Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. Wien 1859, S. 124–130.
  57. Von diesen Arbeiten sind nur zwei Briefe veröffentlicht worden: Siehe im Hauptartikel Junghuhns Werke das Kapitel „Versuch einer chronologischen Junghuhn-Biographie“ (1857, zweiter und dritter Eintrag).
  58. Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. Wien 1859, S. 126 f.
  59. Dieses an Junghuhn gerichtete Schreiben, unterzeichnet „Mit unverbrüchlicher Freundschaft Ihr treuer A. v. Humboldt“, ist in Max C. P. Schmidts Buch Franz Junghuhn. Biographische Beiträge … auf S. 342 abgedruckt. Unter anderem bittet Alexander von Humboldt: „Herr Fedor Jagor wird auf seinem Wege die schöne Insel berühren über die Sie, theurer Freund, durch Ihre glücklichen Forschungen so viel Licht verbreitet haben. Er soll von Ihnen lernen, sich zum Selbstbeobachter einzuüben.“
  60. F. Jagor: Singapore, Malakka, Java. Springer, Berlin 1866, S. 183.
  61. Ewald Banse: Große Forschungsreisende. S. 193.
  62. Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft. 1862, S. 327.
  63. Vgl. Dr. Isaac Groneman: Herinneringen aan Franz Wilhelm Junghuhn. In: Gedenkboek Franz Junghuhn. ’S-Gravenhage, Martinus Nijhoff, 1910, S. 294 f.
  64. Max C. P. Schmidt: Franz Junghuhn. Leipzig 1909, Vorwort S. X.
  65. Sh. http://www.mansfelderheimatverein.de.vu/
  66. Die Stadtinformation befindet sich in Luthers ehemaliger Schule; siehe http://www.mansfeld.eu/?p=luthersschule. Anschrift: Junghuhnstraße 2, 06343 Mansfeld (neben der Sankt-Georg-Kirche)
  67. Hierzu ein Artikel mit Abbildung in der MZ (Mitteldeutsche Zeitung) (abgerufen am 7. Dezember 2012)
  68. Renate Sternagel: Der Humboldt von Java. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2011. S. 252–260: „Stimmen: Albertine Junghuhn - die Schwester.
  69. Vgl. Prof. Dr. M. Schmidt: Franz Junghuhns Leben. In: Gedenkboek Franz Junghuhn 1809-1909. 's-Gravenhage, Martinus Nijhoff, 1910. S. 3-7.
  70. Kurt Kayser (Hrsg.): Die berühmten Erforscher und Entdecker der Erde. Aulis Vlg. Deubner & Co. KG., München (1965), S. 181.
  71. Rüdiger Siebert: Deutsche Spuren in Indonesien. Zehn Lebensläufe in bewegten Zeiten. Horlemann Verlag, Bad Honnef 2002. S. 57.
  72. Franz Junghuhn: Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart. Leipzig 1852, Band I, S. 20.
  73. Aus dem hinteren Umschlagtext: „Franz Wilhelm Junghuhn (1809–1864) ist einer der großen Naturforscher des 19. Jahrhunderts - heute jedoch zu Unrecht weitgehend vergessen. In ihrer Biographie folgt die Autorin seinem abenteuerlichen, konfliktreichen Leben und gibt einen Einblick in sein wissenschaftliches Werk, dessen bedeutendster Teil ein glänzend geschriebenes „Naturgemälde“ der indonesischen Insel Java war. Junghuhn wird gewürdigt als Botaniker und Geologe, als „Vater des Chinins“, als früher Verfechter des Ökonomiegedankens und Philosoph, der die Natur als Quelle aller religiösen und ästhetischen Erfahrung sah.“
  74. Durch Übernahme aus älteren Quellen enthält diese Kurzbiographie zahlreiche Fehler: 1812 als Sohn eines Arztes geboren, im Duell seinen Gegener getötet, verurteilt zu 20 Jahren Festungshaft u. a.
  75. Gekürzte und tlw. fehlerhaft geänderte Abschrift aus Junghuhns Werk Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart, Band 2, S. 819–824
  76. Abschriften aus Junghuhns gleichnamigem Werk
  77. Abschrift aus Junghuhns Werk Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart, Band 2, S. 443–452.
  78. Mohnike, der mit Junghuhn einige Tage auf dem Dieng-Plateau in Mitteljava verbrachte (siehe Fußnote S. 170), verweist in seinem Kapitel „Das Pflanzenleben“ mehrfach auf Junghuhns großes Java-Werk. Sein umfangreicher Abschnitt über die Verbreitung der malaiischen Dicotyledonen ist in ähnlicher Weise in Höhenstufen gegliedert wie Junghuhns vertikale Gliederung des javanischen Pflanzenreiches.
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Dieser Artikel wurde am 27. November 2008 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.