Jörg Blaurock

Jörg Blaurock, auch Georg Blaurock, Georg vom Hause Jakob und Georg Cajakob genannt (* um 1492 in Bonaduz, Kanton Graubünden; † 6. September 1529 in Klausen, Tirol), war der erste gläubig Getaufte der Reformationszeit und eine führende Persönlichkeit der Täuferbewegung.

Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Jörg Blaurock besuchte als junger Mann die Lateinschule in Chur und trat nach erfolgreichem Abschluss in das dortige Kloster St. Lucius ein, wo er auch die Priesterweihe empfing. Schon kurze Zeit später kam Blaurock in Graubünden mit freikirchlich orientierten Kreisen in Berührung und wandte sich den reformatorischen Ideen zu. Er heiratete und kam im Januar 1525 nach Zürich. In Zollikon hatte sich um Konrad Grebel und Felix Mantz ein kleiner taufgesinnter Kreis gebildet, der nach der zweiten Zürcher Disputation vom Oktober 1523 sich in einen schroffen Gegensatz zu Huldrych Zwingli und der von ihm zaghaft eingeleiteten Reformation befand. Diesem Kreis schloss sich Blaurock an.

Die Gründung der ersten Täufergemeinde

Am Samstag, dem 21. Januar 1525 verordnete der Zürcher Stadtrat, dass alle Kinder spätestens acht Tage nach ihrer Geburt zu taufen seien. Wer dieser Anordnung nicht Folge leiste, werde außer Landes verwiesen. Noch am Abend dieses Samstags versammelte sich der Grebelsche Kreis im Haus der Mutter von Felix Manz. Unter ihnen war auch Jörg Blaurock. Nach einer längeren Gesprächs- und Gebetszeit kam es zur Gründung der ersten Täufergemeinde. In der ältesten Chronik der hutterischen Brüder ist ein Bericht über den Verlauf dieser Zusammenkunft erhalten. Die Chronik berichtet, dass "die Angst begann und auf sie kam" und "dass ihre Herzen bedrängt wurden". Nach einem Gebet trat Jörg Blaurock vor Konrad Grebel hin und bat diesen, ihn zu taufen. Grebel kam dieser Bitte sofort nach. Danach taufte Blaurock auf deren Bitten hin auch die anderen Mitglieder des Kreises.

Bedeutung

Trotz starker Verfolgung wirkte Blaurock als unerschrockener Prediger und Evangelist der jungen Täuferbewegung. Seine Wirkungsorte waren vor allem die Schweiz und Südtirol. Grund seines erfolgreichen Verkündigungsdienstes, der der Täuferbewegung viele Menschen zuführte, waren vor allem seine rednerische Begabung und sein überzeugender Lebensstil. Blaurock machte sich auch als Liederdichter einen Namen. Im Ausbund, dem ältesten Gesangbuch der Täuferbewegung, finden sich zwei Blaurock-Lieder:

  • Gott führt ein recht gericht und niemand mag´s ihm brechen
  • Herr Gott, dich will ich loben von jetzt bis an mein End

Philipp Wackernagel verzeichnet sie in seinem bekannten Buch Das deutsche Kirchenlied.

Jörg Blaurock wurde im September 1529 - nach nur vierjähriger Wirkungszeit als Täuferführer - als täuferischer Ketzer in Klausen (Südtirol) auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Siehe auch

Literatur

  • John Allen Moore: Der Starke Jörg: Die Geschichte Jörg Blaurocks, des Täuferführers und Missionars. Kassel 1955
  • Werner O. Packull: Hutterite Beginnings: Communitarian Experiments during the Reformation. Baltimore 1995.
  • Fritz Jecklin: Jörg Blaurock vom Hause Jacob. Ein Märtyrer der Wiedertäufer, Graubünden 1891;
  • Johann Loserth: Der Anabaptismus in Tirol von seinen Anfängen bis zum Tode Jakob Huters (1526-1536), 1892
  • Joseph von Beck (hrsg. von Johann Loserth): Georg Blaurock und die Anfänge des Anabaptismus in Graubünden und Tirol, 1899
  • Wilhelm Wiswedel: Bilder u. Führergestalten aus dem Täufertum. Ein Beitrag zur Reformationsgeschichte des 16. Jahrhunderts, Band I, 1928
  • Carl Bertheau: Blaurock, Jörg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 11. Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 86.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Blaurock, Jörg(auch: Georg vom Hause Jakob). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975, Sp. 0–0.

Weblinks