Leopold Anton Gölis

Leopold Anton Gölis (* 19. Oktober 1764 in Weissenbach (Steiermark); † 20. Februar 1827 in Wien) war ein österreichischer Kinderarzt.

Gölis besuchte nach der Piaristenschule in Gleisdorf das Gymnasium und das Lyceum in Graz. 1788 übersiedelte er nach Wien und studierte Medizin an der Universität Wien. 1793 promovierte Gölis zum Doktor und arbeitete ab 1794 als praktischer Arzt. Noch im selben Jahr übernahm er die Leitung des von Joseph Johann Mastalier gegründeten Kinderkranken-Instituts in der Wollzeile, in dem Kinder mittelloser Eltern unentgeltlich behandelt wurden. Finanzierte sich das Institut zuvor nur aus Spenden, so wandelte Gölis die Einrichtung in ein öffentliches Institut um. Gölis leitete das Institut 32 Jahre lang und wurde für seine Verdienste von Kaiser Franz II. zum Sanitätsrat ernannt. Zudem war Gölis ab 1821 Leibarzt des Sohnes von Erzherzogin Marie-Louise von Österreich.

Gölis war ein bedeutender Pionier zur Entwicklung der Kinderheilkunde zu einem Spezialfach und gilt als Begründer der Pädiatrie. Aus Zeitmangel konnte Gölis jedoch keiner eigentlichen Lehrtätigkeit nachgehen. Seine Erfahrungen hielt Gölis in seinem zweibändigen Werk „Vorschläge zur Verbesserung der körperlichen Erziehung in den ersten Lebensperioden“ fest, das sich insbesondere der „hitzigen Gehirnhölen-Wassersucht“ und dem chronischen Hydrocephalus widmete. Gölis gewährt im zweiten Band seines Werkes zudem eine Übersicht über die Häufigkeit von 137 Diagnosen, die in seinem Institut gestellt wurden.

Werke

  • Warnung vor der häutigen Bräune. 1807
  • Tractatus de rite cognoscenda et sananda angina membranacea. 1813
  • Praktische Abhandlungen über die vorzüglicheren Krankheiten des kindlichen Alters. Wien 1815-1818
  • Vorschläge zur Verbesserung der körperlichen Erziehung in den ersten Lebensperioden. Mit Warnungen vor tückischen und schnell tödtenden Krankheiten, schädlichen Gewohnheiten und Gebräuchen, und verderblichen Kleidungsstücken. Wien 1823

Literatur