Karl Killian

Karl Killian (* um 1910; † 1990) war ein freischaffender österreichischer Geodät, ideenreicher Erfinder und physikalischer Wissenschafter. In Anerkennung seines wissenschaftlichen Lebenswerks verlieh ihm die Österreichische Kommission für die Internationale Erdmessung (ÖKIE) im Jahr 1978 die Friedrich Hopfner-Medaille.

Killian war – wie unter anderem aus der Vielfalt und weit gestreuten Thematik seiner zahlreichen Veröffentlichungen zu ersehen ist – ein sehr eigenwilliger und innovativer Geist. Er arbeitete auf fast allen Gebieten der Vermessung, Geometrie und Höheren Geodäsie, aber auch an Themen der Angewandten und Theoretischen Geophysik, der Mathematik und der Naturphilosophie. Er wurde bisweilen – ähnlich wie Prof. Karl Rinner – als letzter Universalgeodät des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Selten gewordene Spezies: Privatgelehrter

Die seinem Talent gebührende offizielle Anerkennung ist ihm jedoch erst spät zuteilgeworden, vor allem durch die staatliche Zuerkennung des Titels Professor (ca. 1970) und durch die Hopfner-Medaille 1978. Einem Dienstposten an einer Hochschule stand Killian eher ablehnend gegenüber, was mit seiner hohen Wertschätzung wissenschaftlicher Freiheit zusammenhängt. Wie vernehmlich, pflegte er jedoch häufigen Gedankenaustausch mit Hochschullehrern, was bei manchen tiefgründigen Themen teilweise gefürchtet war.

Aus der Fülle von Killians Arbeiten und Anregungen seien drei für seine Denkweise typische Themen bzw. Begebenheiten herausgegriffen:

Drei spezielle Themen

Vermessungspraxis

Als Karl Killian um 1970 in den Donauauen einen größeren Vermessungsauftrag bearbeitete, waren wie dort üblich die Gelsen (Stechmücken) das größte Problem. Wenn der Geodät am Okular des Theodoliten – damals noch ohne unterstützende Automatik – im dichten Urwald minutenlang eine Visur oder eine Fluchtstange suchen muss, wird er das Opfer von hunderten Stichen pro Minute.
Übliche Abwehrmaßnahmen wie flüchten, wedeln, Gelsencreme fruchten wenig (letztere belastet Augen und Nase). Nur heftige Bewegung würde nützen. Killian aber erfand den Gelsenschirm: ein speziell montierter Regenschirm, der mittels Fußhebel alle paar Sekunden auf- und zu geklappt wird. Die erfolgreiche Saga wird bis heute mündlich überliefert und soll in Afrika Nachahmer gefunden haben.

Geometrie

Gefährliche Örter“ beim Rückwärtsschnitt: Wie in Fachkreisen bekannt, ist diese Methode der Standpunktbestimmung ungenau, wenn die angemessenen Ziele (meist Kirchtürme) und der eigene Vermessungspunkt annähernd auf einem Kreis liegen. Was dem praktischen „Geometer“ seit etwa 200 Jahren zu schaffen machte (Problem von Pothenot mit hunderten Fachpublikationen und Tipps), veranlasste Killian zu einem originellen Ausweg: der Analyse des 3D-Rückwärtsschnitts.

Die Problematik ändert sich nämlich, wenn die „3 gefährlichen Punkte“ auf verschiedenen Meereshöhen liegen. Später wurde Killians Idee sogar auf die Auswertung von Satellitenmessungen (optisch oder mit Satellitenkameras) ausgeweitet und ermöglichte eine bessere Planung europaweiter Messkampagnen (siehe auch Stellartriangulation).

Geophysik

Als sich in den 1980ern die Plattentektonik allgemein durchsetzte, hatte Killian (keineswegs als einziger) große Zweifel, woher die ungeheuren, ganze Kontinente verschiebenden Kräfte kommen sollten. Er vermutete, es könne eine Frage verminderter Reibung der Schichten im Erdinneren sein – Stichwort Gleitreibung. Lange tüftelte er an geeigneten mechanisch-physikalischen Modellen, Materialien und Theorien, bis er herausbekam, dass zwei glatte Holzflächen den unterirdischen Gesteins-Parametern am nächsten kämen. Dann jedoch verdrängte die nächste seiner „besten Ideen“ die vorletzte aus seiner Agenda.

Glücklicherweise hatte er seine Idee vorher zwei Geodäsie-Professoren unterbreitet. Einer davon, Kurt Bretterbauer, erinnerte sich Jahre später daran und begann mit einem Mechanikus, ein solches Holzmodell zu konstruieren. Als es nach einigen Wochen zufriedenstellend funktionierte, erwies sich Killians Intuition als völlig zutreffend: Ab einer gewissen, geringen Neigung der hölzernen „Mohofläche“ (Trennschicht Erdkruste-Erdmantel) genügte eine winzige Kraft, um die obere Schicht ins gleichmäßige Gleiten zu bringen. Auch war der zutreffende Neigungswinkel (nach geomechanischer Umrechnung) – aus Sicht der angewandten Geologie plausibel.

Ähnlich skurril-erfolgreiche Ideen dürfte Killian dutzendweise gehabt haben. Es wäre interessant und wohl auch oft erfolgversprechend, in seinen weit verstreuten Fachartikeln danach zu forschen.

Literatur

  • Lebenslauf und Festreden. In: Österreichische Zeitschrift für Vermessung und Photogrammetrie. (ÖZfVuPh). 66. Jahrgang, Baden bei Wien 1978, S. 105–116.

Weblinks