Hans Perathoner

Leineweberdenkmal in Bielefeld

Hans Perathoner (* 21. November 1872 in St. Peter bei Lajen; † 28. Juli 1946 in Berlin) war ein Tiroler Bildhauer und Maler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hans Perathoner wurde als Sohn einer Südtiroler Bergbauern-Familie in Gröden geboren. Es ist anzunehmen, dass sein Wunsch nach einer künstlerischen Karriere im familiären Bereich nicht unumstritten war, wenngleich das Grödnertal für seine Holzschnitzerei-Betriebe bekannt war und ist. Perathoner schaffte es, beim damals als bester Bildhauer der Region geltenden Franz Tavella eine Ausbildung machen zu dürfen.

Sein Talent stellte Perathoner mit einer Madonnen-Schnitzerei unter Beweis, für die er 1893 in Innsbruck mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet wurde. 1897, mit 25 Jahren, verließ er seine Heimat und ging an die Akademie der Bildenden Künste München. Das dortige Professorenkollegium verlieh ihm 1903 für seine künstlerischen Leistungen die höchste akademische Auszeichnung, die große silberne Medaille.

Detail des Leinweberdenkmals in Bielefeld

Als mittlerweile anerkannter Künstler zog Perathoner aus dem katholischen München ins protestantische Bielefeld, wo er als Leiter der Bildhauerklasse und Lehrer für Aktmalerei an der dort neu gegründeten Handwerker- und Kunstgewerbeschule unterrichtete. In Bielefeld schuf er 1909 den Leineweberbrunnen, heute ein Wahrzeichen der Stadt. Für die Skulptur stand Leineweber Heinrich Heienbrok aus Jöllenbeck Modell, der dafür drei Monate lang täglich von Jöllenbeck nach Bielefeld zog. Weitere Werke Perathoners in Bielefeld sind die Fassade am damaligen Bezirkskommando des Offizierskorps (Turnerstraße 49), das Relief an der Friedhofskapelle auf dem Sennefriedhof und die Grabstätte des Bielefelder Nähmaschinenfabrikanten Hugo Hengstenberg auf dem Johannisfriedhof.

Seine mit expressionistischen Anklängen gestalteten Werke, besonders wenn es um religiöse Motive ging, stießen in Bielefeld bei vielen Bürgern auf Ablehnung. Vermutlich auch deshalb folgte er 1914 dem Direktor der Kunstgewerbeschule, Wilhelm Thiele, an die Kunstgewerbeschule Charlottenburg, wo nach dem Ersten Weltkrieg Philipp Harth, später bekannt durch seine Tierplastiken, und Emil Steffan zu Perathoners Schülern gehörten. Weitere Schüler Perathoners waren Genni Mucchi, Berthold Müller-Oerlinghausen, Willy Schirmer und Elsa Eisgruber.

Dort in Berlin integrierte sich Perathoner in die katholische Gemeinde und freundete sich mit dem im Arbeitermilieu engagierten Priester Carl Sonnenschein an. An der Gewerbeschule lernte er die Lehrerin Johanna Schneider kennen, die er am 13. März 1920 heiratete. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.

Für den Kriegsgedächtnisraum des Charlottenburger Rathauses schuf Perathoner 1921/22 Allegorien der acht Tugenden in getöntem Gips, die heute verloren sind. Außerdem malte er verstärkt besonders Porträts. Doch auch in Berlin hatte Perathoner mit dem Kunstverständnis vor allem der Berliner Kirchgänger zu kämpfen.

Seine 1930 aus einem Eichenstamm geschlagene und vier Meter hohe Christusfigur, die Jesus expressiv verzeichnet und wie einen sich vor Qualen windenden Gnom darstellt, wurde am 3. August 1930 in der St. Martinskirche in Kaulsdorf aufgestellt. Doch nach heftigen Protesten - man sprach von Gotteslästerung - wurde sie am 1. September 1931 auf Geheiß von Bischof Christian Schreiber wieder abgenommen. Perathoner konnte diese Enttäuschung und Demütigung bis an sein Lebensende nur schwer verkraften. Seine Christus-Figur hing dann von 1964 bis 1986 in einer evangelischen Kirche in Pankow und ist seit Ostern 2000 in der Kirche von der Verklärung des Herrn in Marzahn zu sehen. Auch an dem neuen Standort löst die Figur Diskussionen bei den Kirchgängern und Künstlern aus.[1]

Von Hans Perathoner wurden auf der Ausstellung 300 Jahre Grödner Holzschnitzkunst im Sommer 1951 in Gröden drei Plastiken und einige Fotos größerer Arbeiten gezeigt.

Hans Perathoner verstarb 1946 im Alter von 73 Jahren und wurde auf dem Berliner St.-Hedwigs-Friedhof bestattet, in der Nähe des Grabes seines Freundes Carl Sonnenschein, für dessen Grabstätte er 1935 ein Holzkreuz mit expressionistischem Bronze-Kruzifix geschaffen hatte.

Bibliographie

  • Hugo Dassner: Salome, ihre Gestalt in Geschichte und Kunst. Dichtung - Bildende Kunst - Musik. Hugo Schmidt Verlag München 1912, S. 365, 370, 393, 395.
  • Oscar Gehrig: Hans Perathoner zu seinem 50. Geburtstag am 21. November 1922. In: Die Christliche Kunst 19. Jg., 1922/23, S. 29-35, 7 Abb., Verlag F. Bruckmann AG München.
  • Rudolf Moroder Rudolfine: Hans Perathoner, ein Bildhauer auf der Suche nach der Wahrheit. In: Der Schlern 70. Jg., 1996, Heft 7, S. 387.
  • Rudolf Moroder Rudolfine: Prof. Hans Perathoner (1872-1946). In: Calender de Gherdeina 1997. Union di Ladins de Gherdeina. St. Ulrich in Gröden, S. 98-113 (ladinisch).
  • Erich Egg: Perathoner Johann. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 7. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1978, ISBN 3-7001-0187-2, S. 411 f. (Direktlinks auf S. 411, S. 412).

Einzelnachweise

  1. Eine Diskussionsveranstaltung Zwischen Ärgernis und Torheit - das Perathoner Kreuz, veranstaltet am 24. März 2001 in der Kirche Von der Verklärung des Herrn unter der Leitung der Künstlerin Dr. Christine Goetz (Berlin); abgerufen am 27. September 2009

Weblinks

 Commons: Hans Perathoner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien