Fred Rauch

Grab von Fred Rauch auf dem Bergfriedhof von Gmund

Fred Rauch (* 28. September 1909 in Wien; † 1. Juni 1997 in Gmund am Tegernsee) war ein österreichischer Textdichter, Kabarettist und Sänger. Bekannt wurde er vor allem als Hörfunkmoderator des Bayerischen Rundfunks. Er moderierte aber auch für andere Sender wie den ORF oder RAI Bozen. Rauchs Karriere begann als freier Mitarbeiter bei "Radio München". Daneben verfasste er Texte für die Münchner Kabarettszene, unter anderem für Werner Fincks "Mausefalle" oder das "Zehnerlkabarett", und Liedtexte. Als Moderator des Wunschkonzerts wurde er weit über Bayern hinaus bekannt und beliebt. Sein Grab liegt auf dem Bergfriedhof von Gmund.[1]

Inhaltsverzeichnis

„Wunschkonzert“

Rauch betreute als Moderator (damals hieß es noch: "Ansager") das wöchentliche Wunschkonzert erstmals am 11. Dezember 1947. Bis 1978 folgten ungefähr 1.500 Sendungen unter verschiedenen Titeln. Bald setzte sich jedoch der Programmname: "Sie wünschen, wir spielen Ihre Lieblingsmelodien." durch. Rauch sprach selbst verfasste Zwischentexte und übermittelte die Grüße des Wunsch-Einsenders. So schlug die Sendung auch Brücken zu den Deutschen in der damaligen Sowjetzone und in Südosteuropa. Nur bei Urlaub oder Erkrankung ließ sich Rauch vertreten. Mit seiner sympathischen Stimme vermittelte der Ansager in der schweren Zeit der Nachkriegsjahre das Gefühl der Geborgenheit und ließ die Sorgen und Nöte des Alltags stundenweise verblassen. Das verschaffte ihm bei den Hörern eine enorme Popularität weit über Bayern hinaus. In vielen Familien durften die Kinder länger wach bleiben, um mit den Eltern diese Sendung zu hören. Hörerpost für ihn traf manchmal körbeweise beim Bayerischen Rundfunk ein. Die Sendung bot den vielen Musikwünschen eine breite Bühne. Nach einem Auftaktblock mit Volksmusik und dem einen oder anderen Marsch leitete eine humoristische Kurzszene beispielsweise mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt oder in den 1970er Jahren mit Emil Steinberger zum Schlagerteil über. Hier konnten die Hörer sicher sein, die aktuellen oder doch sehr aussichtsreichen Titel aus den Charts mitzubekommen. Im mehrwöchigen Turnus wurde ein Wunschkonzert für die Opernfreunde eingeschoben.

Weitere Rundfunktätigkeit

Neben dem Wunschkonzert betreute Rauch noch andere Sendungen beim BR wie A warmer Ofen, a Schalerl Kaffee, Gute Noten für gute Noten oder Noten und Anekdoten. Beliebt war auch seine Weihnachtssendung Weihnachtslieder aus aller Welt. Im Fernsehen trat Rauch nur selten auf. Von 1956 bis 1958 moderierte er Beiträge des bayerischen Werbefernsehens, später die Oberkrainer-Show Mit Walzer und Polkas um die Welt und das Jubiläum 25 Jahre "Sie Wünschen"’' am 17. Januar 1974 aus der Münchner Olympiahalle.

Musikalisches Wirken

Rauch gilt als Entdecker und Förderer von Slavko Avsenik und seinen original Oberkrainern. Auch „Die 3 lustigen Moosacher“ wurden durch Fred Rauch zu regionalen Stars. Seine Rundfunkbotschaft, aus Krankenhäusern kämen waschkörbeweise Hörerwünsche für den Titel „Du bist nicht allein“, bewirkte den Durchbruch für den Augsburger Sänger Roy Black.

Fred Rauch machte sich zudem als Liedtexter einen Namen. Es ist bekannt, dass er die Pseudonyme Theo Rauthenberg und Sepp Haselbach verwendete. 1951 traf Rauch den Komponisten Gerhard Winkler, mit dem er später zusammenarbeitete.

Aus seiner Feder stammt auch der Text des „1860-er Liedes“,[2] der Vereinshymne des TSV 1860 München.

Fred Rauch betätigte sich zuweilen als Sänger und war mit seinen eigenen Titeln ebenfalls gern gehört. Bekannte Interpretationen von ihm sind „Mei Schihaserl hat a kalt’s Naserl“, „Der Herr Skilehrer“, „Oh, Mister Swoboda“. Mit „Grüß’ mir die Franzi aus Tirol“ trat er 1956 in dem Heimatfilm "Pulverschnee nach Übersee" auf. Sein größter Erfolg wurde der von Fini Busch getextete Bierzelthit „Schützenliesel“, der nichts an Frische eingebüßt hat, obwohl er von 1953 stammt. Rauch sang auch die deutsche Version von Johnny Hortons Hit „The Battle of New Orleans“. Sie hieß in deutsch „Die große Rauferei Anno 1902“.

In seinen späten Jahren veröffentlichte Rauch auch mehrere Bücher, in denen er mit gesammelten heiteren Begebenheiten, Versprechern, Kuriosa oder Stilblüten seinem Publikum Vergnügen bereitete. * [3]

Werke als Liedtexter (Auswahl)

  • Aber mei Hans der kann’s (Gesang: Fee von Reichlin)
  • Bin i Radi, bin i König (Gesang: Fußballtorwart Radi Radenkovic)
  • 57, 58, 59, 60, ja so klingts in Chor
  • Das Echo vom Königssee (Gesang: Geschwister Fahrnberger); Pseudonym Sepp Haselbach
  • Es muss ein Sonntag g’wes’n sein (Gesang: Kraudn Sepp; auch: Biermösl Blosn)
  • Es wird ja alles wieder gut (Gesang: Detlev Lais)
  • Glaube mir (dt. Text von „Answer me“. Gesang: Wolfgang Sauer)
  • Komm zum Tannenzapfenzupfen
  • Machma Brotzeit! Brotzeit ist die schönste Zeit (Gesang: Die 3 lustigen Moosacher)
  • Trompeten-Echo (bekannt eigentlich als Instrumentaltitel, Interpret: Slavko Avsenik u. s. Orig. Oberkrainer)
  • Franz, der Maurerg'sell (Interpret: Slavko Avsenik u. s. Orig. Oberkrainer)
  • Weites Land (Gesang: Jimmy Makulis)
  • Zwei Spuren im Schnee (Gesang: Vico Torriani)
  • Von der Nachtigall hab´ ich das Jodeln gelernt (Gesang: Freddy Breck)

Ehrungen

Schriften

  • Mit dem Gongschlag ist es 6 Mark 30 - Versprecher, Hörerwünsche, Stilblüten. Rowohlt 1982, ISBN 3-499-14972-9
  • Gongschlag No. 2. Rosenheim 1981, ISBN 3-475-52323-X
  • Lohnhäuser und Tannengrün - Versprecher, Stilblüten, Amtsschimmel, zus. mit Dieter O. Klama. Rosenheim 1983, ISBN 3-475-52411-2
  • Tausend Sachen zum Schmunzeln und Lachen; München 1984; ISBN 3-431-01351-1
  • Lachend durchs Jahr - Heiteres für alle Tage, zus. mit Emil Vierlinger. Rosenheim 1985, ISBN 3-475-52200-4
  • Reden ist Schweigen und Silber ist Gold. Augsburg 1985
  • Scherzfragen aus meinem Wunschkonzert. Rosenheim 1985, ISBN 3-475-52294-2
  • Pfarrer Sebastian Kampfl - Der Löwe von Waakirchen - Ein bayerischer Abraham a Sancta Clara. Rosenheim 1986, ISBN 3-475-52347-7
  • Poesie nach Noten - Diverse Verse rund um die Musik. München 1986, ISBN 3-485-00519-3
  • Was schreibe ich ins Gästebuch. ISBN 3-7943-0704-6
  • Steck den Sand nicht in den Kopf - Versprecher und Stilblüten, zus. mit Gerald Drews. München 1994, ISBN 3-89350-757-4

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gerd Otto-Rieke: Gräber in Bayern. München 2000. S.92.
  2. Deutsches Musikarchiv: Das "1860" Lied,abgefragt am 3. Mai 2011
  3. Zum Ganzen: Sebastian Lindmeyr, Nachlass Fred Rauch, Onlinepublikation des BR