Hermann Hesse

Dieser Artikel behandelt den Nobelpreisträger Hermann Hesse, für weitere Personen dieses Namens siehe Hermann Hesse (Begriffsklärung).
Hermann Hesse in Rüschlikon im Jahr 1929[1]
Hermann Hesse 1905
Unterschrift Hermann Hesse

Hermann Karl Hesse (Pseudonym Emil Sinclair[2]; * 2. Juli 1877 in Calw, Württemberg; † 9. August 1962 in Montagnola, Kanton Tessin, Schweiz) war ein deutschsprachiger Schriftsteller und Maler. Weltweite Bekanntheit erlangte er mit Prosawerken wie Siddhartha oder Der Steppenwolf und mit seinen Gedichten (Stufen). 1946 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur und 1954 der Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste verliehen.

Als Sohn eines deutsch-baltischen Missionars war Hesse durch Geburt russischer Staatsangehöriger. Von 1883 bis 1890 und erneut ab 1923 war er Schweizer Staatsbürger, dazwischen besaß er das Württembergische Staatsbürgerrecht.[3][4][5][6]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend (1877–1895)

Hesses Geburtshaus am zentralen Marktplatz von Calw, Aufnahme von 2008.
Das Geburtszimmer liegt hinter den ersten zwei links liegenden Fenstern im 2. Obergeschoss
(obere Fünf-Fenster-Reihe)[7]

Elternhaus

Hermann Hesse stammte aus einer christlichen Missionarsfamilie und wuchs in einer behüteten und intellektuellen Familienatmosphäre auf. Beide Eltern waren im Auftrag der Basler Mission in Indien tätig, wo Hesses Mutter Marie Gundert (1842–1902) auch geboren wurde. Sein Vater Johannes Hesse (1847–1916), Enkel eines von Lübeck nach Estland ausgewanderten Kaufmanns, stammte aus Weißenstein im damaligen russischen Zarenreich; damit war auch Hermann von Geburt an russischer Staatsangehöriger.[6] In Calw war Johannes Hesse seit 1873 Mitarbeiter des „Calwer Verlagsvereins“. Dessen Vorstand war sein Großvater Hermann Gundert (1814–1892), dem er in den Jahren 1893 bis 1905 als Vorstand und Verlagsleiter nachfolgte.

Hermann Hesse hatte fünf Geschwister, von denen zwei sehr früh verstarben. Hesse war ein sehr fantasievolles Kind und hatte ein ausdrucksstarkes Temperament. Schon früh machte sich sein Talent bemerkbar: Ihm mangelte es nicht an Gedicht-Ideen, und er zeichnete wunderbare Bilder. So schrieb seine Mutter am 2. August 1881 in einem Brief an seinen Vater Johannes Hesse:

„[…] der Bursche hat ein Leben, eine Riesenstärke, einen mächtigen Willen und wirklich auch eine Art ganz erstaunlichen Verstand für seine vier Jahre. Wo will’s hinaus? Es zehrt mir ordentlich am Leben dieses innere Kämpfen gegen seinen hohen Tyrannengeist, sein leidenschaftliches Stürmen und Drängen […] Gott muß diesen stolzen Sinn in Arbeit nehmen, dann wird etwas Edles und Prächtiges draus, aber ich schaudere bei dem Gedanken, was bei falscher oder schwacher Erziehung aus diesem jungen passionierten Menschen werden könnte.[8]

Die Welt, in der Hermann Hesse seine ersten Lebensjahre verbrachte, war einerseits vom Geist des schwäbischen Pietismus geprägt. Andererseits wurde seine Kindheit und Jugend durch das Baltentum seines Vaters geprägt, was Hermann Hesse als „eine wichtige und wirksame Tatsache“ bezeichnete. So war der Vater sowohl in Schwaben wie in der Schweiz ein unangepasster Fremder, der nirgendwo Wurzeln schlug und „immer wie ein sehr höflicher, sehr fremder und einsamer, wenig verstandener Gast“ wirkte.[9] Hinzu kam, dass die Familie auch mütterlicherseits der weitgehend internationalen Gemeinschaft der Missionsleute angehörte und dass seine aus dieser Linie stammende Großmutter Julie Gundert, geb. Dubois (1809–1885), als französischsprachige Schweizerin ebenfalls zeitlebens eine Fremde in der schwäbisch-kleinbürgerlichen Welt blieb.

Hesses Geburtsstadt Calw mit der Nikolausbrücke und Nikolauskapelle über der Nagold (Aufnahme 2003)

Erlebnisse und Begebenheiten aus seiner Kindheit und Jugend in Calw, die Atmosphäre und Abenteuer am Fluss, die Brücke, die Kapelle, die eng aneinander liegenden Häuser, versteckte Winkel und Ecken sowie die Bewohner mit all ihren liebenswerten Eigenarten oder Schrulligkeiten hat Hesse in seinen frühen Gerbersau-Erzählungen[10] beschrieben und zum Leben erweckt. In Hesses Jugendzeit wurde diese Atmosphäre u. a. noch stark von der alteingesessenen Zunft der Gerber geprägt.[11] Auf der Nikolausbrücke, seinem Lieblingsort in Calw, hat Hesse sich oft und gern aufgehalten. Daher ist auch dort die unten abgebildete, von Tassotti geschaffene, lebensgroße Hesse-Skulptur im Jahr 2002 aufgestellt worden.[12]

Ein mehr von innen her wirkendes Gegengewicht zum Pietismus war die immer wieder in den Erzählungen des Vaters Johannes Hesse aufleuchtende Welt Estlands. „Eine überaus heitere, bei aller Christlichkeit sehr lebensfrohe Welt […] nichts wünschten wir sehnlicher, als auch einmal dieses Estland […] zu sehen, wo das Leben so paradiesisch, so bunt und lustig war.“

Zudem stand Hermann Hesse die umfassende Bibliothek seines gelehrten Großvaters Hermann Gundert mit Werken der Weltliteratur zur Verfügung, die er sich intensiv erschloss. All diese Komponenten eines Weltbürgertums „waren die Grundlagen für eine Isolierung und für ein Gefeitsein gegen jeden Nationalismus, die in meinem Leben bestimmend gewesen sind.“[9]

Schulische Ausbildung (1885–1894)

Teil des Klosterhofes Maulbronn

1881 zog die Familie für fünf Jahre nach Basel, wo Hesse Schüler in der Internatsschule der Mission war. Der Vater Johannes erwarb 1882 das Basler Bürgerrecht, wodurch die gesamte Familie zu Schweizer Staatsbürgern wurde.[6] Im Juli 1886 zog die Familie jedoch wieder nach Calw zurück, wo Hesse zunächst in die zweite Klasse der Calwer Lateinschule eintrat. Er wechselte 1890 auf die Lateinschule in Göppingen zur Vorbereitung auf das württembergische Landexamen, das Württembergern eine kostenlose Ausbildung zum Landesbeamten oder Pfarrer erlaubte.[3] Deshalb erwarb der Vater im November 1890 für ihn als einziges Mitglied der Familie die württembergische Staatsangehörigkeit, wodurch er das Schweizer Bürgerrecht verlor. Nachdem er 1891 in Stuttgart das Landexamen bestanden hatte, besuchte er das evangelisch-theologische Seminar in Maulbronn.[3] In Maulbronn zeigte sich im März 1892 der „rebellische“ Charakter des Schülers: Er entwich aus dem Seminar und wurde erst einen Tag später auf freiem Feld aufgegriffen.

Nun begann, begleitet von heftigen Konflikten mit den Eltern, eine Odyssee durch verschiedene Anstalten und Schulen. Im Alter von nun 15 Jahren befand sich Hermann Hesse in einer depressiven Phase und äußerte in einem Brief vom 20. März 1892 Suizidgedanken („Ich möchte hingehen wie das Abendrot“). Im Mai 1892 versuchte der Jugendliche einen Selbstmord mit einem Revolver in der von dem Theologen und Seelsorger Christoph Friedrich Blumhardt geleiteten Anstalt Bad Boll. Im Anschluss daran wurde Hesse von seinen Eltern in die Nervenheilanstalt im damaligen Stetten im Remstal (heute Kernen im Remstal) bei Stuttgart gebracht, wo er im Garten arbeiten und beim Unterrichten geistig behinderter Kinder helfen musste.

Hier kulminierten pubertärer Trotz, Einsamkeit und das Gefühl, von seiner Familie unverstanden verstoßen zu sein. In dem berühmten, anklagenden Brief vom 14. September 1892 an seinen Vater titulierte er diesen nunmehr deutlich Abstand einnehmend mit Sehr geehrter Herr!.[13] Dies im Gegensatz zu früheren, zum Teil offenen, sehr mitteilsamen Briefen. Zudem versah er den Brieftext mit aggressiv-ironisierenden und sarkastischen Formulierungen. So wies er (zusätzlich zur eigenen Person) auch seinem Vater bereits im Vorfeld die Schuld an möglichen zukünftigen Verbrechen zu, welche er, Hermann, in Folge seines Aufenthaltes in Stetten als Welthasser begehen könnte. Schließlich unterzeichnete er als „H. Hesse, Gefangener im Zuchthaus zu Stetten“. Im Nachsatz fügte er hinzu: „Ich beginne mir Gedanken zu machen, ‚wer‘ in dieser Affäre schwachsinnig ist.“[14] Er fühlte sich von Gott, den Eltern und der Welt verlassen und sah hinter den starren pietistisch-religiösen Traditionen der Familie nur noch Scheinheiligkeit.

Ab Ende 1892 konnte er das Gymnasium in Cannstatt besuchen. 1893 bestand er dort zwar das Einjährigen-Examen, brach aber die Schule ab.

Lehre (1894–1895)

Nachdem er seiner ersten Buchhändlerlehre in Esslingen am Neckar nach drei Tagen entlaufen war, begann Hesse im Frühsommer 1894 eine 14 Monate dauernde Mechanikerlehre in der Turmuhrenfabrik Perrot in Calw. Die monotone Arbeit des Lötens und Feilens bestärkte in Hermann Hesse alsbald den Wunsch, sich wieder der Literatur und geistiger Auseinandersetzung zuzuwenden. Im Oktober 1895 war er bereit, eine neue Buchhändlerlehre in Tübingen zu beginnen und ernsthaft zu betreiben. Diese Erfahrungen seiner Jugend hat er später in seinem Roman Unterm Rad verarbeitet.

Der Weg zum Schriftsteller (1895–1904)

Bereits als Zehnjähriger hatte sich Hesse mit einem Märchen versucht: Die beiden Brüder. Es wurde 1951 publiziert.

Tübingen (1895–1899)

Buchhandlung Heckenhauer in Tübingen – Hesses Arbeitsplatz 1895–1899. Hesse war dort drei Jahre Lehrling, anschließend noch ein Jahr Sortimentsgehilfe.

Hesse arbeitete ab dem 17. Oktober 1895 in der Buchhandlung und dem Antiquariat Heckenhauer in Tübingen. Der Schwerpunkt des Sortiments bestand aus Theologie, Philologie und Rechtswissenschaften. Hesses Aufgaben als Lehrling umfassten das Überprüfen (Kollationieren), Verpacken, Sortieren und Archivieren der Bücher. Nach Ende der jeweils 12-stündigen Arbeitstage bildete Hesse sich noch privat weiter, Bücher kompensierten auch mangelnde soziale Kontakte an den langen, arbeitsfreien Sonntagen. Neben theologischen Schriften las Hesse insbesondere Goethe, später Lessing, Schiller und Texte zur griechischen Mythologie. 1896 wurde sein Gedicht Madonna in einer in Wien erschienenen Zeitschrift gedruckt, in späteren Ausgaben des Deutschen Dichterheims (Organ für Dichtkunst und Kritik) folgten weitere. Der Buchhändlerlehrling Hesse befreundete sich 1897 mit dem damaligen Jurastudenten und späteren Arzt und Schriftsteller Ludwig Finckh aus Reutlingen, der nach seinem Doktorexamen 1905 Hesse nach Gaienhofen folgen sollte. Nach Abschluss seiner Lehrzeit im Oktober 1898 blieb Hesse zunächst als Sortimentsgehilfe in der Buchhandlung Heckenhauer mit einem Einkommen, das ihm finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern sicherte. Zu dieser Zeit las er insbesondere Werke der deutschen Romantik, allen voran Novalis, Clemens Brentano, Joseph Freiherr von Eichendorff und Ludwig Tieck. In Briefen an die Eltern bekundete er seine Überzeugung, dass „die Moral für Künstler durch die Ästhetik ersetzt wird“. Noch als Buchhändler veröffentlichte Hesse im Herbst 1898 seinen ersten kleinen Gedichtband Romantische Lieder und im Sommer 1899 die Prosasammlung Eine Stunde hinter Mitternacht. Beide Werke wurden ein geschäftlicher Misserfolg. Von den Romantischen Liedern wurden innerhalb von zwei Jahren nur 54 Exemplare der Gesamtauflage von 600 Büchern verkauft, auch Eine Stunde hinter Mitternacht wurde nur in einer Auflage von 600 Exemplaren gedruckt und verkaufte sich nur schleppend. Der Leipziger Verleger Eugen Diederichs war jedoch von der literarischen Qualität der Werke überzeugt und sah die Veröffentlichung schon von Anbeginn mehr als Förderung des jungen Autors denn als lohnendes Geschäft.[15]

Basel (1899–1904)

Ab Herbst 1899 arbeitete Hesse in der Reich’schen Buchhandlung, einem angesehenen Antiquariat in Basel. Da seine Eltern engen Kontakt zu Basler Gelehrtenfamilien pflegten, öffnete sich ihm hier ein geistig-künstlerischer Kosmos mit den reichsten Anregungen. Gleichzeitig bot Basel dem Einzelgänger Hesse auch viel Rückzugsmöglichkeiten in sehr privates Erleben bei größeren Fahrten und Wanderungen, die der künstlerischen Selbsterforschung dienten und auf denen er die Fähigkeit, sinnliches Erleben schriftlich niederzulegen, stets erneut erprobte. Im Jahr 1900 wurde Hesse wegen seiner Sehschwäche vom Militärdienst befreit. Das Augenleiden hielt zeitlebens an, ebenso wie Nerven- und Kopfschmerzen. Im selben Jahr erschien sein Buch Hermann Lauscher – zunächst unter Pseudonym.

Nachdem Hesse Ende Januar 1901 seine Stellung in der Buchhandlung R. Reich gekündigt hatte, konnte er sich einen großen Traum erfüllen und erstmals nach Italien reisen, wo er sich vom März bis Mai in den Städten Mailand, Genua, Florenz, Bologna, Ravenna, Padua und Venedig aufhielt. Im August desselben Jahres wechselte er zu einem neuen Arbeitgeber, dem Antiquar Wattenwyl in Basel. Zugleich boten sich ihm immer mehr Gelegenheiten, Gedichte und kleine literarische Texte in Zeitschriften zu veröffentlichen. Nun trugen auch Honorare aus diesen Veröffentlichungen zu seinem Einkommen bei. Richard von Schaukal machte 1902 Hesse als Autor des Lauscher publik. 1903 lernte Hesse die neun Jahre ältere Basler Fotografin Maria Bernoulli „Mia“ kennen. Gemeinsam reisten sie nach Italien (zweite Italienreise) und heirateten im darauf folgenden Jahr. Alsbald wurde der Verleger Samuel Fischer auf Hesse aufmerksam, und der Roman Peter Camenzind, der erstmals 1903 als Vorabdruck und 1904 regulär bei Fischer erschien, bedeutete den Durchbruch. Von nun an konnte Hesse als freier Schriftsteller leben.

Zwischen Bodensee, Indien und Bern (1904–1914)

Hermann-Hesse-Statue des Bildhauers Friedhelm Zilly in Gaienhofen
Hesses Schreibtisch im damals gemieteten Bauernhaus in Gaienhofen, heute Teil des Hermann-Hesse-Höri-Museums
Hesse Landhaus in Gaienhofen
Hermann Hesses Schreibmaschine

Im August 1904 heiratete Hesse die selbstständige Basler Fotografin Maria Bernoulli, die aus der weitverzweigten Familie der Bernoulli stammte. Aus dieser Ehe gingen die drei Söhne Bruno (1905–1999, Kunstmaler, Grafiker), Hans Heinrich (genannt Heiner, 1909–2003, Dekorateur) und Martin (1911–1968, Fotograf) hervor. Ganz im Sinne der Lebensreform zogen er und Mia in das damals sehr abgelegene badische Dörfchen Gaienhofen am Bodensee und mieteten ein einfaches Bauernhaus ohne fließendes Wasser und Strom, in dem sie drei Jahre lebten. 1907 ließen sie sich im Ort ein modernes Landhaus im Reformstil bauen. Dort legten sie einen großen Garten zur Selbstversorgung an. Hesse war häufig auf Reisen, Mia mit den Kindern in dem großen Haus und Garten oft allein. Die Beziehung der beiden verschlechterte sich, und sie verkauften ihr Haus 1912, um nach Bern zu ziehen. Psychische Krisen bei beiden führten zu einem endgültigen Auseinanderleben und zur Scheidung 1923. Die Kinder blieben bei der Mutter.

Noch in Calw schrieb Hesse seinen zweiten Roman Unterm Rad, 1906 erschienen, in dem er seine Erfahrung aus Schule und Ausbildung einfließen ließ und literarisch verarbeitete. 1907 schloss Hesse sich dem wandernden Dichter und Naturpropheten Gusto Gräser an, zog in dessen Grotte „in den Felsen“ bei Ascona, die ihm zu seinem „heiligen Land“ wurden (vgl. Monte Verità). Hier wurzeln seine Legenden aus der Thebais. Das Jüngerschaftserlebnis bei einem Einsiedler in der Wildnis blieb ein wiederkehrendes Motiv seiner Dichtung bis hin zu den Lebensläufen des Glasperlenspiels.

Nach seiner Rückkehr ins bürgerliche Leben verfasste er vor allem Erzählungen und Gedichte. Sein nächster Roman Gertrud von 1910 zeigte Hesse allerdings in einer Schaffenskrise – er hatte schwer mit diesem Werk zu kämpfen, in späteren Jahren hat er es als misslungen betrachtet. Auch in seiner Ehe vermehrten sich nun die Dissonanzen, und um Abstand zu gewinnen, brach Hesse mit Hans Sturzenegger 1911 zu einer großen Reise nach Ceylon und Indonesien auf. Die erhoffte spirituell-religiöse Inspiration fand er dort nicht, dennoch beeinflusste die Reise sein weiteres literarisches Werk stark und schlug sich 1913 zunächst in der Veröffentlichung Aus Indien nieder. Nach Hesses Rückkehr aus Asien zog die Familie 1912 nach Bern um, doch auch dieser Ortswechsel konnte die Eheprobleme nicht lösen, wie Hesse 1914 in seinem Roman Roßhalde schilderte.

Umbruch durch den Ersten Weltkrieg (1914–1919)

Kriegsgefangenenfürsorge (ab 1914)

Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 meldete Hesse sich als Freiwilliger bei der deutschen Botschaft. Er wurde jedoch für untauglich befunden und der deutschen Botschaft für den Dienst bei der deutschen Kriegsgefangenenfürsorge in Bern zugewiesen. In diesem Rahmen war Hesse fortan damit beschäftigt, für deutsche Kriegsgefangene Bücher zu sammeln und zu verschicken. In dieser Zeit war er Mitherausgeber der Deutschen Interniertenzeitung (1916/17), Herausgeber des Sonntagsboten für die deutschen Kriegsgefangenen (1916–1919) und zuständig für die „Bücherei für deutsche Kriegsgefangene“.

Eigene Veröffentlichungen und politische Auseinandersetzungen (1914–1919)

Am 3. November 1914 veröffentlichte er in der Neuen Zürcher Zeitung den Aufsatz O Freunde, nicht diese Töne, in dem er an die deutschen Intellektuellen appellierte, nicht in nationalistische Polemik zu verfallen. Was darauf folgte, bezeichnete Hesse später als eine große Wende in seinem Leben: Erstmals fand er sich inmitten einer heftigen politischen Auseinandersetzung wieder, die deutsche Presse attackierte ihn, Hassbriefe gingen bei ihm ein, und alte Freunde sagten sich von ihm los. Zustimmung erhielt er weiterhin von seinem Freund Theodor Heuss, dem späteren ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, aber auch von dem französischen Schriftsteller Romain Rolland, der Hesse im August 1915 besuchte.

Familiäre Schicksalsschläge (1916)

Diese Konflikte mit der deutschen Öffentlichkeit waren noch nicht abgeklungen, als Hesse durch eine Folge von Schicksalsschlägen in eine noch tiefere Lebenskrise gestürzt wurde: Tod seines Vaters am 8. März 1916, die schwere Erkrankung (Gehirnhautentzündung) seines zu jener Zeit dreijährigen Sohnes Martin und die zerbrechende Ehe mit Maria Bernoulli. Hesse musste seinen Dienst bei der Gefangenenfürsorge unterbrechen und sich in psychotherapeutische Behandlung begeben.[16]

Kriegsgegner und Aussteiger (1916–1919)

Durch die Erfahrung des Weltkriegs wurde Hesse zum entschiedenen Kriegsgegner und Befürworter der Verweigerung. Im September/Oktober 1917 verfasste Hesse in einem dreiwöchigen Arbeitsrausch seinen Roman „Demian“. Das Buch wurde nach Kriegsende 1919 unter dem Pseudonym Emil Sinclair veröffentlicht, angeblich, „um die Jugend nicht durch den bekannten Namen eines alten Onkels abzuschrecken“. Als Zeitzeuge äußerte sich Thomas Mann: „Unvergesslich ist die elektrisierende Wirkung“ des Demian, „eine Dichtung die mit unheimlicher Genauigkeit den Nerv der Zeit traf und eine Jugend, die wähnte, aus ihrer Mitte sei ihr ein Künder ihres tiefsten Lebens entstanden (während es schon ein Zweiundvierziger war, der ihnen gab, was sie brauchte), zu dankbarem Entzücken hinriß.“

Neue Heimat im Tessin (1919–1962)

Montagnola und Lugano vom Monte Brè aus in südwestlicher Richtung gesehen. Das Dorf Montagnola, das Hesse über vierzig Jahre seines Lebens zur Heimstatt werden sollte und in dessen Atmosphäre viele seiner Romane und Erzählungen entstanden sind, liegt links von der Bildmitte zwischen dem links steil aus dem Luganersee emporragenden Monte San Salvatore und dem in der Bildmitte erkennbaren kleineren See Lago di Muzzano auf dem sich dazwischen erstreckenden, flacheren, grün bewaldeten Höhenzug, der Collina d’Oro (Goldhügel), oberhalb Luganos. Hesse hatte von beiden Domizilen, welche er in Montagnola bewohnte (Casa Camuzzi und Casa Rossa), einen weit ausgreifenden Blick über die Stadt Lugano und den See bis herüber zum Monte Brè, von dem aus diese Panoramaaufnahme entstanden ist.
Casa Camuzzi in Montagnola von Südosten mit Blick auf Hesses Wohnung und den Balkon des ’Malers Klingsor’ aus Hesses Erzählung Klingsors letzter Sommer
Buddha Shakyamuni
Kopf einer Buddhastatue am Niederrhein.
Hesse gab der Hauptfigur seiner „indischen Dichtung“ denselben Vornamen des historischen Buddhas Siddhartha Gautama.
„Ein Buch, dessen Tiefe in der kunstvoll einfachen und klaren Sprache verborgen liegt, einer Klarheit, die vermutlich die geistige Erstarrung jener literarischen Philister aus dem Konzept bringt, die immer so genau wissen, was gute und was schlechte Literatur ist. Einen Buddha zu schaffen, der den allgemein anerkannten Buddha übertrifft, das ist eine unerhörte Tat, gerade für einen Deutschen. Siddhartha ist für mich eine wirksamere Medizin als das Neue Testament.“ Henry Miller
über Hesses Siddhartha[17]
Casa Camuzzi, Bleistiftzeichnung von Gunter Böhmer. Gartenseite. Rechts der Mitte ist der zentrale Bauteil mit dem Türmchen und der Wetterfahne zu erkennen. Wiederum rechts davon erstreckt sich der Trakt, in dem Hesse seine vier Zimmer bewohnte. Das vorderste öffnete sich zum Garten hin mit dem Balkon, der hier durch einen blühenden Baum verdeckt wird.
Hermann Hesse (1925) in der Zeit seiner Ehe mit Ruth Wenger, der Kamala-Inspiration seines Siddhartha
„Hesse, Purrmann, Böhmer“, Tuschzeichnung von Gunter Böhmer, 1956.
Zwei Jahre, nachdem Hesse aus der Casa Camuzzi hinüber in die Casa Rossa gezogen war, besuchte im April 1933 der junge Gunter Böhmer (Mitte vorn) Hermann Hesse (li.) und richtete sich für den Rest seines Lebens in der Casa Camuzzi ein. Zehn Jahre später, 1943, siedelte der Maler Hans Purrmann (re.), Schüler von Henri Matisse, nach Montagnola über und zog einige Zeit später ebenfalls in die Casa Camuzzi. Mit beiden Malern und Zeichnern verband Hesse eine ihn beglückende Künstlerfreundschaft. Böhmer unterstützte Hesse bei dessen autodidaktischen Bemühungen, sich künstlerische Techniken als auch die Gesetze unterschiedlicher Perspektivdarstellungen anzueignen.

Casa Camuzzi (1919–1931)

Als Hesse 1919 sein ziviles Leben wieder aufnehmen konnte, war seine Ehe zerrüttet. Bei seiner Frau Mia (Maria) war zwischenzeitlich eine schwere Psychose ausgebrochen, aber auch nach ihrer Heilung sah Hesse keine gemeinsame Zukunft mit ihr. Die Wohnung in Bern wurde aufgelöst, und die drei Jungen wurden zwischenzeitlich bei Freunden untergebracht, der älteste Sohn Bruno bei seinem Malerfreund Cuno Amiet. Die Erfahrung und bedrückende Last, seine Familie verlassen zu haben, verarbeitete Hesse in seiner 1919 erschienenen Erzählung Klein und Wagner über den Beamten Klein, der aus Furcht, wahnsinnig zu werden und ebenso wie der Lehrer Wagner seine Familie umzubringen, aus seinem bürgerlichen Leben ausbricht und nach Italien flieht.

Hesse siedelte Mitte April 1919 allein ins Tessin um. Er bewohnte zunächst ein kleines Bauernhaus am Ortseingang von Minusio bei Locarno und zog dann am 25. April nach Sorengo oberhalb des Muzzaner Sees in eine einfache Unterkunft weiter, die ihm von seinem Musikerfreund Volkmar Andreä vermittelt worden war. Doch anschließend mietete er am 11. Mai 1919 in Montagnola, einem höher gelegenen Dorf südwestlich und nur unweit von Lugano, vier kleine Räume in einem schlossartigen Gebäude, der „Casa Camuzzi“, die sich im 18. Jahrhundert einer der Tessiner Baumeister in Gestalt eines neobarocken Palazzos errichtet hatte. Von dieser Hanglage aus („Klingsors Balkon“) und oberhalb des dichtbewachsenen Waldgrundstückes überblickte Hesse nach Osten den Luganersee mit den gegenüberliegenden Hängen und Bergen auf italienischer Seite. Die neue Lebenssituation und die Lage des Gebäudes inspirierten Hesse nicht nur zu neuer schriftstellerischer Tätigkeit, sondern als Ausgleich und Ergänzung auch zu weiteren Zeichenskizzen und Aquarellen, was sich in seiner nächsten großen Erzählung Klingsors letzter Sommer von 1920 deutlich niederschlug. Im Dezember 1920 lernte Hesse, ebenfalls im Tessin, Hugo Ball und dessen Gattin Emmy Hennings kennen.[18]

1922 erschien Hesses Indien-Roman Siddhartha. Hierin kam seine Liebe zur indischen Kultur und zu asiatischen Weisheitslehren zum Ausdruck, die er schon in seinem Elternhaus kennengelernt hatte. Seine damalige Geliebte Ruth Wenger (1897–1994, seine spätere zweite Frau) inspirierte ihn zu der Romanfigur der Kamala, die in dieser indischen Dichtung den Siddhartha die Liebe lehrt.

Hesse erhielt 1923 – zum zweiten Mal, nachdem er sie 1890 im Hinblick auf das bevorstehende Landexamen in Göppingen abgeben musste – die Schweizer Staatsbürgerschaft und gab die deutsche ab. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau Maria heiratete Hesse 1924 schließlich Ruth Wenger, die Tochter der Schweizer Schriftstellerin Lisa Wenger und Tante von Meret Oppenheim (nach der Ehe mit Hesse wurde sie Mutter des Schauspielers Ezard Haußmann). Diese zweite Ehe Hesses war jedoch trotz erotischer Anziehung und ähnlicher kultureller Interessen von Anfang an aufgrund vollständig unterschiedlicher Lebensbedürfnisse und Zielrichtungen zum Scheitern verurteilt und wurde auf Wunsch seiner Frau bereits drei Jahre später, 1927, geschieden.

Seine nächsten größeren Werke, Kurgast von 1925 und Die Nürnberger Reise von 1927, sind autobiografische Erzählungen mit ironischem Unterton. In ihnen kündigt sich bereits der erfolgreichste Roman Hesses an, Der Steppenwolf von 1927, der sich für ihn als „ein angstvoller Warnruf“ vor dem kommenden Weltkrieg darstellte und in der damaligen deutschen Öffentlichkeit entsprechend geschulmeistert oder belächelt wurde. Zu seinem 50. Geburtstag, den er in demselben Jahr feierte, wurde auch die erste Hesse-Biografie von seinem Freund Hugo Ball veröffentlicht.

Schon kurz nach dem neuen Erfolgsroman erlebte Hesse eine Wende durch die Beziehung zu Ninon Dolbin geb. Ausländer (1895–1966), seiner späteren – dritten – Ehefrau, die aus Czernowitz in der Bukowina stammte, Kunsthistorikerin war und bereits als 14-jährige Schülerin konstante briefliche Verbindung mit ihm aufgenommen hatte. Mit Dolbin verbrachte er 1928 und 1929 ausgedehnte Winterferien in Arosa, wo er auch Hans Roelli kennenlernte. 1930 erschien die Erzählung Narziß und Goldmund. Hermann Hesse hat zudem jeder seiner drei Ehefrauen ein Märchen gewidmet: seiner ersten Frau Mia das Märchen Iris (1916), Piktors Verwandlungen (1922) Ruth Wenger, und kurz nach der Heirat mit Ninon Dolbin entstand im März 1933 sein letztes und sehr autobiografisches Märchen Vogel, gleichlautend mit dem Namen, mit dem er private Zettel und Briefe an Ninon unterschrieb und mit dem sie ihn oft anredete.

Thomas Mann 1937.
Foto von Carl van Vechten.
Die Casa Rossa war eine der Anlaufstellen für Thomas Mann und etliche andere Emigranten aus Deutschland auf ihrem Weg ins Exil. In der Ablehnung des Nationalsozialismus waren Mann und Hesse geeint und fühlten sich trotz sehr unterschiedlicher Ausprägung ihrer Persönlichkeiten in bestimmten Grundlinien ihrer freundschaftlichen Beziehung bis zum Schluss verbunden.
Zwischen Hesse und Bertolt Brecht, der Hesse in der Schweiz 1933 bei Beginn der Emigration besuchte und mit ihm über die Bücherverbrennungen jenes Jahres in Deutschland sprach, bestand diese Art der Verbindung nicht.

Casa Hesse = Casa Rossa (1931–1962)

Im Jahre 1931 verließ Hesse die Mietwohnung in der Casa Camuzzi und zog mit seiner neuen Lebensgefährtin, mit der er im selben Jahr seine dritte Ehe einging, in ein größeres Haus, die Casa Hesse, wegen des rötlichen Außenanstriches auch Casa Rossa genannt. Das Grundstück und das Gebäude oberhalb und am Südende von Montagnola, zudem in Sichtweite der Casa Camuzzi gelegen und nur zehn Fußminuten von dieser entfernt, wurde ihm von seinem Freund Hans C. Bodmer nach Hesses Wünschen erbaut und während seiner, nach seinem Tod auch während Ninons Lebenszeit auf Dauer zur Verfügung gestellt.

Vom Schulzentrum am zentralen Ortsparkplatz von Montagnola führt der Weg vorbei am hinter der Schule gelegenen Spielplatz zu dem darüber liegenden schmiedeeisernen Gartenportal des Hauses an der Via Hermann Hesse. Die Zuwegung führt in leichtem Anstieg parallel zum Hang ins Grundstück, auf dessen exponiertester Stelle eine Art Doppelhaus zweigeschossig errichtet wurde. Jeder der beiden Teile verfügt über einen separaten Zugang mit eigenem Treppenhaus; im Erd- und Obergeschoss sind beide Teile sowohl über die Flure als auch über aneinanderliegende Räume miteinander verbunden. Aus Gründen des Tagesrhythmus, aber auch aus arbeitsorganisatorischen Gründen und Gründen der unterschiedlichen Nutzung legten Hesse und seine Frau Wert auf eine gewisse Trennung der Räume: den größeren, südwestlichen Teil mit Küche, Essraum, Bibliothek, Gastraum, Schlafraum (N.), Bad (N.) und Nebenräumen nutzte vorwiegend Ninon; der nordöstliche Abschnitt war Hermann Hesses Wirkungsbereich mit Atelier, Arbeitsraum, Schlafraum (H.), Bad (H.) und Nebenbereichen. Die Bibliothek im Erdgeschoss diente beiden als Empfangsraum für die Vielzahl von Gästen, zugleich als Wohn-, Lesungs- und Musikraum mit weitem Ausblick auf den südöstlich gelegenen Monte Generoso und hatte eine direkte Verbindung zum Atelier. Hesses weitverzweigte Korrespondenz führte seine Verleger Samuel Fischer, Gottfried Bermann Fischer, Peter Suhrkamp und Siegfried Unseld hierher. Nicht nur Thomas Mann, sondern die Familie Mann wurde hier mehrfach empfangen. Freundschaften wie die mit Romain Rolland wurden hier vertieft, und Kollegen wie Bertolt Brecht, Max Brod, Martin Buber, Hans Carossa, André Gide, Annette Kolb, Jakob Wassermann und Stefan Zweig fanden ihren Weg nach Montagnola. Darüber hinaus hatte Hermann Hesse zeitweise einen intensiveren Bezug zu Musikern wie Adolf Busch, Edwin Fischer, Eugen d’Albert und besonders freundschaftlich zu dem von ihm verehrten Komponisten Othmar Schoeck, von dem Hesse als einzigem das Gefühl hatte, dass dieser seine Gedichte wirklich adäquat vertonte.

Das nordöstlich an die Bibliothek anschließende Atelier war der Multifunktionsraum des Hauses, in dem Hesse seine umfangreiche Korrespondenz mit Schreibmaschine führte, sodann fungierte es als Lager für Verpackungsmaterial für die Vielzahl an Post- und Büchersendungen, die Hesse selbst versandfertig machte. In diesem Raum ging er aber auch seinem Hobby nach, der Aquarellmalerei, wenn er nicht vor der Natur malte, was meist geschah. Er bewahrte dort Mal- und Kunstutensilien wie auch weitere Buchbestände auf. Seinen Arbeitsbereich im Obergeschoss mit besonderen Büchern hielt Hesse allerdings im Allgemeinen vor Gästen verborgen und wollte dort auch nicht durch Familienangehörige gestört werden. Ähnlich wie in der Casa Camuzzi hatte Hesse auch von hier den nach Nordosten gerichteten, weiten Blick über den Luganersee in das östliche Seetal bis hinein auf italienische Hänge und Gebirgszüge. Viele seiner Aquarelle legen Zeugnis ab von diesem Haus, seinem Garten, der näheren und weiteren Umgebung und den umfassenden Ausblicken in die Tessiner Landschaft.

Die ehemalige Casa Hesse fiel nach Hesses und Ninons Tod an die Bodmer-Familie zurück. Sie wurde veräußert, farblich und auf der rückwärtigen Terrassenseite durch den neuen Eigner auch baulich umgestaltet, befindet sich heute (Stand: 2006) in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Ein Weg in Verlängerung der Via Hermann Hesse unterhalb des Grundstückes gestattet einen Blick auf die Südseite des Wohnhauses und des Hanges, der Hesse zu einer Reihe von Schilderungen über seine gärtnerischen Tätigkeiten anregte.

Der Glasperlenspieler (1931–1946)

Dieser Briefmarkenentwurf von 1978 aus der Serie Nobelpreisträger deutschsprachiger Literatur basiert auf einem Foto Hesses im Alter von ca. 58 Jahren, das sein jüngster Sohn und Berufsfotograf Martin Hesse im Sommer 1935 in Hesses Garten in Montagnola/Tessin zur Zeit der Arbeit am Glasperlenspiel aufnahm.[19]
Grab von Hermann und Ninon Hesse. Der kleine, flach in den Rasen gebettete Grabstein Ninon Hesses (Bildmitte am rechten Rand) wurde anlässlich ihres Todes 1966 hinzugefügt.
Hermann-Hesse-Skulptur
„Zwischen Verweilen und Aufbruch“.
Die von dem Bildhauer Kurt Tassotti, Mühlacker, geschaffene, bei der Kunstgießerei Balzer, Niefern, gegossene lebensgroße Bronzefigur wurde anlässlich des 125. Geburtstags des Dichters auf der Calwer Nikolausbrücke aufgestellt und am 8. Juni 2002 enthüllt. Die Figur stellt den 55-jährigen Hesse bei seinem letzten Calw-Besuch Anfang der 1930er-Jahre dar.
Charakteristisch ist auch die etwas steife, sehr aufrechte und meist leicht nach rückwärts oder seitlich geneigte Haltung des Kopfes, in der eine gewisse Distanziertheit sich ausdrückt.[20]
Im Hermann Hesse Museum, Montagnola/Tessin (Schweiz)
Eingang zum Hermann Hesse Museum, Montagnola/Tessin (Schweiz)

Im Jahr 1931 begann er mit den Entwürfen zu seinem letzten großen Werk, welches den Titel Das Glasperlenspiel tragen sollte. 1932 veröffentlichte er als Vorstufe dazu die Erzählung Die Morgenlandfahrt, in der er den „Kinderkreuzzug“ der von Gräser inspirierten „Neuen Schar“ zum Modell nahm. Wie schon in der Morgenlandfahrt ist auch im Glasperlenspiel das eigentliche Grundthema die Jüngerschaft zu einem Freund und Meister – Leo oder Musikmeister, Regenmacher, Yogin oder Beichtvater genannt –, den Hermann Hesse verlässt und zu dem er reumütig, als „Knecht“, zurückkehren möchte. Hesses politische Haltung in dieser Zeit war stark von einem zivilisationskritischen Kulturpessimismus geprägt:

„Meine Freunde und Feinde wissen und tadeln es längst: Ich habe an vielen Dingen keine Freude und glaube an viele Dinge nicht, die der Stolz der heutigen Menschheit sind; ich glaube nicht an die Technik, ich glaube nicht an die Idee des Fortschritts, ja nicht einmal an die Demokratie, ich glaube weder an die Herrlichkeit und Unübertrefflichkeit unserer Zeit, noch an irgendeinen ihrer hochbezahlten Führer, während ich vor dem, was man so ‚Natur‘ nennt, eine unbegrenzte Hochachtung habe.[21]

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland beobachtete Hesse mit großer Sorge. Bertolt Brecht und Thomas Mann machten 1933 auf ihren Reisen ins Exil jeweils bei Hesse Station. Hesse versuchte auf seine Weise, der Entwicklung in Deutschland entgegenzusteuern: Er hatte schon seit Jahrzehnten in der deutschen Presse Buchrezensionen publiziert – nun sprach er sich darin verstärkt für jüdische und andere von den Nationalsozialisten verfolgte Autoren aus. Ab Mitte der Dreißiger Jahre wagte keine deutsche Zeitung mehr, Artikel von Hesse zu veröffentlichen. Die Suhrkamp Verlag KG Berlin konnte noch 1943 den Knulp nachauflegen. Hesses geistige Zuflucht vor den politischen Auseinandersetzungen und später vor den Schreckensmeldungen des Zweiten Weltkrieges war die Arbeit an seinem Roman „Das Glasperlenspiel“, welcher im Jahr 1943 in der Schweiz gedruckt wurde. Nicht zuletzt für dieses Spätwerk wurde ihm 1946 der Nobelpreis für Literatur verliehen: „Für sein durch Versenkung getragenes Werk, das sich immer kühner und eindringlicher entwickelte und die Ideale des klassischen Humanismus ebenso wie eine hohe Kunst des Stils offenbart.“ (Begründung der Schwedischen Akademie, Stockholm)

Korrespondenz (1946–1962)

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging Hesses literarische Produktivität zurück: Er schrieb noch Erzählungen und Gedichte, aber keinen Roman mehr. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit verlagerte sich zunehmend auf seine immer umfangreicher werdende Korrespondenz. Schon seit den 1920er Jahren pflegte Hesse in seiner Korrespondenz ein immer umfangreicher werdendes Netzwerk aus Freunden, Briefpartnern und Gönnern, die ihn und seine Kriegsgefangenenfürsorge während der schwierigen Kriegsjahre immer wieder durch die Sendung von finanziellen und materiellen Zuwendungen im Tausch gegen handgeschriebene und illustrierte Gedichte, Aquarelle oder Sonderdrucke materiell unterstützen. Dazu kamen außerdem noch die Briefe seiner Bewunderer.[22] Diese tägliche Inanspruchnahme durch einen stetigen Strom von Briefen war der Preis dafür, dass er seinen wiedererwachten Ruhm bei einer neuen Generation deutscher Leser miterleben konnte, die sich von dem „weisen Alten“ in Montagnola finanzielle Unterstützung, Lebenshilfe und Orientierung erhofften. Nach Untersuchungen seiner Söhne Bruno und Heiner Hesse sowie des Hesse-Editionsarchives in Offenbach hat Hesse ca. 35.000 Briefe erhalten. Da er absichtlich ohne Sekretariat arbeitete, beantwortete er einen sehr großen Teil dieser Post persönlich; 17.000 dieser Antwortbriefe sind ermittelt. Als ausgeprägter Individualist empfand er diese Vorgehensweise als moralische Verpflichtung. Zu ähnlichen Anfragen, Themenstellungen, seinem Befinden, Ereignissen und Beobachtungen seines Tagesablaufes, die von allgemeinerem Interesse waren, arbeitete er allerdings längere Betrachtungen aus, die er als Rundbriefe versandte (s. u. Literaturübersicht).

Tod (1962)

Hermann Hesse, der nicht wusste, dass er seit langem an Leukämie litt, verstarb in der Nacht zum 9. August 1962 im Schlaf an einem Gehirnschlag. Seine Frau, die wartete, dass er zum Frühstück käme, alarmierte den Hausarzt. Sie fand Hesse mit dem aufgeschlagenen Buch „Bekenntnisse“ des Kirchenvaters Augustinus auf, welches er in seiner linken Hand hielt. Schließlich wurde er zwei Tage später im Kreis seiner Familie und Freunde auf dem Friedhof Sant’Abbondio in Gentilino bei Montagnola beigesetzt, auf dem auch sein Freund Hugo Ball begraben ist.

In einem seiner bekanntesten Gedichte, Stufen aus dem Jahr 1941, nimmt Hermann Hesse den Augenblick des Endes allen irdischen Wirkens vorweg.

Literarische Bedeutung

Hesses frühe Werke standen noch in der Tradition des 19. Jahrhunderts: Seine Lyrik ist ganz der Romantik verpflichtet, ebenso Sprache und Stil des Peter Camenzind, eines Buches, das vom Autor als Bildungsroman in der Nachfolge des Kellerschen Grünen Heinrich verstanden wurde. Inhaltlich wandte sich Hesse gegen die wachsende Industrialisierung und Verstädterung, womit er eine Tendenz der Lebensreform und der Jugendbewegung aufgriff. Diese neoromantische Haltung in Form und Inhalt wurde von Hesse später aufgegeben. Die antithetische Struktur des Peter Camenzind, die sich an der Gegenüberstellung von Stadt und Land und an dem Gegensatz männlich–weiblich zeigt, ist hingegen auch in den späteren Hauptwerken Hesses (z. B. im Demian und im Steppenwolf) noch zu finden.

Die Bekanntschaft mit der Archetypenlehre des Psychologen Carl Gustav Jung hatte einen entscheidenden Einfluss auf Hesses Werk, der sich zuerst in der Erzählung Demian zeigte. Der ältere Freund oder Meister, der einem jungen Menschen den Weg zu sich selbst öffnet, wurde eines seiner zentralen Themen. Die Tradition des Bildungsromans ist auch im Demian noch zu finden, aber in diesem Werk (wie auch im Steppenwolf) spielt sich die Handlung nicht mehr auf der realen Ebene ab, sondern in einer inneren „Seelen-Landschaft“.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt in Hesses Werk ist die Spiritualität, die sich vor allem (aber nicht nur) in der Erzählung Siddhartha finden lässt. Indische Weisheitslehren, der Taoismus und christliche Mystik bilden seinen Hintergrund. Die Haupttendenz, wonach der Weg zur Weisheit über das Individuum führt, ist jedoch ein typisch westlicher Ansatz, der keiner asiatischen Lehre direkt entspricht, auch wenn durchaus Parallelen im Theravada-Buddhismus zu finden sind.

Alle Werke Hesses enthalten eine stark autobiografische Komponente. Besonders offensichtlich ist sie im Demian, in der Morgenlandfahrt, aber auch in Klein und Wagner und nicht zuletzt im Steppenwolf, der geradezu exemplarisch für den „Roman der Lebenskrise“ stehen kann. Im Spätwerk tritt diese Komponente noch deutlicher hervor – in den zusammengehörigen Werken Die Morgenlandfahrt und Das Glasperlenspiel verdichtete Hesse in mehrfachen Variationen sein Grundthema: die Beziehung zwischen einem Jüngeren und seinem älteren Freund oder Meister. Vor dem historischen Hintergrund der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland zeichnete Hesse im Glasperlenspiel eine Utopie der Humanität und des Geistes, zugleich schrieb er aber auch wieder einen klassischen Bildungsroman. Beide Elemente halten sich in einem dialektischen Wechselspiel die Waage.

Nicht zuletzt setzte Hesse mit etwa 3000 Buchrezensionen, die er im Laufe seines Lebens für 60 verschiedene Zeitungen und Zeitschriften verfasste, in jener Zeit Qualitätsmaßstäbe, die ihresgleichen im Bereich der Vermittlung, Förderung und der behutsamen Kritik suchten. Grundsätzlich rezensierte er keine Literatur, die ihm nach seinen Maßstäben als schlecht erschien. Wie Thomas Mann, so hat sich auch Hesse intensiv mit dem Werk Goethes auseinandergesetzt.

Die Bandbreite seiner Rezensionen erstreckte sich von kleineren Erzählbänden bislang unbekannter Autoren bis hin zu philosophischen Kernwerken aus dem asiatischen Kulturkreis. Diese asiatischen Zentralwerke haben in der Gegenwart immer noch Bestand, doch wurden sie bereits von Hesse etliche Jahrzehnte früher entdeckt und erschlossen, bevor sie in den 1970er Jahren zum literarisch-philosophischen und geistigen Allgemeingut auch der westlichen Hemisphäre wurden.

Rezeption

Hesses Frühwerk wurde von der zeitgenössischen Literaturkritik überwiegend positiv beurteilt.

Die Hesse-Rezeption im Deutschland der beiden Weltkriege war stark durch die Pressekampagnen gegen den Autor in Folge seiner Antikriegs- und antinationalistischen Äußerungen geprägt. Ab 1937 konnten Hesses Werke in Deutschland nur noch „unter dem Ladentisch“ verkauft werden. Nach beiden Weltkriegen deckte Hesse bei einem Teil der Bevölkerung, insbesondere der jeweils herangewachsenen jüngeren Generation das Bedürfnis nach geistiger und zum Teil moralischer Neuorientierung ab. Wieder „neu entdeckt“ wurde er zu einem überwiegenden Teil daher erst weit nach 1945.

Gut zehn Jahre, nachdem Hesse der Nobelpreis für Literatur verliehen worden war, schrieb Karlheinz Deschner 1957 in seiner Streitschrift Kitsch, Konvention und Kunst: „Daß Hesse so vernichtend viele völlig niveaulose Verse veröffentlicht hat, ist eine bedauerliche Disziplinlosigkeit, eine literarische Barbarei“ und kam auch in Bezug auf die Prosa zu keinem günstigeren Urteil. In den folgenden Jahrzehnten schlossen sich Teile der deutschen Literaturkritik dieser Beurteilung an, Hesse wurde von manchen als Produzent epigonaler und kitschiger Literatur qualifiziert. So ähnelt die Hesse-Rezeption einer Pendelbewegung: Kaum war sie in den 1960er Jahren in Deutschland auf einem Tiefpunkt angelangt, brach unter den Jugendlichen in den USA ein „Hesse-Boom“ ohnegleichen aus, der dann auch wieder nach Deutschland übergriff; insbesondere Der Steppenwolf wurde international zum Bestseller (nach dem sich sogar eine Rockband benannte) und Hesse zu einem der meistübersetzten und -gelesenen deutschen Autoren. Weltweit wurden über 120 Millionen seiner Bücher verkauft (Stand: Anfang 2007). In den 1970er Jahren veröffentlichte der Suhrkamp-Verlag einige Tonbänder mit dem am Ende seines Lebens aus seinen Werken rezitierenden Hesse auf Sprechplatten. Schon zu Beginn seiner Laufbahn widmete sich Hesse der Autorenlesung und verarbeitete seine eigentümlichen Erlebnisse in diesem Zusammenhang in dem ungewöhnlich heiteren Text „Autorenabend“.

Seit 1977 findet in unregelmäßigen, mehrjährigen Abständen jeweils unter wechselndem Hauptthema das Internationale Hermann-Hesse-Kolloquium in Hesses Geburtsstadt Calw im Schwarzwald statt. Hierzu referieren renommierte Hesse-Fachleute aus dem In- und Ausland aus ihrem Fachgebiet über zwei bis drei Tage. Die Tagungsteilnahme steht jedem Bürger nach Anmeldung offen. Das Programm wird meist wechselnd durch Vertonungen von Gedichten Hesses, weitere musikalische Darbietungen, Tanz und Schauspiel mit Themen zu oder aus Hesses Literatur und/oder durch eine geeignete Dokumentar- oder Literaturverfilmung begleitet.

Vergleichbar den Calwer Kolloquien finden seit 2000 in Sils-Maria im Schweizer Engadin in jährlichem Rhythmus die Silser Hesse-Tage statt, drei bis vier Tage im Sommerhalbjahr. Die Vorträge und Diskussionen stehen jeweils unter einem Schwerpunktthema.

Im Gedenken an Hesse wurden zwei Literaturpreise nach ihm benannt: der Calwer Hermann-Hesse-Preis und der Karlsruher Hermann-Hesse-Literaturpreis.

Hesse-Nachlass und -Archivalien; Hermann-Hesse-Editionsarchiv

  • Nachlass: Hermann Hesses Nachlass wird in folgenden Bibliotheken und Archiven Deutschlands und der Schweiz aufbewahrt:
  • Hermann-Hesse-Editionsarchiv: Wenngleich die Hesse-Bestände in den Literaturarchiven in Bern und Marbach größer sind, so verfügt das Hermann-Hesse-Editionsarchiv in Offenbach am Main, das durch den Lektor und international renommierten Hesse-Herausgeber Volker Michels mit Unterstützung des Sohnes Heiner Hesse (u. a.) über mehrere Jahrzehnte aufgebaut wurde, über die am weitesten erschlossene und funktionell umfassendste Dokumentation zu Leben und Werk Hermann Hesses.

Auszeichnungen und Ehrungen

Werke (Auswahl)

Einzelausgaben

  • Romantische Lieder. Pierson, Dresden 1899.
  • Eine Stunde hinter Mitternacht. Neun Prosastudien. Diederichs, Leipzig 1899.
  • Hinterlassene Schriften und Gedichte von Hermann Lauscher. Reich, Basel 1900.
  • Gedichte. Hrsg. und eingeleitet von Carl Busse. Grote, Berlin 1902; Neuausgabe als Jugendgedichte: Grote, Halle 1950.
  • Boccaccio. Schuster & Loeffler, Berlin 1904.
  • Franz von Assisi. Schuster & Loeffler, Berlin 1904.
  • Peter Camenzind. Roman. Fischer, Berlin 1904.
  • Unterm Rad. Roman. Fischer, Berlin 1906.
  • Diesseits. Erzählungen. Fischer, Berlin 1907; umgearbeitete und ergänzte Neuausgabe ebd. 1930.
  • Nachbarn. Erzählungen. Fischer, Berlin 1908 (enthält: Die Verlobung, Karl Eugen Eiselein, Garibaldi, Walter Kömpff und In der alten Sonne).
  • Gertrud. Roman. Langen, München 1910.
  • Umwege. Erzählungen. Fischer, Berlin 1912; ergänzte Neuausgabe als Kleine Welt: ebd. 1933.
  • Aus Indien. Aufzeichnungen von einer indischen Reise. Fischer, Berlin 1913.
  • Roßhalde. Roman. Fischer, Berlin 1914.
  • Knulp. Drei Geschichten aus dem Leben Knulps. Erzählung. Fischer, Berlin 1915.
  • Musik des Einsamen. Neue Gedichte. Salzer, Heilbronn 1915.
  • Schön ist die Jugend. Zwei Erzählungen. Fischer, Berlin 1916.
  • Demian. Fischer, Berlin 1919.
  • Märchen. Fischer, Berlin 1919.
  • Klingsors letzter Sommer. Erzählungen. Fischer, Berlin 1920 (enthält: Kinderseele, Klein und Wagner und Klingsors letzter Sommer).
  • Wanderung. Aufzeichnungen. Mit farbigen Bildern vom Verfasser. Fischer, Berlin 1920.
  • Siddhartha. Eine indische Dichtung. Fischer, Berlin 1922.
  • Kurgast. Aufzeichnungen von einer Badener Kur. Fischer, Berlin 1925.
  • Bilderbuch. Schilderungen. Fischer, Berlin 1926.
  • Der Steppenwolf. Roman. Fischer, Berlin 1927.
  • Die Nürnberger Reise. Fischer, Berlin 1927.
  • Betrachtungen. Fischer, Berlin 1928.
  • Trost der Nacht. Neue Gedichte. Fischer, Berlin 1929.
  • Narziß und Goldmund. Erzählung. Fischer, Berlin 1930.
  • Die Morgenlandfahrt. Erzählung. Fischer, Berlin 1932.
  • Fabulierbuch. Erzählungen. Fischer, Berlin 1935.
  • Stunden im Garten. Eine Idylle. Bermann-Fischer, Wien 1936.
  • Gedenkblätter. Fischer, Berlin 1937.
  • Neue Gedichte. Fischer, Berlin 1937.
  • Die Gedichte. Fretz & Wasmuth, Zürich 1942; ergänzte Neuausgabe: Suhrkamp, Frankfurt am Main 1953.
  • Das Glasperlenspiel. Roman. 2 Bände. Fretz & Wasmuth, Zürich 1943 (darin: Stufen).
  • Berthold. Ein Romanfragment. Fretz & Wasmuth, Zürich 1945.
  • Traumfährte. Neue Erzählungen und Märchen. Fretz & Wasmuth, Zürich 1945.
  • Krieg und Frieden. Betrachtungen zu Krieg und Politik seit dem Jahr 1914. Fretz & Wasmuth, Zürich 1946.
  • Späte Prosa. Suhrkamp, Berlin 1951.
  • Briefe. Suhrkamp, Berlin 1951; v. Ninon Hesse erweiterte Ausgabe ebd. 1964.
  • Beschwörungen. Späte Prosa – Neue Folge. Suhrkamp, Berlin 1955.
  • Die späten Gedichte. Insel, Frankfurt am Main 1963 (= Insel-Bücherei, Band 803).
  • Prosa aus dem Nachlass. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1965 (darin: Freunde).
  • Der Vierte Lebenslauf Josef Knechts. Zwei Fassungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1966 (= Bibliothek Suhrkamp, Band 181).
  • Die Kunst des Müßiggangs. Kurze Prosa aus dem Nachlass. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-518-36600-9.

Sammelausgaben

  • Gesammelte Schriften in sieben Bänden. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1957; Neuausgabe ebd. 1978, ISBN 3-518-03108-2.
  • Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Zusammengestellt von Volker Michels. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1970 (= Werkausgabe edition suhrkamp); ebd. 1987, ISBN 3-518-38100-8.
  • Gesammelte Briefe in vier Bänden. In Zusammenarbeit mit Heiner Hesse hrsg. v. Ursula und Volker Michels. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973–1986; ebd. 1990, ISBN 3-518-09813-6.
  • Die Märchen. Zusammengestellt von Volker Michels. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975; ebd. 2006, ISBN 3-518-45812-4.
  • Die Gedichte 1892–1962. 2 Bände. Neu eingerichtet und um Gedichte aus dem Nachlass erweitert von Volker Michels. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977, ISBN 3-518-36881-8 (= st 381).
  • Gesammelte Erzählungen. 4 Bände. Zusammengestellt von Volker Michels. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977; ebd. 1982, ISBN 3-518-03134-1.
  • Sämtliche Werke. 20 Bände und 1 Registerband. Hrsg. v. Volker Michels. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001–2007, ISBN 978-3-518-41100-1.
  • Die Briefe. 10 Bände (geplant). Hrsg. v. Volker Michels. Suhrkamp, Berlin 2012ff:

Literatur

  • Ursula Apel (Hrsg.): Hermann Hesse: Personen und Schlüsselfiguren in seinem Leben. Ein alphabetisches annotiertes Namensverzeichnis mit sämtlichen Fundstellen in seinen Werken und Briefen. 3 Bände. Saur, München 1989/93, ISBN 3-598-10841-9.
  • Gunnar Decker: Hermann Hesse. Der Wanderer und sein Schatten. Biographie. Carl Hanser, München 2012, ISBN 978-3-446-23879-4.
  • Helga Esselborn-Krumbiegel: Hermann Hesse, Reihe: Literaturwissen für Schule und Studium, Reclam Universalbibliothek Nr. 15208, Stuttgart 1996, ISBN 3-15-015208-9.
  • Ralph Freedman: Hermann Hesse – Autor der Krisis. Eine Biographie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1982; ebd. 1991, ISBN 3-518-38327-2.
  • Reso Karalaschwili: Hermann Hesse – Charakter und Weltbild. Studien. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-38656-5.
  • Michael Limberg: Hermann Hesse. Leben, Werk, Wirkung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-18201-3.
  • Volker Michels (Hrsg.): Über Hermann Hesse. 2 Bände. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1976/77, ISBN 3-518-06831-8 und ISBN 3-518-06832-6.
  • Eike Middell: Hermann Hesse. Die Bilderwelt seines Lebens. Reclam, Leipzig 1972; 5. A. ebd. 1990, ISBN 3-379-00603-3.
  • Joseph Mileck: Hermann Hesse – Dichter, Sucher, Bekenner. Eine Biographie. Bertelsmann, München 1979; Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-37857-0.
  • Alois Prinz: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Die Lebensgeschichte des Hermann Hesse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-45742-X.
  • Hans-Jürgen Schmelzer: Auf der Fährte des Steppenwolfs. Hermann Hesses Herkunft, Leben und Werk. Hohenheim, Stuttgart 2002, ISBN 3-89850-070-5.
  • Christian Immo Schneider: Hermann Hesse. Beck, München 1991, ISBN 3-406-33167-X.
  • Heimo Schwilk: Hermann Hesse. Das Leben des Glasperlenspielers. Piper, München 2012, ISBN 978-3-492-05302-0.
  • Sikander Singh: Hermann Hesse. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-017661-1.
  • Siegfried Unseld: Hermann Hesse. Werk und Wirkungsgeschichte. Insel, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-458-32812-2.
  • Klaus Walther: Hermann Hesse. DTV, München 2002, ISBN 3-423-31062-6.

Weblinks

 Commons: Hermann Hesse – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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Anmerkungen

  1. Die Datierung folgt neueren Untersuchungen von Roland Stark, vgl. Bild und Abbild. Hermann Hesse in Freundschaft mit Fritz und Gret Widmann, Hermann-Hesse-Höri-Museum, Gaienhofen 2008, ISBN 978-3-9808992-3-9. In älterer Literatur wird als Aufnahmezeitpunkt des Fotos der April 1926 angegeben, so in Friedrich Pfäfflin u. a.: Hermann Hesse 1877–1977. Stationen seines Lebens, des Werkes und seiner Wirkung. Katalog der Gedenkausstellung zum 100.Geburtstag Hesses 1977, Marbach a.N. 1977, S. 97.
  2. Literaturarchiv: Hermann Hesse Archiv. Akademie der Künste, abgerufen am 19. November 2012.
  3. a b c Hermann Hesse: Biografie. Stadt Calw, 2011
  4. Biografie: Hermann Hesse beim deutschen historischen Musem.
  5. Hermann Hesse. Sein Leben und sein Werk. Hugo Ball. S. Fischer, Berlin 1927. Hier online
  6. a b c Weltbürger – Hermann Hesses übernationales und multikulturelles Denken und Wirken. Ausstellung des Hermann-Hesse-Museums der Stadt Calw vom 2. Juli 2009 bis 7. Februar 2010.
  7. Siehe: Greiner, Siegfried: Hermann Hesse – Jugend in Calw, 1981, S. 124/125: Abb. 11 (Foto desselben Hauses um 1930) mit zugehörigem Erläuterungstext.
  8. Volker Michels (Hrsg.): Über Hermann Hesse. Band 1: 1904–1962, Repräsentative Textsammlung zu Lebzeiten Hesses. Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-518-06831-8, S. 400.
  9. a b Hermann Hesse: Briefe. Verlag Suhrkamp, Frankfurt am Main 1964, S. 414.
  10. Der von Hesse erdichtete Ortsname Gerbersau ist Pseudonym für Calw, lehnt sich von der Namensbildung her an den Ortsnamen des tatsächlich in der Nähe Calws liegenden Ortes Hirsau an und leitet sich ursprünglich aus Gerbers-Aue ab.
  11. vgl. Greiner, Siegfried: Hermann Hesse – Jugend in Calw, 1981, S.VIII o.
  12. Die Skulptur ist auf dem Foto der Nikolausbrücke oberhalb des rechten Brückenbogens als erste Figur links von der Bogenmitte zu erkennen.
  13. Schwilk: Hermann Hesse. 2012, S. 43.
  14. Hesse: Kindheit und Jugend vor Neunzehnhundert. Bd. 1, S. 268f.
  15. Rückkehr nach Orplid. Erinnerungslandschaft Tübingen, fast unversehrt lautet ein Kap. über Hesses Tübinger Zeit in: Albert von Schirnding: Literarische Landschaften Insel, Frankfurt 1998. Darin gibt es auch ein Kap. über das „Presselsche Gartenhaus“, dem Hesse selbst eine gleichnamige Novelle gewidmet hat, mit Wilhelm Waiblinger, Hölderlin und Eduard Mörike als Protagonisten
  16. Weth: Hermann Hesse in der Schweiz, 2004, S. 24
  17. Materialien zu Hesses Siddhartha, Bd. 2, S. 302, Zit. v. 24. Januar 1973
  18. Andreas Dorschel, Heiliger Hermann. Der Briefwechsel des Dichters Hesse mit dem Ehepaar Ball. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 292 (19. Dezember 2003), S. 16.
  19. vgl. H.Hesse: Vom Wert des Alters, 2007, S.162
  20. Eleonore Vondenhoff Besuch bei Hermann Hesse in Michels (Hrsg.):Hermann Hesse in Augenzeugenberichten, 1991, S.345 o. Die Skulptur orientiert sich dabei sehr stark an einer Aufnahme, die der jüngste Sohn Martin Hesse im Oktober 1954 von seinem Vater, zusammenstehend mit dem ältesten Sohn Bruno Hesse, vor der Atelier-Veranda von Hesses letztem Domizil, der Casa Rossa in Montagnola, machte (vgl. H. H.: Vom Wert des Alters, 2007, S.12). Diese sehr aufrechte Haltung auch in weit fortgeschrittenerem Alter wird bspw. ebenfalls durch die Aufnahme des Autors (78 J.) in seiner Bibliothek bestätigt (ebd., S.70).
  21. Hermann Hesse: Sämtliche Werke in 20 Bänden und 1 Registerband, Hrsg. Volker Michels, Suhrkamp Verlag, Band 14, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-518-41114-4, S. 151.
  22. Den ökonomischen Bezug dieses Anteils der umfangreichen Korrespondenz beleuchtet Carina Gröner in: Carina Gröner: Ja das Nehmen und das Geben.... Brieffreundschaft zwischen Lebensaufgabe und Geschäftsmodell. Die Hesse-Sammlungen in der Kantonsbibliothek Vadiana in St. Gallen. St. Gallen 2012.
Dies ist ein als exzellent ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 17. Oktober 2004 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.