Kärntner Herzogseinsetzung

Im Großen Wappensaal des Landhaus Klagenfurt ausgestellter „Fürstenstein“ (seit 2006)

Die Kärntner Herzogseinsetzung war Ritual der Einsetzung der Herrscher des Herzogtums Kärnten, das seit 976 bestand und 1335 in den Besitz des Hauses Habsburg bzw. Habsburg-Lothringen kam, wo es bis 1918 verblieb.

Zeremonie und Geschichte

Herzogseinsetzung auf dem Zollfeld. Zeitgenössische Darstellung von Leopold Stainreuter (14. Jhd.)
Herzogseinsetzung, Fresko von Fromiller im Landhaus, 1740

Die Herzogseinsetzung bestand aus drei Teilen:

Ein ausführlicher Bericht für diese dreiteilige Zeremonie liegt von Abt Johann von Viktring vor. Er beschrieb die Einsetzung des Grafen Meinhard II. von Görz-Tirol zum Herzog von Kärnten im Jahr 1286; der Graf war ein Parteigänger von König Rudolf von Habsburg und wurde außer mit Kärnten auch mit der Krain belehnt. Eine weitere Erwähnung aus dem Jahr 1308 oder 1309 findet sich in der Reimchronik des Chronisten Ottokar aus der Gaal.

Der Fürstenstein, der umgedrehte Sockel einer römischen Säule aus der Zeit der Provinz Noricum, wurde schon im Fürstentum Karantanien zur rituellen Einsetzung der in der Karnburg residierenden slawischen Fürsten verwendet. Ein Bauer überprüfte den ebenfalls als Bauern bekleideten Kandidaten auf seine Tauglichkeit als Herrscher, dann erst wurde dieser zur Huldigung in den Dom und zum Herzogstuhl geführt. Der Herzogstuhl, ein steinerner Doppelthron auf dem Zollfeld, ist bereits für 1161 urkundlich belegt. Aber schon seit dem späten 10. Jahrhundert fand auf diesem feudalen Gegenstück zum Fürstenstein die Belehnung des neuen Herzogs statt, wobei ein Abgeordneter des Reiches als Kontrollorgan anwesend war.

Am 2. Juli 1335 unterzog sich Otto der Fröhliche als erster Habsburger dem Kärntner Einsetzungszeremoniell auf dem Herzogstuhl in Karnburg.

Ernst der Eiserne führte das Ritual auf dem Fürstenstein am 18. März 1414 als Letzter auf slowenisch durch. Die Huldigung auf dem Herzogstuhl wurde von einigen Herrschern noch bis 1651 geübt, allerdings waren diese teilweise nicht mehr persönlich anwesend. Die Huldigungsprozedur am Zollfeld wurde schließlich durch eine Zeremonie im Wappensaal des Landhauses in Klagenfurt abgelöst.

Heute kann der Fürstenstein dort besichtigt werden, der Herzogstuhl steht nach wie vor auf dem Zollfeld nahe der Bundesstraße.

Literatur

  • Wilhelm Deuer: Die Einsetzung des Kärntner Herzogs am Fürstenstein. In: Ostarrîchi - Österreich 996-1996. Menschen, Mythen, Meilensteine. Katalog der Österreichischen Länderausstellung in Neuhofen an der Ybbs und St. Pölten. Herausgegeben von Ernst Bruckmüller und Peter Urbanitsch. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 388. Berger, Horn 1996. XXIV, 736. 4°. Objekt-Nr.: 6.1.05, S. 145. (online, uni-klu.ac.at; Historienbild und Beschreibung der Zeremoni)
  • B. Grafenauer: Ustoličevanje koroških vojvod in država karantanskih Slovencev. [Die Kärntner Herzogseinsetzung und der Staat der Karantanerslawen]. Ljubljana 1952
  • Der Kärntner Herzogstuhl im Wandel der Geschichte. In: W. Neumann: Bausteine zur Geschichte Kärntens. Festgabe für Wilhelm Neumann zum 70. Geburtstag (= Das Kärntner Landesarchiv 12, Klagenfurt ²1994) S. 15-23.
  • A. Ogris: Fürstenstein und Herzogstuhl – Symbole der Kärntner Landesgeschichte im Widerstreit ethnischer und territorialer Tendenzen in der slowenischen Geschichtsschreibung, Publizistik und Politik. In: Carinthia I 183, 1993, 729ff.
  • P. Puntschart: Herzogseinsetzung und Huldigung in Kärnten. Ein verfassungs- und kulturgeschichtlicher Beitrag. Leipzig 1899
  • M. Wutte: Die Wappen in den Wappensälen des Landhauses zu Klagenfurt und in den Wappenbüchern des Kärntner Landesarchivs. In: Carinthia I 127, 1937, S. 109-146.

Weblinks