Jugendrotkreuz

Das Jugendrotkreuz (JRK) ist die Jugendorganisation des Roten Kreuzes.

Inhaltsverzeichnis

Ziele und Aufgaben

Das JRK hat sich die Aufgabe gesetzt, junge Menschen an das Ideengut des Roten Kreuzes heran zu führen. Seine Ziele sind soziales Engagement, Einsatz für Gesundheit und Umwelt, Handeln für Frieden und Völkerverständigung, politische und gesellschaftliche Mitverantwortung. Dabei arbeitet das Jugendrotkreuz mit Schulen, Bildungseinrichtungen, mit anderen Jugendverbänden und Initiativen zusammen. Sieben allgemeine Grundsätze der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung gelten auch für die Jugendorganisation: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität.[1]

Das Aufgabenspektrum des Jugendrotkreuzes ist nach regionalen Gegebenheiten und Personal sehr differenziert. Schwerpunkte sind neben der Jugendverbandsarbeit die Bereiche Schularbeit mit Schulsanitätsdienst und schulischer Streitschlichtung (Mediation) sowie das Schminken und Darstellen von Verletzungen zu Übungszwecken (Notfalldarstellung), aber auch die Gestaltung von Ferienfreizeiten für die eigenen Mitglieder und Interessierte von außerhalb.

DACHL-Netzwerk

Im deutschsprachigen Raum gibt es das Deutsche Jugendrotkreuz, Österreichische Jugendrotkreuz (ÖJRK), Schweizerische Jugendrotkreuz und Luxemburgische Rote Kreuz. Diese haben sich im DACHL-Netzwerk zusammengeschlossen. D-A-CH-L bildet sich aus den Nationalitätszeichen der vier beteiligten Organisationen.

Die Jugenddeklaration von Solferino

Zum 150-jährigen Jubiläum der Rotkreuz – und Rothalbmondbewegung im Jahr 2009 haben 250 Jugendliche aus 128 Ländern in Solferino eine Deklaration erarbeitet und stellvertretend für 50 Millionen freiwillige jugendliche Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Genf präsentiert:

In einer Welt voller Herausforderungen verpflichten wir uns – die Jugend der Bewegung des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds:

  1. einen tiefgreifenden Wandel und die Entwicklung von Fähigkeiten voranzutreiben, um Harmonie und positive Verhaltensweisen innerhalb der Gemeinschaften zu fördern
  2. unsere sieben Grundsätze als Vertreter eines Verhaltenswandels in unseren Gemeinschaften zu leben
  3. auf Gewalt zu verzichten, den Respekt vor der Vielfalt und eine Kultur des Friedens in der Welt zu fördern
  4. uns auch in unserem persönlichen Leben gegen Diskriminierung einzusetzen
  5. gemäß dem Humanitären Völkerrecht alles zu tun, um das Leiden in bewaffneten Konflikten zu reduzieren und aktiv Informationen über die Regeln in bewaffneten Konflikten zu verbreiten, selbst in Friedenszeiten. [2][3][4]

Deutsches Jugendrotkreuz

Logo des Deutschen Jugendrotkreuzes

Organisation

In Deutschland ist das Jugendrotkreuz (JRK) als Gemeinschaft des DRK definiert. Es hat etwa 113.000 Mitglieder und ist in 5500 Gruppen in Ortsvereinen, Kreis-, Bezirks- und Landesverbänden organisiert.

Das reguläre Mitgliedsalter liegt zwischen 6 und 27 Jahren, wobei Funktionsträger in Leitungspositionen länger Mitglied sein können.

Das Jugendrotkreuz vertritt den Verband Rotes Kreuz in jugendrelevanten Fragen, z.B. in den Jugendringen und ist daher nicht nur Gemeinschaft, sondern auch Jugendverband des DRK. Durch diese gesonderte Stellung innerhalb des DRK kam es in manchen Bundesländern zu Unstimmigkeiten zwischen den Gemeinschaften, da einzelne eine eigene, vom Jugendrotkreuz nahezu unabhängige Jugendarbeit forcierten (Bereitschaftsjugend, Wasserwachtjugend). Diese weichen insofern vom JRK ab, als dass sie Jugendlichen neben den sonstigen Aktivitäten im JRK vor allem fachspezifische Ausbildung wie zum Beispiel Schwimm- und Rettungsschwimmtraining sowie Ausbildung in Natur- und Gewässerschutz bieten oder zum Einsatz in den Fachdiensten der Bereitschaften vorbereiten.

Das JRK ist auf allen Verbandsebenen durch eigene demokratisch gewählte Leitungskräfte in den Vorständen bzw. Präsidien des DRK vertreten. Auf Bundesebene hat das Jugendrotkreuz vier Organe:

  • die Bundeskonferenz als Vertretung der Mitgliedsverbände (72 Delegierte von 19 Landesverbänden), in der strategische Grundsatzentscheidungen getroffen werden,
  • die ehrenamtliche Bundesleitung, die diese Entscheidungen konkretisiert und die laufende Arbeit steuert und überwacht, sowie
  • die hauptamtliche Bundesgeschäftsstelle mit dem JRK Bundesreferenten an der Spitze.
  • Der Länderrat dient der Koordination der Arbeit der Landesverbände untereinander und mit dem Bundesverband.

Der JRK-Bundesleiter vertritt das Jugendrotkreuz als Mitglied im Präsidium des DRK.

Kampagnen

Seit Ende der 1990er Jahre entwickelt und führt das deutsche JRK bundesweit verschiedene Kampagnen durch. Diese werden durch Projekte, Aktionen in einzelnen DRK-Gemeinschaften oder bundesweit begleitet. Es werden Arbeitshilfen entwickelt, die es den einzelnen JRK-Gruppen ermöglichen Kampagnethemen zu bearbeiten.

Youth must act

„Youth must act“ war die erste bundesweit koordinierte Kampagne des DJRK und fand in den Jahren 1998 bis etwa 2000 statt. Thema waren die Situation von Kindersoldaten sowie die Bestimmungen des humanitären Völkerrechts. So wurde beispielsweise darauf aufmerksam gemacht, dass etwa 90 Prozent aller kriegsbedingten Toten in Afrika Frauen und Kinder sind, und die Lebenssituationen von Kindern im Kriegsalltag beleuchtet.

Bleib' COOL ohne Gewalt!

Diese Kampagne der Jahre 2001 bis 2003 beschäftigte sich mit Gewalt unter Kindern und Jugendlichen bzw. in deren Lebensumfeld in Deutschland. Ebenfalls wurden Themen wie Rechtsextremismus und sexuelle Gewalt behandelt. Dabei standen Gewalterfahrungen in der Umgebung von Kindern und Jugendlichen etwa in Schule, Familie oder Freizeit im Vordergrund.

Armut: Schau Nicht Weg!

Im Rahmen der Kampagne „Armut: Schau Nicht Weg!“ in den Jahren 2004 - 2007 thematisierte das Deutsche Jugendrotkreuz Kinder- und Jugendarmut in Deutschland. Neben der Umsetzung in Gruppenstunden und über andere Einzelprojekte wurde ein bundesweites Positionspapier verabschiedet.[5]

Deine Stärken. Deine Zukunft. Ohne Druck!

Das DACHL-Netzwerk startete am 26. Mai 2007 eine gemeinsame Kampagne mit dem Titel "Deine Stärken. Deine Zukunft. Ohne Druck.".[6] Das Augenmerk galt vielfältigen Erwartungen, Unsicherheiten und Zukunftsängsten, die Kinder und Jugendliche unter Druck setzen können, sowie Maßnahmen zu ihrer Förderung und Unterstützung. Die Kampagne lief bis Juni 2009.

Projekte

Das Jugendrotkreuz initiiert verschiedene Projekte wie u.a. das Body&Grips-Mobil, sowie das Kistenklettern.

Body + Grips-Mobil

Das Body + Grips-Mobil (kurz BGM) ist ein Projekt zur Gesundheitsaufklärung und Gesundheitsprävention. Das mobile Projekt ist in Westfalen-Lippe, Sachsen-Anhalt, Saarland, Nordrhein und Rheinland-Pfalz unterwegs. Entwickelt und betreut wird das Body+Grips-Mobil vom Jugendrotkreuz. Es handelt sich dabei um einen Stationsparcours zu den fünf Themenbereichen (Bewegung, Ernährung, Ich + Du, Sexualität und Sucht) mit Wahrnehmungs-, Experimentier- und Informationsstationen.

Kistenklettern

In Rheinland-Pfalz bietet das Jugendrotkreuz das Projekt Kistenklettern an. Das Kistenklettern wird für Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe und bei größeren, öffentlichen Festen wie Stadtfesten oder Feuerwehrfest angeboten. Eine erlebnispädagogische Einheit soll Koordination und Motorik fördern, die erworbenen Erfolgserlebnisse sollen das Selbstwertgefühl stärken.

Österreichisches Jugendrotkreuz

Das Österreichische Jugendrotkreuz (ÖJRK) ist eine Teilorganisation des Österreichischen Roten Kreuzes. Ebenso wie das Rote Kreuz ist das ÖJRK eine unpolitische und überparteiliche Organisation, deren Aufgabe es ist, junge Menschen zu humanitärer Gesinnung und zu mitmenschlichem Verhalten hinzuführen sowie konkret Hilfe zu leisten. Das ÖJRK bietet ein umfassendes Leistungsangebot für Jugendgruppen, Lehrer und Schüler.

Das Österreichische Jugendrotkreuz hat etwa 60.000 Mitglieder (ca. 7.000 davon in Jugendgruppen) und ist in 544 Gruppen auf Orts- bzw. Bezirksebene organisiert. Das reguläre Mitgliedsalter liegt zwischen 6 und 26 Jahren, Mitglieder in Leitungspositionen können älter sein. Das Österreichische Jugendrotkreuz wird derzeit von Ministerialrat Dr. Wilhelm Wolf (Bundesvorsitzender) und Regierungsrat Dr. Karl Havlicek (Bundesvorsitzender-Stv.) geleitet.

Leistungsangebot des ÖJRK

  • Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit durch das Projekt "Wasser ist Leben", Schulbau in Tansania, Tsunami-Hilfe
  • Monatlich erscheinende ÖJRK-Schülerzeitschriften: Mini-Spatzenpost, Spatzenpost, Kleines Volk, JÖ und Topic
  • Integration und Therapie durch Körperbehindertencamps, Jugendurlaub, Rheumacamp
  • Gesundheits- und Umweltschutz durch Erste Hilfe, Peer Education, Servicestelle für Gesundheitsbildung (GIVE)
  • Friedens- und Konfliktkultur durch die Organisation des Internationalen Studien- und Freundschaftscamps

Kursangebot des ÖJRK

Helfi hilft dir helfen

Das Helfi-Programm bringt VolksschülerInnen erste Hilfe in kindgerechter Form näher. Die Kinder sollen auf häufige Unfallgefahren aufmerksam gemacht werden und verschiedene Möglichkeiten der Unfallverhütung kennenlernen. Durch diesen ersten, grundlegenden Erste-Hilfe-Unterricht sollen sie auch ermuntert werden, weiterführende Kurse zu besuchen.

Freiwillige Radfahrprüfung

Ziel der freiwilligen Radfahrprüfung, an der jedes Jahr 86.000 Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren teilnehmen, ist die sichere und verantwortungsbewusste Teilnahme von Kindern am öffentlichen Straßenverkehr wie auch das Wissen um häufige Unfallgefahren.

Erste Hilfe

Im Einführungskurs für Erste Hilfe und Unfallverhütung soll das bereits Erlernte aus der Volksschule (Helfi hilft dir helfen) wiederholt und gefestigt werden. Darüber hinaus erlernen die Schüler weitere wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen. Ziel des Kurses ist es, den Schülern die notwendigen Kenntnisse zu vermitteln, damit sie in lebensbedrohlichen Notfällen lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführen können.

Schwimmen und Rettungsschwimmen

Jährlich legen über 90.000 Schüler eine Schwimm- oder Rettungsschwimmprüfung beim Österreichischen Jugendrotkreuz ab. Das "nasse" Programm des ÖJRK umfasst das Oktopus-Abzeichen (ohne Altersbegrenzung) und die Kurse für das Österreichische Schwimmerabzeichen (ÖSA) – Früh-, Frei-, Fahrten- und Allroundschwimmer – sowie für das Österreichische Rettungsschwimmerabzeichen (ÖRSA), den Helfer-, Retter-, Lifesaver-, Schwimmlehrer- und Rettungsschwimmlehrerschein.

Betreuung und Pflege in der Familie

Das ÖJRK bietet Schülern ab der 8. Schulstufe einen auf diese Krankenpflege und -betreuung vorbereitenden Kurs an. Der Kurs soll dazu beitragen, die eigene Gesundheit und die der Familie zu fördern und wiederherzustellen sowie Fähigkeiten zur Selbsthilfe im Krankheitsfall entwickeln.

Babyfit

Ebenfalls für Schüler ab der 8. Schulstufe bietet das ÖJRK den Kurs „Babyfit“ an, in dem Kenntnisse über Schwangerschaft, Pflege eines Säuglings, Kinderpflege, Ernährung, kindliche Bedürfnisse und Entwicklung, Krankheits- und Unfallverhütung sowie Rechtliches vermittelt werden. Die Jugendlichen erhalten nach dem Kurs einen Babyfit-Ausweis.[7]

Schweizerisches Jugendrotkreuz

Das Schweizerische Jugendrotkreuz ist die Jugendorganisation des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). Mitglieder sind Jugendliche zwischen 16 und 30 Jahren. Die Jugendrotkreuzorganisationen (JRK) sind föderalistisch aufgebaut und den kantonalen Rotkreuzorganisationen angeschlossen. Es gibt JRKs in den Kantonen Basel, Bern-Mittelland, Biel, Freiburg, Genf, St. Gallen und Zürich.

Das Kompetenzzentrum Jugend des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) in Bern übernimmt die Koordinations-, Vernetzungs- und Betreuungsaufgaben für alle Mitgliederorganisationen, die in der Jugendarbeit aktiv sind. Es gibt drei Mal jährlich das Jugendmagazin «ready for redcross» heraus.

Themenschwerpunkte

Zum Freiwilligen Engagement gehören Erste Hilfe-Kurse bei der Help-Samariterjugend oder der Jugendorganisation des Militär-Sanitäts-Verbandes (SMSV), eine Ausbildung zum Jugendrettungsschwimmer beim SLRG und soziales Engagement für Menschen in schwierigen Situationen.

In Ausbildungslagern, Wochenenden und Kursen können Kinder und Jugendliche aus dem In- und Ausland im Zeichen des Roten Kreuzes lernen und sich austauschen.

Das SJRK organisiert internationale Kampagnen wie «Deine Stärken. Deine Zukunft. Ohne Druck!».

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. JRK-Ordnung: Allgemeine Grundsätze
  2. Jugenddeklaration von Solferino, deutsche Übersetzung
  3. Jugenddeklaration von Solferino, französisch
  4. Jugenddeklaration von Solferino, englisch
  5. Kampagne "Armut: Schau nicht weg!"
  6. Kampagne "Deine Stärken. Deine Zukunft. Ohne Druck!"
  7. ÖJRK-Kurs: "Babyfit"

Weblinks