Gustav Adolph von Schoeller

Gustav Adolph von Schoeller (* 5. Oktober 1826 in Düren; † 25. Juni 1889 in Wien) war ein deutsch-österreichischer Großunternehmer und Montanindustrieller.

Leben und Wirken

Der Sohn des in Düren geborenen und im ungarischen Edelény tätigen Zuckerindustriellen sowie 1873 zum österreichischen Ritter geadelten Heinrich Eduard von Schoeller (1803–1879) und der Johanna Elisabeth Hoesch wurde schon frühzeitig von seinem Onkel Alexander von Schoeller (1805–1886) in dessen verschiedenen Unternehmen geschult und in wichtige Entscheidungen mit einbezogen. Ab 1847 war er zunächst in dem Wiener Großhandelshaus „Schoeller & Co.“, der späteren Schoellerbank tätig, wo er ab 1869 auch als Gesellschafter übernommen wurde. Zusammen mit seinem Onkel sowie Ernst von Herring gründete Gustav Adolph in dieser Zeit die Steinkohlengewerkschaft Mirošov u Rokycan. Mit zunehmenden Gesundheitsproblemen seines Onkels musste Gustav Adolph diesen auch in der Betriebsführung der anderen Firmen immer mehr entlasten. Nach Alexanders Tod übernahm Gustav Adolph die Leitung des Großhandels- und Bankhauses in Wien und erhielt zusammen mit seinem Vetter Sir Paul Eduard von Schoeller (1853–1920) je einen Drittelanteil an der Berndorfer Metallwarenfabrik, die kurz nach seinem Tod von dem dritten Gesellschafter Arthur Krupp im Alleinbesitz übernommen wurde. Zuvor hatte Gustav Adolph dort aktuelle Modernisierungen eingeführt. Darüber hinaus gründete er nach Anschaffung eines Dampfhammers noch eine eigenständige Hülsenfabrik zur Produktion von Kriegsmaterial.

Auch in den „Schoeller Stahlwerken“ (Theresienhütte), der „Ternitzer Walzwerk- und Bessemer Stahlfabrikations-AG“ und späteren Schoeller-Bleckmann Stahlwerke, führte er die bereits von seinem Onkel geplanten Neuerungen durch und legte in diesem Zusammenhang die Filialen im Ortsteil Hirschwang von Reichenau an der Rax aus wirtschaftlichen Gründen mit dem Ternitzer Werk zusammen. In den Hirschwangener Werksanlagen richtete er danach die Kartonfabrik Schoeller & Co ein, die später im Jahre 1916 an die Neusiedler AG verkauft wurde.

Da auch Gustav Adolph an einem sich verstärkendem Nervenleiden krankte, bezog er aber schon bald auch hier seinen Neffen Sir Paul Eduard und dessen Bruder Philipp Wilhelm von Schoeller (1845–1916) in die Betriebsführung ein. Viel Zeit blieb ihm für seine Modernisierungen allerdings nicht, denn bereits drei Jahre nach Alexanders Tod erlag er selbst 1889 seiner Krankheit und seine beiden Neffen übernahmen das Firmenimperium.

Neben seinen beruflichen Verpflichtungen war Schoeller noch Mitglied in verschiedenen Verwaltungsräten von Industrie-, Banken- und Eisenbahnunternehmen wie beispielsweise der Bodencreditanstalt in Wien oder der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Darüber hinaus nahm er regen Anteil am Leben der evangelischen Gemeinde Wiens und wurde von 1867 bis zu seinem Tode als deren Presbyter gewählt.

Familie

Gustav Adolph von Schoeller war seit 1853 verheiratet mit Marianne Draemann (* 1834), mit der er zwei Töchter hatte. Seine Tochter Adele (1854–1918) heiratete den Rechtswissenschaftler Armand Freiherr Dumreicher von Österreicher (1845–1908) und seine Tochter Mathilde Friederike (1857–1913) den Papierfabrikanten Hugo von Hoesch (1850–1916), Sohn des Stahlindustriellen Leopold Hoesch (1820–1899). Deren gemeinsamer Sohn Leopold von Hoesch wurde später ein bekannter Diplomat und Botschafter in Paris und London.

Literatur und Quellen

  • E.Lebensaft: Schoeller, Gustav Adolph von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 11, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1999, ISBN 3-7001-2803-7, S. 21.
  • Hugo Schoeller, August Victor Schoeller: Geschichte der Familie Schoeller. 2 Bände. Eisenschmid, Berlin 1894. Neuauflage bei Stedman und Wallmoden 1994, ISBN 3-980-32882-1.
  • Hans Freiherr von Dumreicher: 100 Jahre Haus Schoeller – aus Vergangenheit und Gegenwart. 2. Auflage. Eigenverlag, Wien 1934.
  • Franz Mathis: Big Business in Österreich, Österreichische Großunternehmen in Kurzdarstellungen. Oldenbourg, München 1987, ISBN 3-486-53771-7.
  • Johann Slokar: Geschichte der österreichischen Industrie und ihrer Förderung durch Kaiser Franz I. Tempsky, Wien 1914.