Karl Grune

Karl Grune (* 22. Januar 1890 in Wien; † 2. Oktober 1962 in Bournemouth, Großbritannien) war ein österreichischer Filmregisseur.

Grune wollte zunächst Schauspieler werden und besuchte eine Schauspielschule in Wien. Seine erste Saison bestritt er 1910/11 am Stadttheater in Budweis. Die folgenden Jahre spielte er in Regensburg, Laibach und Czernowitz, wo er erstmals auch Regie führte. Grune ging 1914 als Freiwilliger in den Ersten Weltkrieg. Aufgrund einer schweren Verwundung verlor er 1918 vorübergehend sein Sprechvermögen. 1916-18 spielte er an der Volksbühne in Wien. 1918/19 an Max Reinhardts Deutschem Theater in Berlin. Seine letzte Theatersaison hatte er 1920/21 in Berlin an den Barnowsky-Bühnen (Lessing-Theater und Deutsches Künstlertheater). Grune spielte am Theater meist Nebenrollen.

Friedrich Zelnik holte Grune zum Film, beschäftigte ihn zunächst als Dramaturg. Sein Film-Regiedebüt gab Karl Grune 1919. Viele seiner frühen Filme gelten als verschollen.

1923 drehte er im Ruhrgebiet den Bergmannsfilm Schlagende Wetter mit Liane Haid und Eugen Klöpfer in den Hauptrollen. Der Film war durch seinen Naturalismus bemerkenswert, das in einer Zeit als gemalte und oftmals expressionistische Filmdekoration die Norm war. Die Straße (1923) gilt als Hauptwerk Grunes. Zur Zeit der Nachkriegsinflation zeigte er Verlockungen und Abgründe der Großstadt im kleinbürgerlichen Lebensraum und setzte diesmal auch auf expressionistische Stilmittel. 1926 schuf er mit Conrad Veidt und Lil Dagover den Film Die Brüder Schellenberg, der ebenfalls die abgründige, mit dem schnellen Erfolg lockende Großstadt zum Thema hat. In der 1927 folgenden pazifistischen Film-Parabel Am Rande der Welt steht eine Müllersfamilie zwischen zwei verfeindeten Staaten im Mittelpunkt; Wilhelm Dieterle, Albert Steinrück und Brigitte Helm spielen die Hauptrollen. Die Produktionsfirma Ufa änderte jedoch ohne Grunes Wissen das Ende des Films. Grune klagte vor Gericht gegen die Ufa und verlor.

1928 ging Grune nach München, wo er für den Emelka-Konzern einen großen Waterloo-Film drehte. Obwohl der Film ein Verlustgeschäft war, ernannte die Emelka ihn 1930 zum Produktionschef.

1933 emigrierte Grune nach England, wo er seine Arbeit als Regisseur und Produzent fortsetzte. Er drehte Abdul, der Verdammte mit Fritz Kortner, 1936 dann den Opernfilm Der Bajazzo nach Ruggiero Leoncavallo mit Richard Tauber.

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Zitate

"Technik darf nur Mittel zum Zweck sein, nie Selbstzweck."

"Ich habe mich bemüht, der Kamera stets Neues zu erschliessen, und hieraus erklärt sich auch der Umstand, daß ich noch nie zwei gleichartige Filme hintereinander gedreht habe."

(Karl Grune in: Wir über uns selbst, Hrsg. Dr. Hermann Treuner, Sibyllen-Verlag, Berlin 1928)

Filme (Auswahl)

  • 1919: Menschen in Ketten
  • 1919: Der Mädchenhirt
  • 1920: Nacht ohne Morgen
  • 1921: Nachtbesuch in der Northernbank
  • 1922: Frauenopfer
  • 1923: Schlagende Wetter
  • 1923: Die Straße
  • 1924: Komödianten
  • 1925: Eifersucht
  • 1926: Die Brüder Schellenberg
  • 1927: Am Rande der Welt
  • 1927/28: Königin Luise
  • 1928: Marquis d'Eon
  • 1928/29: Waterloo
  • 1929: Katharina Knie
  • 1932: Peter Voss, der Millionendieb (Produzent)
  • 1935: Abdul the damned
  • 1936: Pagliacci

Literatur

Weblinks