Josef Josephi

Josef Josephi, eigentlich Josef Ichhäuser (* 15. Juli 1852 in Krakau/Kraków, Galizien (heute: Kraków, Polen); † 8. Januar 1920 in Berlin) war ein österreichischer Sänger und Schauspieler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Sohn eines Tuchhändlers besuchte nach Abschluss des Gymnasiums 1871 zuerst die Technische Hochschule in Kraków, ergriff dann aber gegen den Willen seines Vaters den Schauspielerberuf. Sein Debut gab er 1873 an der Rudolfheimer Bühne in Wien in einer kleinen Rolle als Soldat in Schillers "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua"[1]. Seine Lehrjahre in der Provinz führten ihn u.a. ins ungarische Nagykanizsa, an das Stadttheater in Chemnitz und nach Breslau. Nach einem Engagement am Grazer Landestheater wurde er 1878 für das Ringtheater in Wien verpflichtet. 1880 spielte er am Carl-Theater, 1882 wechselte er ans Theater an der Wien[2].

Erfolge bei der Ausführung von Gesangsrollen veranlassten ihn zu dem Entschluss, Sänger zu werden[3].

Als Operettentenor erwarb Josephi sich bald beim Publikum große Beliebtheit. Er sang in Carl Millökers “Der Bettelstudent” und “Gasparone”, in Johann Strauß' “Eine Nacht in Venedig” und “Der Zigeunerbaron”, und in Vilém Blodeks komischer Oper in einem Akt “V studni” (Im Brunnen)[4]. Zusammen mit Alexander Girardi, Karl Lindau und Therese Biedermann bildete er das Elitekorps der Wiener Operette.[5]

1900 übersiedelte er nach Berlin. Ab 1906 war er für zwei Jahre am Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater[6] und anschließend fünf Jahre am Metropol-Theater engagiert, wo er in den großen Jahresrevuen[7] von Victor Hollaender und Julius Freund neben Stars wie Fritzi Massary, Joseph Giampietro und dem drastischen Komiker Guido Thielscher auftrat. Für viele Operetten- und Revueschlager des Autorengespanns Hollaender-Freund war er der Erstinterpret[8].

Einige Jahre konnte er sich aufgrund seiner Beliebtheit ausschließlich dem Varieté und der Vortragskunst widmen. Im Wintergarten und im Eden-Theater[9] begeisterte er die Berliner mit Liedern und Chansons von Julius Einödshofer, Erik Meyer-Helmund, Rudolf Nelson und Gustav Wanda[10].

Am Silvesterabend 1919 stand Josephi zum letzten Mal auf der Bühne[11]. Am 8. Jänner 1920 ist er im Alter von 67 Jahren in Berlin gestorben. Er ruht in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Hietzinger Friedhof (Gruppe 40, Nummer 24 H) in Wien.

Hauptrollen

Tondokumente (Auswahl)

Schon früh hat Josephi Tonaufnahmen gemacht, zuerst auf Edison Goldguß-Walzen[12], dann auf Schallplatten bei Grammophon in Berlin und Wien, und Odeon:


1. Edison Goldguß-Walzen 2 min.:

15 276 Die vier Jahreszeiten der Liebe (Victor Hollaender)

15 277 Die Kirschen in Nachbars Garten (Victor Hollaender)

15 366 Der Vorschuß auf die Seligkeit (Victor Hollaender)

15 389 Der letzte Thaler (Victor Hollaender)

15 542 Casinolied (Victor Hollaender)

15 558 Der arme Teufel (Victor Hollaender)

15 723 Märchen und Träume (Victor Hollaender)

15 803 Die Herzen von Berlin (Victor Hollaender)


2. Schallplatten:

2.1 Gramophone Concert Record[13]


2.1.1 aus der Revue “Auf ins Metropol” :

Du mein altes Berlin (Victor Hollaender) Gesungen von Josef Josephi, mit Orch. unter persönl. Leitung des Komponisten, Berlin. Gr 3-42 351 (mx. 3814 h)

Der Vorschuß auf die Seligkeit (Victor Hollaender) Gesungen von Josef Josephi, mit Orch. unter persönl. Leitung des Komponisten, Berlin. Gr 3-42 353 (mx. 3816 h)

Schaukellied (Victor Hollaender) Gesungen von Josef Josephi, mit Orch. unter persönl. Leitung des Komponisten, Berlin. Gr 3-42 519 (mx. 3817 h), aufgen. Berlin 1905


2.1.2 aus der Revue “Chauffeur, ins Metropol !” :

Das Saisonliebchen (Rudolf Nelson) Gr 942.320 (mx. 1511 ak) - 1912


2.1.3 aus der Posse “Berlin bleibt Berlin”:

Das Mädel comme-il-faut (Erik Meyer-Helmund) Gr 42 969 (mx. 1401 x)

Die Schönste von allen (Erik Meyer-Helmund) Gr 42 048 (mx. 2901 B), aufgen. Berlin Okt. 1902


2.1.4 aus der Operette “Der Kellermeister” :

Entreelied des Urban "Ich bin geboren in dem Jahr, als der Komet am Himmel war" (Carl Zeller) Gr 42 961 (mx. 1403 x)

Laß dir Zeit, alles mit Gemütlichkeit (Carl Zeller) Gr 2-42 841 (mx. 1406 x)

Ja die Frauen (Carl Zeller) Gr 2-42 609 (mx. 1674 x)

Kometenwalzer (Carl Zeller) Gr 2-42 840 (mx. 1790 L)[14]


2.1.5 aus der Operette “Herr und Frau Biedermeier”:

Wo dich der Wienerwald umrauscht (Carl M. Ziehrer) Gr 242 035 (mx. 11 599 L)

Mein altes Wien (Carl M. Ziehrer) Gr 242 036 (mx. 11 598 L), aufgen. Wien, 17.Okt. 1910


2.1.6 Lieder:

Rondo auf ‘Der Lebemann’ (Carl Millöker) Gr 42 399 (mx. 209 x)

Rondo auf ‘Nordlicht’ (Carl Millöker) Gr 42 400 (mx. 210 x), aufgen. Berlin, Okt. 1901

Liebe fordert Studium (Carl Millöker) Gr 2-42 560 (mx. 1676 x), aufgen. Berlin, Mai 1903

Weiber müssen Rasse haben (Julius Einödshofer) Gr 4-42 114 (mx. 13 231 u)

Die Seele von Berlin (Julius Einödshofer) Gr 4-42 117 (mx. 13 234 u), aufgen. Wien, Juni 1908

Frauen und Mägdelein (Gustav Wanda, op.166 / Text: Eddy Beuth) Gr 4-42 115 (mx. 13 232 u)

Mein Verhältnis (Gustav Wanda, op.165 / Text: Otto A. Alberts) Gr 4-42 116 (mx. 13 233 u), aufgen. Wien, Juni 1908


2.2 Odeon Talking Machine Co. Berlin-Weißensee[15]

Aufnahmen bei Odeon am 1. September 1911 aus “Nacht von Berlin” (V. Hollaender), mit Odeon-Orchester unter Leitung von Kapellmeister Max Roth:

X 51 535 Tante Voß

X 51 536 Ganz anders gedacht

X 51 533 Der bessere aeltere Herr

X 51 534 Der Flieger

Wiederveröffentlichungen

Christian Zwarg, Berlin, Truesound Transfer TT-3060 - Josef Josephi [9] : 26 Aufnahmen aus Berlin und Wien zwischen 1901 und 1918. Lieder von Millöcker, Einödshofer, Wanda & Hollaender aus Durchlaucht Radieschen, Berlin Beibt Berlin, Der Kellermeister, Schön War’s Doch!, Die Zwölf Frauen des Japhet, ‘Ne Feine Nummer, Hannerl, Auf ins Metropol!, Der Teufel Lacht Dazu, Das Muss Man Seh’n!, Herr und Frau Biedermeier, Ein Tolles Jahr und Die Nacht von Berlin.

Abbildungen

Portrait von Josef Josephi[10]

Josef Josephi : Rollenportrait (Österreichisches Theatermuseum Wien) [11]

Josef Josephi, in: Die Hauptdarsteller des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theaters (Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin)[12]

Abb. des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theaters Berlin, Schuhmannstra. 13 a, von 1878 [13]

Notentitel für die Revue “Auf ins Metropol!” © Jacques-Louis David[14]

Notentitel für die Revue “Der Teufel lacht dazu” © Jacques-Louis David[15]

Weblinks

Ichhäuser Josef. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 25 f. (Direktlinks auf S. 25, S. 26).

Josef Josephi bei DNB Musikarchiv (4 Titel)[16]

Josef Josephi bei CHARM (77 Titel)[17]

Josef Josephi bei Musicamigrans/Univ. Leipzig[18]

Literatur

Tobias Becker: Feste des Konsums? Unterhaltungstheater und Warenhäuser in Berlin und London um 1900. Seite 216 f. über die Premiere der neuen Posse des Metropol Theaters “Berlin bleibt Berlin” am 23. August 1902  : on line bei [19]. Enthalten in: Staging Festivity. Theater und Fest in Europa. Herausgegeben von Erika Fischer-Lichte und Mathias Warstadt. Tübingen und Basel, A. Francke, 2009.

Herbert Beckmann : Die Nacht von Berlin. Historischer Roman. Meßkirch, Gmeiner-Verlag, 2011, ISBN 3839237084. Seite “Zugabe (2011)”.

Helga Bemman: Berliner Musenkinder-Memoiren. Eine heitere Chronik von 1900-1930. Berlin-Ost: VEB Lied der Zeit Musikverlag 1981.

Armin H. Eilenberg: Metropol Theater Berlin, Glanz und Untergang. on line bei [20]

Kurt Gänzl : Carl Millöker, in: Encyclopedia of the Musical Theatre (1.Jänner 2001), zit. nach Operetta Research Center Amsterdam[21]

Ingrid Heinrich-Jost : Auf ins Metropol ! Specialitäten- und Unterhaltungstheater im ausgehenden 19. Jahrhundert - Ein Kapitel Berliner Kulturgeschichte. (Berlin), Edition Berlin 750 - Haus am Lützowplatz und Adolf-Glaßbrenner-Gesellschaft, (1983) - Illustrator: Julius Eschka und Jule Hammer (Layout) - weitere Mitwirkende: Julius Eschka, Heinrich Goertz, Jule Hammer, Siegfried Kiok, Erich Rauschenbach und Ludwig Thürmer (Herausgeber) - mit zahlreichen Fotos und Abbildungen, 120 Seiten - 25,5 x 17,5 cm. [22]; Abb. des Titelblattes bei [23]

Victor Hollaender bei BMLO[24]

Wolfgang Jansen, Glanzrevuen der 20er Jahre. Berlin, Edition Hentrich 1987. Hier: Seite 23 - 35

Edmund E.F.Kühn: Führer durch die Operetten. Berlin-Friedenau, Herm. Schmidt 1924; zu Josephi vgl. S. 30 f.

Berthold Leimbach (Hrsg.): Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1898-1945. Göttingen, im Selbstverlag 1991, unpaginiert.

Erik Meyer-Helmund: Berlin bleibt Berlin. Posse, o. J. [1902 ?][25]

o. Verf.: 0perette in Berlin e.V., Zur Geschichte des METROPOL-Theaters: 1898 bis 1913[26]

o. Verf.: Theaterhistorie: Kapellmeister Julius Einödshofer[27]

Lukas Richter: Der Berliner Gassenhauer: Darstellung, Dokumente, Sammlung [ = Band 4 von Volksliedstudien : Deutsches Volksliedarchiv]. Münster, Waxmann Verlag, 2004. ISBN 3830913508, 9783830913504

Otto Schneidereit: Berlin wie es weint und lacht. Spaziergänge durch Berlins Operettengeschichte. Berlin-Ost: VEB Lied der Zeit Musikverlag 1968. Zu Josephi vgl. S. 127 f.

Jens Uwe Völmecke: Die berliner Jahresrevuen 1903-1913 und ihre Weiterführung in den Revue-Operetten des Ersten Weltkrieges. 244 Seiten mit Illustrationen. Köln, Verlag TÜV-Rheinland 1997 (= Diss. Universität zu Köln)

Stefan Weiss, Jürgen Schebera (Hrsg.): Street Scene: der urbane Raum im Musiktheater des 20. Jahrhunderts. Münster, Waxmann Verlag 2006, ISBN 3830916302 (= Band 6 von Veröffentlichungen der Kurt-Weill-Gesellschaft Dessau, Veröffentlichungen der Kurt-Weill-Gesellschaft Dessau), Seite 200 und Anm. 4 u. 5, Seite 201 Anm. 8 (zur richtigen Schreibung des Namens Hollaender mit ae).

Carl Zeller: Der Kellermeister. Operette in 3 Akten. Musik von Carl Zeller, Text von Moritz West und Ignaz Schnitzer. Uraufführung: 21. Dezember 1901 am Raimundtheater in Wien (Österreich)[28]

Carl Michael Ziehrer: Herr und Frau Biedermeier. Singspiel in 1 Akt, Text von Wilhelm Sterk, 1909[29]

Einzelnachweise

  1. laut Leimbach u. ÖBL S. 25
  2. so das ÖBL auf S. 25-26
  3. Gesangspartie in der Posse „Fesche Wr. Geister“, gefeierter Auftritt als Ange Pitou in Charles Lecoqs komischer Oper „La fille de Madame Angot“ im slowenischen Maribor (d. i. Marburg an der Drau) , vgl. ÖBL S. 25
  4. vgl. klassika[1] und schloss-wahn[=mnr56z&contUid=10184]
  5. Einer von der alten Operettengarde. In: Neue Freie Presse, Nachmittagblatt, 19. Jänner 1920, S. 4, unten rechts
  6. führende Operettenbühne, machte die Berliner mit Offenbach, Suppé, Strauß und Millöker vertraut, vgl. Richter S. 102 f.
  7. vgl. dazu die Arbeiten von Jansen (pp. 27 ff.) und Völmecke sowie die Seiten von Operette in Berlin e.V. zur Geschichte des Metropol-Theaters Berlin: 1900 kam dann Joseph Josephi dazu.
  8. z.B. für das “Lied vom Schnee” (M: Victor Hollaender, T: Julius Freund, V: Harmonie, Berlin 1902), “Der letzte Thaler” (M: Victor Hollaender, T: Julius Freund, V: Harmonie, Berlin 1904), “Du mein altes Berlin”, aus der Revue “Auf ins Metropol” (M: Victor Hollaender, T: Julius Freund, V: Ed. Bote & Bock, Berlin 1905), “Der Vorschuß auf die Seligkeit”, aus der Revue “Auf ins Metropol” (M: Victor Hollaender, T: Julius Freund, V: Ed. Bote & Bock, Berlin 1906) und das “Kasino-Lied” aus der Revue “Der Teufel lacht dazu” (M: Victor Hollaender, T: Julius Freund, V: Ed. Bote & Bock, Berlin 1906), vgl. bobsmusic[2]
  9. so Leimbach a.a.O.
  10. geb. 1870, Geiger u. Komponist, war concertmaster at Alexandra Palace, wurde im Ersten Weltkrieg in England interniert, starb im Krankenhaus von Dalston im Dezember 1915, vgl. [3]
  11. so Leimbach a.a.O.
  12. vgl. dazu [4]
  13. vgl. Katalog der Gesangsaufnahmen der "Deutschen Grammophon Berlin - Hannover" von 1898 - 1925 (The Gramophone Company Limited) Photomechan. Nachdruck Düsseldorf, Hansfried Sieben, o. J., Seite 249 und 390.
  14. vgl. DNB Musikarchiv[5], auch Zonophon X-22 359 (mx. 1303 h)[6] : Aufnahme von 1906 mit Bruno Seidler-Winkler als Dirigenten des 'Grammophon'-Orchesters, anzuhören bei [7]
  15. vgl. CHARM: Odeon : 4 Titel[8]